Nothing Phone im Test: Wird es dem Hype gerecht?

9 Minuten
Kein anderes Smartphone hat in diesem Jahr mehr Hype erzeugt, als das Nothing Phone 1. Kann das Handy den hohen Erwartungen standhalten? Wir haben das Nothing Phone 1 einen Monat lang im Alltag verwendet.
Das Nothing Phone 1 mit leuchtender Rückseite
Das Nothing Phone 1 ist ein auffälliges SmartphoneBildquelle: Timo Brauer / inside digital

Das Nothing Phone 1 ist das erste Smartphone der Firma Nothing. Das junge Unternehmen aus Großbritannien wurde vor rund anderthalb Jahren von Carl Pei, einem ehemaligen Mitgründer von OnePlus, gegründet. Nach dem erfolgreichen Launch von Bluetooth-Kopfhörern im vergangenen Jahr, bringt man nun das erste Smartphone auf den Markt.

Das neue Smartphone ist mit einem Kaufpreis von 469 bis 549 Euro in der Mittelklasse angesiedelt und ist für diesen Preisbereich sehr gut ausgestattet. So bietet das Nothing Phone 1 ein hochwertiges Gehäuse aus Metall und Glas, ein 120 Hertz OLED-Bildschirm und kabelloses Laden.

Das Design im Rampenlicht

Wie bereits bei den Kopfhörern legt Nothing auch bei seinem ersten Smartphone großen Wert auf das Design. Dabei kann das Nothing Phone 1 nicht nur mit seiner markanten Rückseite überzeugen. Das Smartphone ist sehr kantig und liegt mit seinem matten Aluminiumrahmen erstklassig in der Hand. Vorder- und Rückseite bestehen aus Gorilla Glass 5 und tragen ebenfalls zum hochwertigen Äußeren des Smartphones bei.

Der Bildschirm des Nothing Phone 1
Das Nothing Phone 1 ist nicht nur von hinten ein echter Hingucker

Ein weiteres Highlight für Design-Fans findet sich beim Bildschirm. Dieser schließt flach mit dem Rahmen ab und bietet symmetrische Displayränder auf allen vier Seiten. Das sind Details, die man bei keinem anderen Android-Hersteller findet und nur bei Apple Smartphones gewöhnlich sind.

Einzigartige Rückseite mit 900 LEDs

Überhaupt nicht gewöhnlich ist hingegen die Rückseite. Hier hat Nothing sich für ein transparentes Design entschieden, bei dem man ein kleines bisschen des Innenlebens seines Smartphones hineinschauen kann. Je nach Farbe sind die einzelnen Komponenten farblich passend verkleidet.

Das Nothing Phone 1 in Schwarz und Weiß
Das Nothing Phone 1 in Schwarz und Weiß

Geschmückt wird das Innenleben mit 900 LEDs. Diese sind in mehreren Schläuchen rund um die Kamera, das kabellose Ladefeld und weitere Elemente auf der transparenten Rückseite gelegt und können das Smartphone zum Leuchten bringen.

Durch den Einsatz von verschiedenen Weißtönen grenzen sich die einzelnen Komponenten voneinander ab und sorgen für ein plastischeres Gefühl von Tiefe. Die LEDs leuchten ebenfalls nur in Weiß und sind mit Diffusoren ausgestattet. Dadurch sieht man keine einzelnen Lichtpunkte, sondern es wirkt so, als ob die kompletten Lichtschläuche leuchten. Mit diesem Design wird das Smartphone ein auffälliger Hingucker und bleibt dennoch elegant. Keine Spur von RGB-Leuchten und Gaming-Smartphone.

Elegant und trotzdem auffällig - Das Nothing Phone 1 im Test
Elegant und trotzdem auffällig – Das Nothing Phone 1 im Test

In der Software bietet das Nothing Phone 1 zudem mehrere Klingeltöne für Anrufe und Benachrichtigungen, bei denen Ton und Licht zusammenarbeiten. Die Töne sind jedoch alle relativ schrill und persönlich nicht mein Fall. Doch auch stumm geschaltet, sind die LEDs eine elegante Möglichkeit über eingehende Nachrichten informiert zu werden. Einziger Nachteil: Man weiß nicht, von welcher App die Push-Nachricht kommt. Hier könnte Nothing in der Software mit verschiedenen Licht-Effekten arbeiten.

