Der Name Scénic hat bei Renault Tradition – früher als praktischer Kompaktvan bekannt, heute komplett neu gedacht: elektrisch, modern und deutlich SUV-lastiger. Mit dem Scénic E-TECH Electric 220 Long Range bekommst du ein Familienauto, das nicht nur vernünftig sein will, sondern auch richtig Spaß macht. Aber wie fährt sich das Ganze im Alltag? Genau das schauen wir uns jetzt im Detail an. Denn wir hatten die Möglichkeit, dieses E-Auto vor den Toren von München auf die Probe zu stellen.
Ersteindruck: Modern, aber nicht verspielt
Wenn du vor dem neuen Scénic stehst, fällt sofort auf: Das ist kein klassischer Van mehr. Die Linien sind deutlich kantiger, fast schon futuristisch, ohne dabei übertrieben zu wirken. Die LED-Signatur vorn und auch das Lichtdesign der Heckleuchten sorgen für einen ziemlich eigenständigen Look, während die erhöhte Sitzposition schon im Stand signalisiert: Hier sitzt du eher im SUV als im Familien-Shuttle. Eine Dachreling, die grundsätzlich serienmäßig verbaut ist, unterstreicht den Alltagsnutzen.

Innen erwartet dich ein aufgeräumtes, aber recht kantig gestaltetes Cockpit mit einem großen, L-förmigen Display – bekannt aus anderen Renault-Modellen. Das System basiert auf Google-Integration, was im Alltag tatsächlich ein echter Vorteil ist. Denn du kannst nicht nur den Google Assistant als Sprachassistenten nutzen, sondern unter anderem auch Google Maps als Navigationssystem. Die Verarbeitung vermittelt in der von uns gefahrenen Iconic-Ausführung mit schwarzem Kunstleder-Armaturenbrett (grauer Stoff ist in den unteren beiden Ausstattungsvarianten Serie) einen hochwertigen Eindruck.
Fahrgefühl: Komfort trifft solide Dynamik
Sobald du losfährst, merkst du schnell, worauf Renault den Fokus gelegt hat: Komfort. Der Scénic gleitet angenehm über Unebenheiten, ohne dabei schwammig zu wirken. Gerade auf längeren Strecken ist das extrem angenehm. Allerdings musst du dich bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn mit deutlich wahrnehmbaren Windgeräuschen abfinden – die aber bei eingeschalteter Musik, auch das ist Teil der Wahrheit, kaum noch auffallen. Die Gänge werden über einen Schalthebel hinter dem Lenkrad eingelegt.
Mit seinen 218 PS (160 kW) ist der Wagen keineswegs untermotorisiert. Im Gegenteil: Der Antritt ist typisch elektrisch – direkt, gleichmäßig und ohne Verzögerung. Besonders im Stadtverkehr macht das richtig Laune. Auf der Autobahn fehlt ihm oben raus zwar ein wenig die sportliche Schärfe, aber das passt zugegebenermaßen auch zum Charakter des Autos. Erwarte bei diesem E-Auto also bitte nicht den typischen "Punch", wenn du das Strompedal trittst. Es geht eher gemächlich zu, was der Zielgruppe aber gefallen dürfte. In der Spitze sind 170 km/h möglich, sogar 175 km/h vom Display ablesbar. Vier Fahrmodi stehen zur Wahl (Eco / Comfort / Sport / Personalisiert) und lassen sich praktischerweise über einen Knopf am Lenkrad auswählen.

