Deutsche Bahn: Massive Ausfälle angekündigt

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Es werde ein Tal der Tränen sein, durch das Fahrgäste der Bahn gehen müssen. Das sagt die Eisenbahngewerkschaft EVG. Der Grund: Die Bahn hat eine Generalsanierung der Strecken angekündigt. Für die Züge heißt das: Umleitungen, Störungen, Ausfälle.
Ein ICE im Berliner Hauptbahnhof
Ein ICE im Berliner HauptbahnhofBildquelle: Deutsche Bahn

Das Streckennetz der Bahn gilt als hochbelastet und störanfällig. Das hat auch die Bahn selbst erkannt. Dabei steigt die Nachfrage im Personen- und Güterverkehr weiter. Die Folge: Noch dichtere Gleisbelegungen und massivere Auswirkungen, wenn es irgendwo klemmt. Jetzt hat sich die Bahn für einen Paradigmenwechsel in der Infrastruktur ausgesprochen. In einer telefonischen Pressekonferenz bezeichnete Bahnchef Richard Lutz die Sanierung des Schienennetzes als zentrale Aufgabe in den kommenden Jahren. Was zunächst einmal gut klingt, wird für dich als Fahrgast aber massive Folgen haben.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing sprach am Wochenende von einem Hochleistungsnetz der Bahn, das das gemeinsame Ziel von Bund und Bahn sei. Hier sei die Bahn bereits im engen Austausch mit dem Ministerium, so Lutz. Die Detailplanung des Konzepts und die konkreten Umsetzungsschritte in den nächsten Jahren wolle man in engem Schulterschluss zwischen Bund, Bahn und der gesamten Branche angehen. Idealerweise sollen erste Eckpunkte des Konzepts noch vor der Sommerpause gemeinsam vorgestellt werden.

Bahn-Netz mit so vielen Zügen wie noch nie

Noch nie waren auf dem deutschen Netz so viele Züge unterwegs wie in diesen Tagen, heißt es von der Bahn. Das Streckennetz, auf dem diese steigende Nachfrage abgewickelt werde, sei aber in der Vergangenheit nicht mitgewachsen. Gleichzeitig habe sich die Substanz weiter verschlechtert, weil viele Anlagen überaltert und deshalb störanfällig seien. Bund und Bahn hätten zwar seit einigen Jahren umgesteuert. Das Modernisierungsprogramm bringt aber auch „eine nie dagewesene Anzahl an Baustellen mit sich“, wie die Bahn selbst sagt. Das werde zusätzliche Kapazität kosten und „massive betriebliche und verkehrliche Auswirkungen nach sich ziehen“.

„Die aktuelle Betriebslage zeigt ebenso deutlich wie schmerzhaft, dass wir ein kurzfristig kaum auflösbares Dilemma haben“, so Bahnchef Lutz. „Gleichzeitig wachsen und modernisieren ist an zu vielen Tagen und auf zu vielen Korridoren nicht mehr mit guter Betriebsqualität und Pünktlichkeit möglich.“ Die massiven Auswirkungen spüren alle Eisenbahnverkehrsunternehmen und damit auch alle Fahrgäste, Aufgabenträger und Güterverkehrskunden. „Dessen sind wir uns bewusst.“ Die Bahn versuche alles, die negativen Auswirkungen für die Verkehrsunternehmen und die Kundinnen und Kunden im Personen- und Güterverkehr zu minimieren.

Auf diesen Strecken kommt es immer wieder zu Störungen

Als hochbelastet im Streckennetz der Bahn gelten etwa 3.500 Streckenkilometer. Hier sei die durchschnittliche Auslastung schon ohne Bauaktivitäten bei rund 125 Prozent. Kommen Bauarbeiten und Umleitungen hinzu, steige die Auslastung auf deutlich über 150 Prozent. Einer Grafik der Bahn zufolge betreffen diese Engpässe vorwiegend den Knoten Hamburg, die Achse Dortmund – Duisburg – Düsseldorf – Köln sowie die Knotenpunkte Frankfurt, Stuttgart und München. Weiterhin gebe es immer wieder Engpässe im Mittelrheintal, am Oberrhein zwischen Mannheim und Basel sowie zwischen Würzburg und Nürnberg. Störungen in diesen Bereichen wirken sich dann auch auf den Rest des Netzes aus.

Um das Schienennetz fit für Wachstum und Verkehrsverlagerung zu machen, müsse insbesondere das hochbelastete Netz zu einem Hochleistungsnetz entwickelt werden. Das Ziel sei eine dauerhafte und nachhaltige Verbesserung aller pünktlichkeitsrelevanten Gewerke – sprich Personenverkehr und Express-Güterverkehr. So setzt beispielsweise die Deutsche Post zunehmend auf die Bahn.

Massive Bauarbeiten ab 2024

Die Umsetzung beinhaltet laut Lutz im Kern eine Generalsanierung der hochbelasteten Korridore. Dabei will die Bahn alle notwendigen Baumaßnahmen der kommenden Jahre bündeln. Dafür seien zwar längere Sperrpausen notwendig, diese gingen aber durch bessere Vorplanung mit höherer Verlässlichkeit und längeren Vorlaufzeiten für alle Beteiligten einher. Wichtig sei, dass nach Durchführung der Korridormaßnahme wieder Baufreiheit für mehrere Jahre herrsche und dadurch positive Impulse für Kapazität und Qualität im gesamten Netz entstünden. Die Konkretisierung dieser Konzepte solle Teil der gemeinsamen Arbeiten von Bund, Bahn und Branche werden.

