Netgear Nighthawk M7 im Test: Ein Hotspot für die Weltreise

8 Minuten
Mobiles Internet soll unterwegs einfach funktionieren. In der Praxis scheitert es oft an Details: Setup per App, fehlendes Netzteil, zähe Updates oder ein Hotspot, der im Rucksack plötzlich schwächelt. Genau an diesen Punkten muss sich Netgears Nighthawk M7 beweisen. Wir haben ihn getestet.
Netgear M7 liegt auf einem Tisch
Netgear M7 sorgt weltweit für mobiles InternetBildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Netgear legt dem M7 nur das Nötigste bei: Router, USB-C-auf-USB-C-Kabel und SIM-Tool, dazu die üblichen Garantie- und Zulassungs-Unterlagen. Ein Netzteil jedoch fehlt. Positiv fällt die Verpackung auf: Inlays und Karton bestehen aus Pappe und Papier, Plastik ist praktisch keins drin. Einzig der Kabelbinder am USB-C-Kabel ist aus Kunststoff. Das ist kein Riesenpunkt für die Funkleistung, aber ein seltener Lichtblick bei Zubehör-„Beipack“, das viel zu oft noch mit unnötig viel Plastik daherkommt.

Einrichtung: Die App ist keine Pflicht, Netgear drängt trotzdem dahin

Das Gerät selbst hat ein Display, das jedoch keine Touch-Funktion hat und ist etwas breiter und dicker als ein Smartphone, dafür aber niedriger. Es startet mit nur einem Tastendruck. Beim allerersten Hochfahren zeigt es erst längere Zeit nur „M7“, später „5G WiFi 7“ und anschließend „Hello“, bevor es in den Einrichtungsmodus wechselt.

Auf dem Display erscheint ein QR-Code mit der Aufforderung, die Netgear-App zu nutzen. Gleichzeitig zeigt der M7 einen temporären WLAN-Namen samt Passwort. Darüber lässt sich der Router sofort verbinden – und wichtiger: Es gibt eine Weboberfläche unter 192.168.10.1. Das wird von Netgear aber nicht aktiv kommuniziert, denn du sollst die Netgear-App nutzen.

Dort läuft das Setup klassisch ab: Sprache wählen, Nutzungsbedingungen bestätigen, Admin-Kennwort setzen. Danach zeigt der M7 Statusinformationen (Internetverbindung, verbundene Geräte nach Frequenzband, Akkustand) und erlaubt auch echte Konfiguration. Die SSID lässt sich ändern, ebenso grundlegende WLAN-Parameter. Netgear suggeriert zwar zunächst „App first“, aber in der Praxis reicht das Webinterface für sehr viel. Ins Internet kommt das Gerät wahlweise eine physikalische SIM, eine beliebige eSIM oder eine spezielle eSIM von Netgear. Dazu später mehr.

Die Nutzung der App selbst setzt ein Netgear-Konto voraus. Das Hinzufügen des Geräts klappt über das Scannen des QR-Codes mit dem Smartphone (der sich per Tastendruck erneut anzeigen lässt) und anschließendem Login mit dem Admin-Passwort. Allerdings wirkt die App in mehreren Punkten unfertig: Übersetzungen sind teils englisch/deutsch gemischt, außerdem wechselt die Ansprache innerhalb eines Dialogs sogar zwischen „du“ und „Sie“. Inhaltlich bleibt sie rudimentär – bei fortgeschrittenen Funktionen (Portweiterleitung) verlinkt sie nur ins Webinterface, statt die Einstellungen direkt anzubieten.

Ein konkretes Praxisproblem kam dazu: Nach einer SSID-Änderung verliert die App die Zuordnung zum Router, obwohl die WLAN-Verbindung wieder bestand. Das Gerät muss in der App erneut eingerichtet werden. Für ein Produkt, bei dem das Umbenennen des Standard-WLANs zu den ersten sinnvollen Schritten gehört, ist das ein unnötiger Stolperstein.

WLAN: WiFi 7 ist da, die Werkseinstellungen sind konservativ

Im Auslieferungszustand sendet der M7 im Test zunächst nur auf 5 GHz. 2,4 GHz ist standardmäßig deaktiviert. Auf 5 GHz ist eine Kanalbreite von 80 MHz aktiv, 40 MHz lässt sich einstellen. 160 MHz Kanalbandbreite waren in den Menüs nicht vorgesehen. Zusätzlich gibt es eine Option für die WLAN-Reichweite bzw. Sendeleistung: Standard ist „gering/kurz“, was den Akku schont, aber naturgemäß Reichweite kostet.

Das zeigte sich auch im Test: Befindet sich der Hotspot im Rucksack, fällt der WLAN-Empfangspegel schon nach 1 bis 2 Metern deutlich ab. Die Verbindung blieb zwar nutzbar, aber der M7 reagiert in diesem Szenario empfindlicher als erwartet – gerade dann, wenn die niedrige Sendeleistung aktiviert ist.

