Im neuen Kia XCeed: Teilautomatisiertes Fahren (Level 2) im Test

5 Minuten
Teilautomatisiertes Fahren (Level 2) ist eine überaus interessante Sache. Denn ein entsprechend ausgerüstetes Fahrzeug hält unter definierten Bedingungen nicht nur die Spur, sondern bremst und beschleunigt auch selbstständig. Alles ganz ohne Zutun des Fahrers. Unser Redakteur Hayo Lücke konnte sich am Rande der IAA selbst ein Bild von der Technologie machen - im neuen Kia XCeed.
Kia XCeed
Bildquelle: inside digital / Hayo Lücke

Es ist sonnig und angenehm warm am zweiten Pressetag der IAA in Frankfurt. Geduldig warte ich in der Deutschland-Zentrale von Kia unweit des Messegeländes auf meinen Termin. Denn heute darf ich das teilautomatisierte Fahren selbst ausprobieren. Ein bisschen fühlt es sich an wie „nach Hause kommen“. Denn schon im Foyer wurde unter anderem der Kia Ceed SW Plug-in-Hybrid in Position geparkt. Und als privater Fahrer eines Ceed GT sieht Vieles einfach vertraut aus.

Unterwegs im neue Kia XCeed

Wenige Augenblicke später nehme ich Platz. Im nagelneuen Kia XCeed, der ab dem 21. September mit seiner coupéartigen Dachlinie in Deutschland erhältlich ist. Lackiert in der alles andere als unauffälligen Farbe Quantumgelb wage ich mich aus dem Stadtverkehr Frankfurts heraus ab auf die Autobahn in Richtung Taunus. Ein großes 12,3-Zoll-HD-Display zeigt mir als Kombiinstrument die Geschwindigkeit an. Das Navigationsgerät – auf Wunsch per Split-Screen unterteilbar und per eSIM stets mit Verkehrsinformationen in Echtzeit versorgt – weist mir über einen 10,25-Zoll-Bildschirm den Weg. Nun gilt es also zu testen, was es heißt, das Auto zumindest ein Stück weit autonom fahren zu lassen.

Bei Tempo 120 wage ich es. Ich aktiviere den Stauassistent. Seitens Kia heißt es dazu in einer Konzernmitteilung wörtlich: „Der Lane Follow Assist erkennt die Fahrbahnmarkierungen und hält den XCeed mittig in der Fahrspur. Darüber hinaus orientiert er sich mit Hilfe von Radarsensoren am vorausfahrenden Verkehr und übernimmt das Beschleunigen, Bremsen und Lenken, während der Fahrer das Fahrumfeld überwacht.“ Und das bis zu einer Geschwindigkeit von 180 km/h.

Soviel zur Theorie. Aber wie sieht die Praxis aus? Die Antwort ist simpel. Was sich sehr technisch anhört, ist im wahren Leben ein echter Gewinn an Fahrkomfort. Zur Wahrheit gehört aber auch: Es fühlt sich ein Stück weit mulmig an, den Fuß vom Gas zu nehmen und das Fahrzeug einfach fahren und steuern zu lassen – Leben am Limit. Und so lasse ich meine halbautonom fahrenden Crossover-Flitzer „todesmutig“ in Richtung eines vor mir fahrenden LKW cruisen.

Kia XCeed TachoQuelle: inside digital / Hayo Lücke

Bremsen bitte. Bremsen!

Und dann ist der Moment da. Noch deutlich eher als ich es vermutet hätte, leitet der Kia XCeed den notwendigen Bremsvorgang ein, um einem Auffahrunfall zu entgehen. Und er hält wie versprochen den Abstand zum vorausfahrenden LKW. Auch bei einem zweiten und dritten Versuch läuft alles so, wie man es sich im Straßenverkehr wünschen würde. Aber wehe ich nehme die Hände vom Lenkrad. Unmittelbar schlägt das Auto Alarm und macht deutlich: Tu das nicht, die Hände gehören auch im Level-2-Fahren ans Steuermodul.

Ich verlasse die Autobahn. Mitten im Taunus möchte ich auf die Probe stellen, ob der Stauassistent auch auf Landstraßen hält, was er verspricht. Da kommt eine Ampel mit wartenden Fahrzeugen doch gerade recht. Ich nähere mich mit 55 km/h. Und auch in diesem Szenario reduziert der Kia rechtzeitig die Geschwindigkeit, bremst das Fahrzeug bis zum Stillstand ab und kommt etwa fünf Meter vor dem wartenden Auto ohne jegliches Zutun meinerseits zum Stehen.

Auf den letzten Metern zurück zur Kia-Zentrale schalte ich die Assistenz-Systeme aus. Und darauf folgend fällt mir sozusagen als Bonus zum Ende noch das haptische Feedback auf, das mir das Lenkrad vermittelt, wenn ich mich ohne den Blinker zu setzen zu sehr dem Mittel- oder Seitenstreifen nähere. Deutlich wahrnehmbare Vibrationen im Lenkrad machen schnell deutlich: Junge, sei aufmerksam, du fährst nicht den eigentlichen Regeln entsprechend.

Fazit: Teilautonomes Fahren (Level 2) – Es macht Lust auf mehr

Ja, es hat Spaß gemacht. Ich bin es gewohnt, mit Geschwindigkeitsregelanlage über nordrhein-westfälische Autobahnen zu fahren. Und ich will den Komfort eines Assistenten, der die Geschwindigkeit hält, vor allem auf freier Strecke nicht mehr missen. Deutlich wird mir das immer wieder, wenn ich in einem Auto ohne Tempomat fahren muss. Vor allem auf längeren Strecken. Was mir aber das Level-2-Fahren vermittelt hat, macht noch einmal mehr Spaß.

Keine Frage: Es erfordert anfangs ein Stück Überwindung, dem Auto beim Fahren das Recht zur Steuerung zu überlassen. Doch hat man sich erst einmal daran gewöhnt, beschleicht den Fahrer schnell das Gefühl, ein kleines Stück entspannter über die Straße zu gleiten.

Gleichwohl stelle ich aber auch fest: Niemals die Aufmerksamkeit zu sehr anderen Dingen widmen. Denn als sich vor mir eine mehrspurige Ampelkreuzung auftut, an der eine Linksabbieger-Spur die Geradeaus-Fahrbahn ergänzt, wird schnell deutlich, dass die Assistenz-Systeme eben doch nicht zu 100 Prozent das tun, was sie sollen. Der Kia XCeed will mich nach links abbiegen lassen, obwohl ich dem Straßenverlauf doch eigentlich folgen möchte. Aber hey, ich bin ja auch noch da. Schön, dass meine Aufmerksamkeit noch für etwas gut ist.

Übrigens: Ab Anfang 2020 steht der Kia XCeed auch als Plug-in-Hybrid zur Verfügung.

Bildquellen:

  • Kia XCeed Tacho: inside digital / Hayo Lücke
  • Kia XCeed: inside digital / Hayo Lücke
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1 KOMMENTAR

  1. Ich nutze selbst ein Fahrzeug mit ACC, Lane Assist & Co. eines deutschen Herstellers und kann absolut bestätigen, dass das Fahren erheblich entspannter wird. Gerade in nervigen Situationen von zähfließendem Verkehr sind diese Assistenzsysteme ein echter Sicherheitsgewinn.

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