Unfassbar: Jeder fünfte Rastplatz fällt im ADAC-Test durch

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Pkw-Fahrende beschweren sich schon lange über die Zustände auf vielen von Deutschlands Rastplätzen. Der neuste Stichproben-Test des ADACs auf über 50 Rastplätzen an 15 der längsten Autobahnen kam zu einem beschämenden Ergebnis. Mehr als jeder Fünfte der unbewirteten Rastplätze fällt im Test durch.
Unfassbar - jede fünfte unbewirtete Raststätte fällt im ADAC-Test durch
Unfassbar - jede fünfte unbewirtete Raststätte fällt im ADAC-Test durchBildquelle: Photo by Kalis Munggaran on Unsplash

Als Autofahrer überlegt man sich schnell zweimal, ob und wo man auf der Autobahn anhalten sollte. Findet sich keine Raststätte in der Nähe, bleibt häufig nur die Wahl eines Rastplatzes mit WC-Häuschen. Da stetig weitere Beschwerden beim ADAC über die Zustände an diesen über 1.500 unbewirteten Restanlagen in Deutschland häufen, griff der ADAC zur Stichprobe. Die Ergebnisse sind ernüchtern: Mehr als jeder Fünfte der unbewirteten Rastplätze fiel im Test durch.

Jeder fünfte unbewirtete Rastplatz versagt im Stichproben-Test

Bereits im Jahr 2009 sowie 2018 führte der ADAC einen Stichprobentest entlang der 15 längsten Autobahnen in Deutschland durch. Dabei bleiben die Tester inkognito und überprüften die von den Pkw-Fahrern geschilderten Umstände aus einer Online-Umfrage des ADAC. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus. Mehr als jeder Fünfte der unbewirteten Rastplätze in Deutschland fällt durch den Stichproben-Test. Doch zumindest konnte sich mit 44 Prozent fast die Hälfte der Rastplätze eine Bewertung von „gut“ oder „sehr gut“ sichern. Einen Vorzeige-Rastplatz entdeckte der ADAC dabei auf der A1 zwischen Bremen und Münster. Der Rastplatz Engelsmannsbäke schnitt als eine von zwei Anlagen im Test mit sehr gut ab. Er war laut ADAC-Angaben sowohl sauber, gepflegt als auch ausreichend beleuchtet sowie gegen Lärm geschützt. Besonders positiv fiel auf, dass es einen zentral gelegenen Notruf sowie einen Wasseranschluss im Außenbereich der Anlage gab.

Getestet wurde dabei auf den Autobahnen A1, A2, A3, A4, A5, A6, A7, A8, A9, A14, A20, A44, A61, A81 und A93. Jeder der Rastplätze wurde in den Kategorien „Sanitäre Anlagen“, „Verkehr und Parken“, „Persönliche Sicherheit“ sowie „Außenanlagen“ überprüft. Die größten Mängel fanden die ADAC-Tester dabei in Bezug auf die Sauberkeit, die Sicherheit sowie die Barrierefreiheit von Rastplätzen. Ganze fünf Rastplätze schnitten mit einer Beurteilung von „sehr mangelhaft“ am schlechtesten ab. Einer davon war der Rastplatz Stadtwald auf der A3 zwischen Frankfurt und Würzburg. Hier fanden die Tester extrem verschmutzte Dixi-Klos statt funktionsfähiger Sanitärhäuschen, gepaart mit leeren Seifenspendern. Weder Behindertenparkplätze noch eine ausreichende Beleuchtung konnte der Rastplatz vorweisen.

Hygiene – mangelnde Reinigung für Missstände verantwortlich

Bereits im Test von 2018 war der Zustand der Sanitäranlagen für den ADAC das wichtigste Kriterium. Zusätzlich überprüfte man neben der Hygiene auch die optische Sauberkeit sowie Ausstattung der Anlagen. Die bittere Wahrheit: Ganze 72 Prozent der getesteten Rastplätze verfügten über gar keinen Seifenspender oder wiesen mindestens einen Defekten auf. Noch schlimmer: Satte 26 Prozent besaßen kein Toilettenpapier. Mehr als die Hälfte der Rastplätze besaß keinen oder lediglich einen kaputten Handtrockner. Damit endete die Liste der Unannehmlichkeiten jedoch nicht. Auch verstopfte Toilettentüren oder Kabinen, die sich nicht abschließen lassen, trafen die Tester an.

Um genaue Aussagen über den Hygienezustand der Sanitäranlagen zu treffen, griffen die Tester auf sogenannte Abklatschproben zurück, die die Keimbelastung ermitteln sollen. Lediglich 18 Prozent und damit weniger als ein Fünftel aller Anlagen beurteilte das Labor dabei als unbedenklich. Ganze 81 Prozent wiesen Hinweise auf eine mangelnde Reinigung auf.  Glücklicherweise fanden sich jedoch nur in 3 der insgesamt 143 geprüften WC-Brillen und -Schüsseln sowie lediglich 2 von 145 Türklinken potenziell gesundheitsgefährdende Keime. Ganze 28 Prozent der Rastplätze fielen in der Kategorie „Sanitäre Anlagen“ durch.

Ausreichende Beleuchtung ist nicht an jedem Rastplatz gewährleistet
Ausreichende Beleuchtung ist nicht an jedem Rastplatz gewährleistet

Neben der Hygiene fielen vor allem die Sicherheit und Barrierefreiheit bei vielen Rastplätzen negativ auf. Jeder fünfte Platz besaß keinen Notruf; mehr als die Hälfte aller Plätze war nicht oder nur unzureichend beleuchtet. Selbst eine angekündigte Videoüberwachung auf fünf Plätzen fand sich lediglich auf dreien tatsächlich. Ganze 32 Prozent der Raststätten konnten in dieser Kategorie nicht überzeugen. Bei fünf der überprüften Anlagen fanden sich keine ausgewiesenen Behindertenparkplätze. Wenn diese vorhanden waren, stellten die Tester häufig fest, dass man die Bordsteine mehrheitlich nicht abgesenkt hatte. Noch trauriger werden die Zahlen bei der Ausstattung von Behinderten-WCs. Bei ganzen 78 Prozent waren diese nur eingeschränkt bedarfsgerecht gestaltet, sodass häufig Stützgriffe oder Notrufe fehlten. Erschreckenderweise fehlten bei 61 Prozent der Behinderten-WCs zudem auch die Klobrillen.  

Quellen:

Bildquellen

  • Ausreichende Beleuchtung ist nicht an jedem Rastplatz gewährleistet: Photo by David Knox on Unsplash
  • Unfassbar – jede fünfte unbewirtete Raststätte fällt im ADAC-Test durch: Photo by Kalis Munggaran on Unsplash

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1 KOMMENTAR

  1. Minninger Karin

    Die mangelnde Sauberkeit kann ich nur bestätigen. Deutschland ist Spitzenreiter bei den ekligsten Autubahntoiletten. Ich Frage mich, wieso es in anderen europäischen Staaten möglich ist, die Rastanlagen und WC sauber zu halten und bei uns nicht.
    Außerdem ist es meiner Meinung nach sinnvoll, Handwaschbecken aüßerhalb der Toiletten anzubringen, damit man die Hände waschen kann, nachdem man die Türklinke angefasst hat – in Frankreich funktioniert das.

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