Nokia 8.3 5G im Test: Trotz Zeiss-Optik kein Kamera-Smartphone

8 Minuten
Nokia-Smartphones haben bereits einen Teil ihres ehemaligen Glanzes wiedergewonnen. Doch es ist nur ein Bruchteil. Nun soll das neue Nokia 8.3 5G in der Mittelklasse Plätze gut machen. Wir haben das Handy getestet und verraten, ob es tatsächlich ein weiterer Schritt in die richtige Richtung ist.
Test des Das Nokia 8.3 5G
Das Nokia 8.3 5G im TestBildquelle: Artem Sandler / inside digital

„Mein Name ist Bond. James Bond.“ Diesen Satz wirst du erst 2021 wieder hören, denn der kommende Film „James Bond: No Time To Die“ wurde zuletzt abermals wegen Covid-19 verschoben. Doch wenn es soweit ist, erscheint neben dem Geheimagenten auch ein weiterer Star auf den Kinoleinwänden: das Nokia 8.3 5G. Doch ist das Smartphone tatsächlich würdig in der Tasche eines Doppelnull-Agenten zu liegen? Wir haben das Nokia 008.3 5G auf Herz und Nieren getestet.

Nokia 8.3 5G im Test

Grundsätzlich handelt es sich bei dem Nokia 8.3 um ein Smartphone der oberen Mittelklasse. Das erkennt man vor allem an dem verbauten Qualcomm-Prozessor Snapdragon 765G, der zwar nicht zur Creme de la Creme gehört, aber dennoch den neuen Übertragungsstandard 5G unterstützt. Doch Mittelklasse bedeutet nicht, dass das Gerät klein oder eher klein sein muss. Das neue Nokia-Handy ist mit seinem 6,81-Zoll-Display geradezu riesig und nicht besonders handlich – was auch an dem vergleichsweise breiten Gehäusestreifen samt Nokia-Schriftzug unterhalb des Bildschirms liegt. Auch die Schwarzwerte des Displays wirken nicht sonderlich überzeugend. Dafür sind die Kanten nicht gebogen, was für den einen oder anderen Nutzer einen großen Pluspunkt darstellen dürfte.

Interessant ist derweil auch, dass sich Nokia dazu entschieden hat, den Fingerabdrucksensor in den Power-Button zu verfrachten und nicht unter dem Display zu verstecken. Obwohl ein Fingerabdrucksensor unter dem Panel von einem modernen Smartphone der oberen Mittelklasse durchaus erwartet werden kann. Ob dies jedoch ein Nachteil oder gar ein Vorteil ist, muss jeder für sich entscheiden – anders als bei dem mechanischen Google-Assistant-Button. Dieser befindet sich fast genau gegenüber dem Power-Button und sorgt dank der unglücklichen Platzierung sehr oft dafür, dass man beim (Ent-)Sperren des Handys ungewollt den intelligenten Sprachassistenten aktiviert.

Alle Wertungen im Einzelnen:

  • Gehäuse: 3,5 von 5 Sternen
  • Display: 4 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 4 von 5 Sternen
  • Kamera: 3 von 5 Sternen
  • Software: 4 von 5 Sternen
  • Akku: 4 von 5 Sternen

Gesamtwertung: 3,5 von 5 Sternen

Hard- und Software des Nokia 8.3

Der bereits erwähnte Snapdragon 765G-Chip wird beim Nokia 8.3 je nach gewähltem Modell entweder von 6 oder von 8 GB Arbeitsspeicher unterstützt. Dazu verbaute der Hersteller wahlweise 64 oder 128 GB Hauptspeicher, welcher per Micro-SD-Karte um 512 GB erweitert werden kann. Dabei muss sich der Nutzer jedoch entscheiden, ob er mehr Speicher oder eine zweite SIM-Karte benötigt.

Mit dieser Konstellation dürfte das Smartphone in der Lage sein, nahezu alle alltäglichen Vorgänge ohne Ruckler bewältigen zu können. Auch 3D-Spiele stellen in der Regel kein Problem dar. Lediglich wenn du besonders anspruchsvolle Anwendungen mit hohen Grafik-Einstellungen nutzen möchtest, wird das Nokia 8.3 an seine Grenzen stoßen.

