Sony Xperia Pro-I im Test: Kamera, als Handy getarnt

9 Minuten
Mit dem Xperia Pro-I will Sony zeigen, dass gute Kameras auch Handys sein können. Oder andersherum? Wir haben mit dem Gerät 1.084 Fotos geschossen und verraten im Test, ob der hohe Preis gerechtfertigt ist.
Sony Xperia Pro-I im Test: Als Handy getarnte Kamera
Sony Xperia Pro-I im Test: Als Handy getarnte KameraBildquelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

Ein Handy, das gleichzeitig eine Kompaktkamera sein will. Das gab es schon öfter. Samsung etwa hat es mit dem Galaxy K Zoom bereits vor 8 Jahren versucht. Ein Zoom-Objektiv mit einer Brennweite zwischen 24 und 240 mm sollte ambitionierte Fotografen begeistern. Motorola probierte es mit einer Hasselblad-Kamera, die man an das Moto-Z-Handy magnetisch drankleben konnte. Die Qualität, die die Fotos hatten, war aber nicht Hasselbladwürdig. Und auch Sony hatte einst ein Objektiv, dass man an einem Xperia-Smartphone festschnallen konnte, nannte es „DSC-QX10 SmartShot Digitalkamera“.

Das Handy diente als Sucher, das Objektiv bot einen 10-fachen optischen Zoom. Vergangenes Jahr endete der Support. Die dazugehörige App wurde eingestellt, das Objektiv ist wertlos. Das sind nur drei Beispiele, die zeigen, dass Hersteller schon öfter an der Idee gescheitert sind, eine Kamera als Handy zu tarnen. Sony versucht es trotzdem noch einmal. Inspiriert von der eigenen Kameraabteilung bringt man das Sony Xperia Pro-I in den Handel. Ob der Versuch dieses Mal gelingt?

Die Kamera als Handy

Doch bevor wir auf die Kamera eingehen und sie im Detail bewerten, wollen wir uns das Sony Xperia Pro-I zunächst als das ansehen, was es ist: ein Smartphone. Wirft man einen Blick aufs Datenblatt, stellt man schnell fest: Sony hat bei nahezu jedem Ausstattungsmerkmal ins oberste Regal gegriffen. Hightech und Oberklasse so weit das Auge reicht. Doch was will man als Käufer eines rund 1.800 Euro teuren Handys auch erwarten? Ob 4K-Display mit einer Bildwiederholrate von 120 Hz oder der 512 GB große Speicher, ob 5G, Bluetooth 5.2 oder USB in der Version 3.2: Alles ist auf dem neuesten Stand. Der Snapdragon 888, Qualcomms Spitzenprozessor, sorgt zusammen mit 12 GB Arbeitsspeicher für eine enorm hohe Performance. Bis auf die fehlende Möglichkeit, das Sony Xperia Pro-I kabellos via Qi aufzuladen, mangelt es dem Smartphone an nichts.

Sony Xperia Pro-I
Sony Xperia Pro-I

Wir könnten jetzt noch viel über die Blickwinkelstabilität des Displays schreiben, wie fantastisch es ist und wie hoch es auflöst, welchen Traum von Ton die beiden Lautsprecher liefern oder wie toll sich das Xperia Pro-I bedienen lässt. Wir könnten das Design und die hervorragende Verarbeitung loben. Wie könnten die wasserdichte Eigenschaft, den Klinkenanschluss und die Benachrichtigungs-LED herausstellen, die bei anderen Herstellern längst obsolet sind. Doch auch, wenn das alles zutrifft und das Handy in Sachen Performance (über 800.000 Punkte im AnTuTu-Benchmark-Test) zu den schnellsten der Welt gehört: Sony will letztlich doch die Fotografen unter den Handynutzer erreichen. Wer sich für jedes Detail des Smartphones interessiert, schaut in unser Datenblatt oder in diesen Artikel.

Sony Xperia Pro-I: Die Kamera

Von Jahr zu Jahr behaupten Apple, Samsung und Co., dass sie mit der Kamera ihres neuen Top-Handys die Fotografie verändern und das Niveau auf eine neue Stufe heben. Doch stimmt das auch? Ja, und wie. Schaut man sich die Entwicklung der Kamera im Handy seit den 2000er-Jahren an, stellt man eine enorme Entwicklung fest. Zwar ist diese in den vergangenen Jahren nicht so stark ersichtlich wie beim Sprung von VGA- zu HD-Auflösung. Dennoch werden Sensoren besser und größer, die Objektive lichtstärker und die Software schlauer. Selbst Profifotografen können bei so manchem Bild nicht erkennen, ob es mit einem Handy oder einer Profikamera aufgenommen wurde. Und mitten auf dem Weg zu stufenlos variablen Blenden und optischen Zooms kommt Sony mit dem Xperia Pro-I. Die Japaner wollen mit dem Gerät in ebendiese Liga, in der selbst ein Profi nicht zwischen Handyfoto und Vollformat-Aufnahme einer Fuji X oder eben einer Sony Alpha 7 unterscheiden kann.