Die Lenkung ist präzise, aber eher auf entspanntes Fahren ausgelegt. Kurven nimmt er souverän, ohne sportliche Ambitionen zu wecken. Ab der zweithöchsten Ausstattungsvariante Techno kannst du dich zudem auf Schaltwippen hinter dem Lenkrad freuen. Mit ihnen stellst du in vier Stufen die Stärke der Rekuperation ein. Du kannst das Auto also wahlweise gleiten (segeln) oder stark verzögern lassen, wenn du den Fuß vom Strompedal nimmst. In der höchsten Stufe ist auch 1-Pedal-Fahren möglich.
Reichweite & Verbrauch: Alltagstauglich mit Reserven
Eines der wichtigsten Argumente für die Long-Range-Version ist natürlich die Batterie. Renault gibt bis zu rund 598 km Reichweite nach WLTP-Norm an. Im realen Alltag kannst du – je nach Fahrweise und Wetter – mit etwa 450 bis 550 km rechnen. Wenn das Wetter stimmt und es nicht zu kalt ist. Im Winter dürften im besten Fall eher rund 350 bis 400 Kilometer realistisch sein. Denn während unserer Testfahrt bei rund 5 Grad Celsius Außentemperatur lag der Verbrauch laut Bordcomputer bei rund 20 kWh pro 100 Kilometer. Und das, obwohl wir größtenteils auf der Landstraße und nicht auf der Autobahn unterwegs waren. Gut: Eine Wärmepumpe ist bei diesem E-Auto serienmäßig verbaut.

Laden: Schnell genug für den Alltag
Beim Thema Laden zeigt sich der Scénic ebenfalls solide. Ein Lademeister ist er über seinen Ladeanschluss vorne rechts aber nicht.
- DC-Schnellladen: bis zu 150 kW
- das Basismodell Comfort Range schafft nur max. 130 kW
- AC-Laden: bis zu 11 kW (je nach Ausstattung)
- für 1.000 Euro Aufpreis auch 22 kW möglich
Gerade die 22-kW-Option ist im Alltag extrem praktisch, wenn du häufig an öffentlichen Ladesäulen lädst, die 22 kW Ladeleistung unterstützen. Am Schnelllader kommst du laut Herstellerangaben unter optimalen Bedingungen in knapp 40 Minuten von 15 auf 80 Prozent. Recht lang, ja. Aber wenn du mit der Familie auf der Langstrecke unterwegs bist, ist die eine oder andere (längere) Pause vielleicht auch gar nicht so schlecht.
Vehicle-to-Load (V2L) zum Anschluss von externen Elektrogeräten über den Ladeanschluss unterstützt der 4,47 Meter lange Wagen auch, der passende Adapter kostet aber 200 Euro extra.
| Jahr | 2024 |
| Verfügbarkeit | ja |
| UVP | 48.000,00 € |
| Systemleistung in kW | 160 kW |
| Systemleistung in PS | 218 PS |
| Reichweite nach WLTP | 598 km |
| Ladeleistung (DC/HPC) | 150 kW |
| Ladeleistung (AC) |
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Innenraum: Familienfreundlich und durchdacht
Wenn wir einen Blick in das Cockpit und auf den Innenraum im Allgemeinen werfen, wird schnell klar: Hier spielt der Scénic seine größte Stärke aus. Du bekommst neben einer 2-Zonen-Klimaautomatik, deren wichtigste Funktionen über physische Tasten unterhalb des Center-Displays auswählbar und einstellbar sind, unter anderem:
- gutes Platzangebot
- großzügiges Kofferraumvolumen
- 545 Liter, erweiterbar auf 1.670 Liter
- viele clevere Ablagen
- jeweils zwei USB-C-Anschlüsse für die vorderen und hinteren Plätze
Besonders angenehm ist das Raumgefühl: große Fensterflächen, viel Licht und ein optionales Panorama-Glasdach, das sich elektronisch abdunkeln lässt. Es kostet allerdings auch 1.600 Euro extra.
Beim Kofferraum ist eine elektrische Heckklappe ab der Ausstattungsvariante Techno ein Teil der Serienausstattung. Sie fehlt also nur beim günstigsten Basismodell. Achtung: Der Kofferraum ist sehr tief ausgelegt. Du musst beim Ein- und Ausladen also eine hohe Laderampe überwinden. Trotzdem gibt es noch einen Unterboden, wo du ein AC-Ladekabel verstauen kannst. Ein Frunk unter der Motorhaube fehlt.

