Linux auf dem Laptop: Zu viel Kompromiss oder echte Alternative?

5 Minuten
Linux führt auf Laptops und PCs ein Schattendasein. Die Vielzahl an Distributionen und Kompatibilitätsprobleme schrecken ab. Und Windows und macOS lassen kaum Wünsche offen. Nach wenigen Klicks der Einrichtung funktioniert der Rechner inklusive Peripherie. Doch geht das auch mit Linux?
Laptop mit Google
Bildquelle: Unsplash

Trotz der starken Konkurrenz spricht viel für Linux. Ob Windows, macOS oder auch Chrome OS (letztlich selbst ein Linux-Ableger) – der Nutzer soll möglichst eng umklammert werden. Ohne Nutzerkonto gibt es häufig keinen Zugang oder Apps. Dafür sollst du möglichst viele Dienste aus Anbieterhand und -Cloud, gerne verknüpft mit einem Abo-Modell, benutzen. Die dabei eingesammelten Nutzerdaten werden bestmöglich analysiert, um noch besser angepasste Serviceleistungen zu entwickeln. Das kann dir gefallen, muss es aber nicht.

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Keine Datenanalyse, keine Cloud-Anbindung, keine Abo-Dienste

Hinter Linux steht kein Softwaregigant. Linux ist quelloffen, der Programmcode also kein Geheimnis. Jedem steht frei am Betriebssystem mitzuarbeiten und eine Verbesserung bei der Linux Foundation einreichen, die Kernel-Entwicklung koordiniert. Ähnlich funktioniert die Arbeit an anderen Teilen des Systems, etwa den Oberflächen. Dem Open-Source-Prinzip folgend, soll maximale Freiheit über das Betriebssystem gewährleistet werden.

Was an Linux anders ist

Dieser Gedanke zeigt sich auch ganz praktisch: Das Festlegen eines Sicherheitspassworts ist natürlich Pflicht, und Ubuntu bzw. der dahinterstehende Anbieter Canonical möchte gerne Standortdaten auswerten. Nutzerkonten, mit denen die Anbieter persönliche Informationen einsammeln und analysieren, gibt es jedoch nicht. Die vorinstallierten Anwendungen sind bei Ubuntu üppig und lassen wenig vermissen. Und es werden nur da Daten abgefragt, wo es nötig ist, wie beim E-Mail-Client.

Zudem sind Linux-Distributionen gratis, gleiches gilt für die Software. Für Windows 10 Home müssen Hersteller pro Rechner rund 65 € berappen, die Single-Version von Office 365 kostet pro Jahr 69 €.

Linux, Ubuntu, Debian, Fedora, Mint – hä?

Der Einstieg in die Linux-Welt wird nicht auf dem Silbertablett serviert. Die Liste an Distributionen, Zusammenstellungen des Linux-Kernels in Verbindung mit weiteren Komponenten, wie der GUI sowie eines Softwarepaket, ist endlos. Zu den bekannten Distributionen zählen etwa Debian, Fedora, Ubuntu oder Mint. Bei manchen ist die Nutzung der Kommandozeile quasi obligatorisch, andere bieten ein Komplettpaket, das Windows kaum nachsteht. Dazu zählen die beiden letztgenannten, die für einen ersten Kontakt eine gute Wahl sind. Sich ein bisschen schlau zu machen, gehört bei Linux aber dazu.

Fachkenntnisse sind nicht nötig

Linux gilt als System für „Profis“, dabei gestaltet sich schon die Installation völlig unproblematisch. Selbst die Einrichtung parallel neben einem vorhandenen Windows ist mit wenigen Klicks erledigt. So startet Ubuntu mit einem aufgeräumten Desktop, der lediglich notwendige Anwendungen präsentiert. Dazu zählen etwa der Firefox-Browser, LibreOffice oder der E-Mail-Client Thunderbird.

Software: Nicht ohne Umgewöhnung

Bei Ubuntu und anderen sorgt ein Software-Center für einen einfachen Zugang zu einem mehr als üppigen Angebot, das für nahezu jedes Bedürfnis eine Lösung bereithält. Die großen Namen sind zwar nicht vertreten, doch selbst die Auswahl an Spielen ist groß.

Umgewöhnungen sind aber nötig. So wirkt LibreOffice nicht gerade modern und das „Photoshop-Pendant“ Gimp zeichnet sich durch eine Menüstruktur aus, die versierten Nutzern den Umstieg schwer macht. Auch die Anwendungen für Vektorgrafik- oder Videobearbeitung bewegen sich auf einem eher semi-professionellen Niveau.

