Deutsche Bahn: Aktuelle Störungen und Ausfälle im Überblick

11 Minuten
Mit der Deutschen Bahn im Nah- und Fernverkehr unterwegs zu sein, kann Vor- und Nachteile gleichermaßen haben. Läuft alles reibungslos, fährst du nicht nur entspannt, sondern auch komfortabel und sicher von A nach B. Aber es kann auch ganz anders ausgehen.
Deutsche Bahn Symbolbild
Bildquelle: Deutsche Bahn

Das Coronavirus zwingt die Deutsche Bahn zwar nicht mehr dazu, viele Züge ausfallen zu lassen, weiter aber zu (vorbeugenden) Maßnahmen. So ist es ab sofort in allen Zügen vorgeschrieben, einen Mund- und Nasenschutz zu tragen. „Wer versehentlich einmal ohne Mund-Nasen-Bedeckung unterwegs ist, kann in den Bordbistros eine Maske erwerben“, sagte Fernverkehrs-Chef Michael Peterson jüngst in einem Interview.

Abgesehen davon kann es aber natürlich weiter zu Problemen im Netz der Deutschen Bahn kommen. Sei es durch wetterbedingte Einflüsse, durch Schäden an der Infrastruktur oder andere defekte Züge. Wir geben dir an dieser Stelle einen Überblick zu den gravierendsten Einschränkungen. Weiter unten findest du zudem einen Überblick zu den aktuellen Baustellen im Schienennetz der Deutschen Bahn. Denn auch die können für Einschränkungen, Reisezeitverlängerungen und im schlimmsten Fall Zugausfälle sorgen.

Aktuelle Störungen bei der Deutschen Bahn

Aktuelle betriebliche Störungen

Brückenabriss im Ruhrgebiet

Am 17. September kam es zu einem folgenschweren Unfall auf der Autobahn A40. Ein mit 35.000 Litern Treibstoff beladener Tank-LKW ist unter einer Eisenbahnbrücke in Brand geraten. Klar ist schon jetzt: Mindestens eines von fünf Brücken-Elementen muss abgerissen und neu gebaut werden. Nicht nur für den Regionalverkehr hat das erhebliche Konsequenzen, sondern auch für den Fernverkehr.

In Richtung Duisburg/Düsseldorf werden Fernverkehrszüge mit planmäßigem Halt in Essen Hbf ab Dortmund/Münster Westf. umgeleitet und verspäten sich um etwa 15 Minuten. Die Zwischenhalte Bochum Hbf, Essen Hbf, Mülheim (Ruhr) Hbf fallen aus. In der Gegenrichtung fahren die Fernverkehrszüge auf dem geplanten Weg und halten an allen planmäßigen Stationen. ICE-Züge, die planmäßig in Essen beginnen oder enden würden, fallen zwischen Essen und Düsseldorf aus.

Dauer der Störung: auf nicht absehbare Zeit

IRE zwischen Berlin und Hamburg

Die IRE-Züge zwischen Berlin und Hamburg fallen voraussichtlich noch bis zum 12. Dezember aus. Stattdessen bestehen Nahverkehrsverbindugen mit dem RE 1 und RE 2 mit Umstieg in Schwerin. Wichtig: Tickets für IRE-Verbindungen sind in den RE-Zügen nicht gültig. Die Deutsche Bahn erstattet diese gekauften Tickets im Rahmen der Fahrgastrechte-Regelungen.

Eigentlich sollte zum 27. September eine Wiederaufnahme des Betriebs erfolgen, doch dies geschieht nun doch nicht. Seit März prüfe man regelmäßig eine Reaktivierung der Verbindungen. Doch aus betrieblichen Gründen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist eine Wiederaufnahme noch immer nicht möglich, heißt es von Seiten der Bahn.

ICE / TGV-Verkehr ab Paris Est

Weil die französische Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Paris und Strasbourg modernisiert werden muss, fahren ICE- und TGV-Züge in Paris früher ab als ursprünglich geplant. Betroffen sind die folgenden Linien:

  • ICE / TGV Züge Paris Est – Strasbourg – Karlsruhe – Frankfurt / Main
  • ICE / TGV Züge Paris Est – Strasbourg – Karlsruhe – Stuttgart

Dauer der Störung: voraussichtlich bis zum 26. September

Geplante Großbaustellen bei der Deutschen Bahn im Jahr 2020

Die Deutsche Bahn wird in den kommenden Jahren viel Geld investieren, um ihr teilweise marodes Streckennetz in Schuss zu halten. Bis 2030 fließt dafür die Rekordsumme von 86 Milliarden Euro in den Erhalt und die Modernisierung des bestehenden Schienennetzes; 62 Milliarden Euro kommen vom Bund, 24 Milliarden Euro von der Bahn selbst. Mit dem Geld werden unter anderem Gleise, Bahnhöfe, Stellwerke und Energieversorgungsanlagen erneuert. Vieles davon kann aber natürlich nicht ohne Störung im Bahnverkehr geschehen. Denn überall dort, wo auf freier Strecke gearbeitet wird, müssen Züge langsamer fahren oder einen Umweg nehmen. Die Folge: Verspätungen und genervte Kunden.

