Internet im Homeoffice: So schnell muss deine Leitung wirklich sein

6 Minuten
Eine oft gestellte Frage - nicht nur, wenn es um das Thema Homeoffice geht: Wie schnell muss mein Internet-Anschluss wirklich sein? Wir zeigen dir, worauf du achten solltest und wie du schnell mehr Bandbreite für weniger Geld bekommst.
Zwei Laptops und ein zwei Handys in einer Homeoffice-Situation mit einer Videokonferenz
Videokonferenzen im HomeofficeBildquelle: Pixabay

Internetanbieter bewerben gerne Datenraten mit Gigabit-Bandbreiten, wollen dir 1.000 Mbit/s oder wenigstens Anschlüsse mit 100 oder 250 Mbit/s verkaufen. Schnelle Internetleitungen seien der Verkaufsschlager schlechthin im Lockdown. Doch ist das wirklich notwendig? Nein. Denn Datenraten jenseits der 100 Mbit/s im Downstream brauchen im Homeoffice wirklich die wenigsten. Doch es gibt Ausnahmen. Dazu später mehr.

Viel wichtiger ist für die meisten, auf einen vernünftigen Upstream zu achten und – noch wichtiger – das heimische WLAN oder die Heimvernetzung unter Kontrolle zu haben.

Klassisches Homeoffice braucht wenig Bandbreite

Lassen wir im ersten Schritt die Heimvernetzung außen vor und betrachten nur die Anwendungen, die man derzeit klassischerweise im Homeoffice nutzt. Das sind zum Beispiel Videokonferenzen, um sich mit den Kollegen abzustimmen. Aber auch Büroanwendungen wie Microsoft 365 oder Google Docs stehen bei den Firmen zunehmend hoch im Kurs, um gemeinsam cloudbasiert an Dokumenten zu arbeiten.

Die große Enttäuschung für alle Internet-Anbieter: Dafür sind keine Gigabit-Leitungen notwendig. Zumindest im Downstream reicht für beides ein ganz normaler DSL-Anschluss. Diese Leitungen, die teilweise schon seit zehn Jahren oder mehr geschaltet sind, bieten dir klassischerweise bis zu 16 Mbit/s im Downstream und normalerweise – bei alten Leitungen – 1 Mbit/s im Upstream.

Zwei Probleme gibt es in dem vorhergehenden Satz für das problemfreie Arbeiten im Homeoffice: „Bis zu 16 Mbit/s“ und „1 Mbit/s Upstream“. Gerade bei alten DSL-Leitungen bekommst du oftmals nicht die beworbenen 16 Mbit/s, weil deine Leitung womöglich wirklich noch auf DSL-Technik basiert. Oder dein Vertrag ist sogar so alt, dass er nur 6 Mbit/s bieten. Heute schalten die Anbieter die Anschlüsse in aller Regel auf VDSL-Technik – auch du nur 16 Mbit/s buchst. Die Anschlüsse sind dann schneller und stabiler. Alte Verträge werden aber nicht automatisch umgestellt, weil dein Modem womöglich kein VDSL kann.

Alte Anschlüsse sind oft langsam und teuer

Unser Tipp daher: Schau in deinen Internetvertrag. Womöglich zahlst du für deinen alten Tarif genau so viel, wie heute ein Anschluss mit 50 oder 100 Mbit/s kosten würde. Dann lass deinen Vertrag umstellen. Oftmals bekommst du dann auch einen neuen Router, der besseres WLAN anbietet, schneller arbeitet und einfach moderner ist. In der Regel bindest du dich aber für zwei Jahre neu.

Gleichzeitig wirst du mit dem Upgrade mehr Upstream-Bandbreite haben. Dann vor allem dann, wenn deine Kollegen dir immer wieder sagen, du seist nicht zu sehen oder kommst nur abgehackt an, ist deine Leitung in Richtung Internet überlastet. 1 Mbit/s war vor fünf oder zehn Jahren Standard und vollkommen ausreichend – heute nicht mehr. Üblich sind heute mindestens 2,5 Mbit/s, meist sogar 5 oder 10 Mbit/s. Bei den ganz schnellen Leitungen bekommst du auch 40 oder noch mehr Megabit pro Sekunde.

Diesen enorm schnellen Upload brauchst du aber, genau wie den extrem schnellen Download, nur selten. Je nach Berufsgruppe gibt es beispielsweise Grafiker, Architekten oder Mediengestalter, die hohe Datenmengen übertragen müssen. Hier ist ein Anschluss jenseits der 100 Mbit/s auf jeden Fall sinnvoll. Auch dann, wenn du Kinder hast, die derzeit ihre Schule von zu Hause erledigen müssen oder Videostreaming ein zunehmend wichtigeres Thema wird, solltest du zu einer schnelleren Leitung tendieren.

