Linux gehört zwar weltweit zu den meistgenutzten Betriebssystemen. Doch auf den Notebooks und PCs der privaten Nutzer fristet es nach wie vor ein Schattendasein. Nach wie vor gilt es vielen als (zu) kompliziert und zu begrenzt hinsichtlich der nutzbaren Software. Allerdings konnten wir bereits vor fünf Jahren in einem kleinen Selbstversuch zeigen, wie gut sich so manche Linux-Distribution in den Alltag einfügen kann. Schwierigkeiten tauchten dennoch auf, nicht nur bei der Hardware.
Allerdings hat sich in fünf Jahren noch einmal viel getan. Und Windows 11 stößt bisher auf nur wenig Begeisterung. Im Dezember 2025 kam das Betriebssystem zwar auf einen Anteil von etwas mehr als 50 Prozent unter den Windows-Versionen – allerdings nur knapp vor Win 10, dessen Anteil immer noch 44 Prozent ausmacht.
Windows 11: Wenig neue Funktionen, aber viele Fehler
Die Gründe für die begrenzte Begeisterung über die aktuelle Windows-Version sind vielfältig. Der erste zeigt sich schon bei der sich in die Länge ziehenden Installation. So erhalten viele, nach wie vor potente Rechner kein Update mehr. Und ein echter Zugewinn war Windows 11 bisher nicht, sondern nervt schnell im Alltag. Das beginnt schon mit dem Installationsprozess, der sich immer mehr in die Länge zieht und dem Anschein nach vor allem zum Abschluss von Gaming- und Office-Abos drängen soll. Auch Copilot, den KI-Agent, den nur wenige wollen, steckt in jeder Ecke. Hinzukommen die zahlreichen Bugs. Diesen rückt Microsoft zwar mit Hilfe von Updates zu Leibe, doch zumeist sorgen diese nicht nur für das Verschwinden des einen Fehlers, sondern bringen gleich einen neuen mit.
Und im Hintergrund schwelen die politischen Eruptionen in den USA. US-Präsident Donald Trump versucht die Vormachtstellung der USA weiter zu zementieren und setzt dabei auch auf die Softwarekonzerne des Landes. CLOUD- und Patriot Act erlauben es der Regierung, auf die Daten der nicht aus den USA stammenden Nutzer zuzugreifen. Ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union soll diesen Zugriff zwar unterbinden. Doch dass sich CIA, NSA und Co. daran halten, gilt zumindest als umstritten. Für hiesige Nutzer bleibt ein Sicherheitsrisiko. Eine weitere Eskalation mag man sich gar nicht vorstellen. Die Abhängigkeit von digitalen Diensten US-amerikanischer Anbieter ist groß.
Warum Linux?

Als echte Alternative zu den US-Plattformen kann man damit also nur auf eine Linux-Distribution zurückgreifen. Andere Optionen können entweder hinsichtlich der Leistungsfähigkeit oder mit Blick auf die Stabilität nicht mithalten. Hinzu kommt die Grundidee des ab 1991 vom Schweden Linus Torvald aus der Taufe gehobenen OS: Thorvald hatte sich daran gestört, dass zahlreiche Konzerne die freie Basis des Server-Betriebssystems Unix für eigene Entwicklungen nutzten, aber sie diese nicht für andere freigaben. Dazu zählt etwa Apple mit seinem Mac-Betriebssystem.
Auch Linux ist eine Unix-Abwandlung. Ein das mit einem eigenen Lizenzmodell geschützte Open-Source-Prinzip sorgt jedoch dafür, dass der Quellcode anderen zur Verfügung stellen muss, damit diese ihrerseits auf diesem Wissen aufbauen können. Ihre Ergebnisse müssen sie schließlich unter den gleichen Prinzipien mit der Gemeinschaft teilen.
Welches ist das richtige Linux?
Nicht nur das fehlende Angebot an vorkonfigurierten Linux-Rechnern erschwert vielen Nutzern den Abschied aus der Windows-Welt. Denn schon vor einer ersten Installation stellt sich bereits die Frage: Welches Linux ist für mich eigentlich das richtige?
Es gibt nicht das eine Linux, wie es ein macOS oder Windows gibt. Die einzelnen Teile des Betriebssystems werden in voneinander unabhängig arbeitenden Entwicklerteams vorangetrieben. In sogenannten Distributionen werden diese Einzelteile miteinander zu einem System kombiniert, das sich von anderen unterscheiden kann. Die Unterschiede liegen etwa in verschiedenen Grafik-Plattformen für die Darstellung auf dem Desktop oder der Frage, ob proprietäre Treiber von Hardwareherstellern akzeptiert werden. Neben Wayland halten sich die betagte X11-Umgebung sowie KDE. Das muss beim geplanten Einsatzzweck zumindest ein Stückweit beachtet werden.
Schon die verschiedenen Paketmanager konnten so manchen Nutzer bis in die jüngere Vergangenheit zur Verzweiflung treiben. In der Linux-Welt gibt es verschiedene Paketformate wie *.rpm, *.deb oder *.tar.gz. Und diese sind untereinander nicht unbedingt kompatibel, sodass nicht alle für Linux spezifizierten Apps auch auf allen Distributionen genutzt werden können. Abhilfe sollen die Distributions-übergreifenden Paktetformate Flatpak und Snap, die sich allerdings noch nicht vollumfänglich durchgesetzt haben.

