Samsung Galaxy S22 Ultra im Test: Geht’s noch besser?

8 Minuten
Samsung bezeichnet das Galaxy S22 Ultra als "episch" und kreuzt es mit der Seele der toten Note-Reihe. Herauskommt ein High-End-Handy mit integriertem Stift. Unser Test zeigt, dass die S-Serie zwar einen Stift gewonnen, dafür aber einige andere Dinge verloren hat.
Samsung Galaxy S22 Ultra im Test
Samsung Galaxy S22 Ultra im TestBildquelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

Wer heute noch 1.000 Euro oder mehr für ein Handy ausgibt, erwartet das Beste vom Besten. Samsung verlangt für das Galaxy S22 Ultra mindestens 1.250 Euro. Dabei geizt der führende Smartphone-Hersteller nicht nur beim Speicher, der auf 128 GB eingedampft wurde und nicht einmal mehr per microSD-Karte erweiterbar ist. Auch andere Dinge sind verschwunden. Dass ein Klinkenanschluss fehlt, dürfe im Zeitalter von guten Bluetooth-Kopfhörern wohl verschmerzbar sein. Doch dass man bei dem ohnehin schon happigen Preis auch noch Geld für ein Ladegerät ausgeben muss, weil Samsung keines in den Lieferumfang packt, ist unverschämt. Dafür bekommen Nutzer der S-Klasse jetzt einen S-Pen, ob sie wollen oder nicht. Das Galaxy S22 Ultra wird damit zum Galaxy Note 22 Ultra. Doch das ist noch längst nicht alles.

Die Hardware des Samsung Galaxy S22 Ultra im Test

Wirft man einen Blick ins Datenblatt, merkt man schnell, dass Samsung hier nur Komponenten aus dem obersten Fach geholt und verlötet hat. Vom Prozessor über die Sensoren der Kameras bis hin zum Display: High End, soweit das Auge reicht. Hinzu kommen die neueste Software inklusive aktueller Sicherheitsstufe und die neusten Verbindungsstandards bei Bluetooth (5.2) und USB (3.2). Zudem bietet Samsung das Galaxy S22 Ultra in gleich sieben Farben an – das ist für ein so teures Handy eher die Ausnahme anstatt die Regel.

Samsung Galaxy S22 Ultra
Samsung Galaxy S22 Ultra

Doch wenn man sucht, findet man auch zwei, drei Haare in der Suppe. Für 1.250 Euro gibt es das Galaxy S22 Ultra nur mit 128 GB Speicher. Das ist in der heutigen Zeit nicht besonders viel. Für ein Flaggschiff-Modell eindeutig zu wenig. Zwar bietet Samsung das Gerät auch mit 512 GB Speicher an, dann jedoch muss man 200 Euro mehr zahlen. Und da soll einer sagen, Speicher würde heute nicht mehr viel Geld kosten.

Samsung Galaxy S22 Ultra
Samsung Galaxy S22 Ultra

Zudem ist der Bildschirm Samsung-typisch einer der besten, die man derzeit in einem Smartphone unterbringen kann. Jedoch zeigt Sony, etwa mit dem Xperia Pro-I, dass es hinsichtlich der Auflösung eben auch noch etwas besser geht. Und dann ist da noch der Akku. Im Datenblatt leuchten da 5.000 mAh auf. Klingt nach viel. Doch bei einem derart potenten Prozessor und dem hochauflösenden 120-Hz-Display, dass nicht gerade klein ist, ist der Verbrauch bei Nutzung des Handys auch dementsprechend hoch. Im Kapitel „Akku“ weiter unten gibt es die Details.

  • Gehäuse: 4 von 5 Sternen
  • Display: 4,5 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 4,5 von 5 Sternen
  • Kamera: 5 von 5 Sternen
  • Software: 5 von 5 Sternen
  • Akku: 4 von 5 Sternen
  • Gesamtwertung: 4,5 von 5 Sternen

Samsung Galaxy S22 Ultra erbt den S-Pen und wird zum Note

Samsung hat die Note-Reihe aufgegeben. Doch eigentlich ist das nur die halbe Wahrheit. Denn es war der Stift, den die Koreaner S-Pen nennen, der das Note ausgemacht hat. Und nun ist ebendieser Stift im Galaxy S22 Ultra untergebracht. Somit heißt das Note nicht mehr Note, doch eigentlich ist es immer noch da. Wer sein Handy nicht nur mit Daumen und Zeigefinger bedienen möchte, kann beim S22 Ultra also zum S-Pen greifen. Damit lassen sich handschriftliche Notizen verfassen, die die Software anschließend auf Wunsch in durchsuchbaren Text umwandelt und speichert.

