Warum kannst du nicht vernünftig telefonieren? Ein Kommentar

3 Minuten
Es war einmal so einfach. Telefon ans Ohr. Oben hören, unten sprechen. Doch das scheinen viele verlernt zu haben. Da wird aufs Handy geglotzt und auf die Straße gerannt – ohne rechts und links zu gucken. Oder im Zug „darf“ der ganze Wagen mithören. Warum? Ein Kommentar.
Videotelefonie Symbolbild
Bildquelle: Unsplash

Es kommt immer häufiger vor, dass ich mich über die Rücksichtslosigkeit meiner Mitmenschen wundere. Konkret geht es dabei um die Benutzung des Mobiltelefons, gemeinhin Handy oder Smartphone genannt.

Einst wurden die Dinger mal entwickelt, damit man auch unterwegs angerufen werden kann. Inzwischen sind es kleine Taschencomputer, mit denen du sogar per Video in Kontakt zu deinen Freunden und Verwandten in der ganzen Welt bleiben kannst. In den vergangenen Monaten sicherlich eine gute Sache. Doch warum in Dreiteufelsnamen muss ich an deinem Gespräch teilnehmen?

Gespräche für den ganzen Zug

Zwei Beispiele der vergangenen Tage: Ich möchte einfach nur mit dem Zug raus aus Berlin – eine Runde Fahrrad fahren. Workout vor den Toren Berlins. Auf dem Weg muss ich aber geschlagene 30 Minuten einem Telefonat zuhören. Unfreiwillig. Dass man einem Gesprächspartner zuhören muss, der über den aktuellen Arztbericht, den letzten Seitensprung oder die ach so vertraulichen Firmengeheimnisse spricht, daran hat man sich ja schon gewöhnt.

Aber dem Gegenüber dank eingeschaltetem Lautsprecher auch noch zuhören zu müssen, ist an Rücksichtslosigkeit kaum zu überbieten. Selbst wenn du den Lautsprecher aus vermeintlicher Rücksicht ganz leise machst: Die Dinger quäken dennoch in so unangenehmen Frequenzen, dass jeder in deinem Umfeld was davon hat. Ob dein Gesprächspartner weiß, dass ich jetzt weiß, was er gesagt hat?

Gefährlich: Videotelefonie unterwegs

Nicht nur rücksichtslos, sondern gefährlich wird es, wenn du mit deinem Blick auf dein Handy einfach auf die Straße latscht. Auch wenn du kein Auto hörst und lieber dem Videotelefonat lauscht: Fahrräder und E-Autos sind weitgehend geräuschlos. Wenn sich, so wie ich es gestern Abend erlebt habe, auch noch dein Kleinkind auf dem Tretroller darauf verlässt, dass du es sicher über die Straße lotst, bin ich ernsthaft für die Einführung eines Handy-Führerscheins.

Lustig finde ich auch immer wieder, wie sich die Generation Z immer wieder das Smartphone im 90-Grad-Winkel ans Ohr hält. Da kam wohl gerade wieder eine Sprachnachricht per WhatsApp. Die werden heute so schnell hin und her geschickt, dass man auch gleich telefonieren kann. Das geht übrigens bei jedem Smartphone sogar über eine „App“. Sie heißt Telefon. Und wenn man sich dabei den Hörer ans Ohr hält, statt einen Meter auf Abstand den Lautsprecher auf der lauten Straße anzuschalten, muss man übrigens auch nicht zurückrufen „Bitte was, ich hab dich gerade nicht verstanden, es ist so laut hier“.

Ein Tipp noch für alle, die es nicht schaffen, ihren Arm seitlich am Kopf zu halten. Es gibt eine Erfindung, die nennt sich Kopfhörer. Bitte nutzen sie – auch für die Musik in der S-Bahn. Vielen Dank!

Deine Technik. Deine Meinung.

7 KOMMENTARE

    • Deine Antwort passt perfekt zum Artikel. Kannst Du nicht einfach in Deutsch antworten? Wenn es sein muss, dann auch in Englisch. Aber was zum Teufel soll das Gemixe?!

  1. Du sprichst mir aus der Seele… Ich fahre viel mit der Bahn quer durch Deutschland und es ist schon merkwürdig was man da so alles beobachten und hören kann. Spricht man die Menschen darauf an gibt es noch blöde Sprüche.
    Nur schade das die Menschen die sowas machen eher weniger diese Seite lesen.

    In diesem Sinne

  2. Ich kann dem nur zustimmen.
    Auch in meinem Freundeskreis kommt es immer wieder dazu, dass ich etwas vertrauliches über Telefon erzählen möchte, ich aber schon an der rückkopplung höre, dass mein Gegenüber den Lautsprecher im Einkaufszentrum eingeschaltet hat.
    Was viele auch nicht wissen, bei WhatsApp gibt es seit einer halben Ewigkeit die Funktion, Sprachnachichten über den hörmuschel Lautsprecher abspielen zu lassen. Man muss dazu nur bei einer laufenden Sprachnachicht das Handy ans ohr halten. Das Display wird dabei sogar ausgeschaltet, um fehleingaben zu vermeiden.
    Probierts aus, ihr erspart euren Mitmenschen damit die einen oder anderen Qualen.

  3. Wenn ich in der Bahn die solche rücksichtslosen Zeitgenossen gegenüber oder neben mir habe, mische ich mich immer in die Unterhaltung ein und gebe ungefragt meinen Senf dazu.
    Ganz schnell entfernen sich die Damofplauderer…

  4. Ja, sowas nervt. Allerdings hat sich meine Einstellung zu „einfach Handy ans Ohr halten“ geändert, als ich gelesen habe, dass viele Hirntumore genau da entstehen, wo das Handy vorzugsweise gehalten wird und Tierversuche den Zusammenhang gestützt haben… Daher kein Handy ans Ohr. Ist auch kein Problem. Ein Kopfhörer ist sehr praktisch 😀

  5. Sagt das doch mal Merkels Neubűrgern, die jedes Telefon krampfhaft anbrüllen műssen, so dass sie auch wirklich kilometerweit gehört werden können.

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