Vodafone will 4G- und 5G-Mobilfunkstandorte in Europa und Afrika künftig über das LEO-Satellitennetz Amazon Leo ans Kernnetz anbinden. Die Ankündigung stammt aus einer gemeinsamen Mitteilung von Vodafone und Amazon Leo, die die Unternehmen im Rahmen des Mobile World Congress (MWC) in Barcelona verschickt haben. Das Ziel von Vodafone: mehr Abdeckung in schwer erreichbaren Regionen und gleichzeitig mehr Ausfallsicherheit für bestehende Netze. Der Vodafone Group geht es dabei primär um Afrika. Auch Deutschland wird explizit erwähnt: Funkmasten könnten hierzulande grundsätzlich ebenfalls über den Dienst ans Netz angebunden werden. Gleichzeitig räumt Vodafone ein, dass Satelliten für die Mobilfunkanbindung in Deutschland bisher kaum eine Rolle spielen – schlicht, weil Netze und kabelgebundene Infrastruktur vielerorts schon stark ausgebaut sind.
Warum Satelliten für Vodafone interessant sind
Technisch geht es nicht darum, dass dein Smartphone plötzlich „direkt“ mit Amazon-Satelliten funkt. Stattdessen nutzt Vodafone Satelliten als Backhaul: Die Funkstation bleibt am Boden, versorgt vor Ort Smartphones wie bisher über LTE/5G – und schickt den Datenverkehr dann per Satellit weiter ins Kernnetz, wenn Glasfaser oder Richtfunk nicht praktikabel sind. Das können in Deutschland beispielsweise Täler sein, die schwer zu erreichen sind, oder auch Naturschutzgebiete.
Der Vorteil liegt für Vodafone vor allem in der Erschließung abgelegener Standorte. In dünn besiedelten Regionen ist der Weg von der Mobilfunkstation bis zum nächsten Netzknoten oft das eigentliche Problem: Glasfasertrassen sind teuer und dauern, Richtfunk braucht Sichtverbindungen und geeignete Gegenstellen. Eine Satellitenstrecke kann diesen Teil ersetzen, so die Idee.
Vodafone verknüpft das außerdem mit dem Thema Resilienz: Fällt eine Glasfaserverbindung aus – etwa nach Naturereignissen wie Überschwemmungen –, soll die Satellitenanbindung als alternative Strecke dienen, um Notfallkommunikation und „kritische Online-Dienste“ weiter zu ermöglichen. Das ist plausibel als Use Case, bleibt aber in der Mitteilung des Konzerns noch allgemein: Welche Standorte konkret redundante Satelliten-Backups bekommen, wird nicht genannt. Vodafone hat allein in Deutschland 29.000 Sendemasten. Dass diese alle mit einer Antenne von Amazon Leo ausgestattet werden, scheint unwahrscheinlich.
Was Amazon Leo dafür liefert – und ab wann
Amazon Leo wird als Satelliten-Breitbandnetzwerk in niedriger Erdumlaufbahn beschrieben – mit Satelliten in rund 600 Kilometern Höhe. Für die Backhaul-Anbindung nennt Amazon Leo Datenraten von bis zu 1 Gbit/s im Download und 400 Mbit/s im Upload. Laut Mitteilung sind derzeit mehr als 200 Satelliten im Orbit, weitere 100 seien bereits gebaut und bereit für den Transport. Ein Preview-Programm für Unternehmenskunden sei im November 2025 gestartet; der Rollout solle mit wachsender Abdeckung schrittweise breiter werden. Auch Endkunden sollen dieses Jahr noch Amazon Leo nutzen können – als Alternative zu Starlink. Vodafone plant, die ersten per Amazon Leo angebundenen Mobilfunkstandorte ab 2026 in Betrieb zu nehmen – parallel zum weiteren Aufbau der Satellitenkonstellation. Ganz neu ist die Idee indes nicht. Schon 2021 gab O2 bekannt, Satelliten zur Anbindung zu nutzen. Hier kam allerdings Intelsat mit einem geostationären Satelliten zum Einsatz. Der Unterschied macht sich vor allem in der Latenz bemerkbar.
„LTE und 5G per Satellit“ kann auch etwas ganz anderes bedeuten
Die drei Schlagworte Mobilfunk, Satellit und MWC sorgen bei Stammlesern für ein Déjà-vu. Im vergangenen Jahr war der Empfang von Nachrichten aus dem All direkt auf dem Handy das große Trendthema. Und auch hier gibt es in diesem Jahr bei Vodafone Neuigkeiten.
„Satellite Connect Europe“ ist ein Joint Venture von Vodafone und AST SpaceMobile. Das Unternehmen soll als europäischer Anbieter für Direct-to-Device-Satellitenkommunikation auftreten – also Mobilfunk per Satellit direkt auf bestehende 4G/5G-Smartphones, ohne zusätzliche Schüssel, Terminal oder spezielles Satellitentelefon. Geplant sind fünf Bodenstationen in Europa, außerdem ein Satelliten-Betriebszentrum in Deutschland, das unter anderem Weltraumereignisse wie Sonnenstürme überwachen soll. Der Ansatz: Netzbetrieb, Datenverarbeitung und Servicekontrolle sollen im europäischen Rechtsraum bleiben.
Unterm Strich fährt Vodafone damit zweigleisig: Kurzfristig geht es bei Amazon Leo um die Anbindung von Mobilfunkstandorten in schwer erschließbaren Gegenden und um Ausfallschutz. Direct-to-Device ist eine andere Kategorie – mit anderen technischen Anforderungen und einem anderen Partnernetz.
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