Mit dieser LTE-Geschwindigkeit surfen aktuelle Handys

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Funkmast mit diversen Antennen
Bildquelle: Pixabay
Smartphones gehören für die meisten Menschen genauso zum Alltag wie der Fernseher oder das Frühstück. Und in Zeiten, in denen mobile Internetverbindungen immer schneller werden, bereitet auch die Nutzung entsprechend Freude. Vorausgesetzt, das verwendete Handy ist mit der neuesten LTE-Antennentechnik ausgestattet. Wie schnell das Handy funken kann, hängt oft aber nicht mehr vom Mobilfunknetz, sondern vom im Smartphone verbauten LTE-Modem ab.

Was ist LTE?

Eine Abkürzung, die im Mobilfunk- und Handy-Bereich allgegenwärtig ist: LTE. Dahinter steckt ein Mobilfunk-Standard, der schnelles Internet auf das Smartphone aber auch auf zahlreiche andere Geräte bringt und sich durch mobile Datenübertragung auszeichnet. Das Akronym LTE steht dabei für Long Term Evolution. Immer mal wieder ist auch die Abkürzung 4G gebräuchlich. Technisch korrekt wäre 3.9G, jedoch wurde aus Marketing-Gründen aufgerundet.

Im Allgemeinen wird nur von LTE gesprochen, tatsächlich gibt es aber Erweiterungen von LTE wie LTE Advanced (auch als LTA-A, LTE+ oder 4,5G bekannt) und LTE Advanced Pro, was schon als 4,9G bezeichnet wird. Die Mobilfunkunternehmen bringen weitere Bezeichnungen wie LTE Max ins Spiel. Auf dem Display des Handys zeigt jeder Anbieter leicht abgewandelte Bezeichnungen an. Das kann beispielsweise neben LTE+ auch 4G+ sein. Die Redaktion von inside handy erklärt in einem ausführlichen Artikel noch einmal genau den Unterschied zwischen LTE und 4G.

LTE ist nicht gleich LTE

LTE Advanced und LTE Advanced Pro stellen dabei die aktuelle Höchstgeschwindigkeit im mobilen Internet dar. Technisch gibt es dabei noch zahlreiche Unter-Abstufungen, die sogenannten LTE Kategorien. In Handybeschreibungen und Datenblättern werden sie durch Angaben wie LTE Cat 4 deutlich gemacht. Diese LTE-Kategorien bezeichnen die technisch maximal möglichen LTE-Geschwindigkeit, die das Handy oder besser die im Handy verbauten Modems und Chipsätze leisten können.

Die Betonung liegt dabei auf „technisch maximal möglich“. Denn wenn ein Handy eine bestimmte LTE-Geschwindigkeit unterstützt, so heißt das noch lange nicht, dass diese Geschwindigkeit auch auf dem Handy ankommt. Denn die Mobilfunknetze können diese inzwischen oft hohen Anforderungen an die Spezifikationen rein technisch gar nicht erfüllen. Das liegt unter anderem daran, dass ihnen die dafür notwendigen Frequenzen fehlen.

Deutsche Handynetze bieten derzeit nach Eigendarstellung der Netzbetreiber zwischen 225 Mbit/s (O2) und theoretisch 1 Gbit/s (Vodafone). Dabei muss man aber auch bedenken, dass es sich dabei um keine flächendeckend zur Verfügung stehenden Datenraten handelt. Es ist also mitnichten so, dass es deutschlandweit die hohe Bandbreite von 225 Mbit/s gibt. Und es gilt: Je ländlicher eine Region, desto langsamer die LTE-Geschwindigkeit, die der Anbieter bereithält.

Netze und Smartphones

Mobilfunkverträge mit LTE sind mittlerweile Alltag . Darüber hinaus wurde auch das bisher herrschende Vorrecht der Eigenmarken der drei großen Mobilfunkbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und O2 aufgehoben. So haben zum Beispiel nun auch Congstar die Tochtermarke der Deutschen Telekom und Otelo, der Discountanbieter von Vodafone, LTE-Tarife im Portfolio. Auch mobilcom-debitel kann inzwischen LTE von Vodafone und von der Deutschen Telekom vermarkten.

