Kein Strom heißt nicht nur, dass es kein Licht gibt, kein Backofen und kein Kühlschrank funktionieren. Es gibt auch keine Wärme (Heizungsanlagen brauchen Strom), kein warmes Wasser (Pumpen im Netz brauchen Strom) und kein Internet und Handynetz. Denn auch, wenn das Mobilfunksignal vermeintlich einfach aus der Luft kommt, so brauchen Mobilfunkanbieter Strom für den Betrieb ihrer Netze – sowohl in der Vermittlung von Daten und Telefonie als auch, um die Funksignale in die Luft zu bekommen. An mehr als 90.000 Standorten in ganz Deutschland haben die Telekom, Vodafone und O2 ihre Sendeanlagen stehen. Jeder einzelne von ihnen benötigt Strom. Alle Standorte mit einem Notstromgenerator zu versorgen, wäre wirtschaftlich nicht möglich. Nur extrem wichtige Standorte sind mit Notstrom-Anlagen ausgestattet.
Telekom: 19 von 29 Sendern wieder in Betrieb
Heute, mehr als 48 Stunden nach dem Anschlag in Berlin, teilte uns die Telekom mit, dass 19 der 29 im betroffenen Gebiet befindlichen Mobilfunkanlagen wieder in Betrieb seien. Das sei zum einen durch die Versorgung mit Hilfe von sogenannten Netzersatzanlagen, also Notstrom-Anlagen, erfolgt. Zum anderen spiele aber auch eine Rolle, dass die Stromversorgung durch Stromnetz Berlin in einigen Gebieten bereits wiederhergestellt werden konnte. Für andere Regionen aber wird es nach aktuellen Angaben noch bis Donnerstag dauern. Die Telekom prüfte, ob es weitere Einsatzmöglichkeiten für Netzersatzanlagen gibt. „Alle im betroffenen Gebiet verfügbaren Stationen haben unsere Teams optimiert und kalibriert, um die größtmögliche Reichweite für eine Notversorgung sicherzustellen“, teilte uns die Telekom mit. Telefonie und SMS sowie Notrufe seien im gesamten Gebiet des Stromausfalls grundsätzlich möglich. „Eine flächendeckende mobile Datenversorgung ist zurzeit noch nicht gegeben.“
Vodafone: Nur noch zehn Sender ohne Strom
Auch bei Vodafone lag die Priorität darauf, eine Mobilfunk-Grundversorgung sicherzustellen – auch und vor allem, damit Notrufe möglich sind. Der Stromausfall betraf zunächst 39 Mobilfunkstationen und drei lokale Netzknotenpunkte, die allesamt von der eigentlichen Stromversorgung abgetrennt wurden, teilte uns Vodafone mit. Durch Inbetriebnahme von Stromgeneratoren und Neuausrichtung der angrenzenden Mobilfunkstationen (bereits am Samstagmorgen) konnte diese Mobilfunk-Grundversorgung sichergestellt werden, hieß es von Vodafone. Angesichts der Wetterverhältnisse spricht Vodafone von einem enormen Kraftakt für die eigenen Mitarbeiter und beauftragten Unternehmen.
Durch Stromgeneratoren, die regelmäßig nachgetankt werden müssen, habe man von den 39 Standorten bereits 29 wieder ans Netz nehmen können. Mindestens drei weitere werde man noch am Montag mit Generatoren wieder ans Netz bringen können. Bei drei Standorten werde man aber keinen Notstrom anbinden können, hier muss Vodafone auf die reguläre Energieversorgung warten. Vier weitere Standorte dienen im Regelbetrieb der Qualitätsverbesserung. Sie würden nachrangig entstört – vermutlich am Dienstag. Als einziger Anbieter nennt Vodafone eine Zahl betroffener Nutzer. Demnach seien es am Montagmorgen noch 689 Menschen gewesen, „die das Vodafone-Netz normalerweise nutzen würden, sich aber aufgrund des Ausfalls von zwölf Stationen nicht einbuchen können.“ Wer also gezielt zwischendurch in versorgte Gebiete geht und dann wieder zurück, fällt aus dieser Statistik heraus.
