Subaru Forester 2.0ie im Test: Der unterschätzte Allrad-SUV

9 Minuten
Es ist regnerisch bei 7 Grad Außentemperatur. Ideale Bedingungen für eine Fahrpräsentation des neuen Allrad-Allrounders aus Japan, den überarbeiteten Subaru Forester 2.0ie mit Mild-Hybrid-Technologie. Wir hatten die Möglichkeit, den SUV fürs Gelände über eine Teststrecke am Lausitzring zu jagen. Dabei offenbarten sich die vielfältigen Möglichkeiten, die das Fahrzeug für bestimmte Zielgruppen bietet. 
Subaru Forester im Gelände
Bildquelle: André Tillmann

Die wichtigste Botschaft vorweg: Der Subaru Forester 2.0ie ist grundsätzlich ein typischer Geländewagen. Zum Beispiel ideal geeignet für Förster oder Jäger, die regelmäßig abseits befestigter Strecken unterwegs sind. Interessant kann das Fahrzeug aus Japan aber auch für Menschen sein, die zum Beispiel im alpinen Umfeld zu Hause sind und sich beizeiten über matschige oder schneebedeckte Straßen ihren Weg zum Ziel suchen müssen. Denn vor allem dort, wo kein Asphalt die 17-Zoll-Bereifung des Autos küsst, fühlt sich die bereits fünfte Generation des traditionsreichen Allrad-SUV pudelwohl.

Subaru Forester 2.0ie – Ein Blick in den Innenraum

Wer als Fahrer im Subaru Forester des Modelljahres 2020 Platz nehmen darf, wird zunächst eines feststellen. Drehzahlmesser und Tachometer kommen noch in klassischer, analoger Form zum Kunden. Ein volldigitales Cockpit sucht man (noch) vergebens. Gleichwohl ist zwischen den beiden Rundinstrumenten ein 4,2 Zoll großes Digitaldisplay als Fahrer-Informationsanzeige zu finden. Es zeigt nützliche Informationen zur aktuellen Fahrt direkt im Sichtfeld des Fahrer an. Zum Beispiel zusätzlich in digitaler Form die aktuelle Geschwindigkeit.

Mittig oberhalb der Instrumententafel verbaut Subaru darüber hinaus ein 6,3 Zoll großes Multifunktionsdisplay. Zu sehen sind hier etwa vor Kreuzungen wichtige Informationen des Navigationssystems. Aber beispielsweise auch Daten zur laufenden Energierückgewinnung des Mild-Hybrid-Systems. Außerdem sind hier Außen- und Innentemperatur (eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik ist Serie) sowie die Uhrzeit ablesbar.

Sicherlich nicht hauptentscheidend bei einem Kauf, aber in jedem Fall ein Erwähnung wert: Wer in der zweiten Sitzreihe Platz nehmen darf, hat Platz. Überraschend viel Platz. Selbst wenn der Fahrer recht groß ist und seinen Sitz weit nach hinten stellt, bleibt für Menschen im Fond noch ausreichend Beinfreiheit für eine bequeme Reise. Das liegt daran, dass das 2020er Modell des Forester gegenüber dem Vorgänger nicht nur 21 Millimeter breiter, sondern auch länger geworden ist. Der Radstand hat um 29 Millimeter zugelegt und misst nun fast 2,67 Meter. Hinten stehen nun übrigens in vielen Modellen zwei zusätzliche USB-Anschlüsse bereit. Für Mitfahrer ideal, um unterwegs das Smartphone oder Tablet mit Strom zu versorgen.

Der Antrieb

Eines der Kernmerkmale der Marke Subaru: ein verbauter 2,0-Liter-Boxermotor. Darauf musst du auch beim Forester des Jahrgangs 2020 nicht verzichten. Einem wassergekühlten Vierzylinder mit 110 kW Leistung (150 PS) und 194 Newtonmetern (Nm) Drehmoment steht ein kleiner Elektromotor mit 12,3 zusätzlichen kW beziehungsweise weiteren 66 Nm Drehmoment zur Seite. In Kombination ist das dann der Subaru e-Boxer als neues Antriebssystem.

Und dieser E-Motor kommt immer dann zum Einsatz, wenn man mit bis zu 40 km/h im Stadtverkehr oder in einem Stau unterwegs ist oder den Wagen ausrollen lässt. Dann schaltet sich der Verbrennungsmotor ab und das Auto fährt bis zum Aufbrauchen des unter dem Kofferraumboden verbauten Energiespeichers (Lithium-Ionen-Batterie mit 13,5 kW) emissionsfrei. Bis zu 1,6 Kilometer weit, verspricht Subaru. Neben dem Tacho leuchten dann die grünen Buchstaben „EV“ für „Electric Vehicle“ auf und es ist das typische Surren eines E-Motors zu hören.