Große Distributionen empfehlen sich für den Einstieg
Wer von Microsofts Windows auf ein Linux-Derivat umsteigen will, greift am besten zu einer der großen populären Versionen und nicht gleich zu Varianten für Experten wie etwa Debian, EndeavourOS oder ArchLinux. Zu den Einsteiger-freundlichen Zusammenstellungen zählt Ubuntu, die vermutlich eine der bekanntesten Linux-Distribution. Dabei ist sie selbst ein Debian-Ableger, der jedoch mit einer eigenständigen und dennoch leicht verständlichen Nutzeroberfläche Einsteiger und Wechselwilligen gefallen soll. Zu seinen großen Plus-Punkten gehört darüber hinaus eine bereits nach der Installation üppige Auswahl an Apps, die auch die Office-Suite LibreOffice beinhaltet.
Das Angebot an Anwendungen bei Linux Mint ist vergleichbar, was nicht sonderlich verwundern muss: Als Basis wird für diese Linux-Variante Ubuntu genutzt, allerdings baut die jeweilige Version auf der jeweils zwölf Monate zuvor veröffentlichten Ubuntu-Ausgabe. Der Vorteil darin liegt, dass die jeweilige Mint-Veröffentlichung mit einer hohen Stabilität glänzt und Fehler, die in der jüngeren Vergangenheit offenkundig wurden, bereits behoben wurden. Optisch gilt Mint als vergleichsweise Windows-nahe, der Desktop mit seinem Startmenü erinnert stark an Windows 10.
Daneben zählt Fedora zu den Einsteiger-freundlichen Linux-Versionen. Sie soll nicht nur mit einem aufgeräumten Desktop, sondern auch mit einer breiten Softwareunterstützung punkten. Dazu werden direkt nach der Installation sowohl Flatpak- als auch Snap-Pakete unterstützt. Bei Ubuntu muss der Support für erstere nachträglich installiert werden. Umsteiger freuen sich außerdem über die gute VM-Unterstützung, mit der die Nutzung von Windows-Programmen möglich wird.

Gamer-freundliche Linux-Distributionen
Eine Nutzungsform, die insbesondere auf privaten PCs eine große Rolle spielt, ist das Gaming. Doch unter den Gamern lange Zeit galt Linux lange als unbrauchbar. Die großen Spiele für den Desktop-Rechner wurden stets für Windows entwickelt, die Anzahl an die Linux-Nutzerzahl galt stets als zu gering. Bis sich Valve dem Thema Linux öffnete. Während Microsoft die Umgebung der Xbox-Konsole auf den PC übertrug, antwortete der Spiele-Publisher mit einer eigenen Konsole, dem Steam Deck, das mit einer eigene Linux-Variante bedacht wurde.
Damit erhielten Games unter Linux seitens der Entwickler mehr Aufmerksamkeit, auch wenn spielende Linux-Fans von SteamOS selbst nur in begrenztem Maße profitieren. Das Valve-Linux steht derzeit für die Lenovo Legion Go S, Legion Go, ASUS ROG Ally und ROG Ally X zur Verfügung. Für PCs wurde es jedoch nicht optimiert. Das Angebot an Spielen für Linux ist seither dennoch enorm gewachsen. Künftig wird das Angebot an Spielen für Linux wahrscheinlich noch mal einen deutlichen Schub erfahren: Der ebenfalls nicht gerade kleine Publisher GOG arbeitet dem Anschein nach intensiv daran, die GOG-Galaxy-Plattform, über die ausschließlich DRM-freie Speiele vertrieben werden, für Linux-Nutzer zu öffnen.
Bei Gamern hat sich neben SteamOS vor allem die Distribution CachyOS etabliert, das für PCs aber auch die genannten Handhelds bereitsteht. Es zeichnet sich jedoch vor allem durch die schnelle Aktualisierung der fürs Spielen wichtigen Teile: Updates, die etwa die Performance der Grafikkarte verbessern, werden schneller eingespielt als bei anderen Distributionen. Ebenfalls hoch im Kurs steht das auf Fedora basierende Bazzite, das von einer Reihe von Nutzern sogar als Alternative für SteamOS auf Handhelds empfohlen wird und sich nicht zuletzt durch eine einfache Installation und eine hohe Schnelligkeit im Alltag auszeiuchnen soll.