Die Hardware im Check

Das Nothing Phone 1 ist mit einem 6,55 großen OLED-Bildschim ausgestattet. Dieser bietet eine Full-HD-Auflösung, 120 Hertz Bildwiederholrate sowie HRD10+ Support. Im Datenblatt gibt Nothing eine Helligkeit von 1.200 Nits an. Unter direktem Sonnenlicht konnte dieser Wert im Test auch beinahe (1.140 Nits) erreicht werden. Und mit 880 Nits im Alltag ist der Bildschirm für ein Mittelklasse-Smartphone überdurchschnittlich hell.

Unter dem Bildschirm findet sich ein Fingerabdrucksensor. Für ein In-Screen-Modell funktioniert er zuverlässig und relativ schnell. Die Positionierung hätte jedoch ein wenig höher sein dürfen.

Technische Daten

Beim Prozessor setzt das Nothing Phone 1 auf einen Snapdragon 778G+ von Qualcomm. Hierbei handelt es sich um einen der leistungsstärksten Prozessoren der Mittelklasse. Das Plus-Modell ist bisher exklusiv im Nothing Phone 1 verbaut und ermöglicht im Gegensatz zur normalen Version kabelloses Laden. Unser Testgerät ist darüber hinaus mit 12 Gigabyte RAM und 256 Gigabyte Speicherplatz ausgestattet. Alternativ gibt es auch eine Variante mit 8 Gigabyte RAM und 128 oder 256 Gigabyte Speicherplatz. Eine Speichererweiterung per microSD-Karte ist nicht möglich.

An der Performance im Alltag gibt es nichts auszusetzen. Der flotte Prozessor und die 120 Hertz Bildwiederholrate sorgen für eine einwandfrei flüssige Bedienung im Alltag.

Aufgefallen ist uns hingegen das relativ strikte Akku-Management. Trotz des großzügig bemessenen Arbeitsspeichers werden leistungshungrige Apps wie etwa Pokémon Go nach kurzer Zeit im Hintergrund beendet. In den Einstellungen lässt sich dieses Verhalten jedoch für jede App separat ausschalten und stellte anschließend kein Problem mehr dar.

Hardware-Wertung

  • Gehäuse: 4,5 von 5 Sternen
  • Display: 4,5 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 4 von 5 Sternen
  • Kamera: 4 von 5 Sternen
  • Software: 5 von 5 Sternen
  • Akku: 3,5 von 5 Sternen

Akkulaufzeit

Der Akku des Nothing Phone 1 bietet eine Kapazität von 4.500 mAh und ist damit ausreichend groß dimensioniert. Der Akkuverbrauch bei der Nutzung liegt im soliden Mittelfeld. Im Stand-by ist er sogar überdurchschnittlich gut.

Aufgeladen wird wahlweise per Kabel oder auch Kabellos. Mit den extremen Ladegeschwindigkeiten von Xiaomi oder OnePlus kann Nothing nicht mithalten. Maximal 33 Watt werden per Kabel unterstützt. Damit dauert eine komplette Ladung rund 65 Minuten. Mir persönlich bietet die Möglichkeit kabellos zu Laden jedoch mehr Komfort als eine kürzere Ladezeit.

Kabelloses Reverse-Laden von Kopfhörern und anderem Zubehör wird ebenfalls unterstützt. Dabei leuchten die LEDs rund um das Ladefeld auf, sobald du etwas auf die Rückseite des Smartphones legst.

Wie Apple und Samsung verzichtet auch Nothing auf ein Netzteil im Lieferumfang. Separat fallen dafür 35 Euro an. Da Nothing jedoch auf den offenen „Power Delivery“ Standard setzt, lassen sich auch problemlos Netzteile anderer Hersteller verwenden. Zudem unterstützt das Original-Netzteil mit 45 Watt eine höhere Leistung, als sie vom Smartphone benötigt wird. So konnte ich mein Notebook-Netzteil zu Hause lassen und beide Geräte mit dem Nothing-Netzteil laden.

Was taugt die Kamera?

Das Nothing Phone 1 ist mit zwei Kameras ausgestattet. Das wirkt auf den ersten Blick wenig, jedoch verzichtet man lediglich auf die üblichen 2 Megapixel Sensoren für Bokeh oder Makro. Diese bringen im Alltag ohnehin kaum einen Mehrwert und dienen hauptsächlich dazu, das Smartphone mit einer Quad-Kamera bewerben zu können. Stattdessen setzt man auf zwei Sensoren von Sony beziehungsweise Samsung, mit jeweils 50 Megapixeln.