Soviel Sprit sparst du mit dem Mild-Hybrid-System

Wie immer gilt bei einer Mild-Hybrid-Technologie allerdings, dass sich damit nicht sonderlich viel Sprit sparen lässt. Pro Tankvorgang sind es in der Regel zwischen 1 und 1,5 Liter. Nettes Gimmick: Der Subaru Forester zeigt dir bei laufendem Motor im Stillstand – zum Beispiel vor einer Ampel – an, wie lange du seit dem letzten Tankstopp schon elektrisch gefahren bist und wie viele Milliliter Sprit du schon hast einsparen können.

Im Gelände: Der X-Mode bringt dich (fast) überall hin

Wenn du dich abseits von befestigten Straßen bewegen möchtest, ist der Subaru Forester sozusagen dein bester Freund. Denn wo Matsch und tiefe Spurrillen einem konventionellen Fahrzeug die Weiterfahrt unmöglich machen, spielt der Allradler mit 220 Millimetern Bodenfreiheit seine Stärken erst so richtig aus. Erst Recht, wenn du den nun serienmäßig in allen Modellen verfügbaren X-Mode zuschaltest; ein Allrad-Assistenzsystem.

Unterscheiden kannst du zwischen zwei Modi: „Snow/Dirt“ für primär (nur) rutschige Straßen und „D.Snow/Mud“ für alles, was noch extremer ist. Zum Beispiel bei Tiefschnee, im Schlamm oder auf trockenem, unbefestigtem Untergrund, wenn der normale Antrieb zu versagen droht. Der X-Mode holt das Maximum aus Verbrenner und E-Motor heraus und lässt dich und dein Auto auch im Gelände nicht auf verlorenem Posten stehen.

Eindrucksvoll ist das vor allem an steilen Anstiegen, wo der Wagen schon in Begriff ist, zum Stillstand zu kommen. Beweist du nun Mut, drückst das Gaspedal konsequent durch und bleibst auch auf dem Gas stehen, greift das volle Differential-Potenzial des Fahrzeugs. Der permanente Allradantrieb entwickelt Kräfte, die man ihm fast nicht zutrauen würde und bringt dich so doch auf die Anhöhe, die du erreichen möchtest.

Bergabfahrt? Kein Problem!

Und in die umgekehrte Richtung kannst du dich auf eine Bergabfahrhilfe verlassen. Sie lässt das Fahrzeug kontrolliert bei einer konstant niedrigen Geschwindigkeit auch auf rutschigen Gefällstrecken fahren. Als Fahrer kannst du in dieser Situation die Füße vom Gas und von der Bremse nehmen. Das Fahrzeug rollt ganz allein das Gefälle hinab.

Damit du immer Herr der Lage bist, ist natürlich stets deine Aufmerksamkeit gefragt. Das Multifunktionsdisplay in der Mitte hilft dir dabei, nicht den Überblick zu verlieren. Denn angezeigt wird bei aktiviertem X-Mode unter anderem auch der aktuelle Kippwinkel des Fahrzeugs.

Ab auf die Autobahn

Aber nicht nur im Offroad-Gelände, sondern auch auf der Autobahn und in der Innenstadt von Dresden haben wir den Subaru Forester 2.0ie auf die Probe stellen können. Und hier zeigt sich vor allem eines: Das Gewicht – immerhin 1.656 Kilogramm – sorgt für eine eher maue Beschleunigung. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt dem Automatikgetriebe mit sieben manuellen Schaltstufen laut Herstellerangaben in knapp zwölf Sekunden. Etwas schwerfällig, ja, aber wer sich ein sportlicheres Fahrvergnügen wünscht, greift ohnehin zu einer völlig anderen Fahrzeugkategorie.

In der Spitze sind mit dem neuen Subaru-SUV übrigens 188 km/h möglich. Wer schnell auf der Autobahn unterwegs ist, treibt aber nicht nur den Benzinverbrauch spürbar in die Höhe, sondern sorgt auch für ein leichtes Flattern der Motorhaube. Der kombinierte Verbrauch laut WLTP-Testverfahren liegt nach Angaben von Subaru bei 8,1 Litern pro 100 Kilometern. Der Co2-Ausstoß bei 185 Gramm pro Kilometer.

Fazit

Sicherlich ist der Subaru Forester 2.0ie kein Auto für Otto-Normal-Fahrer. Wer nur im Stadtverkehr unterwegs ist oder im Pendel-Verkehr über die Autobahn beziehungsweise Landstraße navigiert, muss sich über eine Anschaffung des neuen Mild-Hybrid-SUV sicherlich keine Gedanken machen. Wer aber gerne auch mal im Gelände fährt, um zum Beispiel zum nächsten Bergsee zu gelangen oder zum Kletterabenteuer aufzubrechen, der findet im Subaru Forester eine attraktive Alternative zu vergleichbaren Modellen wie dem Toyota RAV4 oder dem Volkswagen Tiguan. Übrigens mit bis zu knapp 1.800 Litern Kofferraumvolumen und elektrischer Heckklappe.

