5G-Netz: 1&1-Chef klagt über schleppende National-Roaming-Verhandlungen

3 Minuten
Wie steht es eigentlich um das geplante 5G-Netz von 1&1 Drillisch? Konzernchef Ralph Dommermuth hat jetzt einen Einblick in die laufenden Verhandlungen mit Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland gegeben.
Ralph Dommermuth
Bildquelle: United Internet

Gute Nachrichten von 1&1 Drillisch: Der künftige 5G-Netzbetreiber hat das zweite Quartal des laufenden Jahres nicht nur mit einem um 4,1 Prozent auf rund 940 Millionen Euro gesteigerten Umsatz abschließen können, sondern auch die Mobilfunk-Kundenzahl abermals verbessert. Zum Stichtag Ende Juni standen 10,24 Millionen Kunden in den eigenen Bilanzen. Das waren 130.000 mehr als noch Ende März. An einer für 1&1 Drillisch ziemlich entscheidenden Stelle hakt es aber weiter gewaltig.

Weiter kein großer 5G-Netzaufbau bei 1&1

Im Rahmen einer Telefonkonferenz erklärte am Donnerstag der Chef von 1&1 Drillisch, Ralph Dommermuth, dass noch immer mit der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland über ein National Roaming Abkommen verhandelt werde. Denn wenn 1&1 Drillisch eines Tages mit einem eigenen 5G-Netz an den Start geht, ist dies noch nicht flächendeckend in Deutschland verfügbar. Deswegen ist der Provider aus dem Westerwald auf einen nationalen Roaming-Partner angewiesen, der überall dort für 1&1-Kunden sein Netz zur Verfügung stellt, wo noch keine eigenen 5G-Antennen stehen.

Ein solches National Roaming hatte es einst auch im heutigen Netz von Telefónica Deutschland gegeben. Als es hierzulande Ende der 1990er Jahre unter der Marke Viag Interkom startete, war die Deutsche Telekom ein entsprechender Roaming-Partner. Von daher ist es nachvollziehbar, wenn Dommermuth ein entsprechendes „Deutschland-Roaming“ nun auch für 1&1 Drillisch fordert. Aber: „Die Gespräche ziehen sich“, klagt der ehrgeizige Manager. „Ich hoffe, dass wir in den nächsten Monaten eine Einigung hinbekommen“, so sein Zwischenfazit. Versprechen könne er es aber nicht.

Verhandlungen laufen schon etwa ein Jahr

Das klingt fast schon ein wenig resignierend. Denn eigentlich verfolgte 1&1 Drillisch den Plan, die Verhandlungen zum National Roaming schon Ende des dritten Quartals 2019 (!) abschließen zu können. Für Dommermuth ist die Gemengelage klar: „Die Netzbetreiber wollen uns aus dem Markt raushalten, wollen uns kein National Roaming anbieten.“ Trotzdem bleibe er optimistisch, denn aktuell liefen „durchaus konstruktive Gespräche“ mit den Wettbewerbern. Knackpunkt dürften am Ende die Kosten sein, zu denen 1&1 Drillisch das National-Roaming-Netz nutzen kann. Die Vorstellungen aller beteiligten Parteien liegen hier aber offensichtlich noch sehr weit auseinander. „Marktgerechte Preise sind aber wichtig“, sagt Dommermuth. Seine Vorstellungen dazu, was er bereit ist, für die Mobilfunk-Netzmiete zu zahlen, scheinen klar begrenzt zu sein.

Wie lange diese Gespräche noch laufen sollen? Dommermuth hat auf diese Frage keine Antwort. Aber er hat sich und seinem Unternehmen eine Deadline gesetzt: „Irgendwann kommt man zu einem Punkt, an dem man die Bundesnetzagentur anrufen muss.“ Der Regulierer würde dann als eine Art Schiedsrichter und Schlichter in die laufenden Verhandlungen eingreifen, um 1&1 Drillisch zu einem fairen National-Roaming-Vertrag zu verhelfen. „Aber auch dann werden die Netzbetreiber wieder auf Zeit spielen“, ist sich der 1&1 Drillisch Chef sicher.

Noch keine Entscheidung über Ausrüster

Ärgerlich ist für 1&1 Drillisch das Stocken in den Verhandlungen mit Telekom, Vodafone und Telefónica auch noch an anderer Stelle. Solange keine Unterschrift unter einem National-Roaming-Vertrag gesetzt ist, hakt es auch an anderer Stelle. Weiterhin hat 1&1 Drillisch keinen Vertrag mit einem Netzwerkausrüster unterschreiben können. Ein umfangreicher 5G-Netzaufbau kann entsprechend weiterhin nicht starten.

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2 KOMMENTARE

  1. Warum ein Netzausbau nicht starten kann ohne den entsprechenden Vertrag für das Nationale Roaming zu besitzen verstehe ich nicht.
    Oder will 1und1 doch einfach nur billig in die anderen Netze mit rein und möglichst selbst nichts investieren?

    • Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.1und1 hat sich immer schon bei anderen eingenistet,möglichst billig am besten noch kostenlos.Ich denke das wird nichts werden.

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