Die Rückseite des Nothing Phone 1 leuchtet beim Filmen
Beim Filmen lässt sich die leuchtende Rückseite als Ringlicht verwenden

Die Kamera-Ausstattung des Nothing Phone 1 im Detail

  • 50 Megapixel Hauptkamera (f/1,9) mit OIS
  • 50 Megapixel Ultraweitwinkel-Kamera (f/2,2)
  • 16 Megapixel Frontkamera (f/2,5)

Die Hauptkamera kann in unserem Test mit realistischen Farben überzeugen. Egal, ob bei Sonnenschein, Nebel oder in der Nacht gelingen mit dem Smartphone ansehnliche Fotos. Nur bei Motiven ohne eindeutigen Vordergrund könnte die Bildschärfe etwas höher ausfallen.

Bei der zweiten Kamera verfügt über ein Ultraweitwinkel-Objektiv mit 114 Grad Sichtweite. Dadurch lässt sich ein größerer Blickwinkel auf einem Foto abbilden. Die Qualität konnte uns jedoch nicht vollends überzeugen. So sind die Farben im Vergleich zur Hauptkamera deutlich blässer und das gesamte Motiv etwas zu dunkel.

Insgesamt geht die gebotene Kameraleistung für ein Mittelklasse-Smartphone in Ordnung. Doch bekommt man bei der Konkurrenz in derselben Preisklasse mehr. Wem es also primär um die Kamera-Qualität geht, sollte lieber zum Pixel 6a oder Samsung Galaxy S20 FE greifen.

Pures Android mit kleinen Anpassungen

Das Nothing Phone 1 setzt auf Android 12 zusammen mit der eigenen Oberfläche Nothing OS 1. Die optischen Anpassungen im Vergleich zu purem Android fallen jedoch minimal aus. So verwendet man in den Überschriften der Einstellungen-App eine andere Schriftart und fügt ein paar Widgets für Uhrzeit und Wetter für den Home-Bildschirm hinzu. Eine praktische Änderung findet sich in den Schnelleinstellungen. Diese ergänzt man um zwei runde Paneels für Internet und Bluetooth. In diesen kannst du mit einem Blick sehen, mit welchen Geräten das Nothing Phone 1 verbunden ist. Im direkten Vergleich zur Umsetzung von Google gefällt uns Nothings Lösung ausgesprochen gut.

An einer Stelle muss der Hersteller jedoch noch nachbessern. Beim hin- und herwischen durch die Schnelleinstellungen aktiviert man häufig einzelne Optionen beim Scrollen. Bis zur Software-Version 1.1.2 wurde dieser Fehler nicht behoben.

Viele andere Tester haben in ihren Tests zudem Fehler wie nicht funktionierendes Google Pay und fehlenden HDR-Support beanstandet. Diese Fehler waren anfangs bei uns auch vorhanden und vermutlich Probleme in der Vorab-Software unserer Testgeräte. Mittlerweile wurden diese Bugs jedoch per Softwareupdate behoben.

Stichwort Updates: Diese sind für drei Jahre garantiert. Die essenziellen Sicherheitsupdates sollen sogar für vier Jahre im Zweimonatstakt ausgeliefert werden.

Das Nothing Phone 1 im Test
Das Nothing Phone 1 im Test

Fazit: Wird das Nothing Phone dem Hype gerecht?

Zwischen der ersten Ankündigung und dem Marktstart des Nothing Phone 1 ist viel Zeit vergangen. Die Salamitaktik, jede Woche ein weiteres Detail zu dem Handy zu offenbaren, hätte man sich meiner Meinung nach nicht bei OnePlus und Co. abschauen müssen.

Doch Nothing weiß, wie man im Gespräch bleibt und geht auch bei der Präsentation einen ungewöhnlichen Weg. So zeigt man die außergewöhnliche Rückseite des Smartphones erstmals auf einem Kunst-Event in der Schweiz und legt auch in der Werbung überhaupt keinen Wert auf technische Daten. Vielmehr steht das Design im Vordergrund und soll das Nothing Phone 1 einzigartig machen.

Dies gelingt unserer Meinung nach auch wirklich gut. Das Design des Smartphones fällt auf und gefällt uns ausgesprochen gut. Die transparente Rückseite mit LEDs ist einzigartig und die Handhabung erstklassig. Dank einer Vorder- und Rückseite aus Glas und einem griffigen Metall-Rahmen liegt das Smartphone gut in der Hand. Trotz des Fokus auf das Design, hat man die technischen Daten jedoch nicht vergessen. So ist das Smartphone für die obere Mittelklasse gut ausgestattet und kann sich mit der Konkurrenz messen.

