Honor Watch GS 3 im Test: Überraschendes Versagen

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Schlicht und im Stil einer klassischen Armbanduhr mit rundem Ziffernblatt ist sie gehalten, die Honor Watch GS 3. Zur Verfügung steht sie in drei Varianten und wir zeigen dir im Test, was du von dem neuen Smartwatch-Modell erwarten darfst.
Honor Watch GS 3 Front
Optisch ein Schmuckstück, als Sportler-Uhr aber nicht zu empfehlen: die Honor Watch GS 3.Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Die vielleicht wichtigste Botschaft vorweg: Wenn du dich für die Honor Watch GS 3 entscheidest, darfst du dich auf eine hochwertig verarbeitete und edel anmutende Smartwatch freuen. Zumindest dann, wenn du dich für eine der beiden verfügbaren Varianten mit Lederarmband entscheidest. Das Modell mit Silikonarmband ist etwas preiswerter, sieht aber entsprechend auch nicht ganz so hochwertig aus. Bei allen drei Modellen kommt ein Edelstahlgehäuse zum Einsatz, in das ein 1,43 Zoll großes Touch-Display eingefasst ist. Unter dem Schutzglas verläuft um den Bildschirm eine nicht zu breite schwarze Lünette, ergänzend kommen an der rechten Seite zwei Menüknöpfe zum Einsatz. Eine Krone gibt es bei diesem Smartwatch-Modell nicht.

Honor Watch GS 3: Einfache Einrichtung, aber Updates fressen Zeit

Die Einrichtung startet auf der Uhr selbst, muss aber unter Einbeziehung der Honor Health App auf dem Smartphone abgeschlossen werden. Das funktioniert übrigens nur mit Android-Smartphones. Denn eine Unterstützung mit iOS von Apple ist nicht gegeben, weil es im App-Store von Apple an der passenden App fehlt. Wenn du also ein iPhone nutzt, ist die Honor Watch GS 3 nichts für dich.

Auf einem Android-Smartphone ist die Einrichtung eigentlich in wenigen Minuten abgeschlossen. Wären da nicht die Firmware-Updates. Wir durften gleich drei Software-Aktualisierungen aufspielen, die jeweils zwischen 8 und 14 Minuten dauerten. Erst danach ließ sich die Inbetriebnahme abschließen. Das erfordert Geduld.

Die obere der beiden Menütasten an der rechten Seite dient einerseits als Möglichkeit, in das Hauptmenü zu wechseln und auf die dort hinterlegten Widgets für etwa Atemübungen, Wetter oder Kompass zugreifen zu können. Hast du eines der vorinstallierten Widgets gestartet, dient der obere Druckknopf als Home-Taste. Kurzes Drücken reicht aus, um zum Startbildschirm zurückzukehren.

Widget-Übersicht auf der Honor Watch GS 3.
Die installierten Widgets der Honor Watch GS 3 lassen sich nicht erweitern.

Die untere Taste wiederum ist frei belegbar. Du kannst also in den Einstellungen selbst festlegen, welche Uhrfunktion startet, wenn du sie drückst. So lässt sich etwa in Windeseile der Workout-Modus aktivieren, eine Wettervorhersage einsehen oder eine Stoppuhr oder ein Timer starten.

Die Smartwatch im Alltagstest: Nicht generell überzeugend

Losgelöst vom hochwertigen Äußeren, muss eine Smartwatch natürlich auch mit Blick auf die inneren Werte überzeugen. Und in dieser Disziplin lässt die Honor Watch GS 3 angesichts der Leistung und des großartigen Bildschirms kaum Wünsche offen. Klar, für kleine Handgelenke ist das recht üppige Display mit einem Durchmesser von 46 Millimetern nichts. Dort, wo er aber zum Einsatz kommt, punktet er mit einer starken Auflösung von 466 x 466 Pixeln und einer zuweilen beeindruckenden Helligkeit von maximal 1.000 Nits. Die Helligkeit reguliert sich entweder automatisch über den integrierten Helligkeitssensor oder manuell in fünf Stufen. Auch in strahlend hellen Umgebungen ist ein gutes Ablesen stets gewährleistet.

Ein großes Aber gibt es leider jedoch auch bei dieser Smartwatch. Denn wer eine Uhr sucht, die auch in Fitness-Disziplinen eine gute Figur macht, ist bei der Honor Watch GS 3 für unser Empfinden an der falschen Adresse. Die Uhr erlaubt zwar, auf rund 100 Sportprofile zuzugreifen und bietet auch verschiedene praktische Lauf- und Fitness-Pläne. Sie kämpft aber mit einem ziemlich ungenauen Herzfrequenzsensor. Das ist gerade deswegen so überraschend, weil Honor den „8-Kanal Herzfrequenzmonitor mit AI-Engine“ mit einer besonders hohen Genauigkeit extra hervorhebt. Im Test mussten wir aber bei allen (!) von uns getrackten Jogging-Workouts feststellen, dass die gemessenen Herzfrequenzdaten schlicht nicht stimmig waren. Mal zu hoch, mal zu niedrig, fast schon beliebig wirkend.

