Volkswagen ID.4 im Test: Der beeindruckende Wohlfühl-SUV

8 Minuten
Einer der meistverkauften Elektro-SUV in Deutschland durfte sich im Autotest von inside digital beweisen: der Volkswagen ID.4 Pro. Knapp 800 Kilometer haben wir mit dem E-Auto abgespult, um ihn im Stadtverkehr und auf der Langstrecke auf die Probe zu stellen.
Volkswagen ID.4 steht an einer Ladesäule
Elektro-SUV durch und durch: der Volkswagen ID.4 im Test.Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Die wichtigste gesammelte Erkenntnis: Der Volkswagen ID.4 Pro überzeugt mit einem enormen Fahrkomfort. Nicht nur in der Stadt, sondern insbesondere auch auf der Landstraße und auf der Autobahn. Denn die verfügbaren Assistenzsysteme lassen das Auto wie auf Schienen zum Ziel rollen. Besonders komfortabel ist die automatische Verkehrszeichenerkennung. Sie beschleunigt und bremst das Elektroauto ohne Zutun des Fahrers auf das örtlich gestattete Tempolimit. Und das geschieht zum Teil sogar vorausschauend. Als angenehm erweist sich zudem die Tatsache, dass der Abstandsregeltempomat im Normalfall recht sanft die Geschwindigkeit verringert oder auch erhöht.

Volkswagen ID.4 im Test: Ein Blick in den Innenraum

Im Innenraum des ID.4 kannst du auf zwei Bildschirme zugreifen. Zum einen auf ein bis zu zwölf Zoll großes Infotainment-Display, über das du unter anderem die Klimatisierung, das Radio oder auch das Navigationssystem bedienst. Zum anderen ist hinter dem Lenkrad ein kleineres Digitalcockpit zu finden, das wesentliche Informationen wie die Geschwindigkeit, Akkustand und Navigationsbefehle anzeigt.

Volkswagen ID.4 Interieur
Schlicht und einfach geht es im Innenraum des Volkswagen ID.4 zu.

Zu gefallen weiß, dass der große Bildschirm auf dem Armaturenbrett im Navimodus die nächsten Ladesäulen inklusive Angabe zur Ladeleistung anzeigt. Über einen Filter ist es möglich, nur freie Ladesäulen anzeigen zu lassen sowie die Auswahl auf Ladesäulen zu beschränken, die von Ionity oder Volkswagen We Charge stammen. Weitere Filter erlauben es, die Darstellung auf Ladesäulen zu beschränken, die mit mindestens 50 oder sogar mit mehr als 100 kW laden.

In ausgewählten Großstädten sind auf dem angezeigten Kartenausschnitt zudem die Sehenswürdigkeiten vor Ort in farblich hervorgehobener 3D-Optik dargestellt. Weniger erfreulich ist leider, dass die Bedienung des Zentralbildschirms zuweilen sehr verschachtelt und somit phasenweise nicht gerade komfortabel ist. Wiederum positiv: Das Fummeln am Display ist während der Fahrt gar nicht zwingend notwendig. Denn per Sprachbefehl lassen sich viele Funktionen auch verbal einstellen. Apple CarPlay ließ sich im Test auch kabellos nutzen.

Kartenansicht im Volkswagen ID.4
Lambertikirche, St.-Paulus.Dom, Rathaus des Westfälischen Friedens: Sehenswürdigkeiten von Münster in anschaulicher 3D-Optik im Kartenmaterial des VW ID.4.

Vier Fahrmodi verfügbar

Vorwärts- und Rückwärtsgang werden über einen Drehschalter eingelegt, der rechts oben hinter dem Lenkrad versteckt ist. Das ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, geht aber schnell in Fleisch und Blut über. Am Drehschalter lässt sich über eine P-Taste auch die elektrische Feststellbremse aktivieren. Während der Fahrt stehen drei Standard-Fahrmodi zur Wahl: Eco, Comfort und Sport. Zudem ist es über einen vierten Fahrmodus möglich, ein individuell abgestimmtes Setting zu nutzen. USB-C-Anschlüsse stehen sowohl für die erste, als auch für die zweite Sitzreihe in doppelter Ausführung bereit. Optional kannst du ein großes Panoramaglasdach mit elektrisch einstellbarem Sonnenschutz ordern.

