International Roaming: Welche Gebühren fallen an?

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Handynutzung im Ausland
Bildquelle: Pixabay
Wer mit dem Handy die EU verlässt, sollte sich im Vorfeld darüber informieren, welche Kosten auf ihn zukommen. Denn außerhalb der Europäischen Union gibt es keine regulierten Tarife und jeder Anbieter kann eigene Angebote und Konditionen festlegen. Doch es gibt Tricks, um diese Kosten zu umgehen.

Was ist eigentlich Roaming?

Als Roaming bezeichnet man, wenn ein Handy sein eigentliches Heimatnetz verlässt und sich als Gast in einem fremden Handynetz im Ausland einbucht. Je nach Abkommen zwischen den beiden Anbietern können die Kunden dadurch ihr Handy ganz normal weiternutzen und telefonieren, SMS senden und empfangen und im Internet surfen.

Was die meisten Handy-Kunden inzwischen wissen: Wer ins EU-Ausland verreist, bei dem greift die EU-Roaming-Verordnung und er nutzt die ausländischen Netze zu den Konditionen, als wäre er in Deutschland. Das Prinzip heißt Roam-like-at-home und gilt seit Juni 2017.

Achtung teuer: Roaming außerhalb der EU

Doch mit der EU-Roaming-Verordnung hat sich das Thema Roaming nicht erledigt. Denn deutlich komplizierter und auch teurer wird es, wenn der Urlaub oder die Geschäftsreise in Nicht-EU-Ländern stattfindet. Das betrifft auch Länder, die in Europa liegen aber nicht zur EU gehören wie die Schweiz oder das beliebte Reiseland Türkei. Damit Reisende, die ihr Handy im Ausland nutzen wollen, nicht am Ende die dicke Rechnung präsentiert bekommen, sollten sie einige Dinge beachten. Darüber hinaus gibt es einige Tricks, wie sich die hohen Kosten umgehen lassen. Das gilt für Android-Smartphones genau so wie für das iPhone.

Zunächst einmal das Grundsätzliche: Außerhalb der EU-Staaten kostet alles, was ein Handynutzer mit seinem Handy macht, Geld. Das betrifft auch das Annehmen von Gesprächen. Ein ankommendes Gespräch ist zwar günstiger als selber zu telefonieren. Es schütz aber nicht vor zusätzlichen Kosten. Eine in Deutschland gebuchte Handy-Flatrate nutzt außerhalb von EU-Ländern nichts. Einzig ankommende SMS sind – bis auf ganz wenige Ausnahmen – kostenlos.

Grundsätzlich gibt es keine festgeschriebene Regel, wie hoch die Gebühren bei den Anbietern für die anderen Länder außerhalb der EU sein dürfen. Es gibt auch keine Regel, welches Land in welche Tarifzone eingeordnet wird. Grundsätzlich kann man aber davon ausgehen, dass das Verlassen den Kontinents Europa mit hohen Roamingkosten verbunden ist. Das betrifft vor allem das Daten-Roaming.

Kann ich Roaming im Ausland nutzen?

Ein Großteil aller Prepaid-SIM-Karten und Verträge sind automatisch für das International Roaming freigeschaltet, einige wenige erst ein bis zwei Monate nach der Aktivierung. Doch es gibt Ausnahmen, wo entweder aus technischen oder aus vertraglichen Gründen kein Roaming genutzt werden kann. Darauf sollte der eigene Mobilfunkanbieter bei Abschluss des Vertrages aber deutlich hingewiesen haben.

Ein weiteres Kriterium, ob International Roaming im Urlaubsland nutzbar ist, sind die Roaming-Abkommen zwischen den Netzbetreibern. Hier gilt als Faustregel: So exotischer das Reiseland, desto geringer die Auswahl an Partnernetzen vor Ort. Zudem haben Prepaid-Kunden aus technischen Gründen oftmals eine geringere Auswahl an möglichen Netzen als Kunden mit einem Vertrag.

Kostenfallen außerhalb der EU vermeiden

Wie erwähnt, ist Roaming außerhalb der Europäischen Union kostenpflichtig. Insbesondere mobiles Internet kann da schnell zur Falle werden. Der Grund: In der Regel geht das Handy automatisch online, sobald es Netz hat. Durch die zahlreichen Hintergrunddaten, die ein Smartphone überträgt, entstehen unmittelbar Kosten. Bei Anrufen oder SMS ist das für die Nutzer deutlich kalkulierbarer. Die klare Empfehlung von inside handy: Vor dem Start ins Ausland das Daten-Roaming auf dem Handy deaktivieren. So lange das Handy dann nicht aktiv genutzt wird, entstehen dadurch auch keine zusätzliche Gebühren. Da das Smartphone aber im lokalen Mobilfunknetz eingebucht und auf Empfang ist, bleibt man telefonisch und per SMS erreichbar.

Welche Gebühren fallen für das Roaming an?

Es gibt keine Faustregel, welche Roaming-Gebühren im Nicht-EU-Ausland anfallen. Sie unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter und Land zu Land. Teilweise gibt es sogar unterschiedliche Handhabungen bei verschiedenen Tarifen desselben Mobilfunkanbieters.

Wie unterschiedlich Roaming-Gebühren außerhalb der EU sein können, zeigt ein Vergleich des Discounters Blau mit der Telekom. Während Blau im International Roaming generell zwischen 9 Cent und 99 Cent für eingehende und abgehende Telefonate berechnet, sind es bei der Telekom bis zu 2,99 Euro pro Minute für abgehende und 1,79 Euro pro Minute für ankommende Gespräche.

Nahezu alle Anbieter bieten inzwischen aber auch Roaming-Optionen an. Sie beinhalten in der Regel ein Kontingent an Minuten und Datenvolumen zu einem festen Preis. Sie gibt es aber nicht bei jedem Anbieter und nicht für jedes Reiseland.

4 Roaming-Spar-Tricks außerhalb der EU

Es gibt verschiedene Methoden, mit denen sich die teuren Preise der deutschen Anbieter umgehen lassen.

1. WLAN Call

Insbesondere bei Vertragskunden ist im Zusammenspiel mit relativ aktuellen Smartphones inzwischen WLAN Call oder WiFi Calling aktiviert und nutzbar. Wenn das Handy einen WLAN-Hotspot – beispielsweise im Hotel – für den Datenverkehr nutzt, führt es einen WLAN Call durch und bucht sich entsprechend ein. Damit wird nicht das Handynetz vor Ort, sondern die WLAN-Verbindung genutzt. Der Vorteil: Es gelten die deutschen Vertragsbedingungen – auch in den entlegensten Ecken der Welt. Aber Vorsicht: Verliert das Handy das WLAN-Netz, wird es teuer. WLAN Call lässt sich in der Regel in ein Einstellungen des Handys einschalten und ausschalten. Manchmal muss es auch noch beim Anbieter kostenlos aktiviert werden, da die Option von Haus aus abgestellt ist.

2.      WhatsApp Call & Co.

Auch Messenger wie WhatsApp oder Skype lassen Telefonate zu, um andere Nutzer des gleichen Messengers anzurufen. Auch hier ist ein nutzbares WLAN-Netz die Voraussetzung. Nachteil gegenüber WLAN Call: Verbindungen kommen natürlich nur über den gleichen Messenger zustande. Allerdings gibt es keine Kostenfalle: Wenn das Smartphone das WLAN-Netz verliert und die Nutzung von mobilen Daten ausgeschaltet ist, wird auch die Verbindung gekappt.

3.      Beliebiger VoIP-Anbieter

Etwas in Vergessenheit geraten sind klassische Internet-Telefonie-Anbieter. Diese VoIP-Provider wie sipgate oder beispielsweise auch easybell bieten ihren Nutzern günstige Minutenpreise an, oftmals zusammen mit einer Festnetznummer in Deutschland. Voraussetzung ist auch hier eine WLAN-Verbindung. Die Nutzung erfolgt entweder über eine App des Anbieters oder über die eingetragenen SIP-Zugangsdaten im Handy. Auf diesem Weg ist man im Ausland auch aus dem öffentlichen Telefonnetz erreichbar. Dabei gilt: Nutzt das Handy eine mobile Internetverbindung, wird das Internet-Gespräch auch über das Datenroaming geführt.

4.      Lokale Prepaid-SIM-Karte

Vor allem bei längeren Aufenthalten in exotischen Ländern oder aber bei Rundreisen ohne WLAN in Reichweite kann sich immer noch die Anschaffung einer lokalen Prepaid-Karte lohnen. In vielen Ländern ist die Beschaffung einer ausländischen SIM-Karte inzwischen jedoch schwieriger geworden, da die Regierungen zunehmend auf eine Registrierung der Kunden bestehen.

Um im Ausland etwaigen Sprach-Barrieren bei der Kommunikation mit Shop-Mitarbeitern aus dem Weg zu gehen, kann es sinnvoll sein, die Prepaidkarte schon vor dem Urlaub im Internet zu bestellen. Hier gibt es darauf spezialisierte Anbieter wie simlystore und travsim.de. simlystore bietet die SIM-Karten für viele verschiedene Länder an und aktiviert diese zum Urlaubsstart. Die Preise für eine solche Prepaid-Karte von simlystore liegen zwischen 29,90 und 59,90 Euro, je nach Land und Datenvolumen. travsim.de bietet ähnliche Prepaid-Karten an, neben reinem Datenvolumen stehen auch Telefonminuten und SMS im Portfolio zur Auswahl.

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Thorsten Neuhetzki
Thorsten liebt Technik und ist seit 2018 als Redakteur an Bord. Als "alter Hase" in der Branche schreibt Thorsten am liebsten über alles, was mit Breitband, Netzen und Tarifen zu tun hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Super Vectoring, DOCSIS 3.1 oder 5G geht - schnelles Internet ist für Thorsten und seine Berichterstattung das A und O. Abseits des Newsdesks ist Thorsten mit großer Begeisterung auf seinem Tourenrad unterwegs. Vor allem Schweden hat es dem in Berlin wohnhaften Ostwestfalen angetan.

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