Android Auto: Googles kostenlose Allrounder-Lösung für Fahrzeuge

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Heutzutage ist alles vernetzt. Die Glühbirne unterhält sich mit dem Lautsprecher und die Heizung reagiert auf das Hausschloss – kein Wunder also, dass es auch eine Möglichkeit gibt, das Handy mit dem Auto zu verbinden. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten: Mirrorlink, Apples Carplay oder die Google-Software Android Auto. Letzteres ist besonders für Android-Nutzer interessant. Was das kostenfreie System alles drauf hat und mit welchen Kraftfahrzeugen es genutzt werden kann, erfährst du hier.
Handy mit Auto verbinden
Android AutoBildquelle: Google

Wer über ein Fahrzeug verfügt und noch nie etwas von der App Android Auto gehört hat, sollte dies unbedingt nachholen. Denn mithilfe des Systems aus dem Hause Google, kannst du die Fahrt im Auto deutlich angenehmer gestalten. Zusätzlich wird die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht; doch alles der Reihe nach.

Android Auto: Das steckt dahinter

Die Hauptfunktion von Android Auto lässt sich einfach erklären. Grundsätzlich ist das System dazu da, um eine Verbindung zwischen dem Auto und einem Smartphone herzustellen. Für den Nutzer bedeutet das vor allem, dass er wichtige Funktionen wie die Navigation oder die Steuerung der Musikwiedergabe über die Infotainmentsysteme des Kraftfahrzeugs anzeigen und bedienen kann. Das Handy selbst dient dabei eher als eine Art Bindeglied zwischen Androids umfangreicher Funktionalität und dem Auto. Die Steuerung der Anwendungen erfolgt über die Bedienungselemente auf dem Lenkrad, dem Touchscreen des Autoradios (auch bezeichnet als Moniceiver) oder die Spracheingabe. Dadurch soll der Fahrer das Smartphone liegen und die Hände am Lenkrad lassen. Und Googles Bestreben (sei es lediglich eine Marketing Phrase oder tatsächlich der Versuch etwas zu bewirken) ist durchaus berechtigt und relevant.

Ein Einblick des Funktionsumfangs im Google-Video:

In einer repräsentativen Bitkom-Umfrage aus dem Jahr 2017 behaupteten 51 Prozent der Befragten, dass sie während der Fahrt (als Fahrer) SMS oder Kurznachrichten auf dem Handy lesen. 31 Prozent haben die Nachrichten sogar schriftlich beantwortet während weitere 19 Prozent nicht bei kurzen Meldungen Halt machten und sogar E-Mails am Steuer in Angriff nahmen – jeweils auf dem Handy-Display. Da wirken die 44 Prozent, die während der Fahrt mit dem Smartphone am Ohr telefonieren, beinahe schon harmlos.

Welche Fahrzeuge werden unterstützt?

Zunächst die schlechte Nachricht: Natürlich unterstützt nicht jedes Smartphone und Kraftfahrzeug Android Auto. Bei ersterem dürfte das jedoch kein allzu großes Problem darstellen. Du kannst die Anwendung auf jedem Handy mit dem Betriebssystem Android 5.0 Lollipop oder höher nutzen. Sprich: Falls dein Endgerät sein fünfjähriges Jubiläum noch nicht gefeiert hat, solltest du Android Auto problemlos installieren können. Google selbst empfiehlt allerdings Geräte ab Android 6.0 Marshmallow. Bei den Fahrzeugen sieht es hingegen anders aus. Ältere und günstigere Modelle sind eher selten kompatibel. Dennoch umfasst die Anzahl der Autos laut Google bereits über 500 Stück. Auf seiner Website präsentiert das US-Unternehmen eine Liste aller Android-Autofähigen Fahrzeuge. Und so ziemlich jeder bekanntere Hersteller (Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW etc.) ist vertreten.