Die Sicht nach hinten ist aufgrund der schräg nach hinten abfallenden Karosserie, breiter C-Säulen und der insgesamt kleinen Heckscheibe recht eingeschränkt. Dieses Manko macht eine serienmäßige Rückfahrkamera, die Parksensoren hinten und vorn ergänzt, aber wett. Das Platzangebot in der zweiten Sitzreihe ist auch für große Menschen ordentlich. Sie stoßen zwar einerseits recht schnell mit dem Kopf an den Dachhimmel und müssen deswegen mit einer begrenzten Kopffreiheit leben. Dafür ist die Beinfreiheit aber beachtlich.

Blick vom Fahrersitz des Volkswagen ID.4 nach hinten
So blickt man vom Fahrersitz des Volkswagen ID.4 nach hinten.
Die Frontkamera im VW ID.4 hilft beim Einparken.
Im VW ID.4 ist neben einer Rückfahrkamera auch eine Frontkamera nutzbar.

Nur eine Rekuperationsstufe, kein One-Pedal-Driving möglich

Ergänzend sei an dieser Stelle noch darauf verwiesen, dass Volkswagen dem ID.4 keine Schaltwippen hinter dem Lenkrad spendiert, um die Stärke der Energierückgewinnung (Rekuperation) beim Segeln und Bremsen einzustellen. Über den Drehschalter hinter dem Lenkrad lässt sich nur eine einzelne Rekuperationsstufe ein- oder ausschalten.

Ohne Rekuperation verzögert das Fahrzeug praktisch gar nicht, wenn der Fahrer den Fuß vom Gas nimmt. Mit Rekuperation ist eine angenehm abgestimmte Verzögerung spürbar. Entspanntes One-Pedal-Driving ist aber in der Regel trotzdem nicht möglich. Immer wieder muss man den Fuß auch auf die Bremse setzen, um etwa vor einer Ampel zum Stehen zu kommen. Auf der Autobahn und auf der Landstraße halten komfortabel die verbauten Assistenzsysteme den optimalen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug.

Als angenehm fiel im Test auch auf, dass der Elektro-SUV beim Überschreiten der örtlich zulässigen Höchstgeschwindigkeit einen dezenten Warnton erklingen lässt. Insbesondere bei zu flotten Beschleunigungen ist das ein pfiffiges Extra, um nicht im Übereifer in den nächsten Blitzer zu sprinten. In den Einstellungen kannst du den Warnton entweder bei 5 oder 10 km/h zu hoher Geschwindigkeit ertönen lassen. Alternativ ist auch eine Deaktivierung möglich.

Reichweite: 350 Kilometer auf der Langstrecke keine Utopie

Nach wie vor kommt ein Auto besonders häufig im Stadtverkehr zum Einsatz. Hier haben wir mit dem Volkswagen ID.4 Pro auf zehn protokollierten Fahrten zwischen 6 und 15 Kilometern einen Verbrauch von 15,0 bis 24,9 Kilowattstunden (kWh) pro 100 Kilometer gemessen. Ob der Verbrauch eher hoch oder sehr niedrig ausfällt, ist davon abhängig, wie forsch beim Anfahren das Gaspedal getreten wird. Im Schnitt lag der Verbrauch innerstädtisch im Eco-Modus bei etwa 19 kWh.

Front des Volkswagen ID.4
Front des Volkswagen ID.4.
Heckansicht des Volkswagen ID.4.
Heckansicht des Volkswagen ID.4.

Auf der Langstrecke konnten wir mit dem ID.4 bei herbstlichen Temperaturen um 15 Grad Celsius bei Einhaltung der Richtgeschwindigkeit um 130 km/h rund 350 Kilometer weit fahren. Im Schnitt lag der Verbrauch auf der Autobahn bei rund 22 kWh pro 100 Kilometern. Zum Vergleich: Auf vier protokollierten Überlandfahrten zwischen 33 und 82 Kilometern lag der Verbrauch im Schnitt bei nur rund 17 kWh.

