Apple Carplay: So wird das iPhone ein Teil des Autos

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Noch vor ungefähr 20 Jahren wäre man für verrückt erklärt worden, wenn man ein kurzes Pläuschchen mit seinem Auto gehalten hätte. Heute sieht die Sache hingegen ganz anders aus. Fahrer können ihr iPhone per Apple Carplay mit ihrem Automobil verbinden und einen großen Teil der smarten Funktionen direkt über das Fahrzeug nutzen – inklusive des digitalen Sprachassistenten Siri. Doch nicht jedes Auto erfüllt die Mindestanforderungen. Ob auch dein Fahrzeug mit von der Partie ist und wie du das iPhone mit dem Auto verbindest, erfährst du hier.
iPhone mit Handy verbinden
Apple CarplayBildquelle: Apple

Im 21. Jahrhundert ist fast alles smart. Das Handy, die Uhr und seit einigen Jahren auch das Auto. Besonders schlau sind die Fahrzeuge dabei, wenn man sie mit einem Smartphone koppelt. In diesem Fall könntest du über die Steuerelemente des Automobils, auf die Features des Handys zugreifen, während der im Auto integrierte Bildschirm beziehungsweise das Autoradio diese Funktionen bildlich darstellt. Dazu bedarf es allerdings eines kompatiblen Smartphones, eines kompatiblen Fahrzeugs und eines (oftmals vorinstallierten) Programms. Bei Apple-Geräten hört dieses auf den Namen „Carplay“.

Apple Carplay: Das steckt dahinter

Wenn man als Fahrer in einem Auto sitzt, sollte man sein Smartphone in der Tasche lassen. Selbst ein kurzer Blick auf den digitalen Wegbegleiter kann tragisch enden. Trotzdem ist der Griff zum Handy auch am Steuer keine Seltenheit, wie eine repräsentative Bitkom-Umfrage aus dem Jahr 2017 zeigte. Demnach lesen 51 Prozent der Fahrer Kurznachrichten oder SMS auf dem Handy. 31 Prozent beantworten die Nachrichten sogar während der Fahrt. Ein sehr gefährliches Verhalten, das leicht umgangen werden kann.

Mit Apple Carplay können sogar schriftliche Nachrichten über den internen Lautsprecher des Automobils ausgespielt werden. Die Antwort wird indes als Diktat aufgezeichnet, transkribiert und automatisch verschickt – und das, ohne den Blick auch nur kurz von der Straße zu lösen. Stattdessen nutzt man den Sprachassistenten Siri, der über eine Taste am Lenkrad oder den Aktivierungsbefehl „Hey Siri“ eingeschaltet wird.

iPhone mit Auto verbinden
Apple Carplay: Nachrichten

Features und Steuerung von Apple Carplay

Abseits der Kurznachrichten kann Carplay natürlich auch telefonieren und Voicemails abhören. Wer an dieser Stelle glaubt, dass Carplay nur die typischen Aufgaben smarter Lautsprecher erfüllt, der irrt. Carplay-fähige Autos verfügen nämlich über ein internes Display, auf das die Benutzeroberfläche des iPhones in angepasster Weise übertragen wird. So kannst du dir deine Termine anzeigen lassen, die Musik-Liste überwachen und noch vieles mehr. Carplay unterstützt nämlich eine ganze Reihe an Apps; und ja, auch von Drittanbietern. Dazu gehören unter anderem der Instant-Messenger Whatsapp, die Hörbuch-App Audible, der Musik-Dienst Spotify und die Navigationsanwendung Google Maps. Die Steuerung der Apps erfolgt dabei, wie bereits erwähnt, über Siri oder alternativ auch über Tasten am Lenkrad, das Touchdisplay des Autoradios und weitere Knöpfe sowie Regler.

iPhone mit Auto verbinden
Apple Carplay: Telefonieren

Update auf iOS 13

Das Update auf iOS 13 (Ende 2019) brachte auch zahlreiche Änderungen für Carplay mit sich. So wurde beispielsweise das Interface praktischer und unabhängiger. Während bisher jede App, die auf dem iPhone geöffnet wurde, auch automatisch auf dem Auto-Bildschirm startete, laufen alle Apps nun unabhängig voneinander. Zudem erhielt Carplay eine eigene Einstellungen-Anwendung, dank der zahlreiche Anpassungen direkt über das Auto vorgenommen werden können. Weiterhin fügte Apple eine neue Übersichtsseite hinzu, auf der sich Informationen aus mehreren Apps gleichzeitig zeigen.