Manche Hardwarekomponente bleibt außen vor

Problemreich wird’s auch an anderer Stelle. Der Linux-Marktanteil liegt bei unter zwei Prozent. Die Entwicklung von Treibern lohnt sich daher kaum, sodass manche Funktion schnell außen vor bleibt. Die Integration von Hardware-Funktionen im Chipsatz hat immerhin dazu geführt, dass insgesamt weniger Treiber benötigt werden, die zudem aus weniger Händen kommen. Gerade Intel liefert einen umfassenden Linux-Support und auch AMD zeigte sich zuletzt verbessert. Einschränkungen gibt es trotzdem. Beim HP Probook 445 G7 musst du beispielsweise auf den Fingerabdruckscanner verzichten. Die Webcam funktioniert zwar ohne weiteres Zutun, die IR-Kamera hingegen nicht. Viele Linux-Varianten wie Ubuntu lassen sich jedoch vor dem Installieren testen. Dann kannst du überprüfen ob W-LAN, Bluetooth und die Webcam bei deinem Notebook einwandfrei funktionieren.

Neues Leben in alten Laptops: Linux machts möglich

Linux-Distributionen sind schon von Haus aus schlanker aufgestellt. Weniger Software und Dienste bedeuten auch eine geringere Last für die Hardware. Im Vergleich zum Microsoft-Betriebssystem wirkt auf dem aktuellen Probook selbst das recht mächtige Ubuntu-Paket einen Tick reaktionsfreudiger. Willst du Linux einem älteren Laptop oder PC verpassen, empfehlen wir dir abgespeckte Distributionen, die betagtere Chips vor kleinere Hürden stellen.

Ein neues Notebook mit Linux?

Das Angebot an Laptops ab Werk mit Linux ist mickrig. Es gibt wenige spezialisierte Fabrikanten Tuxedo, darüber hinaus finden sich Modelle im Angebot von Dell und Lenovo. Wer beim Kauf eines Notebooks damit liebäugelt, zu einem späteren Zeitpunkt Linux zu testen, dem sei ein Business-Modell nahegelegt. Hier werden zumeist nicht die exotischsten Komponenten verbaut, um einen langfristigen Support gewährleisten zu können. Diese werden noch am besten mit einer Linux-Unterstützung bedacht.

Fazit

Ohne Enthusiasmus kein Linux. An der Leistungsstärke des Betriebssystems gibt es keine Zweifel. Bei Hardware-Unterstützung und Software-Angebot müssen Abstriche gemacht werden. Dennoch sind die Probleme im Alltag klein. Dafür bekommst du ein Betriebssystem, das auf dem Rechner dir gehört. Du bleibst Herr deiner Daten, bist unabhängig vom Gebaren der Großkonzerne und das ganze kostenlos.

Pro

  • Datenschutz
  • Betriebssystem und Software sind kostenfrei
  • Schnell und stabil
  • Linux als Live-System für unverfänglichen Schnuppern und Testen der Kompatibilität

Contra

  • Viele Distributionen machen Einstieg nicht leicht
  • Teilweise inkompatible Hardwarekomponenten
  • Umgewöhnung bei Software nötig

Deine Technik. Deine Meinung.

17 KOMMENTARE

  1. Ich habe seit 8 Jahren einen Acer E1-571G Laptop mit Ubuntu am Laufen.
    Wie oben festgestellt, es alles etwas anders als bei Mikrosoft, funktioniert aber mit gleicher Funktionalität wie unter Windows und im Office und anderen SW-Paketen.
    Mit etwas suchen findet man für jedes aufkommende Problem eine Lösung im Web.

  2. Inkompatible Hardware? Ist mir in fast 20 Jahren Linux noch nicht passiert. Außerdem lassen sich Treiber über die Einstellungen bei Ubuntu basiertem Linux leicht nachinstallieren.
    Der Einstieg in Linux ist einfach. Zum Beispiel bei Linux Mint und Ubuntu. Anfangen sollte man vielleicht nicht mit einem Linux das auf Arch basiert. Hier zu zählt für mich auch das immer wieder hochgelobte Manjato Linux. Das ist nix für Anfänger, auch wenn das immer wieder behauptet wird.
    Umgewöhnung bei Software sehe ich auch nicht unbedingt. VLC Player läuft unter Linux wie unter Windows. Genauso Libre Office und viele andere Software.

