Wäscht sich während der Reinigung selbst: Narwal Freo 20 im Test

6 Minuten
Narwal bringt den Freo 20 für 999 Euro. Der Saugroboter wischt laut Hersteller mit einer Walze, die sich im Betrieb selbst reinigt, und erkennt Hindernisse über zwei Kameras statt über einen Laserturm.
Station des Narwal Freo 20
Station des Narwal Freo 20Bildquelle: Thomas Kern / inside digital

Es gibt einen Moment beim Putzen, den jeder kennt und keiner mag: Man wringt den Lappen aus und das Wasser im Eimer ist braun. Von da an wird nicht mehr geputzt, sondern verteilt. Wischroboter mit Pads haben dasselbe Problem, nur merkt man es nicht, weil niemand nachsieht. Narwal löst das seit zwei Generationen anders – bisher allerdings nur ganz oben im Regal. Taugt der Ansatz auch eine Preisklasse tiefer?

Design und Einrichtung des Narwal Freo 20

Auf der Oberseite bleibt es flach. Narwal verzichtet weiterhin auf den klassischen Navigationsturm, weshalb der Roboter 9,5 cm misst. Das ist exakt die Bauhöhe des Narwal Flow 2 (Test). Allerdings bauen Modelle mit Wischwalze technisch höher als Wischpad-Roboter. Zum Vergleich: Der Roborock Saros 20 Neo (Test) kommt mit eingefahrenem Turm auf 7,98 cm. Unter niedrigen Sideboards kommt der Freo 20 also, unter sehr flachen Sofas nicht. Für die Navigation und Hinderniserkennung verbaut Narwal zwei RGB-Kameras in Kombination mit KI.

Narwal Freo 20
Narwal Freo 20 Bildquelle: Thomas Kern / inside digital

Die Station ist der optische Höhepunkt des Pakets. Mit der gewebten Textilfront sieht sie deutlich teurer aus, als der Preis vermuten lässt. Mir persönlich gefällt das gut. Sie misst 43,1 × 40,2 × 46,1 cm und nimmt die komplette Wartung ab: absaugen, Frischwasser nachfüllen, Wischwalze, Schmutzwasserweg und Abstreifer mit 45 bis 100 °C heißem Wasser spülen. Anschließend eine 60‑°C-Warmluft-Trocknung. Der Staubbeutel fasst 2,4 Liter. Praktisch: Der Roboter lädt, während er gewaschen wird, und der Schmutzfilter lässt sich herausnehmen und abspülen.

Textur der Station
Textur der Station Bildquelle: Thomas Kern / inside digital

Die Einrichtung läuft über die Narwal-App und ist schnell erledigt. Beim Mapping gibt sich der Roboter keine Blöße: Die Karte stimmt, die Raumtrennung passt, nachkorrigieren musste ich nichts.

Funktionen der Narwal-App

Neu ist der Assistent „Freo Mind 4.0″, der aus Wohnung und Nutzungsgewohnheiten einen Reinigungsplan vorschlägt. Dazu kommen Mehretagen-Karten, Sperrzonen, Zeitpläne und der Sprachbefehl „Hey Nawa“ direkt am Roboter. Auch die Station lässt sich aus der App konfigurieren.

Interessant ist, was die beiden Kameras neben der Navigation noch leisten. Im Haustiermodus reinigt der Freo 20 die Aufenthaltsbereiche von Hund und Katze gezielt intensiver, sucht auf Wunsch das Tier in der Wohnung und erlaubt einen Videoanruf über die App. Der Baby-Care-Modus senkt im Gegenzug die Lautstärke, wenn im Nebenzimmer jemand schläft. Ein Saugroboter mit Live-Kamerabild ist bequem und gleichzeitig ein Datenschutz-Thema. Denn erst im Februar wurden Aufnahmen aus Nutzerwohnungen eines anderen Herstellers öffentlich. Narwal gibt an, dass die Objekterkennung lokal auf dem Gerät läuft.

Und dann wäre da der Punkt, an dem Narwal bisher konsequent gepatzt hat: die Smart-Home-Anbindung. Für den Freo 20 gibt Narwal neben Alexa und Google Home endlich auch Matter-Kompatibilität an. Gut, denn Matter blieb bislang fast ausschließlich neueren Roborock-Modellen vorbehalten.

Saug- und Wischleistung des Narwal Freo 20

Auf Hartböden und Fliesen macht der Freo 20 seine Sache sehr gut. Die 31.000 Pa, die Narwal angibt, kommen auf glatten Oberflächen an: Der Roboter lässt kaum etwas liegen, weder bei groben Krümeln noch bei feinem Staub.

Testvolumen (g)Ansaugvolumen (g)Effizienz (%)
Haferflocken (Fliesen)10 g9,6 g96 %
Haferflocken (Teppich)10 g9,3 g93 %
Sand (Teppich)10 g7,0 g70 %

Auf Teppichen kippt das Bild. Hier bricht die Saugleistung enorm ein. Insgesamt stärker, als ich es von einem Gerät mit dieser Preisklasse erwartet hätte. Narwal wirbt ausgerechnet hier mit der „CarpetFocus“-Technik, bei der eine Abdeckplatte die Saugöffnung nach unten drückt und abdichtet. Das erhöht laut Hersteller die Saugkraft um das 4,2-Fache. Beim Narwal Flow (Test) und beim Flow 2 hat dieser Kniff im Test funktioniert, beim Freo 20 kann ich das nicht bestätigen. Wer überwiegend Teppich im Wohnbereich hat, ist mit diesem Roboter falsch beraten.

