Digitalradio DAB+: Das ist der Nachfolger vom UKW-Radio

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Wenn du dir in den vergangenen Jahren ein neues Auto gekauft hast, bist du vermutlich schon über den Radiostandard DAB+ gestolpert. Er wird das klassische UKW-Radio ablösen, ist aber noch weitgehend unbekannt. Dabei hat DAB+ viele Vorteile – aber eben auch Nachteile.
DAB-Radio
DAB-RadioBildquelle: Pixabay

Der wichtigste Unterschied zwischen DAB+ und dem konventionellen Radio per UKW ist die Art der Übertragung. Während das klassische UKW noch analog sendet, handelt es sich bei DAB+ um einen digitalen Standard. Das heißt, rauschende Sender gibt es nicht mehr. Gleichzeitig ist aber für die Sendebetreiber auch das Senden etwas komplexer, weil es nicht mehr nur einen Sender pro Frequenz, sondern sogenannte Multiplexe gibt. Hier werden mehrere Sender auf einer Frequenz zusammengefasst.

Der größte Nachteil von DAB+: Kaum Lokalsender

Diese Multiplexe lohnen sich aber für kleine Stadtradiosender oder Lokalradios nicht, so dass beispielsweise alle Radio-NRW-Sender nicht bei DAB+ senden. In aller Regel ist ein Radiosender mindestens in einem ganzen Bundesland zu hören. Die NRW-Lokalradios bedienen aber gerade einmal einen Landkreis. Dafür gibt es keine passende Sende-Infrastruktur bei DAB+.

Vorteil: Viele Sender deutschlandweit zu hören

Gleichzeitig gibt es sogenannte Bundesmuxe, also Sender, die bundesweit zu hören sind. Hast du im Autoradio einen solchen Sender eingeschaltet, brauchst du bei deiner Fahrt von Hamburg nach München nicht einmal den Sendesuchlauf betätigen.

Es gibt mittlerweile zwei dieser Bundesmuxe. Der erste der beiden ist schon länger auf Sendung und sehr weitflächig in Deutschland zu empfangen.  Die Betreiber sprechen von 85 Prozent Versorgung in geschlossenen Räumen und 96 Prozent in der Fläche.

DAB+: Empfangsgebiet des 2. Bundesmux
DAB+: Empfangsgebiet des 2. Bundesmux

Ein zweiter ist gerade erst gestartet. Hier fehlen noch zahlreiche Standorte, um wirklich von einem Bundesmux sprechen zu können. In den kommenden Wochen und Monaten sollen weitere Sender in Betrieb gehen. Derzeit seien es etwa 85 Prozent Flächenversorgung.

Insgesamt sind über 260 Radioprogramme regional unterschiedlich in Deutschland zu empfangen. Bei über 65 handelt es sich um exklusive DAB+-Programme, die terrestrisch nur digital verfügbar sind. 13 dieser Sender sind im ersten Bundesmux zu empfangen. Ist der zweite Multiplex auch empfangbar, steigt die Anzahl der national empfangbaren Sender auf 29.

Das sind die neuen DAB+-Sender

Die neuen DAB+-Sender sind ab 5. Oktober in ersten Regionen zu hören. Dabei handelt es sich um Antenne Bayern, Drivers Classics von WIM, ein zweites Programmformat der ENERGY Gruppe in Deutschland, JOKE FM – Comedy und Hits, PROFI Radio – ein Spartenprogramm für Hand- und Heimwerker, RTL Radio, Rock Antenne und Toggo Radio. Hinzu kommen vier neue Absolut-Radio-Sender mit unterschiedlichen Musikfarben.

Bei den regionalen Angeboten handelt es sich im Wesentlichen um die regionalen Radiosender der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Hinzu kommen je nach Bundesland weitere regionale Privatsender.  Die Auswahl ist stark unterschiedlich. Während du in Nordrhein-Westfalen nur WDR-Sender und die nationalen Sender empfangen kannst, hörst du in Berlin zahlreiche private Radiosender, die es auch per UKW gibt. Hinzu kommen sogar öffentlich-rechtliche Sender, die eigentlich nicht in Berlin zu hören wären wie etwa SWR3. Welche Sender in deiner Region zu empfangen sind, verrät dir ein Verfügbarkeits-Check auf der Webseite der Senderbetreiber. Eine solche Karte findest du bei dabplus.de und bei Antenne Deutschland.