CarPlay neue Übersichtsseite

Navigation: Google Maps und Waze

Die Navigation erfolgt in Carplay üblicherweise über die Apple Karten. Die Anwendung bietet auch im Fahrzeug alle Funktionen, die sonst die Handy-App bereitstellt. Allerdings bevorzugen viele Nutzer alternative Navigationsprogramme, wie beispielsweise Google Maps. Seit 2018 kann die Software aus dem Hause Google auch im Carplay-Ökosystem genutzt werden – zusammen mit ihrer weniger bekannten Alternative „Waze“. Die Anpassung von Google Maps verlief damals recht zügig, da Google die Anwendung bereits für seine eigene Auto-Software optimiert hat: Android Auto.

iPhone mit Auto verbinden
Apple Carplay: Navigation

Wer im Grunde Apples Software bevorzugt und nur aufgrund der besseren Karten zu Google Maps greift, der muss – mit etwas Glück – schon bald nicht mehr fremdgehen. Mit dem Update auf iOS 13 hat Apple auch das Karten-Material seiner Navigation-App deutlich verbessert; zunächst allerdings nur in den USA. Was den Rest der Welt betrifft, so sollen ausgewählte Regionen im laufenden Jahr (2020) folgen. Welche Regionen das genau sind, blieb allerdings ungenannt.

Apple Carplay: Welche Autos werden unterstützt?

Wer ein älteres oder günstigeres Fahrzeug besitzt, der könnte schnell enttäuscht werden. Apple Carplay ist nämlich noch vergleichsweise neu und wurde bisher zumeist in teurere Automobile eingebaut. Doch es gibt durchaus auch Ausnahmen, denn die Liste an Carplay-kompatiblen Autos enthält bereits über 500 Modelle. Und so ziemlich alle bekannteren Hersteller wie Volkswagen, Mercedes-Benz und Mazda sind mit dabei. Eine komplette Liste der 63 teilnehmenden Hersteller sowie der konkreten Modelle findest du auf der Apple-Website. Allerdings unterstützen nicht alle hier aufgeführten Fahrzeuge Carplays gesamten Funktionsumfang.

Carplay nachrüsten

Falls der eigene Pkw Apple Carplay nicht unterstützt, besteht die Möglichkeit ein Carplay-fähiges Entertainment-System (Autoradio) nachzurüsten. Das kann allerdings teuer werden, denn zum einen kostet ein solches Autoradio gerne mal 300 bis 600 Euro. Zum anderen muss der Receiver nach dem Kauf zunächst in das Fahrzeug eingebaut werden. Und da das ein komplizierter Prozess ist, der meist den Einsatz von Fachkräften erfordert, kann der Betrag nochmal spürbar steigen. Wer sich dennoch für ein neues Autoradio entscheidet, muss laut Apple zu einem Entertainment-System der folgenden Anbieter greifen: Alpine, Blaupunkt, Clarion, JVC, Kenwood, Pioneer oder Sony.

iPhone mit dem Auto verbinden

Grundsätzlich existieren zwei Methoden, um sein Handy mit dem Auto zu verbinden: per Lightning-USB-Kabel oder kabellos (Wireless Carplay). Die Wahl, welche Methode verwendet wird, liegt allerdings nicht unbedingt bei dem Besitzer, denn nicht jedes Fahrzeug unterstützt Wireless Carplay.

Verbinden über Kabel

Zunächst müsstest du dich versichern, dass Siri auf deinem iPhone aktiviert ist (Einstellungen > „Siri & Suchen“). Ist dies der Fall, brauchst du nur noch einen Lightning-zu-USB-Adapter, und schon kann es losgehen. Der USB-Anschluss ist im Auto mit der Abbildung eines Smartphones oder der Bezeichnung „Carplay“ gekennzeichnet.

Verbinden über WLAN und Bluetooth

Falls dein Fahrzeug die kabellose Verbindung unterstützt und du dich für diese Methode entscheidest, wird der Konfigurationsprozess etwas komplizierter. Zunächst musst du im Fahrzeug (je nach Modell) die Sprachsteuerungs-Taste auf dem Lenkrad für einige Sekunden betätigen. Die Alternative: Du aktivierst den Modus für die drahtlose Kopplung beziehungsweise die Kopplung per Bluetooth. Auf dem iPhone selbst wählt man dann unter „Allgemein“ > „Carplay“ > „Verfügbare Autos“ den eigenen Pkw aus – und das war’s.

Sind Mirrorlink und Android Auto Carplay-Alternativen?

Eigentlich operieren auf dem Markt derzeit gleich drei große Software-Lösungen, mit deren Hilfe das Auto mit dem Handy verbunden werden kann: Android Auto (Google), Mirrorlink (Car Connectivity Consortium, ein Zusammenschuss vieler Unternehmen) und Carplay (Apple). Falls du jedoch über ein Smartphone mit dem Betriebssystem iOS – sprich: ein iPhone – verfügst, stellen die beiden anderen Lösungen keine Alternativen dar. Diese haben nämlich keinen Einzug in das iOS-System erhalten; somit bleibt Apple Carplay die einzige Option. Eine alternative Variante gibt es nicht und wird es höchstwahrscheinlich auch nicht geben.

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