Flächendeckendes LTE: Darum gehen Telekom & Co bei neuen Frequenzen leer aus

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Ende des Jahres werden in Deutschland Mobilfunkfrequenzen frei. Sie wären aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften hervorragend für ein flächendeckendes LTE- oder 5G-Netz geeignet. Doch Telekom, Vodafone und O2 werden leer ausgehen.
5G-Antennen-Mast vor bewölktem Himmel
Vodafones 5G-Antennen-Mast vor bewölktem HimmelBildquelle:

Es geht um Frequenzen um 450 MHz. Sie wurden einst für das längst abgeschaltete C-Netz genutzt. Das ist der Vorgänger der heutigen Handynetze. Nach der Abschaltung gab es verschiedene Nutzer dieser Frequenzen. So wurde anfangs beispielsweise der WLAN-Hotspot im ICE der Bahn über diese Frequenz versorgt. Ende dieses Jahres laufen die aktuellen Lizenzen für die Frequenznutzung aus. Doch um die Zukunft gibt es Streit. Und zwar zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesinnenministerium, berichtet das Handelsblatt.

Innenministerium setzt auf Flächendeckung

Der Bedarf von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten „an sicherer und hochverfügbarer Datenkommunikation steht außer Frage“, schreibt das Innenministerium in einem internen Vermerk, der dem Handelsblatt vorliegt. Eine Alternative gebe es nicht: „450 Mhz ist der langfristig einzig sinnvolle und mögliche Frequenzbereich.“ Denn: „Ausfallsicherheit ist mit der Nutzung der kommerziellen Netze nicht zu erreichen.“ Auch sei die Netzabdeckung der Mobilfunkanbieter nicht ausreichend. „Derzeit sind circa 15 Prozent der Fläche unterversorgt“, bemängelt das Innenministerium.

Der Frequenzbereich um 450 MHz gilt als besonders attraktiv, da er eine hohe Reichweite besitzt. Die Sendemasten können deutlich weiter funken, als es klassische LTE-Sender können. Deren niedrigste Frequenzen liegen derzeit um 800 MHz (manchmal auch 700 MHz). Das Spektrum des Frequenzbereiches ist nicht groß. Würden aber nur geschlossene Benutzergruppen wie Polizei und Feuerwehr die Netze nutzen, reicht das auch für das Versenden und Empfangen von Bildern und kurzen Videos.

Polizei-Netz kann derzeit nur Sprache übertragen

Aktuell sind solche Bilder- und Video-Anwendungen über den bisher von den Einsatzkräften genutzten Digitalfunk nur stark eingeschränkt möglich. Dabei ist „Datenkommunikation zusätzlich zur Sprache in Zukunft als ‚einsatzkritisch‘ einzustufen, wie das Innenministerium erläutert. Es geht dabei nicht um Youtube, Instagram oder Twitter von der Einsatzstelle. Polizisten müssen Bilder von Tatverdächtigen oder Videos von Überwachungskameras austauschen, Rettungssanitäter Fotos von Verletzungen ins Krankenhaus schicken.

Wirtschaftsministerium will Frequenzen für Energiewende

Aber auch das Bundeswirtschaftsministerium will die Frequenzen nutzen. Der zuständige Minister Altmaier argumentiert, dass es für das Gelingen der Energiewende wichtig sei, dass die Energiewirtschaft Zugriff auf die zum Jahreswechsel frei werdenden Frequenzen erhält.

Dazu merkt das Innenministerium an: Die „Energiewirtschaft hat Alternativen“. Ihre Anwendungen seien nicht „einsatzkritisch“ und „könnten über andere Technologien kommunizieren“. Altmaier will damit Smartgrid-Netze steuern und so große Verbraucher und Energieerzeuger gleichermaßen smart schalten.

Auf Fachebene konnte die Kontroverse nicht gelöst werden. Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen sollen jetzt die Minister Altmaier und Seehofer persönlich einen Ausweg finden.

Netzbetreiber gehen leer aus

Klar ist: Telekom, Vodafone und O2 werden die Frequenzen nicht bekommen. Dabei könnten auch sie die Frequenzen gut gebrauchen, um endlich ein wirklich flächendeckendes Netz zu realisieren. Dieses hätte dann zwar keine hohe Datenrate für Streaming & Co, würde aber zumindest eine Basis-Kommunikation ermöglichen. Allerdings: Heutige Handys sind für die Frequenzen um 450 MHz gar nicht ausgelegt.

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