Ladeleistung: Spielen Temperatur und Ladesäule mit, geht es flott

Ein großer Hemmschuh bei der E-Mobilität ist und bleibt das Wiederaufladen des Fahrzeugakkus. Beim Volkswagen ID.4 kann man sich aber auf eine grundsolide Ladeleistung freuen. Zwar werden Top-Werte wie beim Kia EV6 (Test) und beim Hyundai IONIQ 5 (Test) nicht erreicht, man ist unter optimalen Bedingungen an einer öffentlichen Schnellladesäule aber mit bis zu 135 kW dabei. AC-Laden an Wechselstrom-Ladesäulen oder an der heimischen Wallbox ist mit bis zu 11 kW drin.

Im Test mussten für eine Aufladung des 77 kWh großen Energiespeichers von 10 auf 80 Prozent rund 31 Minuten vergehen. Dabei konnten wir bei 8 Grad Celsius Außentemperatur vom Start weg mit etwa 106 kW laden. In der Spitze waren bis circa 45 Prozent der maximal verfügbaren Akkukapazität knapp 130 kW möglich. Danach flachte die Ladekurve bis zu 80 Prozent langsam ab; auf bis zu 74 kW bei 80 Prozent der Batteriekapazität.

Ladeanzeige im Volkswagen ID.4.
Laden mit knapp 130 kW: für den Volkswagen ID.4 kein Problem.

Für die restlichen 20 Prozent benötigte der ID.4 Pro weitere 30 Minuten. Denn um den Akku zu schonen, ging es ab etwa 85 Prozent Aufladung bis zum Schluss nur noch mit etwa 30 kW Ladeleistung weiter. In Summe mussten wir also eine Stunde an der HPC-Ladesäule parken, um den Akku von 10 auf 100 Prozent zu laden. Wer diese Zeit nicht mit einem Einkauf, Spaziergang oder Restaurantbesuch kombinieren möchte, kann sich auf dem Fahrersitz übrigens über eine wohltuende Massagefunktion im Lendenwirbelbereich freuen. Und bei Bedarf stehen über das Bord-Entertainment-System auch Spiele wie Solitaire oder Schach zur Verfügung.

Ladeanschluss am Volkswagen ID.4
Der Ladeanschluss des Volkswagen ID.4 ist hinten rechts zu finden.

Was kostet der Volkswagen ID.4?

Welchen Betrag du für den Volkswagen ID.4 investieren musst, ist davon abhängig, für welches Modell du dich entscheidest. Aktuell ist er nur als das von uns getestete Pro-Modell konfigurierbar. Los geht es bei einem Listenpreis in Höhe von 46.335 Euro für das Modell mit 150 kW (204 PS), das 4Motion-Modell mit 195 kW (265 PS) kostet mindestens 49.020 Euro. Die besonders sportliche (und leistungsstärkere) GTX-Version des ID.4 ist für mindestens 53.255 Euro zu haben.

Blick in den Motorraum des Volkswagen ID.4.
Keine Verkleidung, kein zusätzlicher Stauraum: so präsentiert sich der Motorraum des Volkswagen ID.4.

Fazit zum Volkswagen ID.4 Pro: So macht ein Elektroauto Spaß

Zugegeben, der Volkswagen ID.4 ist alles andere als ein kleines Elektroauto. Das möchte er aber auch gar nicht sein. Denn wer sich ein E-Auto im Kompaktwagen-Format wünscht, greift eher zum ID.3 aus gleichem Hause. Insbesondere in der Frontansicht versprüht der ID.4 klar den in Deutschland so beliebten SUV-Charme. Dazu trägt nicht nur die Höhe von rund 1,6 Metern bei, sondern auch die Breite von (mit ausgeklappten Spiegeln) knapp 2,1 Metern. In der Länge bringt es der etwas mehr als 2,1 Tonnen schwere SUV auf fast 4,6 Meter.

Abgesehen von der angenehm erhöhten Sitzposition, die komfortables Ein- und Aussteigen ermöglicht, kann sich jeder Fahrer im ID.4 aber auch über einen hohen Fahrkomfort freuen. Nachts trägt dazu die in serienmäßig zehn Farben einstellbare Ambiente-Beleuchtung bei, bei jeder Fahrt die Vielzahl an nutzbaren Assistenzsystemen. Teilweise bekommt man im ID.4 Pro das Gefühl, bei aktivierter Geschwindigkeitsregelanlage in einem autonom fahrenden Fahrzeug Platz genommen zu haben. Schade ist nur, dass kein One-Pedal-Driving möglich ist. Und auch in Hinblick auf die Bedienung haben wir schon intuitiver abgestimmte Nutzerführungen erlebt.

