Nanu? Telekom hat plötzlich 3 Millionen Mobilfunk-Vertragskunden weniger

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Starkes Kundenwachstum, ordentliches Umsatzplus und sogar ein gesteigerter Konzerngewinn. Alles scheint in den Bilanzen der Deutschen Telekom für das erste Quartal zu stimmen. Wäre da nicht ein Detail, das für große Verwunderung sorgt.
Deutsche Telekom T auf Dach von Gebäude
Das erste Quartal für die Deutsche Telekom lief sehr erfolgreich. Doch ein Detail sorgt für große Verwunderung.Bildquelle: Deutsche Telekom

Dicke Überraschung in den am Mittwoch vorgelegten Quartalszahlen der Deutschen Telekom. Der Telekommunikationskonzern aus Bonn konnte seine Mobilfunk-Kundenzahl zwischen Januar und März um 878.000 auf 49,09 Millionen steigern. Damit wurden so viele SIM-Karten im Mobilfunknetz der Deutschen Telekom freigeschaltet wie seit dem zweiten Quartal 2008 nicht mehr. Doch diese guten Zahlen haben einen faden Beigeschmack. Denn die Telekom weist gegenüber Ende 2020 einen drastischen Kundenverlust im werthaltigen Geschäft mit Vertragskunden aus.

Aus Vertragskunden werden Prepaid-Kunden

In Summe ging die Vertragskundenzahl im Mobilfunk-Segment um fast 3,5 Millionen auf 22,51 Millionen zurück. Der Grund: Seit dem 1. Januar 2021 werden circa 3,6 Millionen SIM-Karten eines Service-Providers, die bisher unter den Vertragskunden ausgewiesen wurden, unter den Prepaid-Kunden verbucht. Nach Informationen von inside digital handelt es sich dabei um Kunden von Lebara, die nach Ansicht der Telekom eher dem Prepaid-Segment zuzuordnen sind als dem Vertragskundengeschäft. Ohne diese Verschiebung hätte die Telekom ein Plus von 167.000 Vertragskunden ausweisen können. Die Zahl der von der Telekom betreuten Prepaid-Kunden kletterte seit Ende vergangenen Jahres um fast 4,1 Millionen auf 26,58 Millionen. Ohne die oben genannte Verschiebung wäre es ein Plus von rund 700.000 Prepaid-SIM-Karten gewesen. Im Wesentlichen getrieben durch Automotive-Initiativen im Geschäftskundenbereich.

Erwartungsgemäß weiter rückläufig ist die Kundenentwicklung im klassischen Festnetz-Segment. Die Zahl der geschalteten Festnetzanschlüsse. ging um 28.000 auf 17,56 Millionen zurück. Gleichzeitig legte die Zahl der Breitband-Kunden um 93.000 auf 14,21 Millionen zu. Ein TV-Produkt aus der Magenta TV Familie nutzen inzwischen knapp 3,9 Millionen Kunden – 32.000 mehr als noch Ende 2020. Die Zahl der von Wettbewerbern für eigene Festnetz- und Breitband-Anschlüsse angemieteten Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) ging um 133.000 auf knapp 4 Millionen zurück. Das lag unter anderem am Wechsel von vielen Kunden zu Kabelnetzbetreibern.

Überraschend: Die Zahl jener Kunden, die das Bündelprodukt Magenta Eins gebucht haben, also sowohl Festnetz- als auch Mobilfunk-Anschluss von der Telekom mit Preisvorteil nutzen, ist nach Angaben der Deutschen Telekom „leicht rückläufig“. Trotzdem nutzen dem Vernehmen nach noch immer mehr als 5 Millionen Kunden einen entsprechenden Tarif. Die Stream-On-Option im Mobilfunk nutzten zuletzt knapp 4,2 Millionen Kunden. Das waren 26 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Vertragskunden-Basis in Europa wächst

Abseits Deutschlands lief es für die Telekom vor allem in den USA wieder einmal rund. Die Zahl der Mobilfunkkunden kletterte jenseits des Atlantiks um fast 1,4 Millionen auf nunmehr 103,44 Millionen – davon 82,57 Millionen Vertragskunden. In anderen europäischen Ländern verlor die Telekom hingegen in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres 165.000 Mobilfunkkunden.

Ende März standen somit neben dem Deutschland-Geschäft noch 45,45 Millionen weitere Mobilfunkkunden in den Telekom-Bilanzen für Europa. Rückläufig war die Kundenzahl aber nur, weil viele nicht mehr genutzte Prepaid-Karten ausgebucht wurden. Die Zahl der Vertragskunden legte europaweit um 151.000 auf knapp 27 Millionen zu. Auch die Zahl der Festnetz- (+33.000) und Breitband-Kunden (+58.000) konnte die Telekom auf dem europäischen Kontinent steigern. Ebenso die Zahl der TV-Kunden, die um 48.000 zulegte.

Und so lief das erste Quartal 2021 für die Deutsche Telekom finanziell

Der Umsatz der Deutschen Telekom lag im ersten Quartal des laufenden Jahres bei 26,4 Milliarden Euro – 32,3 Prozent mehr als noch im ersten Quartal 2020. Davon flossen allein durch T-Mobile US 16,5 Milliarden Euro in die Kassen. Das Deutschlandgeschäft sorgte für 5,9 Milliarden Euro Umsatz, T-Systems steuerte 891 Millionen Euro bei. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erreichte 10,7 Milliarden Euro (+41,5 Prozent), unter dem Strich stand ein Gewinn in Höhe von 936 Millionen Euro (+2,2 Prozent). Getrieben wurde das Wachstum vor allem durch die Übernahme von Sprint in den USA.

Wir halten das Tempo und setzen unsere Wachstumsstory fort. Kundenzahlen und Finanzkennzahlen bleiben auf Kurs – auf beiden Seiten des Atlantiks.

Christian Illek, Finanzvorstand Deutsche Telekom

Stichwort Netzausbau: Im ersten Quartal hat die Telekom in Deutschland nach eigenen Angaben zusätzlich circa 1.600 Standorte für 5G umgerüstet. Damit sei das 5G-Netz des Bonner Konzerns in über 5.000 Städten und Gemeinden für circa 66 Millionen Menschen nutzbar. Dazu kamen in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres auch 556 neue LTE-Standorte. Das führte zu einer LTE-Abdeckung von 98,8 Prozent der deutschen Haushalte, so die Telekom weiter.

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2 KOMMENTARE

  1. Logisch, als langjähriger Vertragskunde mit mehreren SIM-Karten wandere ich ebenfalls nach und nach ab. Die Preisgestaltung ist völlig überzogen und wird mit dem suuuper Service für Business-Kunden argumentiert (den es aber gar nicht gibt). Und ich habe tatsächlich nur mit Telekom-Karten Problemen.

  2. Verstehe ich das richtig, das in den Zahlen auch andere Anbieter aufgelistet werden, diese aber das D1-Netz nutzen und somit als Kunden der Telekom ausgewiesen werden?

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