Nothing Phone 1 Design-Sondersiegel

Mit seinem Auftreten spricht das Nothing Phone 1 mehr Design-Fans als Technik-Nerds an. Doch wen das Design anspricht, kann zuschlagen. Denn die technischen Daten sind gut genug, um mit anderen Mittelklasse-Smartphones mühelos mitzuhalten. Der Preis von 469 Euro ist für die gebotene Ausstattung fair. Jedoch gibt es für diesen Preis nur das schwarze Modell. Für die weiße Variante musst du mindestens 499 Euro einplanen.

Nothing Phone 1 Testsiegel mit 4 von 5 Sternen

Pros des Nothing Phone 1

  • einzigartiges Design
  • auffällig und dennoch elegant
  • hochwertige Materialien
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • transparente Update-Politik

Contras des Nothing Phone 1

  • Kameras nur Mittelmaß
  • keine Speichererweiterung möglich

Alternativen

Als etwas preiswertere Alternative bietet sich das Galaxy A53 an. Das Smartphone sieht zwar nicht so schick aus und fühlt sich auch nicht so gut an wie das Nothing Phone 1, ist dafür jedoch wasserdicht und bietet einen erweiterbaren Speicher. Für rund 350 Euro bekommst du hier ein Smartphone mit einem runden Gesamtpaket. Zudem ist Samsung ein etablierter Hersteller mit einem ausgezeichneten Update-Support.

Legst du hingegen großen Wert auf die Kamera, solltest du dir das Pixel 6a einmal näher ansehen. Mit Tensor-Chip und Google-AI bietet es die vermutlich beste Foto-Qualität in der Mittelklasse. Dafür musst du jedoch mit einem 60 Hertz Display vorliebnehmen.

Gamer greifen hingegen zum Poco F4. Das Smartphone der Xiaomi-Tochter ist mit einem Snapdragon 870 Prozessor ausgestattet und bietet eine erstklassige Gaming-Performance zum Mittelklasse-Preis.

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Bildquellen

  • Nothing Phone 1 Display: Timo Brauer
  • Nothing Phone 1 Farben: Timo Brauer
  • Nothing Phone 1 LEDs: Timo Brauer
  • Nothing Phone 1 Kamera: Timo Brauer
  • Nothing Phone 1 Design: Timo Brauer
  • Nothing Phone 1 Design-Sondersiegel: inside digital
  • Nothing Phone 1 Testsiegel: Timo Brauer
  • Nothing Phone 1 im Test: Timo Brauer

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4 KOMMENTARE

  1. Marcus Platzer

    Naja so ganz revolutionär sind die Lichteffekte auf der Rückseite dann auch wieder nicht. Erinnern mich doch ziemlich an das Sony Ericsson T707i. Und das kam um 2009 raus wenn ich mich recht erinnere.

    Antwort
  2. Barin

    Der Hype um das Gerät ist meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt.
    Man kopiert ziemlich dreist Apple und packt Glyph dazu.

    Das Display ist dafür sehr gut, es könnte nur in der Sonne etwas heller sein.

    Was mich aber am meisten stört, ist der Name. Nothing…..
    Man hätte es einfach Glyph 1 nennen sollen.

    Antwort
    • Timo Brauer inside digital Team

      Die Kritik mit dem Apple-Design kann ich verstehen, finde ich jedoch nicht negativ. Auf dem einen läuft Android und auf dem anderen iOS. Würde nie auf die Idee kommen, wegen des Designs die Plattform zu wechseln. Preislich lohnt sich das auch nicht. Ein iPhone 12 kostet nur wenige Euro mehr. Freue mich eher, dass es das wirklich schicke Design nun auch bei einem Android-Smartphone gibt.

      Antwort
  3. Tim

    Ich hatte selber die Möglichkeit, mir das Nothing Phone sehr lange anzuschauen. (Mein Schwager hat es sich gekauft)
    Ich muss sagen, dass es ein solides Smartphone ist, preislich und qualitativ im Mittelfeld anzusiedeln.
    Keine echten Stärken, alles sehr ordentliches Mittelmaß.
    Aber ist es zu sehr gehypt?
    Absolut JA!
    Das einzig außergewöhnliche sind die LEDs, und die gehen einem nach 2-5 Minuten schon ordentlich auf den Zeiger.

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