Volkswagen ID.4 parkt an einer Ladesäule.
Der Volkswagen ID.4 ist ein großes Elektroauto, aber eines, das viel Freude bereitet.

Der Elektro-SUV von Volkswagen macht in Summe aber genau das, was man sich von ihm wünscht. Er fährt und fährt und fährt… sicher von A nach B und auch mit einer für ein E-Auto soliden Reichweite. Allerdings nur dann, wenn man im Bereich der Richtgeschwindigkeit unterwegs ist. Ansonsten steigt der Stromverbrauch in Sphären, die den Geldbeutel ordentlich bluten lassen.

Vorteile des Volkswagen ID.4 Pro

  • hoher Fahrkomfort
  • solide Reichweite auf der Langstrecke
  • bis zu 135 kW Ladeleistung
  • viele Sicherheits-Features

Nachteile des Volkswagen ID.4 Pro

  • für den Stadtverkehr ein ziemlich bulliges E-Auto
  • nur eine Rekuperationsstufe
  • ziemlich umständliche Bedienung
  • recht teuer in der Anschaffung

Bildquellen

  • Volkswagen ID.4 Innenraum: Hayo Lücke / inside digital
  • Volkswagen ID.4 – Kartenmaterial: Hayo Lücke
  • Volkswagen ID.4 im Test – Blick nach hinten: Hayo Lücke / inside digital
  • Volkswagen ID.4 Test – Frontkamera: Hayo Lücke
  • Volkswagen ID.4 im Test – Front: Hayo Lücke
  • Volkswagen ID.4 im Test – Heck: Hayo Lücke
  • Volkswagen ID.4 im Test – Ladeleistung: Hayo Lücke
  • Volkswagen ID.4 Ladeanschluss: Hayo Lücke
  • Volkswagen ID.4 Test – Geöffnete Motorhaube: Hayo Lücke / inside digital
  • Volkswagen ID.4 im Test – Parken an Ladesäule: Hayo Lücke
  • Volvo XC40 Recharge Pure Electric im Test: Hayo Lücke / inside digital
  • Volkswagen ID.4 im Test: Hayo Lücke

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3 KOMMENTARE

  1. Karsten Frei

    Die Menschen in Deutschland sollen Gas und Strom sparen, aber solche Monsterautos, die tonnenschwer und dafür da sind, um eine Person von ca.80 Kg zu befördern, verschwenden Unmenge an Energie, um eigenes Gewicht zu transportieren.
    Wirkungsgrad von solchen Autos ist 0,01 %.
    Solche Autos sollen verboten werden oder mit derartigen Steuern belegt werden, dass jeder sich Gedanken macht, wie viel Energie will man verschwenden, um sinnlos Tonnen von Metall durch die Gegend zu fahren.
    Die Verbrenner werden nach Hubraum besteuert und die Strömer sollen nach Gewicht und Wirkungsgrad besteuert werden.

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  2. Sven

    Die übertrieben positive Beführwortung diese Fahrzeugs kann ich nicht bestätigen. Ich selbst fahre einen ID.4 und kann bestätigen das die Software in einem katastrophalen Zustand ist. Nichts funktioniert wirklich richtig. Das groß angepriesene Update bleibt bis heute aus.

    Antwort
  3. Torsten Schröder

    Typisch deutsches Palaver ! Ich kann uns nicht mehr hören und schäme mich fremd. Deutschland produziert im Verhältnis zu China und anderen Ländern noch Klimafreundlich. Aber nein, darüber kann und will man ja nicht diskutieren. Wir kleben uns lieber auf Autobahnen fest und wir müssen noch besser noch freundlicher zum Klima sein. Fast Euch mal an die Nase und schaut dabei in den Spiegel. Was werdet ihr ihr wohl sehen ? Software wird besser und besser ! Und wer unzufrieden ist, soll im Ausland kaufen – heuchlerischer gehts ja kaum noch

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