Viele Anbieter werben dabei mit „Highspeed-Datenvolumen“. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch klar, dass es sich um langsamere Geschwindigkeiten handelt. Insbesondere ist darauf zu achten, ob es sich letztlich nur um UMTS handelt. Das ist bei den meisten Discounter im sogenannten D-Netz der Fall. Den neueren Mobilfunkstandard LTE bekommen die Kunden nicht. Aufgrund der LTE-Netzabdeckung sollte das Mobilfunknetz der vierten Generation aber heute bei einem neuen Tarif dabei sein, wenngleich es nicht in maximaler LTE-Geschwindigkeit sein muss.

Auch wenn es LTE schon ein wenig länger gibt: Nicht jedes Smartphone ist schon in der Lage, die maximalen Geschwindigkeiten zu nutzen. Besonders ältere Flaggschiffe, Einsteiger- und Mittelklasse-Handys kommen auf bis zu maximal 100 Mbit/s im Downstream. Andererseits gibt es auch Modelle wie die aktuellen Flaggschiffe von Samsung, Apple, Huawei und Sony, die wesentlich höhere Kapazitäten haben. Dort ist es dann jedoch wie erwähnt so, dass das Netz der Mobilfunkbetreiber nicht über die maximale Geschwindigkeit verfügt, die das Handy leisten könnte.

So schnell ist das Surfen mit LTE bei den Netzbetreibern

Wer einen Vertrag bei einem der drei Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland / O2 abschließt, erhält in der Regel die hochwertigsten Angebote am deutschen Markt. Und wer viel zahlt, bekommt auch viel. In diesem Fall die jeweils maximal mögliche Datenrate, die die Netze hergeben. Das sind bei der Deutschen Telekom 300 Mbit/s, im O2-Netz 225 Mbit/s und im Vodafone-Netz 500 Mbit/s. Die Gigabit-Sendemasten sind derzeit noch sehr rar.

Bei Prepaid-Tarifen oder den Ableger-Marken sieht das schon wieder anders aus. Hier wird LTE oftmals gedrosselt oder erst gar nicht angeboten. Dann haben die Kunden nur Zugriff auf das UMTS-Netz. Zu beachten ist darüber hinaus, dass LTE ein so genanntes Shared Medium ist. Das heißt, die maximal mögliche Surfgeschwindigkeit wird zwischen all jenen Personen aufgeteilt, die sich gerade in die Mobilfunk-Zelle eingebucht haben.

LTE Cat 4, Cat 6, Cat 12 und Co. – Das steckt dahinter

Neben der Frage, wie hoch die Geschwindigkeit des Surfens in den LTE-Funkzellen und LTE-Tarifen theoretisch möglich wäre, ist auch entscheidend, mit welchem LTE-Modem das persönlich genutzte Smartphone ausgestattet wurde und welchen Standards das Netz nutzt. Eingangs wurden die LTE-Kategorien oder Gerätekategorien (Cat 3, Cat 4, Cat 5 und so weiter) erwähnt. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick darüber, wie schnell Downloads und Uploads in den jeweiligen Kategorien möglich sind und in Teilen auch, durch welche technischen Maßnahmen diese zustande kommen.