Deswegen hat sich die Bahn zur Aufgabe gemacht, umfangreich über bevorstehende Großbaustellen zu informieren. In den kommenden Monaten stehen viele Bauprojekte auf der Agenda der Deutschen Bahn. Wir zeigen dir an dieser Stelle die Details – auch zu aktuellen Störungen. Solltest du selbst noch weitere Großbaustellen kennen, zögere nicht, uns einen kurzen Hinweis zu geben.

Baden-Württemberg

Mannheim – Stuttgart
Zeitraum: 10. April bis 31. Oktober

Die Fernverkehrszüge müssen zwischen Karlsruhe / Heidelberg / Mannheim und Stuttgart umgeleitet werden. Das hat zur Folge, dass die Züge in der Regel zwischen 20 und 45 Minuten länger unterwegs sind. Dadurch können sie im weiteren Fahrtverlauf ihre geplanten Zeitfenster und Anschlüsse oft nicht mehr erreichen. Mehrere Fahrten oder Halte sollen komplett oder auf Teilstrecken entfallen. Und das hat wiederum Folgen für die verbleibenden Züge auf der Strecke. Sie dürften deutlich voller sein als normal. Eine Sitzplatzreservierung kann von Vorteil sein.

Bayern

Augsburg – Treuchtlingen
Zeitraum: 10. Juli bis 9. November

Weil im Streckenabschnitt zwischen Augsburg und Treuchtlingen nur ein Gleis zur Verfügung steht, ist mit Reisezeitverlängerungen und vereinzelten Haltausfällen zu rechnen. Die Reisezeit der ICE-Linie 18 (Hamburg – Berlin – Halle – München) und der ICE-Linie 29 (Berlin – Halle – Nürnberg – München) verlängert sich wegen der Baustelle um 20 bis 30 Minuten. Die Züge fahren in München außerdem früher ab und kommen in der Gegenrichtung später an. Teilweise entfällt der Halt München Pasing. Aufpassen müssen auch alle, die die IC/ICE-Linie 26 (Hamburg – Würzburg – Augsburg – München – Schwarzach) nutzen. Es kommt zu einzelnen zeitlichen Anpassungen.

Fulda – Würzburg
Zeitraum: 2. bis 28. November

Einschränkungen auf der Schnellfahrstrecke zwischen Fulda und Würzburg sind fast den gesamten November über zu erwarten. Aufgrund von Brückenarbeiten an der Altbaustrecke Gemünden-Burgsinn ist mit einem eingeschränkten Angebot zu rechnen. Montags bis samstags kommt es zwischen 09:10 und 19:10 Uhr zu Einschränkungen, sonntags zwischen 5:30 Uhr und 13 Uhr.

Berlin / Brandenburg

Berlin – Bitterfeld
Zeitraum: 5. Oktober bis 12. Dezember

Aufgrund von Gleisarbeiten auf der Anhalterbahn zwischen Berlin und Bitterfeld kommt es zwischen dem 5. Oktober und dem 12. Dezember zu Fahrzeitveränderungen und Haltausfällen. Das hat unter anderem zur Folge, dass die ICE-Linie 11 (Berlin – Leipzig – Erfurt – Frankfurt – Mannheim – Stuttgart – München) über Braunschweig, Göttingen und Kassel verkehrt. Mehrere Halte (unter anderem in Leipzig und Erfurt) entfallen.

Wenn du eine Reise mit der ICE-Linie 13 (Berlin – Braunschweig – Göttingen – Kasse Wilh. – Fulda – Frankfurt) planst, musst du nicht nur mit einem anderen Fahrtverlauf rechnen, sondern in Leipzig auch den Zug wechseln – und deswegen eine um 60 Minuten verlängerte Reisezeit einplanen.

