Mild-Hybrid, Voll-Hybrid, Plug-in-Hybrid: Das sind die Unterschiede

7 Minuten
Wer vor der Entscheidung steht, ein neues Auto zu kaufen, hat die Qual der Wahl. BMW, Audi, Toyota, Kia oder Seat? Aber nicht nur das Modell oder der Preis, sondern auch die Art des Antriebs ist entscheidend. Diesel, Benziner oder doch lieber einen E-Antrieb? Die Auswahl ist riesig.
Plug-in-Hybrid-Anschluss am Kia Niro
Bildquelle: Kia

Grundsätzlich gilt: Wer sich für ein Hybridfahrzeug wie den Toyota Prius oder ein voll elektrifiziertes Modell wie den BMW i3 entscheidet, spart Sprit. Und das ist gut so. Denn dem bislang typischerweise in einem Auto verbauten Verbrennungsmotor gehört zweifelsohne nicht die Zukunft. Elektro-Antrieben hingegen sehr wohl. Auch wenn die Reichweite von Autos mit Elektromotor oft noch weit hinter dem klassischen Otto-Motor zurückstecken muss.

Heißt konkret: Ein Hybrid lohnt sich aktuell in der Regel vor allem für Menschen, die kurze Strecken fahren. Allerdings ist die tatsächliche Reichweite abhängig von der gewählten Hybrid-Variante. Und: Wer hohe Geschwindigkeiten liebt, sollte nach wie vor besser einen konventionellen Antrieb wählen. Denn schnelles Fahren jenseits von 130 km/h ist für die Lithium-Ionen-Batterie und das Hybridauto im Allgemeinen ein echter Kraftakt.

Was ist der Unterschied zwischen Mild-Hybrid und Voll-Hybrid?

Wer sich für ein Hybridfahrzeug entscheidet, möchte seinen Verbrennungsmotor mit Blick auf den Verbrauch von Diesel oder Benzin nur dann einsetzen, wenn er tatsächlich benötigt wird. Der Grundgedanke lautet: Überschüssige Leistung des Verbrennungsmotors soll in elektrische Energie umgewandelt und in einer Batterie gespeichert werden. Ein Elektromotor kann auf diese gespeicherte Energie zurückgreifen und für den Antrieb nutzen.

Bei einem Auto mit Mild-Hybrid-Antrieb speichert das Auto primär beim Rollen und Bremsen Strom in einer Batterie. Diese Batterie wird in aller Regel aber nur als Unterstützung für den Otto-Motor zugeschaltet. Zum Beispiel beim Beschleunigen oder Überholen. Oder auch beim Starten des Fahrzeugs. Die Batterie arbeitet jedoch praktisch nie allein.

Anders das Voll-Hybrid-Auto. Hier ist die Batterie groß genug, um das Fahrzeug auch wenige Kilometer voll elektrisch und ohne aktiven Verbrennungsmotor fortzubewegen. Vor allem beim Anfahren und beim Cruisen mit geringer Geschwindigkeit kommt nur der Elektroantrieb zum Einsatz. Das reduziert den Verbrauch an Kraftstoff.

Sowohl Mild- als auch Voll-Hybrid kommen ohne Stecker aus, da es sich um in sich geschlossene Systeme handelt. Bei niedrigem Batterie-Stand oder bei einer hohen Fahrgeschwindigkeit schaltet sich automatisch der Otto-Motor zu. Dann lädt sich während der Fahrt auch die Batterie wieder auf. Zum Beispiel die beim Bremsen oder während einer Bergabfahrt fungiert der Elektromotor als eine Art Generator und führt der Batterie neue Energie zu. Während früher Wärme beim Bremsen einfach als überschüssige Energie verpuffte, wird sie heute zum Aufladen der Energiespeicher genutzt. Man nennt das Rekuperation.

Was ist Plug-in-Hybrid?

Gegenwärtig in aller Munde sind vor allem „halbe E-Autos“, die über einen so genannten Plug-in-Hybridantrieb verfügen. Wenn man so will, sind Plug-in-Hybridfahrzeuge eine Weiterentwicklung von Voll-Hybrid-Fahrzeugen und eine „Brückentechnologie“ zwischen Verbrennungsmotor und E-Antrieb. Das englische „plug in“ steht dabei für „einstöpseln“. Konkret gemeint ist die Möglichkeit, die im Hybridfahrzeug verbauten Batterien über einen Stecker aufladen zu können.