Falls der eigene Pkw Android Auto nicht unterstützt, gibt es noch eine weitere Möglichkeit, das System dennoch zum Laufen zu bringen. Diese kann jedoch etwas teuer werden. Wenn das Fahrzeug es zulässt, kann ein Android-Auto-fähiges Entertainment-System beziehungsweise ein Autoradio oder ein Receiver – wie man es auch nennen mag – nachgerüstet werden. Hersteller wie Pioneer oder Kenwood bieten entsprechende Geräte an. Auch hier hat Google eine umfangreiche Liste von Autoradios zum Nachrüsten veröffentlicht. Allerdings ist diese Variante keineswegs kostenlos. High-End-Autoradios kosten gerne mal 300 bis 600 Euro. Außerdem kann der Umbau recht kompliziert werden. Es besteht also die Gefahr, das Fahrzeug zu beschädigen. Darum empfiehlt es sich den Einbau durch einen Fachmann erledigen zu lassen. Und das zieht wiederum noch mehr Geld aus der Tasche.

Für Sparfüchse hat Entwickler Google darum noch eine weitere Variante in petto: Android Auto als Stand-alone-Anwendung. Die kostenfreie Anwendung bietet nämlich auch ohne eine bestehende Verbindung zum Auto eine ganze Reihe an hilfreichen Features. Und diese erleichtern die Bedienung des Handys während der Fahrt ebenfalls spürbar.

Android Auto bringt zahlreiche nützliche Funktionen

Sobald man die App aus dem Play Store heruntergeladen und gestartet hat, öffnet sich ein Spezielles Interface mit übergroßen Anzeigen. Der Grund hierfür ist recht simpel: Während der Fahrt hat man keine Möglichkeit sich mit den kleinen Symbolen und Texten auseinanderzusetzen. Oder man sollte es zumindest nicht tun, um keine Gefahrensituation herbeizuführen. Sind die Anzeigen auf dem Display hingegen groß, reicht oftmals ein kurzer Seitenblick, um sich mit der Information, die man wissen will – sei es eine Whatsapp-Nachricht oder die Uhrzeit – vertraut zu machen. Das Risiko eines Unfalls wird also minimiert. Weiterhin hat Google das Layout zahlreicher seiner Apps für Android Auto angepasst. So kannst du beispielsweise Google Maps, Google Play Musik oder auch die Telefonliste direkt aus der App heraus starten. Und dank der übergroßen Steuer-Buttons mit minimalistischen Beschreibungstexten (falls vorhanden), gestaltet sich auch die Bedienung als überaus simpel.

Viele kompatible Apps

Eine genauere Aufführung der einzelnen Funktionen ist nicht allzu sinnvoll. Denn genauso wie bei einer normalen Smartphone-Nutzung, kann auch der Android-Auto-Bereich um zahlreiche Apps erweitert werden. Es funktionieren allerdings nur die Anwendungen, die entsprechend des Android-Auto-Layouts angepasst und mit großen Bedienelementen sowie Anzeigen ausgestattet wurden. Dazu gehören unter anderem Musik-Apps wie Amazon Music und Spotify, Radio Anwendungen wie Tuneln Radio und Simple Radio oder auch Kommunikations-Dienste wie Whatsapp und Skype. Eine komplette Liste aller Android-Auto-fähigen Apps findest du hier.

Google Assistant: Spracheingabe im Auto

Neben den Steuerelementen auf dem Lenkrad und einem Touchscreen kannst du Android Auto auch über den intelligenten Sprachassistenten Google Assistant bedienen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Handy mit dem Pkw verbunden ist, oder es eigenständig funktioniert. Du musst lediglich das Codewort „Hey Google“ sagen, und schon kannst du per Sprachbefehl nach der besten Route fragen oder dir deine ungelesenen Nachrichten vorlesen lassen. Falls das Auto jedoch mit dem Smartphone in Verbindung steht, kannst du das Codewort auch übergehen. In diesem Fall wird über eine Sprachsteuerungstaste am Lenkrad auf den digitalen Assistenten zugegriffen.

Android Auto einrichten

Sofern sowohl dein Smartphone als auch dein Fahrzeug beziehungsweise dein Autoradio Android Auto unterstützt, musst du nur noch wissen, wie du das System richtig einrichtest. Im Grunde ist der Vorgang recht banal, allerdings gibt es auch hier mehrere unterschiedliche Varianten sowie entsprechende Einschränkungen.