LTE-Kategoriemaximal mögliche
Download-Geschwindigkeit
maximal mögliche
Upload-Geschwndigkeit
Anzahl der CarrierMiMo
LTE Cat 110 Mbit/s5 Mbit/snein
LTE Cat 250 Mbit/s25 Mbit/s
LTE Cat 3100 Mbit/s50 Mbit/s
LTE Cat 4150 Mbit/s50 Mbit/sDownstream: 1
Upstream: 1
2x2
LTE Cat 5300 Mbit/s75 Mbit/sDownstream: 1
Upstream: 1
4x4
LTE Cat 6300 Mbit/s50 Mbit/sDownstream: 2
Upstream: 2
2x2 oder 4x4
LTE Cat 7300 Mbit/s100 Mbit/sDownstream: 2
Upstream: 2
2x2 oder 4x4
LTE Cat 83.000 Mbit/s1.500 Mbit/sDownstream: 5
Upstream: 5
bis 8x8
LTE Cat 9450 Mbit/s50 Mbit/sDownstream: 3
Upstream: 1
2x2 oder 4x4
LTE Cat 10450 Mbit/s100 Mbit/sDownstream: 3
Upstream: 2
2x2 oder 4x4
LTE Cat 11600 Mbit/s50 Mbit/sDownstream: 3
Upstream: 1
4x4
LTE Cat 12600 Mbit/s100 Mbit/sDownstream: 3
Upstream: ?
4x4
LTE Cat 13400 Mbit/s150 Mbit/sDownstream: 5
Upstream: 2
4x4
LTE Cat 144000 Mbit/s9.500 Mbit/sDownstream: 5
Upstream: 32
Downstream: 8x8
Upstream: 2x2 oder 4x4
LTE Cat 15800 Mbit/s225 Mbit/sDownstream: 5
Upstream: 32
2x2 oder 4x4
LTE Cat 161.000 Mbit/s100 Mbit/sDownstream: 5
Upstream: ?
LTE Cat 1725.000 Mbit/s9.600 Mbit/sDownstream: 32
Upstream: ?
LTE Cat 181.200 Mbit/s225 Mbit/sDownstream: 5
Upstream: ?
8x8
LTE Cat 191.700 Mbit/s225 Mbit/sDownstream: 32
Upstream: ?
LTE Cat 202.000 Mbit/s300 Mbit/sDownstream: 7
Upstream: 3
4x4 FD-MiMO
LTE Cat 211.400 Mbit/s300 Mbit/s

Beim Blick auf die oben genannten Werte ist auch zu beachten, dass längst nicht alle Kategorien von den Mobilfunknetzbetreibern und Handyherstellern unterstützt werden. Denn letztendlich ist auch entscheidend, welche Funkspektren in den Mobilfunknetzen rund um den Erdball überhaupt eingesetzt werden. So sind zum Beispiel die LTE-Kategorien 5, 7 und 8 eher theoretischer Natur und schon jetzt ist klar, dass wohl auch die Kategorie 14 hierzulande niemals nutzbar sein wird. LTE Cat 12, Cat 15 und Cat 16 werden in den kommenden Jahren den Weg in die so genannte Gigabit-Gesellschaft ebnen, ehe in diesen Monaten erste 5G-Netze im Massenmarkt ankommen.

Was bedeutet Carrier Aggregation, MiMo und QAM?

Die sogenannte Carrier Aggregation (CA) ist ein technisches Mittel, um mehrere LTE-Frequenzen oder besser LTE-Bänder zu koppeln. Dadurch steht dann in der Summe ein größeres LTE-Frequenz-Spektrum zur Verfügung. So verschmelzen die Netzbetreiber beispielsweise Frequenzen um 1800 und 2600 MHz zu einem Frequenzblock.

MiMo ist einfach erklärt eine Antennen-Technologie. Dabei kommen im Handy und an der Antenne mehrere Antennen zum Einsatz, über die in komplizierten technischen Verfahren die Signale übertragen werden. Dadurch ist es möglich, die Kapazitäten einer Frequenz effektiver auszunutzen.

Ein weiteres, nicht in der Tabelle aufgeführtes technisches Unterscheidungsmerkmal ist die Quadraturamplitudenmodulation, kurz QAM. Durch Veränderung dieses Parameters passen ebenfalls mehr Daten zur gleichen Zeit auf die gleiche Frequenz. Allerdings: Das alles geht nur bei optimalen Bedingungen. Dabei spricht man bei den höchsten technischen Anforderungen durchaus von einer wörtlich gemeinten Sichtverbindung zwischen LTE-Handy und Sendemast.