Und wie füge ich einem Plugin-Hybrid neue Energie zu? Entweder ist das Laden über eine klassische Haushaltssteckdose oder mit entsprechendem Zubehör an einer Wallbox in der Garage möglich. Wer den Ladevorgang beschleunigen möchte, kann sein Plug-in-Hybrid-Auto zu einer Schnellladesäule fahren. Derartige Ladesäulen finden sich immer häufiger zum Beispiel an Autobahnraststätten, auf öffentlichen Parkplätzen oder in Tiefgaragen. Zudem statten immer mehr Supermärkte ihre Parkplätze mit entsprechenden Ladesäulen aus. Aber auch Mineralölkonzerne wie Shell oder Aral bauen an ihren Tankstellen immer häufiger auch Ladesäulen für die E-Maschine auf.

Der größte Vorteil von Plug-in-Hybridautos: die Reichweite des Elektromotors. Denn weil die Energiespeicher hier groß genug sind, lässt sich in aller Regel auch ein EV-Modus beim Plug-in-Hybrid-Antrieb aktivieren. Dann fährt das Fahrzeug ausschließlich angetrieben durch den verbauten Elektromotor und überzeugt durch einen geringeren Kraftstoffverbrauch. Strecken von 40 bis 60 Kilometern sind meist kein Problem. Auch dank der in aller Regel nutzbaren Start-Stopp-Automatik lässt sich die elektrische Reichweite steigern. Ideal ist das für die meisten innerstädtischen Fahrten. Und für längere Strecken liegt die Reichweite unter Zuschaltung des ebenfalls verfügbaren Otto-Motors bei meist rund 600 Kilometern.

Serieller Hybrid oder paralleler Hybrid – der Vergleich

Wer sich für ein Elektroauto mit seriellem Hybridantrieb entscheidet, nutzt ein Fahrzeug ohne direkte Verbindung zwischen Verbrennungsmotor und Antriebsachse. Angetrieben wird nur ein Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt oder beim Bremsen für das Aufladen der Akkus sorgt.

Beim parallelen Hybrid sind Diesel- oder Benzin-Motor gemeinsam mit dem E-Motor auf dem Antriebsstrang verbaut. Die Leistung lässt sich so einfacher addieren, wodurch die Motoren kleiner ausfallen können.

Voll elektrisch fahren – Der Antrieb der Zukunft

Und dann wären da natürlich noch rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Bei den puren Elektroautos kommt keine Hybrid-Technologie aus Otto- und Elektroantrieb zum Einsatz, sondern einzig und allein ein E-Motor. Ein reines E-Auto fährt auch auf langen Strecken also nur mit Strom und somit ohne CO2-Ausstoß.

Die Umwelt sagt bei einem Fahrzeug mit E-Antrieb natürlich Danke für den Verzicht auf Benzinmotor oder Dieselmotor. Zur Wahrheit gehört aber auch: Irgendwo muss der Strom für die Elektroautos natürlich produziert werden. Und das geschieht heutzutage in aller Regel zu einem gewissen prozentualen Anteil in Atom- oder Kohlekraftwerken. Und bei allen lobenden Worten zu E-Antrieben darf man auch nie vergessen, dass bei der Herstellung von E-Auto-Batterien CO2 produziert wird.

Zu beachten ist außerdem, dass die elektrische Reichweite bei Elektroautos noch überschaubar ist. In der Regel werben Hersteller mit Reichweiten von meist bis zu 500 Kilometern, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn wer viel auf der Autobahn unterwegs ist – also schneller als im Stadtverkehr – muss mit einer deutlich niedrigeren Reichweite rechnen. Längere Aufladestopps an Ladesäulen müssen dann anders als bei einem Plug-in-Hybrid-Modell in jedem Fall vor der Fahrt eingeplant werden.

Was ist der Umweltbonus beim Kauf eines Elektroautos?

