Volkswagen ID.3 im ersten Test: Eingestiegen - aber nicht abgefahren

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Die IAA in Frankfurt ist in vollem Gange und wir hatten die Möglichkeit, uns den neuen Volkswagen ID.3 aus nächster Nähe anzusehen. Das neue E-Auto überzeugt nicht nur rein äußerlich mit einem modernen Design, sondern auch im Innenraum. Vor allem mit viel Platz. Das insgesamt futuristische Design dürfte aber nicht den Geschmack aller Kunden treffen.
Volkswagen ID.3
Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Denn wer im ID.3 Platz nimmt, wundert sich gleich doppelt. Zum einen wirkt der ID.3 an so mancher Stelle, wie beispielsweise den Ablagefächern zwischen den beiden Vordersitzen, nicht konsequent zu Ende gedacht. Vor allem ältere Semester dürften zudem die teils arg neumodische Ausstattung kritisieren.

VW ID.3 hat Multifunktionslenkrad mit touchsensitiven Tasten

Deutlich wird das zum Beispiel beim Multifunktionslenkrad des ID.3. Hier hat sich Volkswagen nämlich nicht für klassische, altbekannte Druck-Tasten entschieden, sondern für Sensorelemente. Das allein ist schon mit dem Eintauchen in eine neue Welt verbunden. Zudem geben die Tasten aber auch noch ein leicht vibrierendes Feedback.

Zugegeben: Als Nutzer kennt man das vielleicht schon von dem einen oder anderen (älteren) Smartphone. Es ist aber trotzdem gewöhnungsbedürftig. Grundsätzlich lässt sich über das Lenkrad unter anderem die Geschwindigkeitsregelanlage (Tempomat) programmieren und die Lautstärke des Radios einstellen oder ein Wechsel des Radiosenders vornehmen. 

Erst nach einer längeren Testfahrt lässt sich abschließend beurteilen, ob die Sensortasten ihren Zweck tatsächlich erfüllen. Fraglich ist zum Beispiel, ob die Sensorik zum Beispiel dazu führt, dass gewisse Tasten auch dann bedient werden, wenn der Fahrer dies gar nicht wünscht.

Touch-Tasten? Nicht nur am Lenkrad!

So oder so: Wer sich den VW ID.3 kauft, muss mit berührungsempfindlichen Tasten leben. Auch an anderen Stellen als am Lenkrad. Etwa bei den Schaltflächen für das Ein- und Ausschalten von Abblendlicht oder den Rücklichtern. Wer hier auf den von Volkswagen bekannten Drehschalter hofft, muss umdenken. Denn auch an dieser Stelle kommen Touch-Tasten zum Einsatz. Gleiches gilt für Bedienelemente unterhalb des Infotainment-Displays. Über einen haptischen Schalter lassen sich nur noch die Warnblinkanlage und die Fensterheber bedienen. 

Die Steuerung des Infotainmentsystems wird über einen 10 Zoll großen Touchscreen vorgenommen, der mittig angeordnnet die Schnittstelle zu sämtlichen (Online-)Diensten des VW ID.3 bildet. Radio, Navigation, Telefon, der Abruf von aktuellen Fahrzeugdaten, Sound-Einstellungen oder die Aktivierung des Ambient Lights lassen sich über das smarte Display steuern. Gleichermaßen lässt sich über den Bildschirm die Klimaanlage steuern oder der Ladevorgang der Batterie überwachen. 

Das Smartphone im VW ID.3

Eine Überwachung des Ladezustands ist aber auch per Smartphone möglich. So lässt sich auch vom heimischen Sofa oder aus dem Café in der Innenstadt prüfen, ob der ID.3 schon vollständig aufgeladen und bereit für die nächste Fahrt ist. Im Inneren des Autos lässt sich das Smartphone per App-Connect direkt mit dem Fahrzeug verbinden. Damit wird sozusagen das Infotainment-System im Auto zum Smartphone. Denn viele Inhalte vom Handy lassen sich 1:1 auf das 10-Zoll-Display spiegeln.

Zwischen Fahrer und Beifahrer ist zudem eine kleine Box zu finden, die das Smartphone kabellos auflädt. Volkswagen hat sich hier bewusst dazu entschieden, diese Box nicht im direkten Sichtfeld des Fahrers zu verbauen. Ziel: Den Fahrer durch eingehende Benachrichtigungen auf dem Smartphone nicht ablenken lassen.

Zweites Display für wichtige Fahrer-Informationen

Deutlich kompakter ist das kleinere Display hinter dem Lenkrad. Hier hält Volkswagen alle für den Fahrer wichtigen Informationen bereit. Also zum Beispiel die aktuelle Geschwindigkeit und im Navigationsmodus auch relevante Richtungsangaben in Form von Pfeilen. Und natürlich erhält der Fahrer hier auch Informationen zur noch vorhandenen Reichweite und zum allgemeinen Ladezustand der Batterie.

Darüber hinaus darf es in einem neuen Fahrzeug wie dem ID.3 auch an einer Sprachsteuerung nicht fehlen. Sie lässt sich über das Stichwort „Hallo ID“ aktivieren. In einem Test verstand das neue E-Auto von VW nicht nur Kurzbefehle, sondern auch ganze Sätze wie „Navigiere mich nach Berlin zum Alexanderplatz“.

ID.Light – Bestens informiert per Status-LED

Praktisch: Das direkt unter der Windschutzscheibe integrierte ID.Light gibt nicht nur während der Navigation Hinweise dazu, ob zum Beispiel ein Spurwechsel sinnvoll sein könnte, sondern warnt auch, wenn aufgrund einer Gefahr eine Bremsung notwendig sein sollte. Im Stillstand gibt die Lichtleiste während des Ladevorgangs auch Informationen dazu, wie viel Energie die Akkus schon aufgenommen haben.  

Das Platzangebot im ID.3 erweist sich übrigens als überraschend geräumig. Auch große Menschen finden hinter dem Lenkrad des ID.3 ausreichend Platz. Nicht nur der lange Radstand von 2,77 Metern wirkt sich hier positiv aus, sondern auch das Fehlen eines Ottomotors. Dadurch war es Volkswagen möglich, das Lenkrad deutlich nach vorn zu verschieben.  

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Kommentar

Von Hayo Lücke

Ich habe im Volkswagen ID.3 Platz genommen und zurück bleiben vor allem zwei Dinge. Erstens: Ein E-Auto, das rein äußerlich mit seinem unter dem Strich sehr sportlichen Gesamterscheinungsbild Lust auf mehr macht. Auf sehr viel mehr. Egal, was Volkswagen in Sachen E-Mobilität in der Hinterhand hat, ich freue mich drauf.

Abzuwarten bleibt allerdings zweitens, wie sich die Entwicklung des Interieurs der Zukunft noch entwickeln wird. Denn in diesem Punkt hat mich der ID.3 noch nicht vollends überzeugt. An der einen oder anderen Stelle wirkt die Verarbeitung zu einfach. Konkret müsste man sogar sagen, dass sie einen zu billigen Eindruck hinterlässt. Und das ist schade. Denn von Volkswagen hätte ich hier ein bisschen mehr Liebe zum Detail erwartet.

Bildquellen:

  • Volkswagen ID.3: Hayo Lücke / inside digital
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1 KOMMENTAR

  1. Ältere Semester sollen weiter Tiguan oder Sportsvan fahren. Elektromobiltät wird den einen oder anderen Fahrer überfordern. Die Diskussionen um die neue individuelle Mobilität bin ich einfach leid.

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