Samsung Galaxy S22 Ultra
Samsung Galaxy S22 Ultra

Bei dem Gekritzel mit dem Stift auf dem Display des Galaxy S22 Ultra gibt es allerdings ein Problem. Legt man das Gerät auf den Tisch, sind es die wuchtigen Kameraobjektive auf der Rückseite, die das Handy zur Wippe machen, sobald der Stift den Bildschirm berührt. Jedoch hat der Stift nicht nur schreibende Funktionen. Er dient gleichzeitig auch als Fernbedienung. Spielt man Musik etwa über Spotify ab, lässt sie sich pausieren oder die Lautstärke verändern. Bei Selfies oder Aufnahmen vom Stativ kann man den Stift als Fernauslöser benutzen. Schöne Zusatzfunktionen, die im Handumdrehen wieder verschwinden, wenn man den Stift zurück in seinen Schacht schiebt. Nutzen muss man ihn also nicht, doch er ist immer da, wenn man ihn braucht.

Die Kamera

Wir wollen an dieser Stelle nicht mit Spezifikationen der Kameraausstattung jonglieren, sondern sofort zur Sache kommen. Denn ob 12 oder 20 Megapixel, ob eine Blende von f/1.8 oder f/2.0, wichtiger ist das, was am Ende zu sehen ist – also das fertige Bild auf dem Display. Und hier kann das Samsung Galaxy S22 Ultra mächtig Eindruck schinden. Verzichtet man auf den 100-fach-Zoom, der seit Generationen nicht zu gebrauchen ist, da er fast ausschließlich matschige Bilder ausspuckt, kann nichts schiefgehen.

Landschaftsaufnahme: Fotografiert mit dem Galaxy S22 Ultra
Landschaftsaufnahme: Fotografiert mit dem Galaxy S22 Ultra

Ob Telekamera oder Weitwinkel, ob Makro, Porträt oder Landschaftsaufnahme: Fotos weisen durchgehend einen hohen Detailgrad auf, überzeugen mit satten, nicht aber zu überzogenen Farben und einer knackigen Schärfe.

Strand: Fotografiert mit Weitwinkelkamera
Strand: Fotografiert mit Weitwinkelkamera

Selbst bei Gegenlicht liefert die Kamera des Samsung Galaxy S22 Ultra gute Ergebnisse. Zwar steigt das Bildrauschen, doch das kann man dem kleinen Sensor nicht übel nehmen. Samsung holt mithilfe der Software enorm viel aus der Situation heraus.

Gegenlicht: Fotografiert mit dem Samsung Galaxy S22 Ultra
Gegenlicht: Fotografiert mit dem Samsung Galaxy S22 Ultra

Zwar trieft die Rückseite des Handys nur so von Kameras, ein spezielles Makroobjektiv gibt es allerdings nicht. Und dennoch lassen sich schöne Nahaufnahmen machen. Nicht nur von Motiven, die bereits nahe sind.

Nahaufnahme
Nahaufnahme

Der 100-fache Zoom ist zwar in aller Regel unbrauchbar. Der Mond lässt sich aber ganz gut ablichten. Ob Samsung, wie einst Huawei, das Motiv mit Bildern aus der Datenbank abgleicht und es per Software über das selbst aufgenommene legt, bleibt ein Geheimnis.

Mond: Fotografiert mit dem 100-fach Zoom des Samsung Galaxy S22 Ultra
Mond: Fotografiert mit dem 100-fach Zoom des Samsung Galaxy S22 Ultra

Wer nach einem Handy sucht, dass nicht nur im Alltag tolle Schnappschüsse liefert, die man per WhatsApp und Co. teilen kann, sondern auch eine Kamera für den Urlaub haben möchte, findet mit dem Galaxy S22 Ultra den perfekten Begleiter. Zwar ist man als Fotograf selbst für Motivauswahl und Bildgestaltung verantwortlich. Doch beim Samsung Galaxy S22 Ultra kann man sich auf die Technik verlassen und schaut sich die Bilder im Nachhinein gerne an.

