Huawei Mate Xs 2 im Test: Ein wahrlich besonderes Smartphone

7 Minuten
Das Huawei Mate Xs 2 ist ein sehr kostspieliges Smartphone, denn es ist etwas Besonderes. Das Handy beziehungsweise das Foldable lässt sich aufklappen und wird dadurch zu einem Tablet. Doch rechtfertigt dies den hohen Kaufpreis? So schlug sich das Huawei Mate Xs 2 im Test.
Huawei-Foldable
Huawei Mate Xs 2 im TestBildquelle: Artem Sandler / inside digital

Foldables, also faltbare Smartphones, genießen im Allgemeinen keinen sonderlich guten Ruf. Zusammengeklappt wirken sie recht klobig und der Preis übersteigt den eines normalen High-End-Smartphones oftmals um beinahe ein Vielfaches. Zudem wird das Falt-Feature häufig als sinnfrei betrachtet. Wir haben das kürzlich erschienene Foldable Huawei Mate Xs 2 getestet und verraten, ob die Vorwürfe tatsächlich gerechtfertigt sind.

Einzelne Wertungen im Detail:

  • Gehäuse: 3,5 von 5 Sternen
  • Display: 4,5 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 4 von 5 Sternen
  • Kamera: 4 von 5 Sternen
  • Software: 4 von 5 Sternen
  • Akku: 3 von 5 Sternen

Huawei Mate Xs 2 im Test: Unerwartet elegantes Smartphone

Huawei-Foldable

Nimmt man das Mate Xs 2 in die Hände fällt nur beim zweiten Hinsehen auf, dass es sich bei dem Gerät um kein „normales“ Handy handelt. Und das ist auch eine der größten Stärken des neuen Huawei-Foldables. Denn anders als ein Großteil der Konkurrenz ist das Mate Xs 2 auch im zusammengeklappten Zustand alles andere als dick beziehungsweise tief. Lediglich 11,1 Millimeter misst das Handy dann. Zum Vergleich: das Gaming-Handy Nubia RedMagic 7 Pro ist mit seinen 9,98 Millimetern nur geringfügig weniger tiefer. Und auch optisch ist das Foldable ziemlich ansprechend. Kein Wunder, denn das Äußere ähnelt den beliebten Sony Xperia- und Samsung Galaxy Note-Geräten. Zumindest, bis das Mate Xs 2 aufgeklappt wird.

Zu diesem Zweck befindet sich auf der Rückseite ein mechanischer Knopf mit einem angenehmen Druckpunkt. Nun ist das Gerät nahezu viereckig und die OLED-Display-Diagonale von 6,5 auf 7,8 Zoll gestiegen. Das klingt in absoluten Zahlen zunächst zwar nicht nach viel, doch aufgrund der Form wächst die Gesamtfläche enorm an. Ab diesem Moment handelt es sich bei dem Smartphone eher um ein Tablet. Allerdings eines, mit einem Manko. Denn berührt man dieses in der Mitte, lässt sich eine beziehungsweise gar mehrere Spalten erspüren. Andererseits werden diese nur dann sichtbar, wenn man den Bildschirm seitlich betrachtet. Im Alltag fallen die Vertiefungen somit grundsätzlich nicht allzu stark auf. Das Display selbst bietet derweil eine High-End-Bildwiederholrate von 120 Hz und eine Pixeldichte von 422 beziehungsweise 425 ppi (1.176 x 2.480 / 2.480 x 2.200 Pixel).

Leistung

Unter der Haube des Huawei Mate Xs 2 steckt ein Snapdragon-Prozessor von Qualcomm. Allerdings nicht das neueste Modell, oder die etwas ältere Variante, oder die noch etwas ältere Ausgabe, sondern ein Snapdragon 888-Chip, der Ende 2020 vorgestellt wurde – und zwar in der 4G-Variante (LTE). Entsprechend – und mit Blick auf die verbauten 8 GB Arbeitsspeicher – ist die Rechenleistung zwar nach wie vor auf einem sehr guten Niveau, mit der aktuellen High-End-Elite kann das Huawei-Foldable allerdings nicht mithalten. In unserem Leistungstest – durchgeführt mit der Software AnTuTu – erreichte das Mate Xs 2 eine Wertung von 642.991 Zählern. Die leistungsstärksten Geräte durchbrachen derweil bereits die 1 Million Punkte-Schallmauer.