Workout-Modus auf der Honor Watch GS 3..
Übersichtlich, aber leider zu ungenau: der Workout-Modus auf der Honor Watch GS 3.

Abgesehen von diesem Ausrutscher ist die auf dem Betriebssystem Lite OS basierende und mit einem eigenen GPS-Empfänger ausgestattete Honor Watch GS 3 aufgrund ihrer gleichermaßen flachen wie leichten Fertigung aber extrem angenehm zu tragen. Sie bringt es nicht nur auf 10,5 Millimeter in der Höhe, sondern ohne Armband auch nur auf knapp 45 Gramm Gewicht. Das sogenannte Ultra-Curved 3D-Slim-Design lässt die Uhr zudem schnell unter einem Hemd- oder Pullover-Ärmel verschwinden. Bei Bedarf kannst du die Uhr übrigens auch beim Wassersport verwenden. Sie ist wasserdicht (5 ATM).

Honor Health App = Huawei Health App

Übersichtlich und grundsolide aufbereitet präsentiert sich die Honor Health App. Aber Moment mal. Kennen wir das Design nicht von einer anderen Stelle? Na klar, von Huawei. Denn die Huawei Health App sieht von wenigen optischen Unterschieden abgesehen, nahezu identisch aus. Selbst das Reiter-Menü am unteren Ende der beiden Fitness-Apps ist praktisch gleich aufgebaut. Die Nähe von Honor zu Huawei, einst als Billigmarke des chinesischen Großkonzerns gegründet, offiziell aber schon Ende 2020 verkauft, ist an dieser Stelle unübersehbar.

Über den „Health“-Reiter ist es in der App möglich, in Form einer anschaulichen Übersicht auf sämtliche protokollierten Vitalwerte zuzugreifen. Unter anderem auch auf einen umfangreichen Schlaftracker, der sogar einen Schlaf-Score berechnen und anzeigen kann. Auf der Uhr selbst fehlt dieses Schlafergebnis übrigens. Ebenso sind Details zu den Schlafphasen nur über die App abrufbar. Dort kannst du zudem nähere Informationen zu Herzfrequenz, zum Blutsauerstoffgehalt (SpO2) und zum Stresslevel sowie zum hochgerechneten Kalorienverbrauch einsehen. Beim Kalorienverbrauch unterscheidet die App übersichtlich zwischen Grundverbrauch und Aktivitätsverbrauch.

Startseite der Honor Health App
Honor Health App: Startseite
Geräte-Übersicht in der Honor Health App.
Übersicht Geräte-Details.
Schlaftracker in der Honor Health App
Detaillierter Schlaftracker.

Über den Sport-Reiter kannst du ergänzend zur Verwendung über die Uhr ein Aktivitätstracking starten. Über den Menüpunkt „Gerät“ sind zahlreiche Anpassungen hinsichtlich der Uhr-Einstellungen möglich; inklusive des Zugriffs auf einige, aber nicht ausufernd viele kostenlose Watchfaces. Und über das Auswahlfeld „Konto“ kannst du viele weitere Statistiken einsehen und Profil-Einstellungen vornehmen.

In Summe bietet die Honor Health App alles, was man sich von einer zur Smartwatch zugehörigen Fitness-App wünschen kann. Und doch bleibt auch etwas Unverständnis zurück. Warum Honor nämlich von der Uhr nicht unterstützte Inhalte (Körpertemperatur, Blutdruck etc.) in der App nicht ausblendet und viele Inhalte zudem nur mit einer englischen Bezeichnung versieht („Body temperature“, „Blood pressure“, „My Plan“, „Traditional Pointer“ etc.), bleibt rätselhaft. Hier wäre eine sorgfältigere Bearbeitung der deutschen App-Version wünschenswert. Bitte per Software-Update nachreichen, Honor!

Die Akkulaufzeit: Großartig!

Eine der größten Stärken der Honor Watch GS 3 ist neben ihrem schmucken Äußeren ihre Akkulaufzeit. Wir haben die Uhr mit intelligenter Herzfrequenzmessung, kontinuierlicher Messung des SpO2-Gehalts und aktiviertem Helligkeitssensor getragen und konnten mit drei halbstündigen Workouts pro Woche eine Laufzeit von zehn Tagen dokumentieren. Das ist vor dem Hintergrund, dass ein recht großes AMOLED-Display zum Einsatz kommt, ein überraschend starker Wert.

Mit aktiviertem Always-on-Display (AOD) verringert sich die Laufzeit unter sonst identischen Einstellungen deutlich. In unserem Test unter Beibehaltung aller sonstigen gewählten Einstellungen auf etwa vier bis fünf Tage. Auch das ist aber im Vergleich zum Wettbewerb ein richtig guter Wert. Allerdings bleibt festzuhalten: Die tatsächliche Akkulaufzeit fällt von Nutzer zu Nutzer unterschiedlich aus, da sie von vielen verschiedenen Faktoren hinsichtlich der gewählten Einstellungen abhängig ist.

