VDSL: Telekom plant Stilllegung ihres Kupfernetzes

3 Minuten
„Alte Technik abschalten“ ist das Motto der Telekom. So hat sie sich inzwischen vom ISDN/PSTN-Netz getrennt und auch UMTS gehört zum „alten Eisen“. Der nächste große Schritt wird die Stilllegung des Kupfernetzes und damit auch von VDSL.
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Deutsche TelekomBildquelle: Artem Sandler / inside digital

Die Abschaltung des PSTN-Netzes, also des normalen leitungsvermittelten Telefonnetzes spart jährlich etwa 470 Gigawattstunden Strom ein. Das sagte Telekom-Vorständin Claudia Nemat kürzlich beim Netzetag der Telekom. Beim PSTN-Netz handelte es sich um das Netz, über das analoge und ISDN-Telefonanschlüsse realisiert wurden. Das Netz ist abgeschaltet, alle Kunden auf Alternativen wie etwa die Telefonie über das Internet umgestellt.

Doch dabei wird es nicht bleiben. Derzeit arbeitet die Telekom an der Abschaltung des SDH-Netzes. Das ist ein Netz, das die Telekom intern nutzt, um große Datenmengen zu übertragen. Bei Firmen kommt das Netz mitunter auch für sogenannte Standleitungen zum Einsatz. Die Architektur des Netzes geht auf die 1980er-Jahre zurück. Doch bis 2025 soll auch dieses Netz Geschichte sein. Das spart nicht nur den Unterhalt der dafür benötigten Technik, sondern weitere 270 Gigawattstunden Strom.

Telekom: VDSL auf Basis des Kupfernetzes

Jetzt hat die Telekom schon das nächste Netz im Auge, das sie abschalten will. Dabei handelt es sich um das Kupfernetz des Konzerns, das das seit Jahr und Tag deinen Telefon- und DSL-Anschluss bildet. Damit wären auch VDSL-Anschlüsse von der Abschaltung betroffen. Hintergrund der Pläne ist der Ausbau des Glasfasernetzes der Telekom (und anderer Anbieter). Die Datenübertragung per Glasfaser ist nicht nur schneller als per VDSL, sondern auch deutlich energieeffizienter. Denn für VDSL muss in den zigtausend grauen Kästen am Straßenrand VDSL-Technik betrieben werden, die dein VDSL-Signal per Kupferleitung umwandelt in ein Glasfaser-Signal.

„Wir planen diese Abschaltung Schritt für Schritt“, sagt Telekom-Deutschland-Chef Srini Gopalan. Dabei plane man, zunächst einzelne Linecards außer Betrieb zu nehmen. Linecards sind zuständig für die Umwandlung von VDSL in ein Glasfaser-Signal. Jede Karte kann mehrere Haushalte gleichzeitig versorgen. Sobald aber Kunden in einem Glasfaser-Ausbaugebiet zunehmend auf Glasfaserleitungen wechseln, werden diese Linecards nicht mehr benötigt. „Wir könnten diese Linecards dann abschalten und Energie sparen“, so Gopalan.

Umstellung setzt Verfügbarkeit von Glasfaser voraus

Die Telekom sei mit der Bundesnetzagentur in Gesprächen über diese Migration. Denn sie betrifft unter anderem auch die Wettbewerber der Telekom, die ihre Anschlüsse im VDSL-Netz der Telekom anbieten. Für das Glasfasernetz gelten andere Rahmenbedingungen. So kann aktuell ein VDSL-Kunde eines Wettbewerbers nicht einfach auf die Glasfaserleitung umgestellt werden, sobald diese verlegt ist.

Die Telekom machte deutlich, dass es bei der Kupferabschaltung einen langwierigen und kleinteiligen Abschaltprozess geben wird und keinen Tag X, an dem VDSL abgeschaltet wird. Dafür muss zunächst auch Glasfaser in jedem Haushalt verfügbar sein. Erwartet wird das für frühestens 2030.

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16 KOMMENTARE

  1. Th.Lampert

    …Telekom. Größte Bergaufbremser überhaupt. Wollen Kupfer abschalten. Tzzzz.

