Es ist vorbei: Huawei opfert Honor und nennt pikante Gründe

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Schon seit einigen Monaten schwebte das Schwert des Damokles über der Huawei-Tochter Honor. Denn die Geschäfte liefen zuletzt wegen des Handelsstreits zwischen China und den USA alles andere als rosig. Nun soll es eine Zukunft geben - unabhängig von Huawei.
Honor 30
Geräte wie das Honor 30 sollen in Zukunft völlig unabhängig von Huawei gebaut werden.Bildquelle: Honor

Da ist es passiert: Was ursprünglich nur ein Gerücht war, ist jetzt offiziell. Huawei verkauft seine Smartphone-Tochter Honor. Und zwar nicht nur in Teilen, sondern komplett. Also auch sämtliche Abteilungen wie Forschung, Entwicklung und Vertrieb wechseln den Besitzer. Das geht aus einer Mitteilung des Unternehmens hervor, die in der Nacht zu Dienstag öffentlich gemacht wurde. Entsprechende Mutmaßungen hatte es in den vergangenen Tagen schon mehrfach gegeben, jetzt wurden Nägel mit Köpfen gemacht.

Honor: Verkauf sichert das eigene Überleben

Man habe sich dazu entschieden, alle Vermögenswerte von Honor an Shenzhen Zhixin New Information Technology Co., Ltd. zu verkaufen. Grund: Das Verbrauchergeschäft habe in der jüngeren Vergangenheit wegen der anhaltenden Nichtverfügbarkeit technischer Bauteile unter enormem Druck gestanden. Das klingt etwas nebulös, ist aber auf den Handelsstreit zwischen China und den USA zurückzuführen. Die wirtschaftlichen Sanktionen zwischen den beiden Ländern führten unter anderem dazu, dass bekannte Marken wie Google und Qualcomm in keine Handelsbeziehungen mit Huawei (und Honor) mehr treten durften. Zumindest Qualcomm hatte jüngst eine kleine Ausnahme dieser Beschränkungen aushandeln können.

Sobald der Verkauf von Honor abgeschlossen ist, halte Huawei keine Aktien mehr an der dann ehemaligen Tochtergesellschaft. Entsprechend werde man auch alle Posten in der Geschäftsführung räumen und an keinerlei Entscheidungen mehr beteiligt sein. Laut offiziellen Angaben sei der Verkauf durch ein Konsortium aus 30 Geschäftspartnern und Händlern aus der chinesischen Lieferkette der Marke Honor initiiert worden. Und zwar vor dem Hintergrund, das eigene Überleben zu sichern.

Dieser Hinweis in einer offiziellen Mitteilung lässt durchaus aufhorchen. Denn er erlaubt Rückschlüsse darauf, dass ohne den Verkauf die Lichter bei der noch jungen Smartphone-Marke schlicht und ergreifend schon bald ausgegangen wären. Und möglicherweise nicht nur dort, sondern auch bei diversen Zuliefer-Firmen. Die haben sich über das neu gegründete Konsortium nun quasi Luft zum Atmen gekauft und hoffen, Honor mit eigenen neuen Smartphones in Eigenregie weiterbetreiben zu können. Vorbild dürften hier andere aufstrebende China-Marken wie Oppo, Vivo, OnePlus oder Realme sein. Die haben mit der BBK Electronics allerdings auch eine finanzstarke Muttergesellschaft im Rücken.

Mitarbeiter und Management bleiben an Bord

In einer ebenfalls in der Nacht zu Dienstag veröffentlichten Stellungnahme der Shenzhen Zhixin New Information Technology heißt es weiter, dass Honor die bisher eingeschlagene Entwicklung beibehalten solle. Man werde die meisten Mitarbeiter übernehmen und auch die Geschäftsleitung um George Zhao bleibe an Bord – künftig als neuer CEO der Marke. Weder Huawei noch die neuen Eigentümer nennen eine konkrete Summe, die bei dem Verkauf geflossen ist. Zuletzt stand ein Verkaufspreis von umgerechnet knapp 13 Milliarden Euro im Raum.

Abzuwarten bleibt nun, wie sich Honor unabhängig von Huawei neu aufstellen kann. Bisher lag der große Vorteil der Marke in der Nähe zur mächtigen Konzernmutter. Unter anderem Prozessoren konnte Honor preiswert bei Huawei beziehen. Darüber hinaus von Forschung und Entwicklung aus den Laboren der Muttergesellschaft profitieren. Wie nah Honor Huawei stand, wird unter anderem deutlich, wenn man sich Honor-Smartphones aus nächster Nähe betrachtet: Diverse Geräte tragen auf der Rückseite den offiziellen Hinweis, von der Huawei Technologies Co. Ltd. zu stammen. Offiziell wollten Huawei und Honor diese offensichtliche Nähe stets kleinreden.

Zukunft in Deutschland noch unklar

Honor ist seit der Gründung im Jahr 2013 insbesondere am Heimatmarkt in China erfolgreich. Vor allem im mittleren Preisbereich bietet der Hersteller (durchaus gute) Smartphones an und konzentriert sich damit unter anderem darauf, eine jugendliche Zielgruppe anzusprechen. Jährlich verkaufte Honor zuletzt etwa 70 Millionen Mobiltelefone. Darüber hinaus bietet das Unternehmen inzwischen unter anderem auch Smartwatches und Notebooks an. Wie es mit Honor und seinen Aktivitäten in Deutschland weitergeht, ist noch unklar.

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