Rückseite der Honor Watch GS 3.
Rückseitig ist bei der Honor Watch GS 3 die leider wenig zufriedenstellende Sensorik zu finden.

Eine Wiederaufladung des Akkus von 0 auf 100 Prozent dauert übrigens nur 50 Minuten. Dafür ist ein magnetischer Ladeanschluss im Lieferumfang inklusive. Er wird über ein USB-A- auf USB-C-Ladekabel zum Beispiel mit einem Notebook oder PC verbunden, um der Uhr bei Bedarf neuen Strom zuzuführen.

Was kostet die Honor Watch GS 3?

Die hochwertige Verarbeitung hat im Zusammenspiel mit den zahlreichen Extras zur Folge, dass die Honor Watch GS 3 so ziemlich alles ist, aber kein Schnäppchen. Der unverbindliche Verkaufspreis (UVP) liegt bei 179,90 Euro, wenn man sich für das schwarze Modell mit Silikonarmband entscheidet. Das von uns getestete Modell mit blauem Lederarmband kostet ebenso wie die vergoldete Variante sogar 209,90 Euro. Der nachfolgende Preisvergleich zeigt dir, wo du die drei Modelle aber auch schon günstiger kaufen kannst.

Eine Variante mit LTE gibt es von der Honor Watch GS 3 übrigens nicht. Hier wäre dann für Android-Nutzer die Samsung Galaxy Watch 5 (Pro) mit integrierter LTE-Antenne und eSIM die bessere Wahl.

Fazit zur Honor Watch GS 3: Ein enttäuschender Hingucker

Honor Watch GS 3 Testsiegel

Keine Frage: Die Honor Watch GS 3 ist eine der aktuell vielleicht schönsten Smartwatches mit AMOLED-Display. Vielleicht für so manche Frauen-Handgelenke etwas zu üppig dimensioniert, aber sonst ein optisches Schmuckstück. Der Bildschirm weiß unter anderem bezüglich der stattlichen Auflösung und seiner bei Bedarf enormen Helligkeit zu überzeugen.

Sportfans werden aber enttäuscht sein, dass die Uhr ausgerechnet bei den verbauten Sensoren schwächelt. Dabei preist Honor ausgerechnet sie auf seiner Homepage als besonders genau an. In unserem Test lag die Uhr bei den gemessenen Vitalwerten aber zu oft zu deutlich daneben, um eine uneingeschränkte Empfehlung einzufahren. Schade, an dieser Stelle wird massiv Potenzial verschenkt.

Honor Watch GS 3 liegt auf einer Notebook-Tastatur
Honor Watch GS 3 – optisch eine Wucht, technisch nicht ganz so fit.

Das gilt auch für die Kommunikationsmöglichkeiten. Denn mit der Uhr ist es zwar möglich, über das integrierte Mikrofon und den verbauten Lautsprecher am Handgelenk zu telefonieren. Auf dem Smartphone eingehende Nachrichten (SMS, WhatsApp etc.) lassen sich aber nicht direkt über die Uhr selbst beantworten. Zudem fehlt es an einer LTE-Variante der Uhr.

Vorteile

  • großes, helles AMOLED-Display
  • schlichte, hochwertige Verarbeitung
  • starke Akkulaufzeit
  • wasserdicht (5 ATM)
  • angenehm zu tragen
  • 4 GB Speicherplatz für ca. 500 Songs
  • Lautsprecher und Mikrofon nutzbar, um über die Uhr zu telefonieren

Nachteile

  • nicht mit iOS (iPhones) kompatibel
  • AOD-Display im Test nicht aktivierbar
  • kein integriertes NFC für mobiles Bezahlen
  • ungenaue Herzfrequenzmessung
  • keine Möglichkeit, Apps zu installieren

Alternativen zur Honor Watch GTS 3

Hinweis: Dieser Testbericht basiert auf Firmware-Version 15.0.0.408 der Honor Watch GS 3. Auf einem Android-Smartphone kam zudem die Version 6.1.1.106 der Honor Health App zum Einsatz.

Bildquellen

  • Honor Watch GS 3 im Test – Widget-Übersicht.: Hayo Lücke
  • Honor Watch GS 3 im Test – Workout-Modus: Hayo Lücke
  • Honor Health App im Test – Startseite: Hayo Lücke
  • Honor Health App: Geräte-Übersicht: Hayo Lücke
  • Honor Health App im Test – Schlaftracker: Hayo Lücke
  • Honor Watch GS 3 im Test – Rückseite: Hayo Lücke
  • Honor Watch GS 3 im Test: Hayo Lücke
  • Honor Watch GS 3 im Test: Überraschendes Versagen: Hayo Lücke

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