Wird 2,4 GHz zugeschaltet, nutzt der Router standardmäßig denselben WLAN-Namen und dasselbe Passwort wie auf 5 GHz. Das erleichtert die Nutzung, weil Geräte nicht manuell „umgezogen“ werden müssen. Als Verschlüsselung ist WPA2/WPA3 voreingestellt; alternativ sind reine WPA2- oder WPA3-Profile möglich. Änderungen an WLAN-Parametern quittiert der M7 mit einem Hinweis, dass das WLAN neu startet und Clients kurz getrennt werden.

Mobilfunk, Update-Politik und ein stiller Datenfresser

Im Webinterface lassen sich Mobilfunkoptionen umfangreich steuern: Roaming ist standardmäßig deaktiviert (relevant für Auslandseinsätze), außerdem sind verschiedene Netzmodi wählbar, darunter LTE/5G Non-Standalone (NSA), 5G Standalone (SA) sowie reine LTE- oder SA-Modi. Für einen Teil des Tests lief der Router im LTE+5G-NSA-Modus, weil die verwendete SIM nichts anderes zuließ.

Weniger überzeugend war der Umgang mit Updates: Kurz nach der ersten Inbetriebnahme meldete der M7 ein Firmware-Update, das automatisch 24 Stunden nach dem Start installiert werden soll, oder sofort per langem Tastendruck. Eine zusätzliche Bestätigung im Webinterface oder in der App war nicht nötig. Unsere Kritik: Der Download lief vorher bereits im Hintergrund über Mobilfunk, ohne Hinweis und ohne Größenangabe. Geschätzt wurden etwas über 200 MB ohne unser Wissen übertragen. Bei sehr knappen Datenpaketen kann das ärgerlich sein. Obendrein ist es schlicht unnötig intransparent.

eSIM in der Praxis: Kauf, Aktivierung und Netzwahl

Netgear bewirbt eSIM-Abdeckung in „140+ Ländern“ und den Kauf von Datenpaketen direkt in der App. Im Test lässt sich neben einer physischen SIM eine Liste mit bis zu sieben eSIM-Profilen verwalten. Der Kaufprozess bietet Google Pay oder Kreditkarte. Nach dem Checkout kam sofort eine Bestätigungsmail von Netgear.

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Netgear Nighthawk M7

Marktdaten

UVP 599,99 €
Anschluss-Art
  • 5G
  • LTE
Besonderheiten eSim + SIM Akkulaufzeit von bis zu 10 Stunden Abnehmbarer 3850mAh-Li-Ion-Akku

Daten

LAN-Anschlüsse (10 Gigabit/s) nein
LAN-Anschlüsse (2,5 Gigabit/s) nein
LAN-Anschlüsse (Gigabit/s) nein
Frequenz
  • 2,4 GHz
  • 5,0 GHz
  • 6,0 GHz
WLAN-Standard
  • IEEE 802.11ac (WiFi 5)
  • IEEE 802.11ax (WiFi 6)
  • IEEE 802.11be (WiFi 7)
WLAN-Datenrate (brutto) 3.600 Mbit

Nach dem Kauf folgt das Installieren des eSIM-Profils auf den Hotspot, anschließend die Aktivierung. Insgesamt sollte realistisch mit rund fünf Minuten gerechnet werden, bis ein Paket von „gekauft“ auf „aktiv“ steht. Immerhin: Das Paket kann auf Vorrat gekauft und später aktiviert werden. Die Laufzeit startet erst, wenn die eSIM tatsächlich genutzt wird.

Bei unserem Test in Spanien buchte sich die eSIM in ein lokales 5G-Netz ein (im Test: Movistar). Später funktionierte dasselbe Europa-Paket auch in Deutschland, ohne es neu buchen zu müssen. Das ist der eigentliche Mehrwert solcher Ländergruppen-Tarife, besonders auf Rundreisen. Innerhalb der EU relativiert sich der Nutzen, weil EU-Roaming bei vielen Verträgen ohnehin greift. Praktisch bleibt es vor allem für Regionen, in denen das EU-Roaming nicht hilft. Und: Das Europa-Paket inkludiert auch Regionen wie die Türkei.

Ein Transparenzproblem bleibt: In der Oberfläche ist nicht klar ersichtlich, wer der eigentliche Vertragspartner der eSIM ist und „wo“ das Profil technisch beheimatet ist. In der Praxis spielt das vor allem dann eine Rolle, wenn bestimmte Dienste mit einem Geo-Blocking versehen sind. Im Test ergab sich über die IP-Analyse ein Hinweis auf Sparks.Travel als zugrundeliegenden Anbieter. Dazu passt, dass der APN der eSIM „plus“ lautet – ein Hinweis Richtung Polen (Plus/Polkomtel). Für eine Nutzung in Asien, Amerika oder Australien dürfte Netgear sich jedoch einen anderen Partner gesucht haben.