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  2. Kev

    VDSL abschalten😂 Und wie wollen die dann Geld verdienen der Großteil Deutschlands nutzt VDSL und kaum jemand hat eine direkte Glasfaserleitung die ins Haus führt, wie stellen die sich das bitte vor, dass jeder mal eben 5000€ in die Hand nimmt und sich n Glasfaseranschluss legen lassen, weil die Telekom es möchte😂 Junge Junge, wenn VDSL abgeschaltet wird, wird die Telekom 95% ihrer Festnetzkunden verlieren und Vodafone, 02 etc werden diese Kunden gewinnen. Wie realitätsfern das ist VDSL abzuschalten, werden die wohl erst dann merken, wenn es soweit ist😂🤦‍♂️

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    • Thorsten Neuhetzki inside digital Team

      Hast du den Artikel gelesen?

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      • FG

        Hat er nicht… Ein klassischer Troll der nur Headlines liest…

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  3. Peter

    Ich bekomme gerade Glasfader in mein Haus gelegt und kostet nicht das mal dazu. Ich weis nicht wo die 5.000€ herkommen.

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  4. Thomas

    die Kosten sind zum Teil richtig! je nach Lage des Ortes. könnten auch Mal 1000€ bis 10.000€ Anfällen.

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  5. Uwe

    Der Stromverbrauch hat sich zum Kunden verlagert und hat sich auch sicher wesentlich erhöht. Router und DECT-Telefone brauchen Strom und die Kunden bezahlen. Für den Glasfaserausbau wird es massive Förderungen geben. Und der Steuerzahler wird es richten. Und die Telekom wird die Preise erhöhen.

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  6. ELRIGH

    Wir leben in einer Strasse, die zur Hälfte Glasfaser bekommen hat, die zweite Hälfte, wo unser Haus steht wartet seit 20 Jahren darazf, dass es weiter geht, letzter Stand von der Telekom: „Ein Aubau ist nicht geplant“. Wenig überraschend: der Teil der Strasse war mal Telekom-Hoheitsgebiet, der Grundanschluss musste schon immer bei der Telekom genommen werden, Internet durfte auch von anderen Anbietern kommen, aber über Jahrzehnte hinweg blieb man hierauf minimalen Geschwindigkeiten hängen. So sehr hat sich die Telekom um die Kunden gekümmert, die direkt abhängig waren. Vor einigen Jahren fiel das mit dem Hoheitsgebiet dann weg und andere Firmen wie die Deutsche Glasfaser bemühen sich nun um die Lücken, die von der Telekom gelassen wurden. Wann die aber ein Kabel verlegen ist noch völlig fraglich. Schaltet die Telekom also das Netz ab, wars das mit unserem Internet und das von 20 anderen Haushalten ebenso.

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  7. Nadine Kpunkt

    liebe Telekom, jeder Haushalt soll also bis 2030 an Glasfaser angeschlossen sein? Vor 3 Monaten hieß es, dass wir als Außengehöft niemals angeschlossen werden, obwohl die Glasfaser keine 50m an unserem und dem Haus des Nachbarn vorbeiführt. Wir nutzen schon Hybrid (vDSL/LTE), damit hier eine halbwegs vernünftige Verbindung zustande kommt, was eh schon mehr schlecht als recht funktioniert.Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie die Verbindung sein wird, wenn der vDSL-Anteil wegfällt. Die alternativen Netze (D2/1&1) funktionieren hier aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten nicht stabil, sonst hätten wir längst gewechselt. Und Satellit ist a) zu teuer und b) ist der Upload noch zu gering, Homeoffice könnte ich dann vergessen. Also, wer denkt an die ländlichen Gebiete, wir werden ja nicht die einzigen sein, die diese Konstellation haben?