Vor allem mit Blick auf die technischen Extras muss sich Subaru nicht hinter der Konkurrenz verstecken. Eine Seitensichtkamera, verfügbar ab der Ausstattungsvariante „Active“, hilft beim Einparken ebenso wie eine Rückfahrkamera. Das sogenannte Driver Monitoring System überwacht (ebenfalls ab der Ausstattungsvariante „Active“) die Augen des Fahrers und sendet Warnsignale ab, wenn die Augen zu lange nicht auf den Straßenverkehr achten.

Bei wechselnden Fahrern erspart das Fahrer-Erkennungssystems auch die lästige Einstellung von Sitz und Außenspiegeln. Bis zu fünf Fahrerprofile lassen sich hinterlegen, die das System selbständig abruft, sobald der Fahrer über eine Cockpit-Kamera über dem Multifunktionsdisplay identifiziert wird.

Unterhaltung auf Wunsch mit Premium-Audiosystem

Für die Unterhaltung an Bord ist übrigens ebenfalls gesorgt: Standardmäßig mit sechs Lautsprechern. Im Top-Modell sogar mit einem Premium-Audiosystem von Harman/Kardon und neun Lautsprechern sowie zusätzlichem Verstärker. In Kombination sorgt das für kraftvolle Bässe und klaren Sound während der Autofahrt. Du solltest die Anlage aber nicht zu laut aufdrehen. Denn dann mutiert die musikalische Unterhaltung (ein DAB+ Radio ist Standard) zu einem Schäppern, das kein Genuss mehr ist. Und dank Apple CarPlay beziehungsweise Android Auto kannst du auch dein Smartphone mühelos mit dem Auto verbinden und über einen 8 Zoll großen Touchscreen steuern.

Vor allem auf der Autobahn ein echter Mehrwert: Das EyeSight Fahrerassistenzsystem, das bei eingeschalteter Geschwindigkeitsregelanlage (Tempomat) zum Einsatz kommt.  Es ergänzt unter Zuhilfenahme von zwei Kameras hinter dem Innenspiegel die Wahrnehmung des menschlichen Auges. Wird eine potenzielle Gefahr erkannt – das können zum Beispiel andere Fahrzeuge, aber auch Fußgänger oder Fahrräder sein – warnt das System den Fahrer in Form von kleinen LED-Effekten im Sichtfeld auf der Windschutzscheibe, durch Hinweise im Multifunktionsdisplay sowie mit akustischen Signalen.

Diverse Assistenzsysteme

Und wenn Bedarf besteht, bremst das System den Wagen auch selbständig ab. Zum Beispiel auf der Autobahn, wenn man sich zu schnell einem Hindernis wie einem vorausfahrenden Fahrzeug nähert. Wenn es die Situation erlaubt, beschleunigt das Fahrzeug auch wieder selbständig. Für mehr Sicherheit sorgt ab einer Geschwindigkeit von 60 km/h auch der Spurhalteassistent. Er greift aktiv in den Lenkvorgang ein, wenn ein Spurwechsel droht, aber nicht geblinkt wird.

Nicht jedermanns Geschmack dürfte hingegen das äußere Erscheinungsbild des auf 4,63 Meter gestreckten Subaro Forester (2020) treffen. Der Fünftürer wirkt ein Stück weit altmodisch und aus der Zeit gefallen. Typisch asiatisch, möchte man bei der Ansicht meinen. Aber wie gesagt: Das ist sicherlich Geschmacksache.

Was kostet der Subaru Forester 2.0ie?

Das Basismodell des neuen Subaru Forester mit Mild-Hybrid-Technologie kostet 34.990 Euro. In der Spitze musst du 43.490 für die höchste Ausstattungsvariante zahlen. Alles natürlich nur Listenpreise und losgelöst von möglichen Rabatten, die du bei deinem Händler vor Ort individuell verhandeln kannst.

Gegen Aufpreis bekommst du eine Metallic-Lackierung (+590 Euro), eine Perleffekt-Lackierung kostet noch etwas mehr (+690 Euro). Wünschst du dir eine Leder-Ausstattung im Innenraum, musst du 2.690 Euro extra einplanen. Insgesamt stehen vier Ausstattungslinien und acht Lackierungen zur Verfügung.

Einen Umweltbonus gibt es für den Forester übrigens nicht, da dafür mindestens eine Plug-in-Hybrid-Ausstattung notwendig wäre. Grundsätzlich gewährt Subaru fünf Jahre Garantie bis 160.000 Kilometer Laufleistung und eine Zwölf-Jahres-Garantie gegen Durchrostung sowie drei Jahre Garantie gegen Oberflächenkorrosion.

Bestellungen sind jetzt schon möglich, Auslieferungen starten ab Anfang März.

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