Und dann wäre da noch der Preis. Wer sich für ein Elektroauto entscheidet, muss heutzutage oft einen vergleichsweise hohen Betrag zahlen. Ein Teil davon lässt sich aber durch eine staatliche Förderung (Umweltbonus) zurückholen. Für reine E-Autos bis zu 40.000 Euro Nettolistenpreis gibt es gegenwärtig bis zu 9.000 Euro Zuschuss in Form einer Innovationsprämie. Davon kommen bis Ende 2021 6.000 Euro vom deutschen Staat und 3.000 Euro vom Hersteller. Teilweise stocken die Hersteller ihren Anteil aber auch noch weiter auf, sodass du noch etwas mehr sparen kannst.

Für Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge bekommst du bis zu einem Nettolistenpreis von 40.000 Euro immerhin 6.750 Euro geschenkt. Ist dein Plug-in-Hybrid teurer gibt es 3.750 Euro vom Staat und 1.875 Euro vom Hersteller – also eine Gesamtförderung von 5.625 Euro. Der Käufer eines E-Autos ab 40.000 Euro erhält 5.000 Euro vom Staat und 2.500 Euro vom Hersteller.

Details sind über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zu erfahren. Wichtig: Den Umweltbonus gibt es nur dann, wenn das neue Elektroauto auf der BAFA-Liste für förderfähige Elektrofahrzeuge steht. Und: Der Netto-Listenpreis des zu fördernden Autos darf nicht mehr als 65.000 Euro betragen. Gerade bei Premium-Modellen von BMW, Audi, Mercedes-Benz oder Tesla kann das schnell zu einem Ausschluss führen. Andererseits stehen aber auch Modelle wie der BMW i3 zur Verfügung, die deutlich weniger als 60.000 Euro kosten. Ein elektrischer Antrieb muss nicht immer sündhaft teuer sein.

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11 KOMMENTARE

  1. Wir fahren seit 5 Monaten einen Outlander Phev, also einen Plug-In-Hybrid. 90% der täglichen Strecken fahren wir, auch mit unserem Anhänger, rein elektrisch. Auf Langstrecken kommen wir auf einen Verbrauch von 6,5 Liter, wenn die Batterie leer ist. Bei Strecken um die 150 km benötigen wir unter 4 Liter Kraftstoff und das mit einem 2to SUV. Insgesamt liegt der derzeitige Jahresverbrauch bei 4 Liter inkl. umgerechneten Stromverbrauch.

  2. „nur mit Strom und somit ohne CO2-Ausstoß“ ist bestenfalls unwissend irreführend, schlimmstenfalls vorsätzlich faktenverdrehend. Natürlich fährt ein Elektro-Auto lokal emissionsfrei, aber selbst wenn man mit den 30% Ökostrom fahren sollte, die in D erzeugt werden, fehlt der anderswo und muss durch Kohle- oder Atomstrom ersetzt werden. Von der Herstellung der Akkus oder Photovoltaikanlagen ganz zu schweigen, die dann später als Sondermüll entsorgt oder, falls möglich, teuer recycelt werden müssen. So grün wie man es gerade gerne darstellen möchte ist das E-Auto bei weitem nicht

    • Völlig richtig, das möchte auch niemand in Abrede stellen. Wir haben die entsprechende Passage deswegen noch um einen Satz ergänzt. Danke für deinen Hinweis.

  3. Der Bericht gibt einen guten Überblick. Manche Aussagen sind allerdings nicht richtig.

    So gibt es kaum Plugin Hybride auf dem Markt, die Schnellladefähig sind. Und wer weite Strecken fährt, wird auch mit einem Plugin glücklich Ebenso wie der Vollhybrid kommt dieser durch den geringen Spritverbrauch je nach Modell auf Reichweiten um die 1000 km und sind so selbst Dieseln ebenbürtig.