O2: 18 Sendeanlagen betroffen
O2 teilte mit, 18 der eigenen Mobilfunksender stünden im betroffenen Gebiet. „In vielen Fällen übernehmen umliegende Standorte zumindest teilweise die Netzversorgung, da sie über andere bzw. redundante Stromanschlüsse angebunden sind.“ Für solche Lagen habe O2 Telefónica „ein umfassendes Sicherheits- und Vorsorgekonzept etabliert“ und halte im Rahmen dessen unter anderem Notstromaggregate vor. So könne man Standorte bei Bedarf kurzfristig wieder mit Energie versorgen. Techniker seien im Einsatz und hätten Notstromaggregate dort installiert, wo Zugang und geeignete Stellflächen vorhanden sind, um betroffene Technik wieder ans Laufen zu bringen. Dennoch: Wie viele der 18 Sender noch immer ohne Strom sind, teilte uns O2 nicht mit.
Warum fahren die Netzbetreiber keine mobilen Sender ins Gebiet?
Wer auf Festivals unterwegs ist oder sich an die Flut im Ahrtal vor einigen Jahren erinnert, kennt auch die mobilen Sendemasten der Mobilfunkanbieter. Auch diese können per Dieselgenerator mit Strom und über Richtfunk oder Satellit mit einer Datenanbindung versorgt werden. Warum also setzen die Netzbetreiber nicht darauf, derartige Sender nach Berlin zu fahren? Die Erklärung, die mehrere Anbieter übereinstimmend gaben: Es dauert zu lange. Zunächst müssten Stellflächen und Genehmigungen her. Der Aufbau dauert dann weitere zwei Tage. Die Hoffnung der Netzbetreiber: Bis man die mobilen Sender einsatzbereit hat, ist der reguläre Sender wieder on air. Entweder durch die normale Stromversorgung oder den Eingriff der Techniker.
Funktioniert das Festnetz bei Telekom & Vodafone?
Telekom und Vodafone betreiben neben den Mobilfunknetzen auch eine Festnetz-Infrastruktur. Diese würde im Fall der Telekom auch funktionieren. „Acht Vermittlungsstellen der Telekom befinden sich im Gebiet, das vom Stromausfall betroffen ist. Diese Vermittlungsstellen waren jederzeit arbeitsfähig, da die Stromversorgung über Batterie- und Netzersatzanlagen erfolgreich abgesichert werden konnte“, so die Telekom. Sobald der Strom bei den Menschen wieder funktioniert, können sie die Festnetzdienste wieder nutzen. Ein Problem bei DSL und VDSL dürfte allerdings sein, dass auch die Anschlusspunkte auf den Straßen, die großen grauen Kästen, Strom brauchen. Bei Glasfaseranschlüssen wiederum entfällt dieser Punkt, da zwischen der Vermittlungsstelle und dem eigenen Anschluss kein Strom gebraucht wird. Wer also sein Glasfasermodem an eine Powerstation anschließen kann, dürfte Internet haben.
Anders bei Vodafone: Eine lokale Betriebsstelle im Kabelnetz ging nach Verbrauch des Stromkapazitätspuffers offline. Kabel-TV, Internet und Festnetz waren zunächst nicht mehr verfügbar. Doch noch am Samstagnachmittag habe man mit „einem großen Kraftakt und unter Einsatz von Schneeräumfahrzeugen“ einen passenden Großgenerator anschließen können. „Sofern die Festnetzkunden in ihren Wohnungen und Häusern wieder Strom haben, können sie auch wieder Kabel-TV, Breitband-Internet und Festnetz-Telefonie nutzen.“ Eine lokale Powerstation hilft hier allerdings nicht weiter. Zwischen Betriebsstelle und der Wohnung gibt es weitere Netzelemente, die Strom brauchen.
Spanische Verhältnisse in Deutschland? Was wäre, wenn…
Als im Mai 2025 der Strom in ganz Spanien ausfiel, fragten wir die Netzbetreiber in Deutschland, was hierzulande mit den Mobilfunknetzen geschehen würde. „Dezentrale Betriebsstellen werden temporär über Batteriepuffer abgesichert und müssen bei längeren regionalen Stromausfällen über mobile Netzersatzanlagen versorgt werden“, teilte uns die Telekom damals mit. Einen Zeitraum für den Puffer nannte man uns nicht. Ähnliche Angaben von Vodafone und O2: Grundsätzlich sei das Netz in der Lage, eine Grundversorgung zu realisieren – auch ohne Strom.
Angesichts dessen, wie sehr die Mobilfunkanbieter scheinbar in Berlin um jeden einzelnen Sendemast kämpfen müssen, kann man nur hoffen, dass es nicht zu einem flächendeckenden Blackout in Deutschland kommt. Nach unserer Einschätzung würde eine flächendeckende Grundversorgung über einen längeren Zeitraum nur schwer möglich sein.