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  8. Nadine Kpunkt

    interessant, jeder Haushalt soll also bis 2030 an Glasfaser angeschlossen sein? Vor 3 Monaten hieß es, dass wir als Außengehöft niemals angeschlossen werden, obwohl die Glasfaser keine 50m an unserem und dem Haus des Nachbarn vorbeiführt. Wir nutzen schon Hybrid (vDSL/LTE), damit hier eine halbwegs vernünftige Verbindung zustande kommt, was eh schon mehr schlecht als recht funktioniert.Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie die Verbindung sein wird, wenn der vDSL-Anteil wegfällt. Die alternativen Netze (D2/1&1) funktionieren hier aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten nicht stabil, sonst hätten wir längst gewechselt. Und Satellit ist a) zu teuer und b) ist der Upload noch zu gering, Homeoffice könnte ich dann vergessen. Also, wer denkt an die ländlichen Gebiete, wir werden ja nicht die einzigen sein, die diese Konstellation haben?

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  9. Frank K.

    Die ganze Diskussion über Glasfaser-Ausbei usw. Interessiert in Bonn sicher keinen. Es ist eigentlich zu schade um die Zeit. Wo sie sich dicke Gewinne erhoffen wird ausgebaut – und die anderen gucken in die Röhre. So einfach ist das – läuft bei anderen Technologien genau so ab.

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  10. Lukas

    Komisch wenn die Telekom durch Abschaltung von VDSL und Nutzung von Glasfaser viel Strom und Geld spart, die gleichwertigen Glasfaser-Tarife aber etwa 5 bis 10 Euro teurer sind – zuzüglich der Anschlussgebühr natürlich.
    Gewinnoptimierung wie eh und je

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  11. Christian

    Sorry, ich kann über die meisten Kommentare nur schmunzeln. Lasst es doch einfach, mit eurem Halbwissen Kommentare zu verfassen.
    Fakt ist:
    -FTTH wird Bundesweit ausgebaut.
    -Kupfer gehört dann der Geschichte
    an.
    -Vodafone usw. betreiben kein
    eigenes Kupfernetz. Dh. auch dort
    wird es dann keine Festnetzkunden
    geben.
    -In den GF-Ausbau investiert die
    Telekom jährlich etliche Milliarden
    Euro. Natürlich müssen die Kosten
    dafür irgendwie erwirtschaftet
    werden und da bleibt es leider
    nicht aus, dass die Preise
    angepasst werden müssen. Das Geld
    verbleibt immerhin im eigenen Land
    und nicht in ausländischen
    Investments.
    -5,0 Euro mehr im Monat. Ja, dass
    tut weh. Für jede einzelne
    Tankfüllung zahle ich momentan 40
    Euro mehr als im letzten Jahr.
    Meine Abschlagszahlung für Gas hat
    sich verdoppelt. Also bitte, wovon
    reden wir hier? 5 Euro tzz.
    -Ja, unter Umständen kann es sein,
    dass sich Eigentümer in
    „exklusiver“ Wohnlage an den
    Erschließungskosten beteiligen
    müssen. Ist u.a. auch beim Gasnetz
    so. In den meisten Gemeinden gibt
    es hierfür aber auch sinnvolle
    Lösungen.

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  12. Alex

    @ Nadine Kpunkt
    gibt ja noch Starlink. 😉

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  13. D. Müller

    Klar, es gibt überall gerade in Deutschland Projekte, in denen Glasfaser sowohl in kleinen, als auch großen Wohnortschaften kostenfrei ausgebaut wird. Das sind durchschnittlich kosten in Höhe von 3-4 tausend Euro und das ist halt der Weg wie das Geld wieder reingebracht wird. Deswegen, die einzige Frage ist einfach was einem lieber ist

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  14. Alexander Hornig

    Kommt drauf an, wer da ausbaut.Im Lande Brandenburg gibt es einen regionalen Anbieter, gegründet in Bernau, jetzt Sitz in Berlin, der Glasfaser ausbaut. Der Anschluss erfolgt für den Kunden i.d.r kostenlos und der monatliche Tarif liegt unter dem der Telekom. Das Glasfasernetz wird nach zweijähriger Vertragslaufzeit über die Bundesnetzagentur auch anderen Anbietern ( Telekom, 1&1 usw) zur Verfügung gestellt. Das sichert hohen Standart zu und der Ansprechpartner ist erreichbar.
    Ausgebaut wird meist in Kooperation mit den Gemeinden, d.h. auch das letzte Gehöft wird erschlossen. Logo ist übrigens Orange…

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