Ich öffne meine Haustür jetzt mit dem Gesicht und das ist nicht mal das Verrückteste daran

9 Minuten
Das SwitchBot Lock Ultra Max entriegelt laut Hersteller in 1,1 Sekunden und liest neben dem Gesicht auch die Venen deiner Handfläche. Der Schließzylinder bleibt in der Tür. Als Vision Pro Combo kostet es 339,99 Euro UVP. Wie schlägt es sich im Test?
SwitchBot Lock Ultra Max an einer Tür
SwitchBot Lock Ultra Max im TestBildquelle: Thomas Kern / inside digital

Seit meinem Test des SwitchBot Smart Lock Ultra (zum Test) ist SwitchBot für mich die beste Nuki-Alternative. Einen Haken gab es trotzdem immer: Beim Öffnungstempo musste sich der Hersteller geschlagen geben. Ebenso bei der Tatsache, dass man bei Nuki keinen Account für die Nutzung benötigt. In einem Punkt setzt der Nachfolger an und packt zwei Sicherheitsnetze obendrauf, die es beim Marktführer bis heute nicht gibt. Reicht das, um Nuki endlich vom Thron zu stoßen?

Was dich das SwitchBot Lock Ultra Max wirklich kostet

SwitchBot verkauft das neue Schloss zum Start als Lock Ultra Max Vision Pro Combo. Im Karton liegen drei Geräte: das Schloss selbst, das Keypad Vision Pro mit 3D-Gesichts- und Handvenenerkennung und der Hub Mini Matter Enabled. 339,99 Euro UVP ruft der Hersteller dafür auf.

Diese Zahl bekommt erst im Vergleich ein Gesicht. Das Nuki Smart Lock Pro 5.0 (zum Test) kostet 269 Euro, zusammen mit dem Keypad 2 NFC (zum Test) sind es 448 Euro UVP. SwitchBot liegt also 108 Euro darunter und liefert dabei Biometrie, die Nuki überhaupt nicht im Programm hat.

SwitchBot Lock Ultra Max an einer Tür
Das SwitchBot Lock Ultra Max hat ein shickes Design Bildquelle: Thomas Kern / inside digital

Dann gibt es noch Folgekosten. Im Einführungszeitraum legt SwitchBot die Garantieverlängerung „Max Service“ kostenlos bei, also ein zusätzliches Jahr auf die regulären zwei Jahre Gewährleistung. Danach kostet sie nach Herstellerangaben 24,90 Euro pro Jahr. Das Adapterset für ungewöhnliche Zylinderformen wird separat verkauft. Ein Pflichtabo für den Fernzugriff nennt SwitchBot dagegen nicht, und im Test habe ich auch keines gebraucht.

So montierst du das SwitchBot Lock Ultra Max

Die wichtigste Frage bei jedem Nachrüstschloss lautet: Muss der Zylinder raus? Nein. Das Lock Ultra Max sitzt innen auf dem vorhandenen Schließzylinder. Gebohrt wird nicht, geklebt oder geschraubt schon. Für Mietwohnungen ist das der eigentliche Kaufgrund, denn beim Auszug baust du das Gerät rückstandsfrei wieder ab und gibst die Tür so zurück, wie du sie übernommen hast.

Kompatibel ist das Schloss laut SwitchBot mit 99 Prozent der europäischen Schlösser. EU-Profilzylinder und Knaufzylinder sollen direkt passen, Schweizer Rundzylinder und britische Ovalzylinder nur mit Adapter.

SwitchBot Lock Ultra Max an einer Tür
SwitchBot Lock Ultra Max Bildquelle: Thomas Kern / inside digital

Die Installation selbst ist unkompliziert. Die App führt dich Schritt für Schritt durch Platte, Adapter und Kalibrierung, und ich bin an keiner Stelle ins Grübeln gekommen. Das war schon beim Lock Ultra die Stärke des Herstellers, und daran hat SwitchBot nichts verschlechtert.