Wer braucht welche Bandbreite?

Den Internetmarkt in Deutschland kann man ganz grundlegend in drei Geschwindigkeitsklassen aufteilen. Dabei handelt es sich um Anschlüsse bis 16 Mbit/s in der Einsteigerstufe. Für Viel- und Intensivnutzer gibt es Anschlüsse mit 250 Mbit/s und mehr. Der Rest bewegt sich dazwischen.

DSL mit 16 Mbit/s – reicht das?

Ein Anschluss mit bis zu 16 Mbit/s reicht für Büro-Anwendungen vollkommen aus. Auch nebenbei Musik hören, mal ein Video anschauen oder ganz klassisch im Internet surfen ist möglich. Gleiches gilt für Videokonferenzen – hier sind im Downstream meist nicht mehr als 5 Mbit/s notwendig. Dabei ist die Anzahl der Teilnehmer egal. Der Engpass ist am ehesten der Upstream. Willst du mit eigenem Videobild in eine Konferenz, kann das schon mal ruckeln.

Nicht mehr ausreichend ist ein Anschluss mit 16 Mbit/s ganz schnell, wenn Kinder im Haus sind, die auch das Internet benötigen oder auch der Partner im Homeoffice arbeitet. Hier sollte man über eine schnelle Leitung nachdenken.

50 oder 100 Mbit/s – was brauche ich?

Fürs reine Homeoffice reicht – selbst wenn mehrere online arbeiten und die Kinder Homeschooling betreiben – ein Anschluss mit 50 Mbit/s vollkommen aus. Wird dieser Anschluss per VDSL geschaltet, bringt er 10 Mbit/s im Upstream. Ein Anschluss per Kabel – etwa von Vodafone – ist etwas langsamer im Upstream.

Der Preisunterschied zwischen 50 und 100 Mbit/s ist oft nicht groß, der Upstream im VDSL-Netz mit 40 Mbit/s aber eklatant besser. Da der Datenhunger sämtlicher Anwendungen im Internet steigt, Videostreaming mehr und mehr auf dem Vormarsch ist und 4K das neue Standard-Bildformat sein wird, schadet es nicht, jetzt schon einen Anschluss mit 100 Mbit/s zu buchen.

Fürs Homeoffice brauchend diese Datenraten nur jene, die regelmäßig mit großen Datenmengen arbeiten. Dabei musst du einerseits beachten, welche Datenspitzen du selbst verursachst – etwa durch den Abruf und die Übertragung von Videos, Bildern und Dateien, aber auch welches Datenvolumen in Summe anfallen.

250 Mbit/s und mehr – wer braucht das?

Datenraten jenseits der 250 Mbit/s sind oftmals unnötig teuer, wenn es nur um normales Arbeiten im Homeoffice geht. Nur, wenn du dein komplettes Leben ins Internet verlegst, mit Cloud-Speichern arbeitest, regelmäßig UHD-Videos benötigst, lohnt es sich über Anschlüsse jenseits der 250 Mbit/s nachzudenken. Insbesondere mit echten Glasfaser-Anschlüssen, die derzeit aber nur vergleichsweise wenige Haushalte bekommen, ist der Upstream ins Internet bei diesen hohen Datenraten besonders schnell. 100 Mbit/s Upstream gelten als Standard, ein Vielfaches ist möglich.

Wichtig: Die Heimvernetzung muss stimmen

Der schnellste Anschluss bringt dir nichts, wenn das Internetsignal nicht an deinem Rechner ankommt. Leider ist das oft genug der Fall. Die Gründe dafür sind vielfältig. So ist es beispielsweise denkbar, dass dein WLAN-Router oder dein Rechner veraltete Standards nutzen. Auch können falsche WLAN-Einstellungen der Grund sein.

Meist handelt es sich aber um Reichweitenprobleme. Hier ist es wichtig, die richtige Hardware zu nutzen, um das Internet beispielsweise im temporären Arbeitsraum im Dachgeschoss oder Keller vernünftig nutzen zu können, ohne gleich Unmengen an Geld auszugeben.

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14 KOMMENTARE

  1. Ja sorry aber da hat jemand nur im Internet recherchiert und keine echten Erfahrungen mit 16mbit bzw 1mbit upload gehabt. In dem Fall bedeutet das nämlich das jeder Seitenaufruf den Videostream(upload) zum stocken bringt und da reicht es wenn jemand im selben Netz mit dem Handy surft und schon geht die Videokonferenz nicht mehr anständig.