Sony Xperia Pro-I
Sony Xperia Pro-I

Gelingen soll das mit drei 12-Megapixel-Kameras, die drei verschiedene Brennweiten bieten: Weitwinkel, Ultraweitwinkel und Tele. Und einem ein Zoll großem Sensor mit Phasenerkennungs-Autofokus in der Hauptkamera. Den gleichen Sensor findet man auch in Sony preisgekrönten Kompaktkamera RX100 VII. Vor dem Sensor befindet sich ein 24 mm Tessar-Objektiv von Zeiss und eine variable Blende (f/2.0 und f/4.0). Wer einer der beiden Kameratasten an der Seite des Sony Xperia Pro-I drückt, gelangt sofort in die Foto-App. Wir haben das getan, immer und immer wieder. Entstanden sind knapp 1.100 Fotos – mit allen drei Objektiven und bei unterschiedlichen Lichtbedingungen. Von Sonnenaufgang bis tief in die Nacht.

Die Kamera in der Praxis

Nachfolgend zeigen wir die in einer Galerie eine Auswahl der JPG-Ergebnisse. Zwar liefert das Sony Xperia Pro-I auch RAW-Dateien im DNG-Format, die in etwa die vier- bis fünffache Größe der JPG-Bilder haben. Doch die schauen wir uns im Vergleich mit den JPG-Ergebnissen erst im zweiten Schritt genauer an.

Freilich stehen Motiv und Komposition im Vordergrund. Zudem ist es das Licht, das ein Bild ausmacht. Was man aber sagen kann: Die Qualität, die die Hauptkamera mit ihrem 1-Zoll-Sensor abliefert, ist wirklich beeindruckend. Die Fotos sind durchgehend scharf und überzeugen mit einem großartigen Abbild der Realität. Das bedeutet, dass die Software, die die Rohdaten in ein fertiges Bild umwandelt, weitaus weniger Hand anlegt als bei Samsung, OnePlus und anderen Herstellern. Sony macht beim Nachschärfen, Filtern und Retuschieren der Realität nicht mit und zeigt die Welt so, wie sie wirklich ist. Das dürfte in der heutigen Zeit, in der bei Instagram jeder Schnappschuss inszeniert und jedes Selfie einer langen Bearbeitungsprozedur unterzogen wird, nicht jedem gefallen. Wer Fotos aber nicht als Wegwerfgut mit einer Lebenszeit von wenigen Sekunden ansieht, wird sich über die Natürlichkeit noch in vielen Jahren und Generationen freuen.

Mit dem Smartphone fotografieren: 10 geniale Tipps für das perfekte Foto

Die beiden Nebenkameras, also das Tele- und Ultraweitwinkelobjektiv können nicht ganz mit der Hauptkamera des Sony Xperia Pro-I mithalten. Zwar liefern auch sie gute Ergebnisse. Werden die Lichtbedingungen aber schwieriger, kommen schnell Bildrauschen und Unschärfe zum Vorschein. Ein Stativ und der manuelle Modus in der großartigen Foto-App des Smartphones helfen ungemein. So stellt auch ein Sternenhimmel bei einer Belichtungszeit von 30 Sekunden und einem ISO-Wert von 200 kein Problem dar. Zwar stößt man auch hier an die Grenzen dessen, was die kleinen Sensoren leisten können. Doch es macht Spaß diese Grenzen zu finden.

Sternenhimmel
Sternenhimmel

So holst du noch mehr aus den Aufnahmen heraus

Wir haben uns die DNG-Pendants einiger Fotos aus der Galerie weiter oben geschnappt und sie in Lightroom entwickelt. Es ist erstaunlich, wie viel man hier und da noch herauskitzeln kann. Vor allem hinsichtlich der Lichter und Tiefen geht einiges. Die Möglichkeit des nachträglichen Veränderns des Weißabgleichs ist ein weiterer Vorteil. Wer die Möglichkeit hat, Fotos in Lightroom, Capture One oder ähnlichen Programmen zu entwickeln, sollte unbedingt Fotos im DNG-Format aufnehmen. Wer nach einer kostenlosen Alternative zu Lightroom und Co. sucht, für den haben wir hier etwas. Die folgende Galerie zeigt einen Vorher-Nachher-Vergleich einiger ausgewählter Bilder.

Das fehlt noch immer

Bereits in den Tests des Sony Xperia 1 II und Xperia 1 III ist uns aufgefallen, dass Sony keinen großen Wert auf Nahaufnahme legt. Die Naheistellgrenze ist einfach zu groß. Wer sehr nah an ein Motiv heranwill, schafft es mit dem Xperia Pro-I nicht und muss zu anderen Smartphones greifen. Das OnePlus 9 Pro etwa kann das um Längen besser.