Fischerhäuschen: Fotografiert mit dem Samsung Galaxy S22 Ultra
Fischerhäuschen: Fotografiert mit dem Samsung Galaxy S22 Ultra

Der Akku, die Laufzeit und die Ladeproblematik

Der Akku des Samsung Galaxy S22 Ultra misst eine Kapazität von 5.000 mAh und soll dank Schnellladeverfahren blitzschnell wieder voll sein. Samsung verspricht: „Mit dem 45 Watt-Schnellladegerät hast du in wenigen Minuten wieder genug Power, für alles, was dir Spaß macht.“ Tja, dafür müsste man aber erst einmal das Schnellladegerät haben. Es liegt aber lediglich ein Kabel dem Lieferumfang bei.

Doch nehmen wir an, wie auch Samsung annimmt, man hat ein Ladegerät zu Hause, weshalb man auch keines braucht. Wir haben zum Aufladen ein Ladegerät von OnePlus benutzt – mit einer Leistung von 65 W. In 10 Minuten am Kabel konnte der Schnellader den Akku des Galaxy S22 Ultra zu 20 Prozent füllen. In etwa einer Stunde war die Batterie voll. Mit einem älteren Ladegerät, das womöglich nur 25 W ausspuckt, dürfte die Ladeprozedur deutlich länger dauern.

Samsung Galaxy S22 Ultra
Samsung Galaxy S22 Ultra

Die Akkulaufzeit hat Samsung beim Galaxy S22 Ultra gegenüber dem S21 Ultra nochmals deutlich steigern können. Für ein Top-Modell mit Technik der Spitzenklasse bringt es das Smartphone im PCMark-Test auf eine gute Laufzeit von 12:10 Stunden. Das sind über zweieinhalb Stunden mehr als der Vorgänger draufhatte. Zum Vergleich: Das Sony Xperia Pro-I kommt im gleichen Test auf eine Laufzeit von 10:45 Stunden.

Für den Alltag lässt sich sagen: Von morgens bis abends hält das Samsung Galaxy S22 Ultra durch, wenn man es denn nicht zu exzessiv benutzt. Doch einen zweiten Tag fernab jeder Steckdose und Powerbank sollte man von dem Gerät nicht unbedingt verlangen.

Fazit zum Samsung Galaxy S22 Ultra

Ohne Zweifel: Das Samsung Galaxy S22 Ultra ist ein hervorragendes Smartphone. Es bietet eine wahnsinnig gute Kamera-Ausstattung, ein tolles Display und liefert eine exzellente Leistung. Auch die Akkulaufzeit ist gut, ebenso wie der Klang der Stereo-Lautsprecher. Zudem gibt es auch noch einen Stift, den das S-Modell vom beerdigten Galaxy Note erbt. Doch all das hat auch seinen Preis: Wer sich zudem mit 128 GB Speicherplatz nicht zufriedengibt, greift zum Modell mit 512 GB und muss tief in die Tasche greifen. Fast 1.500 Euro werden dann fällig. Bei aller Liebe: Das ist eindeutig zu viel für das, was man mit dem Galaxy S22 Ultra bekommt. Zudem gibt es noch nicht einmal ein Netzteil dazu. Was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, kann Samsung längst nicht mehr mit Xiaomi, Oppo oder OnePlus mithalten. Vermutlich will man das aber auch gar nicht.

Samsung Galaxy S22 Ultra im Test

Pro

  • hervorragende Kamera
  • tolles Display
  • lange Akkulaufzeit
  • in 7 Farben erhältlich

Contra

  • kein Ladegerät dabei
  • Speicher nicht erweiterbar
  • günstigste Variante nur mit 128 GB Speicher

Deine Technik. Deine Meinung.

2 KOMMENTARE

  1. Radian

    Ihr habt vergessen zu erwähnen, dass es neben der 512GB-Variante auch noch eine 256GB-Variante gibt, die dann „nur“ 100€ teurer ist als das Basismodell mit 128GB.
    Sollte auf jedem Fall erwähnt werden.

    Antwort
  2. Frank

    Naja, besser geht immer. Zum Beispiel wenn das Handy einen Wechselakku hätte. So ist es nach 2-3 Jahren reif für die Mülltonne. Bei einem 1000 Euro Handy ist das denn echte Ressourcenverschwendung.

    Antwort

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein