ZTE Axon 20 im Test: So schlägt sich die erste "unsichtbare" Frontkamera

8 Minuten
Das ZTE Axon 20 sorgt für Furore: Der Grund - es ist das weltweit erste Smartphone, bei dem sich die Frontkamera unter dem Display befindet. Ein wahres Novum also, doch ist die Technik bereits ausgereift? Wir verraten es.
ZTE-Smartphone
ZTE Axon 20Bildquelle: Artem Sandler / inside digital

Eine unter dem Display verbaute Frontkamera macht das ZTE Axon 20 zu einem Vorreiter. Obwohl zahlreiche große Hersteller wie Samsung und Huawei bereits seit Jahren an einer ähnlichen Technologie arbeiten, ist es das hierzulande nicht allzu bekannte Unternehmen ZTE, das als Erstes die Ziellinie überschreitet. Wir haben den Neuankömmling auf Herz und Nieren getestet und verraten, womit der Hersteller sonst noch zu überzeugen versucht.

ZTE Axon 20: Hard- und Software

Grundsätzlich handelt es sich bei dem Axon 20 um ein Mittelklasse-Gerät. Klassische Unter-400-Euro-Ware. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass das Smartphone eher von kleiner Statur ist – ganz im Gegenteil. Mit seinen 6,92 Zoll ist das Full-HD-Display geradezu riesig, weswegen das Handy auch nicht als handlich bezeichnet werden kann. Ursprünglich sollte das ZTE Axon 20 von einem Qualcomm Snapdragon 765G betrieben werden. Davon hat sich der Hersteller allerdings distanziert und stattdessen einen Unisoc Tiger T618-Chip mit acht Kernen und einer Taktfrequenz von bis zu 2.0 GHz verbaut. Gut, doch damit bleibt die zunächst angekündigte 5G-Unterstützung auf der Strecke. Doch abgesehen davon ist die Leistung des Prozessors für ein Mittelklasse-Gerät passabel; das Arbeitstempo ähnelt etwa dem des Nokia 5.3.

In puncto Speicher bietet das neue Smartphone neben 6 GB Arbeitsspeicher auch noch 128 GB Hauptspeicher. Das sollte im Alltag problemlos ausreichen, doch bei Bedarf besteht auch die Möglichkeit, den Speicher per Micro-SD-Karte um bis zu 2 TB (2.048 GB) zu erweitern. Einzige Einschränkung: Wegen eines Hybrid-Fachs müssen sich Nutzer zwischen der Speichererweiterung und einer zweiten SIM-Karte (Dual-SIM-Funktion) entscheiden.

Akku und Konnektivität

Unter der Haube des ZTE Axon 20 befindet sich ein 4.220 mAh großer Akku. Diese Kapazität ist ordentlich, aber nicht rekordverdächtig. In unserem Akkutest (durchgeführt mit der Software GFXBench) positionierte sich das Handy mit einer geschätzten Laufzeit von 375 Minuten im stabilen Mittelfeld unserer Liste.

Über eine richtige Schnellladefunktion verfügt das Gerät ebenfalls nicht. Laut Hersteller soll die Ladeleistung 15 Watt betragen – vor ein paar Jahren wäre das noch dicke als Schnellladegeschwindigkeit durchgegangen. Mittlerweile bieten einige High-End-Smartphones bereits eine Schnellladefunktion mit bis zu 90 Watt.

Was die Konnektivität angeht, so ist das ZTE Axon 20 exakt so aufgestellt, wie man es von einem Mittelklasse-Smartphone erwarten würde. Neuere Technologien wie der Übertragungsstandard 5G oder Wi-Fi 6 (802.11 ax) fehlen. Doch alle anderen Standards wie LTE und die beiden WLAN-Frequenzbereiche 2,4 und 5 GHz werden unterstützt. Der USB-C-Port unterstützt USB 2.0.