Dafür ist der Hauptspeicher mit seinen 512 GB einerseits großzügig bemessen und lässt sich andererseits mittels einer NM-SD-Karte um weitere 256 GB erweitern. Und auch bei dem WLAN-Standard gibt es dank Wi-Fi 6 nichts zu beanstanden.

Huawei Mate Xs 2
Huawei Mate Xs 2 Front
Software Eigenentwicklung
Prozessor Qualcomm Snapdragon 888 4G
Display 7,8 Zoll, 2.200 x 2.480 Pixel
Arbeitsspeicher 8 GB
interner Speicher 512
Hauptkamera 8688×5792 (50,3 Megapixel)
Akku 4.600 mAh
induktives Laden
USB-Port 3.1 Typ C
IP-Zertifizierung
Gewicht 255 g
Farbe Schwarz, Weiß
Einführungspreis 1.999 €
Marktstart Juni 2022

Akku

Was den Akku angeht, so stellt Huawei zwar keine Negativrekorde auf, aber gerade mit Blick auf das riesige Display wäre eine Kapazität jenseits der 4.600 mAh wünschenswert. Zumal die meisten Oberklasse-Geräte bereits mit 5.000 mAh aufwarten. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch die Laufzeit nicht überzeugt. Wir haben uns in unserem Test der Benchmark-Software PCMark bedient, um die Zeit zu messen, die bei einer üblichen Handhabung benötigt wird, um die Prozentanzeige um 80 Prozent herabzusetzen. Beim Huawei Mate Xs 2 waren dafür 8 Stunden und 31 Minuten notwendig. Andere Flaggschiffe halten dagegen über 12 oder manchmal sogar über 16 Stunden durch. Immerhin schafft das Huawei-Handy im zugeklappten Zustand 10 Stunden und 1 Minute. Zudem lädt das Smartphone mit einer Leistung von 66 Watt, daher werden „nur“ 61 Minuten benötigt, bis der komplett „entleerte“ Energiespeicher wieder voll einsatzbereit ist. Ein neuer Rekord ist das zwar nicht, aber dennoch ein akzeptabler Wert.

Kamera

Auf dem Papier wirkt die Hauptkamera des Huawei Mate Xs 2 nicht sonderlich beeindrucken. Drei Sensoren, nicht sonderlich hochauflösend, nur einer mit OIS-Unterstützung und der Makro-Sensor fehlt gänzlich. Doch der Schein trügt. Denn wie unser Test gezeigt hat, kann sich die Bildqualität sehen lassen (siehe Fotos 1 bis 9). Und das gilt nicht nur für Aufnahmen mit dem Hauptsensor und bei guten Lichtverhältnissen. Erstaunlicherweise konnte das Foldable insbesondere bei Makro-Aufnahmen (siehe Fotos 10 bis 13) und Telefoto-Aufnahmen (siehe Fotos 16 und 17) punkten – mit einem bis zu 5-fachen Zoom. Negativ fiel dagegen auf, dass die Kamera-App des Öfteren einfror, wenn man mehrere Bilder nacheinander aufnahm. Etwas Ähnliches konnten wir auch bei sehr viel günstigeren Konkurrenzprodukten in den vergangenen Jahren kaum bis gar nicht beobachten.

Die Frontkamera respektive ihre Existenz wirft Fragen auf. Schließlich würde das Display auf der Rückseite (im gefalteten Zustand) eigentlich problemlos ausreichen, um die Hauptkamera als Frontkamera zweckentfremden zu können. Somit könnte man auf die Frontkamera verzichten und ein wahrlich randloses Display schaffen. Doch der Hersteller entschied sich in diesem Punkt anders.