Positiv: Mit der Netgear-eSIM ließ sich in Deutschland nicht nur Vodafone nutzen, sondern auch manuell Telekom und O2 auswählen. Das ist ein Mehrwert gegenüber einer normalen deutschen SIM-Karte. Zur Geschwindigkeit: Unsere Testdownloads unterlagen scheinbar keiner wesentlichen Download-Restriktion seitens der SIM-Karte. Mehrere hundert Mbit/s waren möglich.

Netgear M7 mit aktiviertem Display
eSIM sorgt für Netz in 140 Ländern

Die Kosten der eSIM

Die Kosten der eSIM-Nutzung richten sich danach, wie viel Datenvolumen du brauchst und in welcher Region du sie nutzen willst. Grundsätzlich gibt es in allen 140 Ländern vier verschiedene Pakete. Das sind 3 GB Datennutzung für 7 Tage sowie 5, 10 und 20 GB für jeweils 30 Tage Nutzungsdauer. In den USA liegen die Kosten bei 9, 12, 20 und 35 Euro, in Asien zahlst du stattdessen 10, 16, 29 oder 56 Euro. In Afrika fallen Kosten zwischen 21 und 97 Euro an, in der Karibik sind es 17 bis 103 Euro. Das klingt viel, kann jedoch weniger sein, als dein deutsches Handy im normalen Roaming zu nutzen.

Akku, Bootzeit und Powerbank

Laut Datenblatt steckt ein fest verbauter 3.850-mAh-Akku im Gerät, Netgear nennt „bis zu 10 Stunden“. Im Test wirkt diese Angabe ambitioniert: Realistisch erschienen eher 6 bis 8 Stunden bei normaler Nutzung. Stark abhängig bleibt das von Empfang, Datenlast und WLAN-Sendeleistung.

Die Bootzeit im Kaltstart (komplett aus) lag bei rund 1:30 Minuten bis zur Einsatzbereitschaft. Zusätzlich gibt es einen „Ruhemodus“, der automatisch greifen kann, wenn keine Geräte verbunden sind, oder manuell per Tastendruck aktiviert wird. Dann schaltet der M7 das WLAN ab und lässt sich für „immer mal wieder“-Nutzung sinnvoll parken.

Eine praktische Zusatzfunktion ist die Powerbank-Option: Der M7 kann ein Smartphone über USB-C laden. Im Test lud ein Smartphone dabei sogar im Schnelllademodus, und der Hotspot blieb währenddessen stabil online.

Eine weitere praktische Funktion: WiFi Offloading. Das heißt: Der M7 nutzt einen öffentlichen WLAN-Hotspot als Internetzugang statt des Mobilfunknetzes und verteilt das Signal an alle angeschlossenen Endgeräte weiter. Das kann beispielsweise in einem Hotel- oder Messe-WLAN praktisch sein, wo du sonst je Endgerät zahlen müsstest.

Fazit

Der Nighthawk M7 ist technisch ein modernes Paket: WiFi 7 (beworben mit bis zu 3,6 Gbit/s brutto) und 5G (bis 4 Gbit/s brutto) sind klare Ansagen auf dem Papier, ebenso die Auslegung auf bis zu 32 Geräte. In der Praxis überzeugt vor allem, dass der Router nicht auf die App angewiesen ist: Das Webinterface bietet schnell echte Administration, inklusive Mobilfunk-Modi, Roaming-Optionen und WLAN-Tuning.

Die Schattenseite ist ausgerechnet das Ökosystem, das Netgear am lautesten bewirbt: Die App wirkt sprachlich und funktional unfertig und stolpert über Basics wie eine SSID-Änderung. Dazu kommt eine Update-Strategie, bei der der Router Firmware im Hintergrund über Mobilfunk lädt, ohne Größe oder Downloadstart sichtbar zu machen und sich vorher ein OK einzuholen. Wer unterwegs mit begrenztem Volumen arbeitet, wird das nicht mögen.

Die Netgear-eSIM-Funktion ist dagegen grundsätzlich stark: Ländergruppen-Pakete lassen sich vorab kaufen, später aktivieren und funktionieren dann grenzübergreifend. In Deutschland kommt hinzu, dass sich per manueller Netzwahl auch Telekom und O2 nutzen lassen. Allerdings bleibt die Transparenz zum eigentlichen eSIM-Anbieter dünn und die Preise sind vor allem in Europa mäßig attraktiv.

Unterm Strich ist der M7 ein leistungsfähiger Hotspot mit sinnvoller Web-Administration und gutem eSIM-Konzept – aber mit einer App, die noch nicht auf dem Niveau ist, das der Preis- und Premiumanspruch erwarten lässt. Für eine UVP von 599 Euro darf man etwas mehr erwarten.

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