    50/10 ist das absolute minimum für sinnvolles homeoffice oder homeschooling.

    • Nichts anderes steht im Artikel. Wenn mehrere Leute im Haushalt sind und diese auch das Internet mit Videos belasten, sollte ein 50er her. Wer als Single allein im Netz surft (ohne Video etc, dem reicht wie beschrieben durchaus eine 16er Leitung)

  2. Alles schön und gut, nur die Betreiber des Breitbandnetztes kommen schlicht weg nicht mit dem Ausbau hinterher. Viele Kunden möchten oder brauchen schnelleres Internet und werden jahrelang vertröstet. Es ist nicht so einfach mal schnelles Internet zu besorgen, schon gleich gar nicht auf dem Land. Einfach den alten Vertrag zu wechseln bringt oft nichts! Hier ist auch wie gesagt der Netzbetreiber bzw. der Bund in der Pflicht eine anständige Infrastruktur auf die Beine zu stellen, vor allem auf dem Land und nicht nur in den Städten.

  3. Bei uns wird gerade Glasfaser ausgebaut, aber der halbe Ort wird davon ausgeschlossen…!?
    Wir restlichen Haushalte sollen für immer ohne VDSL mit höchstens 4 MBit/s dahindümpeln!!! Obwohl Fördergelder vorhanden sind, verhindert der Bürgermeister, dass alle Haushalte mit Breitband versorgt werden!!!

    Wie also sollen wir das mit dem Homeoffice machen ???

    Deutschland ist so unfähig in der Breitbandversorgung!

  4. Bei uns wird gerade Glasfaser ausgebaut, aber der halbe Ort wird davon ausgeschlossen…!?
    Wir restlichen Haushalte sollen für immer ohne VDSL mit höchstens 4 MBit/s dahindümpeln!!! Obwohl Fördergelder vorhanden sind, verhindert der Bürgermeister, dass alle Haushalte mit Breitband versorgt werden!!!

    Wie also sollen wir das mit dem Homeoffice machen ???

    Deutschland ist so unfähig in der Breitbandversorgung!

  5. Also ich hab ein 50er Vertrag und komme tatsächlich auf so ca 35mbits. Wenn man in einer online Konferenz mit mehreren Personen ist und alle das Video an haben stockt es leider öfter obwohl ich alleine bin. Also 16mbits reichen auf keinen Fall für Videokonferenzen und ich kann das leider aus Erfahrung sagen.

  6. Also ich bekomme lediglich 3 Mbit/s an meine Wohnung und teile sie mir mit noch einem anderen Haushalt von 2 Personen. Homeoffice ist für mich kein Problem 😅🤷‍♂️

  7. Zuhause hab ich 5/1 mbits (gemessen). Damit zu arbeiten ist kaum möglich (Videokonferenz mit geringer Qualität gerade noch möglich, Cloud Synchronisation und Datenbanken nicht)

  8. Also ich komme auf 1150 MBit/s im Downstream und 56 MBit/s im Upstream über einen Kabelrouter (sehr neue Fritz!Box) und Vodafone als Provider. Wenn ich einen Linux-Kernel (Source) von KERNEL.ORG herunterlade (ca. 180 MB), braucht das etwa 2,6 Sekunden. Das reicht mir aus.

  9. Also ich komme auf 1150 MBit/s im Downstream und 56 MBit/s im Upstream über einen Kabelrouter (sehr neue Fritz!Box) und Vodafone als Provider. Wenn ich einen Linux-Kernel (Source) von KERNEL.ORG herunterlade (ca. 180 MB), braucht das etwa 2,6 Sekunden. Das reicht mir aus.

  10. Ich wohne mitten in München, habe einen Glasfaser-Hausanschluß, habe einen Vertrag mit Breitband 50 mBit/s – und bei Videokonferenzen wird die Leitung meistens nach spätestens mehreren Minuten unterbrochen (manchmal, seltener kann ich sogar 1 1/2 Std. Videokonferenz ununterbrochen führen).

  11. Willkommen in 2021, wenn dir der Telekomtechniker beim aktivieren/anschließen des Hausanschlusses sagt, er hätte nicht erwartet das überhaupt 16MBit zu Verfügung stehen. Ich wohne ca. 1km außerhalb des nächsen Ortes (ein Bauernhof außerhalb, aber direkt neben einer Bundesstraße) und im Ort sind bis zu 150MBit möglich…

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