Die Hardware-Wertungen im Einzelnen:

  • Gehäuse: 3,5 von 5 Sternen
  • Display: 4 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 3,5 von 5 Sternen
  • Kamera: 2,5 von 5 Sternen
  • Software: 4,5 von 5 Sternen
  • Akku: 2,5 von 5 Sternen

Gesamtwertung: 3 von 5 möglichen Sternen

Die Kamera des ZTE Axon 20

Auf dem Papier wirkt die Hauptkamera des ZTE-Smartphones ziemlich gut. Ein Hauptsensor mit einer Auflösung von 64 MP (f/1.8), ein Weitwinkel-Sensor mit 8 MP und zwei 2-MP-Objektive für Makro-Aufnahmen und die Tiefenschärfe – das klingt doch schon alles durchaus überzeugend. Natürlich können Mittelklasse-Handys nicht mit teuren High-End-Geräten mithalten, doch für eine „für den Alltag vollkommen geeignet“-Aussage reicht diese Konstellation üblicherweise problemlos aus.

Leider stellt das Axon 20 eine Ausnahme dar. In unserem Test erwies es sich als schwierig, mit der Automatik des Smartphones gute Fotos aufzunehmen. Das gilt sowohl für den Standard-Sensor als auch für das Weitwinkel- und das Makro-Objektiv. Zudem ist es bei Nahaufnahmen überaus schwer, von Hand nicht verwackelte Bilder zu fotografieren. Die Ergebnisse unserer Versuche lassen sich in der Galerie begutachten.

Tipp zur Kameranutzung

Unterm Strich ist das ZTE Axon 20 also dann empfehlenswert, wenn die Smartphone-Kamera höchstens zum Abfotografieren von Zeitplänen oder schnellen Schnappschüssen benötigt. In diesem Fall solltest du allerdings im Menü die AI-Szenenerkennung aktivieren und die HDR-Funktion auf „automatisch“ setzen. Immerhin sind es vor allem Software-Einstellungen, die ärgern. Hier kann der Hersteller mit Updates noch einiges aus der sonst guten Technik herausholen.

Software: Android ohne Einschränkungen

Angesichts der Huawei-Situation ist es verständlich, dass viele Nutzer aktuell vom Kauf eines Smartphones aus China absehen. Doch das muss nicht sein, denn das ZTE Axon 20 basiert auf Android 10 und bietet die üblichen Google-Funktionen wie Google Maps und den Play Store. Ansonsten setzt ZTE auf die eigene Nutzeroberfläche MiFavor UI, die jedoch recht nah am ursprünglichen Android bleibt und nur mit sinnvollen Ergänzungen aufwartet. Entsprechend sollten geübte Android-Nutzer keinerlei Probleme mit der Steuerung des Axon 20 haben, doch dafür sorgt ein anderer Aspekt für Kopfschütteln.

Speziell in Anbetracht der zahlreichen Unterstellungen, dass Huawei seine Nutzer ausspioniert, sollten andere Hersteller auf überflüssige Datensammlungs-Aktionen Verzichten. Uns erschloss sich zumindest nicht, wieso die Systemaktualisierungs-Funktion des Axon 20 unbedingt die Berechtigung zum Verwalten und Tätigen von Anrufen haben musste oder weswegen sie auf dem Zugriff auf Fotos und Medien bestand. Noch problematischer ist jedoch, dass eine Systemaktualisierung ohne die Zulassung dieser Berechtigungen nicht möglich ist.

Highlights…?

Nun kommen wir zum eigentlichen „Highlight“ des ZTE Axon 20: der Frontkamera. Diese befindet sich unter dem Display und sorgt so für ein ausgezeichnetes Display-Gehäuse-Verhältnis. Die perfekte Lösung also? Leider nein, wie unser Test gezeigt hat. Denn es kommt nicht von ungefähr, dass nahezu alle Smartphone-Größen an einer ähnlichen Technologie arbeiten und es bisher dennoch noch kein einziges Smartphone in den Handel geschafft hat.

Wenn man das ZTE Axon 20 in die Hände nimmt und einschaltet, sieht man am oberen Displayende eine viereckige Stelle, mit einer geringen Anzahl an Pixeln. Und zwar so gering, dass man diese beinahe schon mit den bloßen Augen zählen kann. Das trifft insbesondere zu, wenn man einen weißen Hintergrund darunterlegt. Dann wirkt das Kamera-Viereck wie ein dunkel-helles, pulsierendes Fliegengitter, welches eher als Blickfang dient (im negativen Sinne), als dass es die Frontkamera verbirgt. Die rosafarbene Verfärbung (siehe unten) entstand allerdings erst durch unsere Fotografie – ist also kein Bild- oder gar Displayfehler.