Installation auf dem Smartphone

Wer schon einmal eine App aus dem Play Store installiert hat, dürfte keine große Probleme mit der Einrichtung von Android Auto auf dem Smartphone haben. Die entsprechende Anwendung muss lediglich aus dem Play Store heruntergeladen werden; und fertig – zumindest, falls auf dem Handy höchstens Android 9 Pie installiert ist. Falls das Smartphone hingegen bereits mit Android 10 läuft, ist Android Auto vorinstalliert. Das System kann in diesem Fall nicht als reine Smartphone-App gestartet werden. Damit dies dennoch möglich ist, muss eine alternative Google-Anwendung auf’s Handy: „Android Auto für Smartphones“.

Verbinden via Kabel

Nachdem sich die App nun auf dem Handy befindet und ihr Gegenstück in den Einstellungen des Pkw aktiviert ist, musst du das Smartphone per USB und anschließend auch über Bluetooth mit dem Auto koppeln. Eine bestehende Internetverbindung ist ebenfalls erforderlich. Danach musst du einfach einige Schritte ausführen, die das System vorgibt (wie das Installieren von Google Maps), und schon kann es losgehen.

Kabellos verbinden

Wer kein Kabelsalat im Fahrzeug haben möchte, kann das Auto nach der Einrichtung (diese benötigt keinen USB-Anschluss, dafür müssen Bluetooth und WLAN aktiviert sein) auch kabellos mit dem Mobiltelefon verbinden. Hierfür müssen allerdings zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Zum einen muss der Pkw mit Android Auto Wireless kompatibel sein. Zum anderen musst du zwingend über ein Pixel- oder Nexus-Modell mit Android 8.0 Oreo verfügen (bei Nexus sind es nur die Modelle 5X und 6P). Alternativ ginge auch ein Samsung Galaxy S8, S9, S10 oder ein Samsung Note 8, Note 9 oder Note 10 – dann allerdings mit Android 9.0 Pie. Alle anderen Geräte werden derzeit noch nicht unterstützt. Die Betonung liegt dabei auf dem „noch“, da vor drei Monaten (Ende 2019) auch Samsung-Geräte noch nicht kabellos gekoppelt werden konnten. In Zukunft dürften also auch weitere Geräte folgen.

Alternativen: Mirrorlink und Apple Carplay

Grundsätzlich gibt es in dem Bereich „Handy mit dem Auto verbinden“ drei beliebte Systeme: Android Auto (Google), Mirrorlink (Car Connectivity Consortium, ein Zusammenschuss vieler Unternehmen) und Carplay (Apple). Die Programme arbeiteten meist ähnlich, sodass Funktionen wie das Abspielen von Musik über das Autoradio oder das Adaptieren des Handy-Bildschirms für das Auto-Display überall verfügbar sind. Es existieren allerdings auch wichtige Unterschiede. So ist Carplay nur für iPhones verfügbar, während die beiden Gegenspieler Mirrorlink und Android Auto keinen Einzug in das iOS-System erhalten haben. Diese können lediglich in der Android-Umgebung verwendet werden, doch auch hier gibt es einen wichtigen Unterschied: Im Vergleich zu Android Auto sind nur wenige Apps mit Mirrorlink kompatibel. Wer also zahlreiche Anwendungen nutzt, sollte lieber zur Google-Variante greifen.

Android Auto räumt das Feld für den Google Assistant Driving Mode

Wie bereits erwähnt, kann die Anwendung Android Auto nicht mehr auf Android-10-Geräten heruntergeladen werden. Der Grund hierfür ist simpel: Die App soll trotz hoher Beliebtheit (über 100 Millionen Downloads) eingestellt werden. Stattdessen kommt ein Google Assistant Driving Mode, welcher einen stärkeren Fokus auf den digitalen Sprachassistenten Google Assistant legen und ab Werk in das System integriert sein wird. Im Großen und Ganzen dürfte der Funktionsumfang allerdings dem von Android Auto entsprechen. Nutzer dürfen sich jedoch auf einige zusätzliche Features sowie eine abgeänderte Oberfläche freuen.

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Bildquellen

  • Android Auto: Google
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