„Wenn Sie jetzt nicht unterschreiben …“: Was ein Verbraucherschützer am Glasfaser-Haustürgeschäft kritisiert

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Glasfaser gilt als die Zukunft des Internets. Doch der Weg dorthin beginnt für viele mit spontanen Angeboten und großen Versprechen. Ein Verbraucherschützer beschreibt, warum daraus oft Frust entsteht und worauf du im Alltag achten solltest.
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Glasfaser-Ausbau bei der "Deutsche Glasfaser"Bildquelle: Deutsche Glasfaser

Michael Gundall ist Technikreferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Er beschäftigt sich seit Jahren mit den Veränderungen bei DSL, Glasfaser und Kabel. Von der Zukunft des Internets zeichnet er in einem aktuellen Interview mit der FAZ ein Bild, das viele Betroffene wiedererkennen dürften: Glasfaser ist technisch sinnvoll, aber die Art, wie sie vermarktet und „begleitet“ wird, sorgt regelmäßig für Ärger. Seine Beratungserfahrung fasst er drastisch zusammen: Es werde „sehr viel versprochen, und dann passiert nichts“.

Glasfaser wird an der Tür als letzte Chance verkauft

Gundall kritisiert vor allem Methoden im Haustürvertrieb. In der Beratung höre man „immer wieder“, dass dort „mit Druck gearbeitet“ werde. Typisch sei die Drohung: „Wenn Sie jetzt nicht unterschreiben, dann stehen Sie in zwei Monaten ohne Internet da.“ Genau solche Sätze setzen auf Angst statt auf Fakten. Denn da ist nichts dran. Nicht heute, nicht nächstes Jahr – nicht einmal in diesem Jahrzehnt.

Selbst wenn Nachbarn Glasfaseranschlüsse bestellen und das neue Netz damit ins Haus kommt, ist das nicht das Ende von DSL und Kabel. Wörtlich sagt er, es würden nicht einfach „Telefonkabel oder Fernsehkabel herausgerissen“. Wer an der Tür so tut, als müsse man sofort unterschreiben, um online zu bleiben, arbeitet aus Sicht des Verbraucherschützers mit einer künstlichen Dringlichkeit.

Noch schwerer wiegt für Gundall die Phase nach dem Vertragsabschluss. Er beschreibt das Muster so: „In dem Moment, in dem ein Vertrag unterschrieben ist, wird oft die Kommunikation eingestellt und die Kunden werden alleingelassen.“ Das ist der Punkt, an dem aus einer eigentlich guten Infrastrukturidee ein schlechtes Kundenerlebnis wird. Hintergrund ist hier in vielen Fällen die Vorvermarktung, die viele Anbieter vornehmen, um einen kostendeckenden Ausbau zu ermöglichen. Gundall räumt ein, dass Ausbau Zeit braucht: Kunden müssen zusammenkommen, Planung und Tiefbau müssen koordiniert werden. Sein Anspruch ist trotzdem eindeutig: Anbieter müssten über die Schritte informieren, „auch wenn es noch kein konkretes Anschlussdatum gibt“. Gerade diese Lücke zwischen Verkaufsversprechen und fehlender Transparenz produziert die „Horrorgeschichten“, von denen im Interview die Rede ist: lange Wartezeiten, Unklarheit, Frust. Der BGH hatte unlängst übrigens geurteilt: Die Mindestvertragslaufzeit beginnt mit der Unterschrift, nicht mit der Schaltung des Anschlusses.

Warum „Aufklärung“ oft wie Verkauf wirkt

Gundall nennt Glasfaser „die Zukunft“ und sagt zugleich, sie sei „sehr erklärungsbedürftig“. Genau deshalb müssten Unternehmen ihre künftigen Kunden „mitnehmen“. Seine Kritik: Infoveranstaltungen seien oft „reine Verkaufsveranstaltungen“, und er bezweifelt, „dass am Ende alle Fragen beantwortet sind“.

Besonders deutlich wird er bei der üblichen Drohkulisse, die einige Anbieter aufbauen: „Wenn du jetzt nicht mitmachst, dann kostet dich das später 5000 Euro.“ Seine Einschätzung: Das ziehe „auch nicht mehr“. Wer Vertrauen will, müsse „mehr in ehrliche Aufklärung investieren“ – ohne Angst- und Druckkommunikation.

Was du tun solltest

  • Unterschreibe nicht an der Tür, sondern lass dir alles schriftlich geben und prüfe es in Ruhe.
  • Lass dir keine „bald offline“-Behauptungen aufdrücken: Wenn jemand das sagt, soll er es konkret und nachvollziehbar belegen.
  • Achte auf den Unterschied zwischen Widerruf und Kündigung und lies genau, ab wann die Laufzeit starten soll.
  • Sei vorsichtig, wenn im Gespräch plötzlich Zusatzverträge (z. B. Strom) auftauchen.

Unterm Strich ist Gundalls Linie eindeutig: Glasfaser ja – aber nicht um den Preis von Druckverkauf und Intransparenz. Seine Forderung: ehrlicher erklären, sauber informieren, erreichbar bleiben.

Dass das Haustür-Geschäft immer wieder negativ auffällt, ist übrigens kein Zufall. Es ist für die Glasfaser-Anbieter der wichtigste Absatzkanal. Und die Vertreter an der Haustür arbeiten oft provisionsbasiert: Je schneller der Anschluss, desto höher die Provision. So erklären sich Fälle, in denen Senioren mitunter ein Gigabit-Anschluss „empfohlen“ wird. Die Telekom hat angekündigt, in Teilen ein anderes Konzept einführen zu wollen. Sie will Mitarbeiter aus den eigenen Shops als echte Kundenberater an die Tür schicken. Ob die Kunden den Unterschied realisieren, muss sich zeigen.

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