Rückseite des Narwal Freo 20
Rückseite des Narwal Freo 20 Bildquelle: Thomas Kern / inside digital

In Ecken bleibt beim Saugen ebenfalls Schmutz liegen. Der Grund: Die Seitenbürste fährt nicht aus. Damit wiederholt sich exakt der Punkt, den ich schon beim Flow, beim Flow 2 und beim Narwal Z10 Ultra im Test kritisiert habe.

Und die Wischleistung? Das ist das, wofür man diesen Roboter kauft. Statt zweier rotierender Pads sitzt unter dem Freo 20 eine abgeflachte Wischwalze mit 19 cm Umfang, die über 16 Düsen kontinuierlich mit frischem Wasser gespült wird. Ein Abstreifer schiebt den gelösten Schmutz in einen getrennten Schmutzwassertank, sodass der Roboter nie mit einem gesättigten Tuch in den nächsten Raum fährt. Dazu kommen konstant 12 N Anpressdruck.

In der Praxis heißt das: Feuchte Flecken sind nach einem Durchlauf weg. Eingetrocknetes braucht mehrere Durchgänge, aber es geht weg, und zwar, ohne dass der Roboter den Schmutz breittritt. Genau daran scheitern Pad-Modelle regelmäßig: Sie verteilen den angelösten Fleck über den halben Boden, statt ihn aufzunehmen. Der Freo 20 nimmt ihn auf. Auch in Ecken bleibt das Wischergebnis gut, weil die Walze dort nach außen fährt. Was beim Saugen die Schwäche ist, ist beim Wischen die Stärke.

Navigation und Hinderniserkennung

Die Orientierung übernehmen zwei 1080p-RGB-Kameras plus KI-Chip, das System heißt „TwinAI Dodge“ und soll über 300 Objekttypen unterscheiden. Wie sich kamerabasierte Navigation von Lidar unterscheidet, habe ich an anderer Stelle erklärt. In der Praxis überzeugt die Umsetzung: Der Freo 20 fährt strukturiert, teilt die Wohnung sinnvoll auf und umkurvt Tisch- und Stuhlbeine zuverlässig. Die Hinderniserkennung ist nahezu fehlerfrei. Nahezu, denn Kabel erwischt er nicht immer rechtzeitig. Das passiert nicht ständig, aber es passiert.

Seitenansicht des Narwal Freo 20
Die Navigation und Hinderniserkennung sind solide Bildquelle: Thomas Kern / inside digital

Ein anderer Punkt wiegt deutlich schwerer. Absätze und Treppenstufen erkennen Saugroboter über Infrarot-Sensoren an der Unterseite, die den Abstand zum Boden messen und den Roboter stoppen, bevor er ins Leere fährt. Beim Freo 20 funktioniert das im Test nicht: Der Roboter ist eine Stufe heruntergestürzt. Das ist kein Schönheitsfehler, sondern der Ausfall einer Sicherheitsfunktion und in Maisonette-Wohnungen, Häusern mit offener Treppe oder an einem Podest im Wohnbereich ein Ausschlusskriterium.

Beim Akku spielt Narwal dagegen wieder ganz oben mit. Nach 30 Minuten Saugen und Wischen auf Maximalstufe stehen noch 79 Prozent Restakku auf dem Tacho. Zum Vergleich: Der Flow 2 kam im gleichen Szenario auf 72 Prozent. Für Wohnungen ab 100 m² reicht das locker für einen Durchgang am Stück.

Fazit: Das Wischen bleibt weiterhin die große Stärke

Beim Wischen ist der Freo 20 das, was man von Narwal erwartet: Die selbstreinigende Walze mit heißem Wasser entfernt feuchte Flecken in einem Durchgang, eingetrocknete in mehreren und verschmiert dabei nichts. Bis in die Ecken hinein, weil die Walze ausfährt. Dazu kommen eine starke Akkulaufzeit, eine saubere Navigation, eine Station, die im Wohnzimmer nicht stört.

Der Rest ist eine Ansammlung vermeidbarer Schwächen. Auf Teppich bricht die Saugleistung ein und in Ecken bleibt Schmutz liegen, weil die Seitenbürste nicht ausfährt. Wer ebenerdig wohnt, viel Hartboden und wenig Teppich hat, bekommt für 999 Euro eine gute Wischleistung.

Testsiegel Narwal Flow 20
Testsiegel Narwal Flow 20 Bildquelle: inside digital

Vorteile:

  • Luxuriöses Design
  • Hervorragende Wischleistung, auch in Ecken
  • Gute Saugleistung auf Hartböden und Fliesen
  • Matter, Alexa und Google Home werden unterstützt

Nachteile:

  • Stufenerkennung klappt nicht
  • Deutlicher Leistungsabfall auf Teppich
  • Keine ausfahrbare Seitenbürste, dadurch schwache Eckenreinigung beim Saugen
  • Kabel werden vereinzelt zu spät erkannt
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