Weitere Änderungen inklusive Haltausfällen und längeren Laufzeiten sind auf den ICE-Linien 15 (Berlin – Halle – Erfurt Frankfurt), 18 (Hamburg – Berlin – Halle – Erfurt – Nürnberg – München) und 28 (Hamburg – Berlin – Halle – Erfurt – Nürnberg – München) einzuplanen.

Nordrhein-Westfalen

Köln Messe/Deutz
Zeitraum: 14. Juni bis 12. Dezember

Aufgrund von Brückensanierungen ist der Zugverkehr zwischen Köln Hauptbahnhof und Köln Messe/Deutz teilweise eingeschränkt. Es kommt zu Umleitungen, Fahrzeitverlängerungen und einzelnen Haltausfällen. In der Folge entfällt zum Beispiel auf der Linie 78 (Amsterdam – Köln – Frankfurt) der Halt Köln Hauptbahnhof. Stattdessen halten die Züge in Köln Messe/Deutz (tief). An einzelnen Wochenenden halten die Züge dieser Linie am Ersatzhalt Köln-Ehrenfeld mit leicht abweichenden An- und Abfahrtszeiten. Einzelne Züge enden in Köln Messe/Deutz, bei anderen sind Fahrzeitverlängerungen von rund 20 Minuten einzuplanen. Zudem können auf der Linie 79 (Frankfurt – Köln – Brüssel) die Halte Köln/Bonn Flughafen und Siegburg/Bonn entfallen.

Dortmund Hauptbahnhof
Zeitraum: 1. Juli bis 12. Dezember

Am Hauptbahnhof in Dortmund sind Bahnsteigarbeiten notwendig. Das kann in Einzelfällen zu Umleitungen, Gleiswechseln, Anschlussverlusten und sogar Haltausfällen führen. Betroffen sind vor allem die Verbindungen Hamburg – Dortmund – Stuttgart (Linie 30), Dortmund – München (Linie 41), Berlin – Dortmund  – Köln/Düsseldorf (Linie 10). Einige der im Normalfall in Dortmund beginnenden beziehungsweise endenden Züge beginnen / enden stattdessen in Essen Hauptbahnhof.

Dortmund – Hamm
Zeitraum: 9. bis 26. Oktober

Die Deutsche Bahn muss zwischen Dortmund und Hamm nicht nur Oberleitungen, sondern auch Lärmschutzarbeiten vornehmen. Umleitungen, Haltausfälle und Abweichungen vom Fahrplan sind die Folge. Besonders betroffen sind die Verbindungen zwischen Berlin und Düsseldorf (Linie 10 + 14) sowie die Linie 55 zwischen Dresden und Köln. Die Züge der Linien 10 und 14 werden über Horstmar umgeleitet und enden teilweise schon in Essen. Die Linie 55 fährt über Hagen ohne Halt in Dortmund Hauptbahnhof.

Münster – Lünen
Zeitraum: bis zum 9. Oktober

Eine umfangreiche Sanierung eines Bahndamms bereitet zwischen Münster und Lünen länger Probleme als geplant. Deswegen müssen Fernverkehrszüge zwischen Münster und Dortmund weiter über Hamm umgeleitet werden.

Seit Januar baut die Deutsche Bahn entlang der Strecke auf einer Länge von mehr als fünf Kilometern Spundwände ein, um den Damm dauerhaft zu festigen. Jetzt wurde deutlich, dass auch der Schienenoberbau saniert werden muss. Grund sind wellenförmige Verläufe des Oberbaus. Das Schotterbett weist in den Bauabschnitten Werne und Ascheberg unterschiedliche Dicken auf. Die DB muss den Oberbau deswegen komplett abtragen und neu aufbauen.

Bauarbeiten zwischen Münster und Lünen bei der Deutschen Bahn
Sanierungsarbeiten der DB auf der Strecke Münster – Lünen im Jahr 2020.

Ab dem 10. Oktober fahren Züge der RB 50 (Eurobahn) zwischen 5:30 und 22:30 Uhr wieder den Regelbetrieb zwischen Dortmund und Münster. Die Züge der zweistündlichen ICE/IC-Linie Hamburg – Münster – Dortmund – Wuppertal – Süddeutschland (Linie 31) werden tagsüber in der oben genannten Zeit wieder über die ursprüngliche Strecke mit Halten in Dortmund, Hagen und Wuppertal geführt. Die Züge der zweistündlichen ICE/IC-Linie Hamburg – Münster – Düsseldorf – Köln – Bonn – Süddeutschland (Linie 30) werden weiterhin von Münster in Richtung Essen über Recklinghausen und Gelsenkirchen verkehren. Grund sind die fortschreitenden Arbeiten für den Neubau der Verkehrsstation Dortmund.