    Warum so wenige auf Linux umsteigen liegt eher daran daß es heißt, da muss ich ja soviel neues lernen. Stimmt gar nicht. Oder eben Artikel die Linux gerne Mal als kompliziert und inkompatible darstellen. 😉 Ich hab auch schon den Satz gehört „Wenn das nichts kostet, kann das nicht gut sein“ Für mich echt unverständlich. Solche Menschen dürfen sich dann gerne weiterhin mit fehlerhaftem Updates, die Stunden dauern und durch ständige Neustarts nerven, abgeben. Viel Spaß noch mit Windows. 😀

    • Dann hast du sehr viel Glück gehabt! Meine erste Mandrake-Installation auf einem Desktop Anfang der 2000er war schlicht eine Katastrophe, auch SUSE konnte da nicht überzeugen. Als 2006 Ubuntu auf den Markt kam, gabs große Probleme mit der Peripherie, ich glaube den Drucker hatte ich irgendwann eingebunden bekommen, zum Scanner führte kein Weg. Schließlich besaß ich in den 2010ern ein Lenovo Ideapad S205 mir einer AMD E350-APU, bei der das WLAN-Modul – warum auch immer – nur dann unter Linux zum Laufen zu kriegen war, wenn zuvor eine Windows-Installation vorhanden war. Bei dem hier aktuell verwendeten Probook wird von HP selbst erklärt, dass ein Trieber für den Fingerabdruckscanner nicht zur Verfügung gestellt wird.

      • my Way! Mandrake auf ’nem 286er zum Ende der 90’er. Denn Schrott von Lexmark bekommt man unter Linux bis heute(!) nicht zum funktionieren! Aber… liegt das an der freien Software???
        Linux ist das, was Du daraus machst! Das beste Beispiel für die Vorteile von Open Source-Software ist aktuell die Entwicklung des RaspberryPI. Der Ein-Platinen-Computer ist gar nicht mehr aufzuhalten! Quasi täglich tauchen neue Anwendungsmöglichkeiten für das kleine Kerlchen auf!
        M.M.n. disqualifiziert sich jeder Artikel über Linux selbst, der was von „mangelnder Hardware-Unterstützung“ faselt! Als ob das an Linux liegt!
        Gebt einfach die Treiber frei und staunt Bauklötze, was mit „eurer“ Hardware passiert! Open Source rockt! 💪

        • Vom Prinzip her gebe ich dir völlig recht. Aber mir ging es nicht darum überzeugte Linux-Nutzer von Linux zu überzeugen. Ich würde mich freuen, wenn Artikel wie dieser dazu führen, dass sich von den erfahrenen (Windows/Computer-)Nutzern ein Bild von Linux machen. Daher wollte ich die Schwierigkeiten nicht ausblenden, auf die man bei einer ersten Linux-Installation treffen kann. Persönlich bin ich ein großer Freund davon, wenn die Arbeit eines Rechners nicht nur von drei übergroßen Softwaregiganten organisiert wird.

  3. Ich nutze seit mittlerweile 10 Jahren Linux auf dem Notebook. Privat wie geschäftlich. Die grosse Zeit der Inkompatibilität ist vorbei, selbst Dinge wie der Standby/hibernate Modus funktionieren mittlerweile problemlos. Vor Weihnachten habe ich ein Zenbook neu angeschafft, und obwohl Asus Linux nicht unterstützt, funktioniert alles wieder dem Nummernblock auf dem Touchscreen Out of the box. Da die Tastatur trotz 13 Zoll Format aber schön weitläufig gebaut ist ist das kein Problem. Auch in Sachen Anwendungen gibt es keine Probleme. Nur Office nutze ich von Google im Browser da ich einfach kein Fan von Lindeoffice und koffice bin. Ich habe zwar eine vm mit Windows 7 installiert, diese wird aber nur selten benutzt(sie war für den 3d Drucker gedacht, da das Drucken selbst bisher nur über die Herstellersoftware geht). Dank Cura Ultimaker ist das aber auch Geschichte und Blender ist zum modelling Ingo das beste Tool. Generell sollte der Artikel darauf mehr eingehen dass 99÷ der Nutzer heutzutage fast nur den Browser nutzen, und Firefox/Chrome gibt es natürlich auch unter Linux. Welches os unter dem browser läuft ist damit schon fast egal.