LTE-Geschwindigkeit in aktuellen Smartphones

Bei vielen aktuellen Mittelklasse-Smartphones hat sich LTE Cat 6 mit bis zu 300 Mbit/s im Downstream und maximal 50 Mbit/s im Upload als Standard durchgesetzt. Geräte, die in der Einsteiger-Kategorie zu einem vergleichsweise kleinen Preis punkten sollen, kommen oft aber auch nur mit LTE Cat 4 (150 Mbit/s Download / 50 Mbit/s Upload) in den Handel. Das klingt nach wenig, ist für die meisten Nutzer aber absolut ausreichend. Spitzenmodelle besitzen in der Regel die besten LTE-Modems und können Daten auf Basis von mindestens LTE Cat 12 mit bis zu 600 Mbit/s aus dem weltweiten LTE-Netz herunterladen und mit bis zu 100 Mbit/s verschicken. Es sind aber auch schon Modelle am Markt zu haben, die LTE Cat 16 oder sogar LTE Cat 20 oder 21 unterstützen – mit dem Schönheitsfehler, dass es dazu schlicht keine passenden Netze gibt.

Einige Beispiele: Bei Apple kommt das iPhone X genau so wie das iPhone 8 mit LTE Cat 12 daher, das iPhone 7 hatte LTE Cat 9 und beim iPhone 6s war es noch LTE Cat 6. Beim Huawei P30 Pro ist LTE Cat 20 angesagt, der kleine Bruder Huawei P30 muss mit LTE Cat 16 auskommen. Das ist insofern erstaunlich, als dass im Huawei P20 Pro, P20 und auch dem Huawei Mate 10 Pro schon LTE Cat 18 zu finden war. Dass nicht jedes aktuelle LTE-Smartphone mit einer utopischen LTE-Kategorie daher kommt, zeigt beispielsweise das neue Galaxy A80 mit LTE Cat 12. Diese LTE-Kategorie ist für den durchschnittlichen Anwender allemal ausreichend. Beim Samsung Galaxy S10 wiederum kommt LTE Cat 20 zum Einsatz.

LTE-Kategorien auch bei anderen Geräten wichtig

Zum Einsatz kommen die verschiedenen LTE-Kategorien aber nicht nur in Smartphones. Sie sind zum Beispiel auch für Tablets, in die eine SIM-Karte eingeschoben werden kann und die LTE-fähig sind, relevant. Bei zahlreichen iPad-Modellen von Apple ist das beispielsweise genauso möglich, wie bei vielen Tablets der Samsung-Galaxy-Familie. Darüber hinaus kann es sich lohnen, einen prüfenden Blick auf die LTE-Geräteklasse bei LTE-WLAN-Routern oder LTE-Sticks zu werfen.

Wie schnell ist LTE?

Es gibt auf die Frage, wie schnell LTE ist, keine pauschale Antwort. Wie erwähnt, werben die Netzbetreiber bei Highspeed-Internet mit bis zu 500 Mbit/s. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Der LTE-Standard bietet grundsätzlich deutlich mehr als die reale Surf-Geschwindigkeit auf dem Handy. Das liegt wie erwähnt an den verschiedenen LTE-Kategorien, die die Netzbetreiber gar nicht ausnutzen können. Aber es liegt auch am über ganz Deutschland sehr unterschiedlich ausgeprägten LTE-Netzausbau sowie die generelle LTE-Verfügbarkeit.

Dass das Handy im Display LTE oder 4G anzeigt, ist auch kein Garant für den viel beschworenen LTE Speed. Denn wenn beispielsweise im Telekom-Netz nur ein Träger mit 900 MHz und einem Spektrum von 5 MHz verfügbar sind, lassen sich hier in Summe kaum mehr als 30 bis 40 MBit/s übertragen – für alle Nutzer in der Zelle. Das trifft vor allem auf den ländlichen Raum zu.

Tarifwahl entscheidend für LTE-Speed

Ferner ist die Internet-Geschwindigkeit davon abhängig, wie viele Nutzer das Netz der selben Antenne zum gleichen Zeitpunkt nutzen und welche Kapazität der Anbieter generell bereitstellt. Höhere Geschwindigkeiten im LTE-Netz für alle bedeuten am Ende auch höhere Geschwindigkeiten zum mobilen Surfen für jeden einzelnen Smartphone-Nutzer.

Letztlich ist die Download-Geschwindigkeit auch vom eigenen Tarif abhängig. Günstige LTE-Tarife bietet in der Regel nur einen limitierten Zugang zum Netz. Bei O2 Free beispielsweise kann der Kunde mit 1 Mbit/s surfen, auch wenn er sein Inklusiv-Datenvolumen schon verbraucht hat.

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