Geplante weitere Bauarbeiten im zweiten und dritten Quartal 2020

Darüber hinaus hat die Deutsche Bahn für das Jahr 2020 bereits Bauarbeiten angekündigt, die zum Teil noch nicht in den Bahn-Auskunfts- und -Buchungsmedien enthalten sind.

Gleissperrung

Hessen

Frankfurt – Kassel
Zeitraum: April bis Oktober

Die Strecke ist wegen Gleisarbeiten gar nicht oder nur teilweise befahrbar. Zwischen Frankfurt West und Groß Karben ist die Strecke an mehreren Wochenenden komplett gesperrt. Züge der Linie 26 (Stralsund – Kassel – Gießen – Frankfurt – Karlsruhe) werden ab Friedberg über Hanau und Frankfurt Süd umgeleitet. Die Halte Frankfurt Hauptbahnhof und Frankfurt West entfallen. Ersatzhalt ist Frankfurt Süd. Zum Teil ist auch eine Streckensperrung zwischen Frankfurt und Kassel angekündigt. Dann erfolgt eine Umleitung der Linie 26 ab Kassel Wilhelmshöhe über die Schnellfahrstrecke über Fulda und Hanau nach Frankfurt. Die Halte Treysa, Marburg, Gießen, Friedberg und Frankfurt West entfallen.

Hönebachtunnel
Zeitraum: 25. September bis 30. Oktober

Weitere Informationen folgen in Kürze.

Deutsche Bahn Baustelle

Thüringen

Leipzig – Erfurt
Zeitraum: 3. September bis 6. Oktober

Gleiserneuerungen sorgen für umfangreiche Änderungen im Fernverkehr der Bahn. Details hier.

Alle Informationen zu Baustellen der Deutschen Bahn kannst du übrigens auch per App auf dem Smartphone einsehen. Die DB Bauarbeiten App hilft dir weiter.

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Entschädigung bei zu hoher Verspätung

Verspätungen lassen sich im Allgemeinen nicht vermeiden, wenn auf der Schiene gebaut wird. Du hast aber trotzdem Anspruch auf Entschädigung, wenn die Verspätung deines Zuges zu umfangreich ausfällt. Kommst du mindestens 60 Minuten (1 Stunde) verspätet an deinem Zielbahnhof an, erhältst du eine Entschädigung in Höhe von 25 Prozent des gezahlten Fahrpreises für die einfache Fahrt. Bei mindestens 120 Minuten (2 Stunden) steht dir eine Entschädigung in Höhe von 50 Prozent des gezahlten Fahrpreises für die einfache Fahrt zu.

Bist du mit einer Zeitkarte im Fernverkehr unterwegs, bekommst du ab 60 Minuten Verspätung pauschal 5 Euro (2. Klasse) beziehungsweise 7,50 Euro (1. Klasse) erstattet. Mit der BahnCard 100 bekommst du übrigens pauschal 10 Euro (2. Klasse) beziehungsweise 15 Euro (1. Klasse).

Und noch etwas solltest du wissen. Wenn abzusehen ist, dass du mit mindestens 20 Minuten Verspätung an dem auf deiner Fahrkarte aufgedruckten Zielort ankommst, ist die Zugbindung aufgehoben. Hast du zum Beispiel ein Sparpreis-Ticket gebucht, darfst du dann jeden anderen Zug auf der gleichen Strecke nutzen.

Quellen:

  • Deutsche Bahn

Bildquellen

  • neue Spundwände am Bahngleis: Deutsche Bahn
  • Gleissperrung: Deutsche Bahn AG
  • Im Einsatz auf dem Netz der DB – RU 800 S: Deutsche Bahn
  • IC im Morgenneben: Deutsche Bahn
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2 KOMMENTARE

  1. Das ist doch ein Witz, oder?!Besitzer einer Zeitkarte erhalten pro 60 minuten Verspätung stolze 5 Euro, Wahnsinn!!!Und SO wollt Ihr Leute von der Straße auf die Schiene bringen?!O weia!!

  2. „äuft alles reibungslos, fährst du nicht nur entspannt, sondern auch komfortabel und sicher von A nach B. Aber es kann auch ganz anders ausgehen.“

    Danach habe ich aufgehört zu lesen. Ich bin von Öffis wieder aufs Auto umgestiegen. Mit gutem Grund. DB heißt, um viertel nach das Haus zu verlassen und zum Bahnhof zu fahren, um den Zug um 10 nach zu bekommen.

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