Frontkamera des ZTE Axon 20

Auf dunklem Hintergrund sieht die Sache zugegebenermaßen deutlich besser aus. Dann muss man schon genau hinschauen, um das Kamera-Viereck zu entdecken. Kein Wunder also, dass das Standard-Hintergrundbild des ZTE Axon 20 im oberen Bereich mit dunklen Farben aufwartet.

Ein weiterer, gewichtiger Nachteil des „Highlights“ ist die Qualität der Frontkamera. Diese steht in keinem Vergleich zu denen anderer Smartphones. Wir haben das versteckte Objektiv mit dem des zweieinhalb Jahre alten Huawei P20 Pro verglichen. Und das Ergebnis spricht Bände:

Frontkamera-Vergleich
Frontkamera: ZTE Axon 20 (links) vs. Huawei P20 Pro (rechts)

Alles in allem hat ZTE das Rennen um die erste Unter-Display-Kamera zwar gewonnen, einen Gefallen hat sich das Unternehmen damit aber dennoch nicht überall getan. Ein Fokus auf den ebenfalls im Display verbauten Fingerabdrucksensor oder das 90-Hz-Display (Bildwiederholfrequenz) wäre da schon deutlich sinnvoller – aber eben auch nicht so Außen-Wirksam.

Nachteile des ZTE Axon 20

Auf der Jagd nach der im Display verbauten Frontkamera hat ZTE einige weitere, ebenfalls wichtige Bereiche aus den Augen verloren. Dazu zählen vor allem eine IP-Zertifizierung, die dem Handy Schutz gegen Staub und Wasser bescheinigt, sowie eine LED-Benachrichtigung-Leuchte, die wohl auch dem Rand- und Elementlosen Display gewichen ist. Darüber hinaus setzt ZTE bei der USB-C-Buchse auf die alte und bei Datenverkehr langsamere 2.0-Technologie und verzichtet auf einen Klinkenanschluss. Gerade letzterer sorgt insbesondere im Mittelklasse-Bereich oftmals für Mehrwert.

Fazit

Sein Ziel hat ZTE offensichtlich erreicht. Das Unternehmen hat als erster Hersteller ein Smartphone mit einer unter dem Display verbauten Frontkamera auf den Markt gebracht. Erst einmal ein Hingucker. Leider haben die Nutzer nicht allzu viel davon, denn das vermeintliche Highlight das ZTE Axon 20 schadet zeitgleich sowohl dem Display als auch der Kamera. Darum sollten selbst Early Adopters, also jene, die die neuesten technischen Errungenschaften schätzen, lieber die Finger von dem Smartphone lassen. Zumindest dann, wenn das versteckte Objektiv der einzige Kaufgrund ist.

Denn Abseits der misslungenen Kamera stellt das ZTE Axon 20 ein durchaus gelungenes Mittelklasse-Smartphone dar – ideal zum im Internet surfen, zur Pflege seiner Social-Media-Präsenzen und dank des 90-Hz-Displays auch für das eine oder andere Spiel. Auch der Kaufpreis ist mit 399 Euro (UVP) durchaus passabel. Wer nicht gerade ein Hobby-Fotograf ist, kann also getrost zugreifen. Dazu ist das Handy längst für unter 300 Euro zu haben.

Testsiegel Smartphone

Pros des ZTE Axon 20:

  • Fingerabdrucksensor unter dem Display
  • 90-Hz-Bildwiederholfrequenz
  • nahezu gänzlich randloses Design

Contras des ZTE Axon 20:

  • keine IP-Zertifizierung
  • schlechte (Front-)Kamera
  • sichtbare Pixel vor Frontkamera

Bildquellen

  • Frontkamera des ZTE Axon 20: Artem Sandler / inside digital
  • Frontkamera: ZTE Axon 20 (links) vs Huawei P20 Pro (rechts): Artem Sandler / inside digital
  • Testsiegel ZTE Axon 20: inside digital
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