  4. Bin seit dem Ende von WinXP komplett auf Linux umgestiegen und vermisse nichts. Mittlere weile zu Hause drei Laptops mit Linux im Betrieb. Auch bei Homeschooling – keine Probleme.
    Nach meiner Erfahrung, machen sich am besten die Lenovos in der Sache Linux. HP – auch nicht schlecht.

  5. Also die Hardware-Unterstützung und auch die Hardware-Erkennung ist bei Linux beispiellos, da könnte sich Windows eine Scheibe abschneiden.

  6. Ich verwende Linux seit vielen Jahren privat und beruflich und bin von dem Artikel nicht sonderlich begeistert, obwohl vieles Richtige darin steht. Dass aber die Vektorgrafikprogramme und andere „semiprofessionell“ sein sollen, stimmt überhaupt nicht: Unter Linux laufen hochprofessionelle Programme dieser Art, mal ganz zu schweigen, dass alle wichtigen Programmiersprachen, Entwicklungstools, das komplette High Performance Computing und datenbankgestützte Programme, sowie die gesamte mathematische und wissenschaftliche Software wesentlich besser – oder überhaupt *nur* auf Linux läuft – so wie beispielsweise die wichtigen Webserver und so weiter. Linux ist mittlerweile in seiner Anwendungsbreite und auch -tiefe und mittlerweile auch Bedienbarkeit den anderen Betriebssystemen entweder ebenbürtig oder überlegen. Ganz seltene Ausnahmen gibt es, wie z.b. Photoshop, ein Programm das für Linux in dieser Qualität so nicht verfügbar –
    Gimp reicht aber den meisten…

    viele Grüße Christoph günschmann

    • Zugegeben: Multimedia-Software ist eine Nische, aber eine größere als die von Programmiersprachen und Entwicklungstools. Und High Performance Computing spielt auf dem Notebook eine eher untergeordnete Rolle. Ich bin was Multimedia-Software angeht, nicht ganz unbewandert und habe hier grundsätzlich ein offenes Herz: Gimp ist wirklich nicht schlecht, wenn man von der ungewohnten Menüstruktur und der mäßigen Unterstützung von RAW-Bildern absieht. Inkscape kann man verwenden, aber selbst der völlig veraltete Illustrator CS2 bietet mehr Möglichkeiten und bevor Scribus fürs Layout nehme, versuch ichs vermutlich eher mit Inkscape. Bei der Videobearbeitung ist das Bild ähnlich, wenn man mal von Blender absieht, das hierzu mächtige Funktionen mitbringt, aber eigentlich nicht explizit hierfür gedacht und gerade für Einsteiger ziemlich mächtig ist. Soll Linux auf den Rechner, sind Fragen der Softwareunterstützung eben schon noch interessant – auch wenn es in anderen Bereichen nicht die geringsten Probleme gibt.

  7. Man(N/Frau auch!) kann natürlich über Linux schreiben, was man will. Auch bei diesem Artikel habe ich, bezgl. verschiedener Aussagen, eine Latte an Einwänden. Aber nööö…

    Probiert es aus! Erlebt es selbst! Denn:
    ⊱✰⊰ Linux ist wie guter Sex! Man kann darüber reden und schreiben, genau weiß man es aber erst, wenn man es erlebt hat. ⊱✰⊰ PUNKT!

  8. Habe 2 alte Acer Schätzchen mit Linux Mint laufen der eine ist 14Jahre unser der andere 8 Jahre. Keine Probleme alles läuft und die Installation ist einfach und total unproblematisch. Selbst wenn man Mal was beim einspielen und im Linux killt, ist das kein Problem. Die Systemwiederherstellung läuft um Längen besser als bei Windows.

  9. Ich bin vor 9 Jahren von Windows auf Linux umgestiegen und vermisse nichts. Es gibt für alles was so anfällt passende Software. Nur was Spiele angeht führt kein Weg an Windows vorbei, ja es gibt mittlerweile auch sehr viel Auswahl für Linux aber meistens nur ältere Spiele und bei den Grafiktreibern läuft es auch nicht immer rund. Aber für 90% der Nutzer wäre Linux eine echte alternative. Die Hardwareunterstützung ist mittlerweile auch sehr gut, habe in den 9 Jahren Linux auf 7 verschiedenen Laptops / Desktop PC`s installiert und auf jedem System funktionierte alles sofort. Man muss sich aber umstellen, Linux ist halt nicht Windows und das ist auch gut so.

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