Technische Daten im Überblick:

  • 1. Hauptkamera: 50 MP, f/1.8 (Blendenzahl)
  • 2. Hauptkamera (Weitwinkel): 13 MP, f/2.2
  • 3. Hauptkamera (Telefoto): 8 MP, f/2.4, OIS (Bildstabilisierung)
  • Frontkamera: 10,7 MP, f/2.2

Software

Bei Android handelt es sich um ein Open Source-Betriebssystem. Es ist frei verfügbar und kann von allen Unternehmen genutzt werden. Daher basiert auch die Software des Mate Xs 2 darauf, während als Nutzeroberfläche das hauseigene EMUI 12 zum Einsatz kommt. Was dagegen nicht Open Source ist, sind sämtliche Google-Services wie etwas Google Maps, Gmail oder auch der Play Store. Da die US-Regierung den Handel zwischen Google und Huawei bereits seit Jahren verbietet, kommt das Mate Xs 2 ohne besagte Dienste aus. Stattdessen setzt der chinesische Hersteller auf eigene Softwarelösungen, die meistens auch recht gut ausfallen. Dennoch kann etwa die App Petal Maps nicht mit Google Maps mithalten, während im Play Store-Pendant, der AppGallery, unzählige wichtige Apps fehlen – wie etwa WhatsApp. Diese werden dann über Umwege aus dem Internet heruntergeladen. Zudem findet sich auf dem innovativen Mobiltelefon sehr viel Bloatware.

Die speziell auf das Huawei Mate Xs 2 zugeschnittene Nutzeroberfläche ist ihrerseits überaus intuitiv und gut durchdacht. Als Beispiele lassen sich hier einerseits die Apps benennen, die automatisch auf den kleineren oder größeren Bildschirm gleiten, sobald das Foldable zu- oder aufgeklappt wird. Andererseits wurde die Tastatur zwecks besserer Handhabung mittig in zwei Hälften aufgeteilt.

Stärken und Schwächen des Huawei Mate Xs 2

Die größte Stärke des Mate Xs 2, dessen faltbares Display, ist so dominant, dass sie beinahe das gesamte Wesen des Smartphones ausmacht. Weitere Stärken sind dagegen Mangelware. Da wären natürlich noch die 120 Hz-Bildwiederholrate und die 66 Watt-Ladeleistung, doch das war’s dann auch schon. Die restliche Ausstattung kann sich zwar ebenfalls sehen lassen, echte Highlights sucht man allerdings vergebens.

Schwächen sind dagegen in der üblichen Anzahl vorhanden. Neben dem in dieser Preisklasse nur mittelprächtigen Prozessor, einer ebenfalls nur passablen Akkukapazität und einer fehlenden 5G-Unterstützung fehlen hier auch sämtliche Google-Dienste. Hinzu kommt, dass ausschließlich die Telefotokamera eine optische Bildstabilisierung bietet und eine IP-Zertifizierung, die dem Gerät Schutz gegen Staub und Wasser bescheinigt, fehlt ebenfalls.

Fazit

Wer das Huawei Mate Xs 2 sein Eigen nennen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Denn mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1.999 Euro gehört das Foldable zu den teuersten Smartphones auf dem Markt. Technisch entspricht es diesem preislichen Niveau allerdings nicht. So könnte der Prozessor etwas leistungsfähigerer und die Akkukapazität etwas größer sein. Und auch die fehlenden Google-Dienste stellen einen großen Minuspunkt dar, genauso wie die nicht vorhandene IP-Zertifizierung. Dafür bietet das Huawei Mate Xs 2 ein seltenes Vergnügen: die Möglichkeit, sein Handy mit nur wenigen Handgriffen in ein Tablet zu verwandeln. Wer es auf ebendieses Feature abzielt, wird mit dem Mate Xs 2 zweifelsfrei seine Freude haben – zumal das Gerät sowohl optisch als auch bei der Nutzeroberfläche nahezu uneingeschränkt überzeugt. Falls die Falt-Funktion für den Käufer dagegen nur ein nettes Gimmick darstellt, dann bekommt man bei anderen Herstellern für denselben Kaufpreis problemlos gleich zwei ähnlich ausgestattete Smartphones.

Huawei-Foldable

Pros des Huawei Mate Xs 2:

  • faltbar
  • 120 Hz-Bildwiederholrate
  • 66 Watt-Ladeleistung

Contras des Huawei Mate Xs 2:

  • geringe Akkulaufzeit
  • keine IP-Zertifizierung
  • keine Google-Dienste

Bildquellen

  • Huawei Mate Xs 2 – Design-Siegel: inside digital
  • Huawei Mate Xs 2 Datenblatt: Huawei
  • Huawei Mate Xs 2 – Testsiegel: inside digital
  • Huawei Mate Xs 2 im Test: Artem Sandler / inside digital

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