„Akkulaufzeit von 2 Tagen“

Laut Nokia soll das neue Smartphone zwei komplette Tage lang ohne Unterbrechung durcharbeiten können. Und tatsächlich verfügt das Nokia 8.3 5G über einen großen 4.500-mAh-Akku – obgleich dieser sicherlich keine Kapazitäts-Rekorde bricht. In unserem Akkutest, durchgeführt mit der Benchmark-Software GFXBench, erreichte das James-Bond-Handy eine geschätzte Laufzeit von 418 Minuten bei 3.345 Frames. Damit liegt das Nokia 8.3 „lediglich“ im oberen Mittelfeld, was eine zweitägige Nutzung nicht gerade wahrscheinlich macht. Nutzer sollten mit einer normalen, eintägigen Laufzeit rechnen. Das allerdings ohne groß Energie sparen zu müssen.

Wenn der Akku jedoch mal „leer“ ist, muss das Smartphone an die Steckdose. Und zwar für einen langen Zeitraum, denn obgleich das Handy über eine Schnellladefunktion verfügt, ist diese mit 18 Watt nicht gerade überragend. Moderne High-End-Geräte unterstützen meist Schnelladefunktionen mit 30 bis 60 Watt. Obwohl letzteres noch eine große Seltenheit ist.

Kamera des Nokia 8.3 5G: Was soll das?

Auf dem Papier weiß die Kamera des Nokia 8.3 5G durchaus zu überzeugen: Ein Standard-Sensor mit 64 Megapixeln, ein Ultraweitwinkel-Sensor mit 12 Megapixeln, ein Makroobjektiv mit 2 Megapixeln und ein Tiefensensor mit 2 Megapixeln. Hinzu kommt eine Frontkamera, die mit 24 Megapixeln auflöst. Zwar bietet der Standard-Sensor lediglich eine f/1.9-Blende, dafür stammt die Optik von Zeiss. So viel zu den technischen Daten.

Im reellen Einsatz kann das vergleichsweise gute Datenblatt jedoch geschreddert und komplett ignoriert werden. Denn die Hauptkamera konnte nur in wenigen Punkten wirklich überzeugen. Sowohl die Farben als auch die HDR-Funktion waren komplett willkürlich. Mal war das geschossene Bild okay, mal war es bleich, verfärbt oder voll mit toten Pixeln – und das bei exakt demselben Motiv. Und selbst wenn die Bilder „okay“ waren, bedeutet es nicht, dass sie auch nur ansatzweise mit den Kameras anderer Android-Geräte wie der A-Serie von Samsung mithalten können.

Den Vogel abgeschossen hat jedoch der Makro-Modus, der vollautomatisch Ergebnisse wie die im nachfolgenden Bild fabrizierte. Wieso? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Aber in puncto Qualität dürfte der Makro-Modus des neuen Nokia nahezu konkurrenzlos sein. Leider im negativen Sinne.

Kamera des Nokia 8.3 5G
Makro-Modus des Nokia 8.3 5G

Unterm Strich ist der Foto-Modus des Nokia 8.3 lediglich für Gelegenheitsfotografen geeignet. Wer glaubt, dass er auch nur einen Prozentpunkt über dem Niveau eines Gelegenheitsfotografen ist, sollte lieber zu einem anderen Smartphone greifen. Es sei denn, du benötigst die Kamera nicht für Fotos, sondern für Videos – dazu später mehr.

Software: Android, Android und noch mehr Android

Das Nokia 8.3 läuft ab Werk mit dem Google-Betriebssystem Android 10 in der One-Version. Letzteres bedeutet, dass Nokia keine eigene Nutzeroberfläche beigesteuert hat und Nutzer Android darum in seiner reinen Form erleben. Falls du beispielsweise eine besondere Funktion wie Samsung Dex wertschätzt, stellt Android One einen Nachteil dar. Doch grundsätzlich bietet die One-Software für den Otto-Normalverbraucher bereits alle notwendigen Funktionen. Und da Nokia nicht viel modifizieren muss, werden Sicherheitsupdates relativ zeitnah nach der Veröffentlichung verteilt.

Interessant ist an dieser Stelle auch, dass mit Android One eine zweijährige Update-Garantie für Android-Versionen und eine dreijährige Garantie für monatliche Sicherheitsaktualisierungen einhergehen. Wobei inzwischen auch andere Hersteller wie Samsung Updates über einen Zeitraum von drei Jahren versprechen.

Highlights des Nokia 8.3 5G

Neben der aktuell noch nicht sonderlich nützlichen 5G-Unterstützung bietet das neue Nokia-Handy insbesondere ein Highlight: den sogenannten Kino-Modus. Damit sollen Videos mit Filmeffekten ausgestattet werden und so „einen professionellen Touch“ erhalten. Schaltet man den Modus ein, werden Videos mit klassischen 24 Bildern pro Sekunde aufgenommen – bei einer Film-Auflösung von 2K oder 4K. Auch haben Nutzer Zugriff auf einen Pro-Modus, mit dessen Hilfe sie alle wichtigen Einstellungen wie den ISO-Wert, den Weißabgleich, den Fokus und die Verschlussgeschwindigkeit einstellen können. Lediglich die Blendenöffnung lässt sich aus naheliegenden, mechanischen Gründen nicht anpassen. Man hat die Wahl zwischen f/1.9 (Standard-Objektiv; 5,42 Millimeter Brennweite) und f/2.2 (Weitwinkel-Objektiv;2,75 Millimeter).

Der H-Log-Modus

Zudem – und das ist wohl das eigentliche Highlight –, gibt es einen H-Log-Modus. Damit werden Videos mit einem hohen Dynamikbereich und mehr Details in hellen und dunklen Bereichen aufgenommen. Auf diese Weise können in der Postproduktion bessere Ergebnisse erzielt werden – und diese kann bereits auf dem Smartphone starten. Im sogenannten Kino-Editor lassen sich die H-Log-Dateien mit unterschiedlichen Filtern versehen – inklusive Rec.709. Das funktionierte im Test auch relativ gut. Zumindest solange man die Ergebnisse nicht mit einem richtigen, am Computer durchgeführten Color Grading vergleicht. Nicht im H-Log aufgenommene Videos können im Kino-Modus derweil mit einem Zeiss-Flare versehen werden. Das Ergebnis sah im Test mit etwas Glück zwar manchmal ganz gut aus, meist konnte von gutem Lens Flare jedoch keine Rede sein.

Ein großer und schwer nachvollziehbarer Nachteil ist derweil, dass sämtliche Videos – auch solche, die nicht im Kino-Modus aufgenommen wurden – in der Galerie-Vorschau automatsch „aufgehübscht“ werden. Das hat zur Folge, dass die Farben während der Vorschau für einige Sekunden hin und her springen und die Ergebnisse oftmals an das Video-Äquivalent zur Fotografie-Bearbeitung mit Paint erinnern: viel zu knallige, unnatürlich wirkende Farben bei einem viel zu hohen Kontrast.

Schwächen des Bond-Smartphones

Einige Schwächen, wie die höchstens durchschnittliche Schnellladefunktion und der nicht sonderlich gut platzierte Assistant-Button, wurden bereits erläutert. Doch das 5G-Smartphone verfügt auch über zwei weitere erwähnenswerte Nachteile. Zunächst einmal beförderte Nokia zwei Bloatware-Anwendungen (Netflix und Amazon Shopping) auf das Gerät – und das trotz reinem Android und dem Versprechen „ohne Bloatware“, das Hersteller HMD Global auf der Nokia-Website gibt. Noch viel schlimmer dürfte allerdings die Tatsache sein, dass das Agenten-Smartphone über keine IP-Zertifizierung verfügt und somit weder gegen Wasser noch gegen Staub geschützt ist – nicht gerade das ideale Gerät für den MI6-Alltag.

Nokia 8.3 5G im Test: Das Fazit

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 649 Euro ist das Nokia 8.3 5G im Grunde zu teuer für ein Mittelklasse-Gerät und zu günstig für ein High-End-Smartphone. Und auf genau diesem Niveau kann man das Smartphone auch global einschätzen. Neben dem H-Log-Format und der 5G-Unterstützung gibt es nur wenige echte Highlights beziehungsweise High-End-Funktionen. Die Leistung ist gut, aber nicht gerade überragend, dagegen ist die Akkukapazität groß, aber nicht außergewöhnlich und die Optik ist zwar schick, allerdings mit einem breiten Gehäuse-Streifen und nicht gerade handlich. Es ist ein Mobiltelefon für alle, die ein gutes und leistungsstarkes Handy haben wollen, jedoch zugunsten eines niedrigen Kaufpreises auf technische Spitzen verzichten können. Ein Mobiltelefon, dessen ganzes wesen mit seiner Testwertung übereinstimmt: 3,5 von 5 Sternen.

Pros des Nokia 8.3 5

Nokia 8.3 5G
Nokia 8.3 5G: Testsiegel
  • H-Log-Format für Film-Look
  • unterstützt 5G-Übertragungsformat
  • verfügt über Klinkenbuchse

Contras des Nokia 8.3 5G

  • keine IP-Zertifizierung
  • schlechte Platzierung des Assistant-Buttons
  • schwache Kamera

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Bildquellen

  • Makro-Modus des Nokia 8.3 5G: Artem Sandler / inside digital
  • Nokia 8.3 5G: Testsiegel: inside digital
  • Das Nokia 8.3 5G im Test: Artem Sandler / inside digital
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