AAA-Games vorrangig für Windows
Allerdings sollten sich Gamer nicht zu viel versprechen: Nach wie vor werden zahlreiche Spiele, insbesondere die AAA-Titel, nicht speziell für Linux veröffentlicht. Wer auf der Plattform “Linux” in die Suche eingibt, verringert die Auswahl um mehr als die Hälfte. Allerdings stehen dann immer noch fast 500 Games zur Auswahl.
Und dabei sind nicht mal unbedingt die Spiele als solche das Problem. In vielen Fällen scheitern große Titel unter Linux an der Anti-Cheat-Software, die Spielern das Tricksen vermiesen soll.
Einschränkungen im Alltag, nicht nur in Nischen
Allein an dieser Stelle zeigt sich einmal mehr, dass ein großer Nachteil der Linux-Betriebssysteme in den vergangenen Jahren zwar erheblich kleiner, aber immer noch vorhanden ist: Nach wie vor stößt die Kompatibilität auch zu alltäglicher Software an Grenzen. Zwar gibt es zumeist leistungsstarke Anwendungen als Alternativen, etwa LibreOffice anstelle von Microsoft Office. Eine Lösung, die Microsoft 365 ähnelt, erfordert jedoch einiges an Eigenleistung, etwa durch das Einrichten einer Nextcloud auf einem NAS oder einem eigenen Webspace.
Und schon einfache Apps wie die der Streaming-Anbieter Amazon und Netflix stehen für Linux nicht zur Verfügung. Auch hier muss man auf den Browser zurückgreifen und im Zweifelsfall auf Funktionen verzichten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Netflix zumeist auf Fernsehern und Sticks genutzt wird.

Kreative stoßen unter Linux immer noch an Grenzen
Die größten Einschränkungen müssen wohl Kreative bei ihrer Arbeit hinnehmen. Das gilt insbesondere bei der Erstellung von Grafiken und Videos. Für die Bildbearbeitung finden sich noch vergleichsweise leistungsfähige Werkzeuge. Als Photoshop-Pendant steht GIMP bereit, für die Optimierung von Raw-Aufnahmen, kann auf Darktable oder RawTherapie zurückgegriffen werden, wobei professionelle Nutzer bei diesen vermutlich schon an Grenzen stoßen. Bei Vektorgrafiken kann Inkscape durchaus mit den kommerziellen Angeboten von Adobe und Affinity mithalten. Für die Layout-Software Scribus gilt das nicht.
Ähnlich sieht es bei Schnittsoftware aus. Mit Programmen wie OpenShot können zwar Bewegtbilder zusammengeschnitten werden. Die übersichtlichen Oberflächen führen schnell zu filmischen Ergebnissen, die sicherlich im Bereich von Social Media überzeugen. Hinsichtlich des Umfangs können die Apps jedoch nicht mit Profianwendungen wie Adobes Premiere, DaVincis Resolve oder Apples FinalCut Pro mithalten. Das gilt insbesondere für Möglichkeiten zur Farbkorrektur der einzelnen Sequenzen. Ein Ausweg für Linux-Nutzer wäre noch Blender. Dabei handelt es sich jedoch im eigentlichen Sinne um eine Software für die Animation von dreidimensionalen Objekten. Entsprechend umfangreich und kompliziert ist schon die Oberfläche, gerade für Einsteiger. Und auch darüber hinaus benötigt man viel Zeit fürs Einarbeiten.
Fazit: Für Windows 11 spricht immer weniger
Wer sich im Joch der US-amerikanischen Einflusssphäre sieht, der muss direkt auf Linux umsatteln. Keine Plattform verspricht derzeit eine größere Unabhängigkeit gegenüber der Gier der Konzerne, aber übergriffiger staatlicher Akteure. Die Einschränkungen, die mit Blick auf die Software hingenommen werden müssen, werden immer kleiner und lassen sich immer besser umgehen. Für einen ersten Blick genügt ein USB-Stick, der mit Hilfe des kostenlosen Rufus-Tools o.ä. bootfähig gemacht werden, sodass das Linux mit dem nächsten Neustart vom Stick aus automatisch startet. Es kann zudem noch vor der eigentlichen Installation der sogenannte Live-Modus ausprobiert werden, der bereits einen vollumfänglichen Blick auf das Betriebssystem erlaubt.
Über unsere Links
Mit diesen Symbolen kennzeichnen wir Partner-Links. Wenn du so einen Link oder Button anklickst oder darüber einkaufst, erhalten wir eine kleine Vergütung vom jeweiligen Website-Betreiber. Auf den Preis eines Kaufs hat das keine Auswirkung. Du hilfst uns aber, inside digital weiterhin kostenlos anbieten zu können. Vielen Dank! Preisangaben basieren auf dem Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels und können Schwankungen unterliegen.