    • Vollkommen richtig. Der E-Antrieb ist älter als der Benziner und hat sich aus guten Gründen, die auch heute noch gelten, nicht durchgesetzt. Jetzt mal abgesehen davon, dass der Akku eine umwelttechnische und menschenrechtstechnische Tragödie ist, das Laden ist ein Witz. Der reine Tankvorgang eines Benziners beansprucht drei Minuten. Selbst wenn alle Stromer in Zukunft innerhalb 20 Minuten geladen werden könnten (wovon wir weit entfernt sind) wäre eine Urlaubsfahrt, wenn sich die Stromer durchsetzten, eine Tortur. Schon mal auf einer Urlaubsfahrt getankt? Da stehen meist drei, vier Autos vor einem an der Tanksäule. Das auf eine Ladesäule übertragen heißt, wir können uns ein Zimmer nehmen. Aber die Dinger werden durch unsere Steuergelder stark gefördert. Das heißt, die Kassiererin im Supermarkt mit ihrem alten Golf IV bezahlt dem Besserverdiener seinen E-SUV, was ja wohl ein Witz ist. Und trotzdem werden die Dinger nur in homöopathischen Dosen verkauft.

  4. Den Wasserstoff für die Brennstoffzelle zu produzieren erfordert auch einen hohen Energueaufwand. Dann ist die Lagerung nicht so einfach, weil 700 bar benötigt werden.
    Ganz ungefährlich scheint dies auch nicht zu sein, gestern erst flog in Norwegen eine Wasserstiffzapftankstelle in die Luft. Der Betreiber hat daraufhin landesweit alle Zapfsäulen außer Betrieb genommenen, was die Versorgung landesweit lahmlegte, und die Hersteller Toyota und Hyundai übergeben bis zur Klärung keine Fahrzeuge an die Kunden.

  5. Plug in Hybrid sind meiner Meinung nach schlechter als Vollhybrid. Eine Förderung dieser Autos war auf jeden Fall falsch. Eher hätte ein Vollhybrid eine Förderung verdient weil diese Fahrzeuge permanent mit Strom und Benzin fahren. Der Plug in aber meistens nur mit Benzin weil mal wieder vergessen hat Srom zu tanken, weils zu lästig war, weil keine Säule erreichbar war.Aber was solls, das Auto fährt ja auch ohne Strom. Bei einem Vollhybrid unmöglich, der spart immer Benzin.

  6. Meineserachtens werden herkömmliche Verbrennungsmotoren noch lange dominieren.Neue Benzin und Dieselmotoren müssen auf Basis neuer synthetischer Kraftstoffe weiterentwickelt werden.Nur auf Elektrofahrzeuge zu setzen ist ein Irrsinn!!

  7. Der Einsatz von Akku-Elektroautos ist den bekannten Gründen zur Folge klimabezogen reine Augenwischerrei. Auch der Wasserstoff müsste z.Zt. über zumeist fossile Energieträger erzeugt werden. Sollte hier jedoch statt der Elektrolyse die Pyrolyse eingesetzt werden, kann mit dieser Technik sicher die Zeit überbrückt werden, die es benötigt, alle fossilen und atomaren Kraftwerke zu ersetzen. Hierbei wird Erdgas an heiße Zinnbleche vorbei geleitet und das CH4-Molekül des Erdgases zerfällt in reinen Wasser- und Kohlenstoff.

  8. Vollkommen richtig. Der E-Antrieb ist älter als der Benziner und hat sich aus guten Gründen, die auch heute noch gelten, nicht durchgesetzt. Jetzt mal abgesehen davon, dass der Akku eine umwelttechnische und menschenrechtstechnische Tragödie ist, das Laden ist ein Witz. Der reine Tankvorgang eines Benziners beansprucht drei Minuten. Selbst wenn alle Stromer in Zukunft innerhalb 20 Minuten geladen werden könnten (wovon wir weit entfernt sind) wäre eine Urlaubsfahrt, wenn sich die Stromer durchsetzten, eine Tortur. Schon mal auf einer Urlaubsfahrt getankt? Da stehen meist drei, vier Autos vor einem an der Tanksäule. Das auf eine Ladesäule übertragen heißt, wir können uns ein Zimmer nehmen. Aber die Dinger werden durch unsere Steuergelder stark gefördert. Das heißt, die Kassiererin im Supermarkt mit ihrem alten Golf IV bezahlt dem Besserverdiener seinen E-SUV, was ja wohl ein Witz ist. Und trotzdem werden die Dinger nur in homöopathischen Dosen verkauft.

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