Die Bündelung der Bauarbeiten werde ab 2024 erfolgen. Wann und wo die Bahn konkret bauen wird, das hat der Konzern noch nicht verraten. Und auch wenn die EVG von einem Tal der Tränen für Fahrgäste (und Bahn-Betriebe) spricht, hält sie die Maßnahmen für wichtig. Das Kernnetz der Bahn sei ein Sanierungsfall.

Seit 1. Juni gilt in Deutschland das 9-Euro-Ticket für den Regionalverkehr. Es wird erwartet, dass das Netz dann vor allem regional vor eine echte Bewährungsprobe gestellt wird.

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7 KOMMENTARE

  1. Frei

    Dann müssen ICE Kunden öffter in die 9 € Holzklasse,
    mit entsprechenden Kunden- Hygiene…
    Zugang zu Bahn-Komfort-Status Vorteilen wird auch stark eingeschränkt…
    Viel Spass…

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  2. Jörg Skora

    Augenwischerei und eine Riesen Verarsche ist das. Wieder nur Lügen seitens einer total unfähigen Politik und wir sollen es wieder bezahlen.

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  3. Che Gui

    Die Bahn wird es nicht hin bekommen?!?!?! Neeeein wer hätte das gedacht… die Infrastruktur ist in vielen Teilen Deutschlands so unterentwickelt das einem das scheiß Ticket sowieso nix bringt. Aber Hauptsache man hat das brüllende Pavian Volk erstmal beruhigt

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  4. Mh

    War ja klar kaum darf man etwas günstiger Reisen gibt es ganz plötzlich Baustellen und wenn alles wieder auf normalpreis ist dann geht alles wieder naja zumindest teilweise da die Bahn nicht gerade dafür bekannt ist pünktlich,und zuverlässig zu sein

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    • Thorsten Neuhetzki inside digital Team

      „Plötzlich“ sind die Baustellen nicht da. Zum einen: Die hier genannten Großbaustellen gelten ab 2024. Zum anderen: Die meisten der Baustellen in diesem Sommer sind oftmals ebenfalls schon Monate oder Jahre im Voraus geplant und lassen sich nicht verschieben

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  5. Werner

    Wenigstens wird was gemacht schließlich hat die DB AG in den letzten 28 Jahren die Infrastruktur an die Wand gefahren und alles rausgerissen, was nur geht, dass es jetzt diese Probleme gibt und dass alles, weil die Bahn wie die Post an die Börse gehen sollte, aber weiterhin zu 100 % dem Staat, also uns allen gehört. Man sieht ja was passiert ist in Garmisch Partenkirchen und auch sonst an Unglücken, die sehr schwer sind. Dann liegt es auch am modernen Wagenmaterial, dass Probleme mit abgefahrenen Rädern und das Zugangebot halbiert wurde. Die DB AG hat mehr Schulden in 28 Jahren gemacht, als die Deutsche Bundesbahn in fast 50 Jahren und die Bahnreform ist ja nur gekommen, um die Bahn zu entschulden. Bei der Deutschen Bundesbahn hat es nie Probleme mit abgefahrenen Rädern gegeben, auch wenn sies sonst nicht so gut war, aber sie stand sich nie selbst im Weg, weil alles zusammen war und die einzelnen Bereiche sich gegenseitig unterstützt hatten. Das gibt es seit dem 1.1.1994 nicht mehr, als die DB AG mit Ihren 700 Firmen kam. Plötzlich war alles getrennt und keinen interessiert es mehr, was beim Anderen los ist und es gibt auch keine Unterstützung untereinander mehr. War noch bis zum 31.12.1993, alles ein Betrieb und die Aufsicht am Bahnsteig, hatte auch Dienst im Stellwerk gemacht und umgekehrt, gibt es seit dem 1.1.1994 ein Hausverbot für die Aufsicht, nicht mehr im Stellwerk zu arbeiten und umgekehrt darf einer aus dem Stellwerk, heute nicht mehr auf dem Bahnsteig arbeiten, da es nicht mehr erlaubt ist, im anderen Unternehmen irgendwelche Arbeiten zu machen, die nicht zum eigenen Unternehmen gehören. Darum funktioniert auch nichts mehr bei der DB AG, weil alle 700 Firmen gegeneinander arbeiten und sich abgrenzen und es nicht mehr ist wie bis zum 31.12.1993, als die Bahn gemeinsames Unternehmen war.

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  6. Marian72

    Das Potenzial der Bahn ist in Deutschland sicher nicht ausgeschöpft. Nur für 9 € kann man erstmal nur bekommen was man für 9 € auch erwarten kann.
    Dennoch bietet sich für viele eine Möglichkeit, mal zu testen im noch „unbegrenzten“ Autodeutschland. Einfach mal einsteigen, wieder aussteigen und genießen wie schön viele Ecken in Deutschland geworden sind.
    Ohne Parkplatzsuche … (1 PKW-Stellplatz die Nacht in 2021 in Hamburg 15 €).
    Viele wünschen sich ein abgestimmteres Netz im öffentlichen Nahverkehr aber war es nicht auch jahrzehntelang der Wunsch vieler mit dem Auto individuell überall Vorrang zu haben?
    Immerhin gibt es an vielen Bahnhöfen noch einige Parkplätze. Und Stoßzeiten zu vermeiden lohnt sich im Zug genauso wie auf der Straße.
    Ich wünsche allen eine gute Reise.

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