Nahaufnahme: Asche auf Fensterblatt
Nahaufnahme: Asche auf Fensterblatt

Wer gerne filmt, kommt mit dem Sony Xperia Pro-I ebenfalls voll auf seine Kosten. Das Weitwinkel- und das Teleobjektiv verfügen über eine optische Bildstabilisierung (OIS) und eine 5-Achsen-Stabilisierung. Das macht wackelfreie Aufnahmen möglich. Insbesondere der langen Brennweite kommt das OIS zugute. Hinsichtlich der Auflösung gibt es ebenfalls nichts zu meckern: Möglich sind Aufnahmen in 4K-Auflösung bei 120 Bildern pro Sekunde. Zum Filmen stehen dem Videografen gleich zwei Apps zur Verfügung. Die „Cinema Pro“ App etwa liefert unfassbar viele Möglichkeiten, um Filme im Kino-Look zu erstellen. Mit der App „Video Pro“ hingegen hat man jeden Schieberegler und jede einzelne Einstellung unter Kontrolle. Insbesondere der stufenlose Zoom ist beeindruckend.

Fazit zum Sony Xperia Pro-I

Ein Handy, das 1.800 Euro kostet, ist nicht für die Masse gedacht. Sony will, wie auch bei den meist teuren Fernsehern und Kameras, eine ganz bestimmte Zielgruppe ansprechen. Doch wenn man das Smartphone, das zugleich eine kompakte Digitalkamera sein will, ganz objektiv betrachtet: Was bekommt man für so viel Geld? Zunächst einmal alles, was in der Oberklasse eines Handys möglich ist. Nur das kabellose Aufladen via Qi fehlt.

Sony Xperia Pro-I im Test

Ob das hervorragende 4K-Display, die noch akzeptable Akkulaufzeit oder der beeindruckende Klang der Stereo-Lautsprecher: Das Sony Xperia Pro-I ist ein High-End-Smartphone ohne Kompromisse. Die viele Bloatware, also vorinstallierte Apps wie Call of Duty, Tidal oder Linkedin, die sich noch nicht deinstallieren lassen, ziehen die ansonsten überragende Software-Bewertung aber runter. Und auch die vergleichsweise lange Ladedauer (90 Minuten) und die nur durchschnittliche Akkulaufzeit (identisch mit Xperia 1 III) sorgen für Punktabzug. Doch was ist mit der Kamera, auf die Sony so viel Wert legt?

Mit der Hauptkamera samt 1-Zoll-Sensor und Zeiss-Objektiv schießt man zweifelsfrei gute Fotos. Einigen dürfen es bei den Ergebnissen an Übertreibung fehlen. Während Samsung, OnePlus und andere Hersteller nachschärfen, bis der Arzt kommt, bleibt Sony natürlich. Fotos bilden die Realität ab, wie sie ist. Die zwei Nebenkamera (Tele und Ultraweitwinkel) können nicht ganz mit der Hauptkamera mithalten. Mit der Foto-App lässt sich dennoch unheimlich viel aus einer Situation herausholen. Doch ist die Kamera-Ausstattung und der Rest des Handys wirklich 1.800 Euro wert?

Sony Xperia Pro-I
Sony Xperia Pro-I

Ist das Sony Xperia Pro-I sein Geld wert?

So hart es auch klingt, aber: nein. Der Grund dafür? Wer eine Kamera will, um qualitativ gute Fotos machen zu können, greift in erster Linie zu einer richtigen Kamera denn einem Handy. Und wer ein Handy mit einer guten Kamera möchte, muss bei Weitem keine 1.800 Euro ausgeben. In unserem Artikel „Smartphone mit guter Kamera für 1.000 Euro? So viel musst du wirklich ausgeben“ zeigen wir, worauf es wirklich ankommt. Sony bedient mit dem Xperia Pro-I also eine sehr kleine und vor allem reiche Zielgruppe.

Bildquellen

  • Sony Xperia Pro-I: Blasius Kawalkowski
  • Sony Xperia Pro-I: Blasius Kawalkowski
  • Sony Xperia Pro-I: Blasius Kawalkowski
  • Foto vom Fotografieren einer Kamera: Blasius Kawalkowski
  • Sony Xperia Pro-I im Test: Als Handy getarnte Kamera: Blasius Kawalkowski

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2 KOMMENTARE

  1. Frei

    Interessant wäre was das Teil als Display in optischen VR-Brillen Aufsatz leistet?
    In Mutimedia Bereich und auch als großes virtuelles Desktop…
    Als VR-Brille für Unterwegs, z.B. für Flieger oder ICE…

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  2. Davidoff

    1800€ würde ich auch nicht bezahlen.
    Ich habe das Gerät aber gestern mit einem sehr guten Vertragsangebot bestellt und bin schon so gespannt.

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