Und das Platzangebot hinten? Ordentlich! Dank 2,79 Metern Radstand haben auch im Fond mitreisende Passagiere viel Platz. Erwachsene mit langen Beinen werden aber feststellen, dass ihre Oberschenkel nicht auf der Sitzfläche aufliegen. Das dürfte gerade auf langen Strecken den Komfort erheblich einschränken.
Infotainment & Technik: Google macht den Unterschied
Das Infotainment-System gehört mit einem 12-Zoll großen Touchscreen in vertikaler Ausrichtung (nur 9 Zoll beim Basismodell) klar zu den Highlights. Dank integrierter Google-Dienste hast du ab der Ausstattungsvariante Techno:
- Google Maps mit Ladeplanung
- Google Assistant für Sprachsteuerung
- Zugriff auf diverse Apps direkt im Auto über den Google Play Store
- kabelloses Android Auto und Apple CarPlay
Das System läuft flüssig, reagiert schnell und ist deutlich intuitiver als viele klassische Herstellerlösungen. Gerade im Alltag wirst du das schnell zu schätzen wissen. Hinter dem Lenkrad findet sich ein zweites, volldigitales Display, das ebenfalls 12 Zoll groß ist und mit einer sehr modern gestalteten und gut ablesbaren Grafik überzeugt.

Fahrassistenz: Viel Sicherheit, wenig Stress
Auch bei den Assistenzsystemen ist der Scénic gut aufgestellt. Mit an Bord sind unter anderem:
- Adaptiver Tempomat
- Spurhalteassistent
- Rückfahrkamera
- Einparkhilfe
Die Systeme arbeiten zuverlässig und greifen angenehm unaufdringlich ein – genau so, wie man es sich wünscht. Beim Abbiegen steht dir ein dynamisches Abbiegelicht zur Seite. In der höchsten Ausstattungsvariante sind auch Extras wie Toter-Winkel-Warner mit aktivem Lenkeingriff und ein Querverkehrswarner mit automatischem Notbremsassistenten mit an Bord.
Praktisch: Den Warnton, der nach jedem Motorstart immer dann ertönt, wenn du die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschreitest, kannst du über einen Schalter links neben dem Lenkrad jederzeit bei Bedarf schnell ausschalten.

Die Sicht nach hinten ist durch die breite C-Säule und die schmale Heckscheibe eingeschränkt. Doch hier hilft die Rückfahrkamera, die sich gegen Aufpreis sogar in eine 360-Grad-Kamera upgraden lässt.
Fazit: Der Scénic ist erwachsen geworden
Der Renault Scénic E‑TECH Electric 220 Long Range ist kein reines Vernunftauto mehr. Klar, er kann Familie, Alltag und in gewisser Weise auch Langstrecke. Aber gleichzeitig bringt er genug Technik, Komfort und Effizienz mit, um auch emotional zu überzeugen. Mich hat er jedenfalls trotz seiner kleinen Schwächen bei Ladeleistung und Reichweite direkt abgeholt.
Für dich lohnt sich der Scénic besonders, wenn du:
- ein geräumiges Elektroauto für Alltag und Reisen suchst
- Wert auf hohe Reichweite legst
- ein intuitives Infotainment-System möchtest
- Komfort über Sportlichkeit stellst
Unterm Strich bekommst du hier ein sehr rundes Gesamtpaket – modern, effizient und angenehm unkompliziert. Genau das macht ihn für mich zu einem der spannendsten Elektro-Familienautos aktuell.

Und der Preis? Der startet für das Long-Range-Modell des vollelektrischen Renault Scénic bei 48.000 Euro. Entscheidest du dich für die Comfort-Range-Variante, die mit ihrer 60-kWh-Batterie primär für Stadt- und Regionalfahrten vorgesehen ist, geht der Einstiegspreis bereits bei 40.500 Euro los. Ohne Aufpreis gibt es das Auto übrigens nur in Rot zu kaufen. Vier Lack-Optionen sind mit Aufpreisen von bis zu 2.000 Euro verbunden – abhängig davon, wie genau das Auto gestaltet sein soll. Der Scénic ist auf Wunsch nämlich auch mit farblich abgesetztem Dach erhältlich. Leasen kannst du ihn direkt über Renault übrigens ab 189 Euro pro Monat.






Ich finde es echt schade, dass E-Autos mit anständiger Reichweite so teuer sind.
ich finde es traurig das es nur Kasperköpfe in der Regierung gibt.