Diese Geräte unterstützen DAB+

Eins ist klar: Der neue Radiostandard DAB+ soll mit aller Gewalt in den Markt gedrückt werden. Im Autoradio ist er schon länger Standard. Doch bald wirst du DAB+ verpflichtend in allen neuen Radios haben. Grund ist eine entsprechende Gesetzesvorgabe. Sie sieht vor, dass jedes Radio, das RDS an Bord hat, auch DAB+ unterstützen muss. RDS ermöglicht unter anderem die Anzeige des Radiosender-Namens und hat technisch nichts mit DAB+ zu tun. Diese Abgrenzung stellt aber zumindest sicher, dass das Radio ein Display hat und dass es sich nicht um das 5-Euro-Billigradio handelt.

Tragbare DAB+-Empfänger bekommst du aber auch schon für kleines Geld. Bei Amazon finden sich Geräte ab etwa 20 Euro, die mit DAB+ ausgestattet sind. Wenn sie einen Auto-Ausgang haben, kannst du sie theoretisch zu Hause auch mit einer bestehenden Anlage koppeln und so die großen Lautsprecher als Wiedergabe-Boxen nutzen.

Fürs Auto gibt es Nachrüst-Sets, die ebenfalls auf ein Cinch-Kabel setzen oder das DAB+-Signal in ein UKW-Signal wandeln, das dann jedes Radio empfangen kann. Teilweise kannst du dir auf diesem Weg in dein Auto auch noch eine Freisprecheinrichtung für dein Smartphone nachrüsten, sofern dein Auto keine hat.

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3 KOMMENTARE

  1. Seit das DSR, das Digitale Satelliten Radio abgeschaltet wurde, ist das Thema bei den Kunden durch. und das ist nun schon Jahrzehnte her.
    Außerdem ist DAB in allen erdenklichen Versionen sinnlos, weil so extrem komprimiert, dass man die Artefakte hört.
    Qualitätsstandards gibt es nicht. wer nur mit 48 kBit/s senden will, der tut das eben.
    Heute gibt es das Internet und Spotify. Da interessiert DAB eh keinen mehr.
    Vermutlich sind DAB-Empfänger in Autos die einzigen DAB-Geräte, die in nennenswerten Stückzahlen in Umlauf sind.
    Bis zur Abschaltung von DAB und Wechsel zum nächsten Standard, der dann wieder neue Empfangsgeräte erfordert. Vermutlich haben einige Politiker gute Kontakte zu Geräteherstellern.
    .
    Denn die Gerätehersteller bekommen ja Sozialleistungen („Förderungen“) vom Staat für ihre wie warme Semmeln weggehenden Produkte.
    Da kann man das sogar dann produzieren, wenn es keiner kauft.
    .
    So nach dem Motto:
    Gut für die Umwelt oder: mehr Flugzeugträger (Kramp-Karrenbauer) weniger Plastebeutel. Die Regierung ist ausgewogen besetzt und macht gute Politik.

  2. Na ja, wenn so ein Teil FM hat, Internetradio ist, als Bluetooth-Lautsprecher (z.b. für´s Smartphone) fungieren kann, kann es ja gerne noch DAB+ mitbringen. Nichts dagegen. Das dieses Produkt hochsubventioniert ist – geschenkt. Das kennen wir doch aus fast allen anderen Branchen auch (Atomkraft, Autokaufprämien usw.) Macht es zwar nicht unbedingt besser; aber so läuft es halt nun mal.

  3. Das Schlimme an DAB+ ist, da kommt genau der selbe Murks wie auf UKW. Bei ständigem Michael Jackson, Tina Turner, Weather Girls, George Ezra, Werbung, Endlos-Verkehrsdurchsagen und weiteres – da bekommt man ganz schnell einen Brechreiz.

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