Beim Gehäuse geht SwitchBot in die Vollen: Aluminiumlegierung mit gebürsteten Edelstahlflächen, dazu ein Rillenmuster, das der Hersteller „Fluted Light Design“ nennt. Mir gefällt das Design. Die Maße bleiben mit 12,2 × 6,3 × 6,7 cm exakt identisch zum Lock Ultra, das Gewicht steigt von 367 auf 391 Gramm. Für dich heißt das im Zweifel: Wer schon ein Lock Ultra an der Tür hat, kann die vorhandene Montageplatte weiterverwenden.

Max Mode oder Quiet Mode: So schnell öffnet das Schloss wirklich

Im Inneren steckt der Grund für das „Max“ im Namen. Der bürstenlose UltraDrive-Motor dreht laut SwitchBot mit 160 Umdrehungen pro Minute. Zum Vergleich: Der Vorgänger kam auf 50. Im Max Mode soll die Tür damit in 1,1 Sekunden entriegelt sein, die Drehkraft gibt der Hersteller mit mehr als 9 Kilogramm an.

Auf dem Papier ist das nur Augenhöhe mit Nuki: Das Smart Lock Pro 5.0 öffnet im Modus „Insane“ in rund einer Sekunde und im Standardmodus in etwa 1,5 Sekunden. In der Praxis merkt man aber keinen Unterschied. Das Lock Ultra Max öffnet dennoch rasant schnell, und zwar genau in dem Bereich, in dem bisher nur Nuki unterwegs war. Der größte Kritikpunkt am Vorgänger ist damit erledigt.

Das Lock Ultra bietet drei Geschwindigkeitsstufen: Max-Modus, Standard und niedrig. An Grundfunktionen ist alles dabei, was ein Spitzengerät haben muss. Auto-Lock verriegelt die Tür nach dem Durchgehen von selbst wieder, Auto-Unlock öffnet sie, sobald dein Smartphone per Geofencing in Reichweite kommt. Dazu kommen Zeitpläne und eine Gerätetaste am Schloss, deren Aktion sich für einfachen und doppelten Druck getrennt belegen lässt.

Einstellungen in der SwitchBot-App
Einstellungen in der SwitchBot-App Bildquelle: Thomas Kern / inside digital

Bis zu 19 Wege in die Wohnung und einer davon ist völlig neu

Der Blickfang hängt außen an der Wand. Das Keypad Vision Pro projiziert nach Herstellerangaben über 30.000 Infrarotpunkte auf dein Gesicht und rechnet daraus eine 3D‑Karte. Weil das System mit Tiefeninformationen arbeitet, soll es sich nicht mit einem Foto austricksen lassen. Das kann ich bestätigen. Mit Fotos auf Tablets oder anderen Geräten konnte ich das Gerät nicht überlisten. Die Erkennung funktioniert auf 0,6 bis 0,9 Meter Abstand. Du musst also nicht mit der Nase am Keypad kleben, aber auch nicht damit rechnen, vom Gartentor aus erkannt zu werden.

Keypad des SwitchBot Lock Ultra Max
Keypad des SwitchBot Lock Ultra Max Bildquelle: Thomas Kern / inside digital

Und klappt das im Alltag? Ja. Die Gesichtserkennung hat bei mir zuverlässig funktioniert, auch wenn sie immer einen Moment benötigt, um mich zu erkennen. Spannender fand ich die Handvenenerkennung. Ein Nahinfrarotsensor liest das Venenmuster in deiner Handfläche, aus 8 bis 25 Zentimetern Abstand und ohne Berührung. Mit einfachen Worten: Das Gerät schaut nicht auf deine Haut, sondern unter sie. Genau deshalb ist das Verfahren interessant für nasse oder trockene Finger, für Kinder und für ältere Familienmitglieder, deren Fingerabdruck sich schlecht auslesen lässt.

In der Praxis ist die Handvene allerdings der langsamere Weg. Bei mir vergeht auch hier spürbar ein Moment, bis die Tür tatsächlich aufgeht. Natürlich nicht dramatisch, aber deutlich träger als das Gesicht. Die Handvene ist damit weniger der Alltagsweg als die Rückfalllösung für genau die Fälle, in denen Gesicht und Fingerabdruck ausfallen.

Klassisch bleiben Fingerabdruck, Zahlencode und NFC-Karte. Rechnet man App, Sprachsteuerung, Smartwatch, Widgets, Geofencing, Home Sharing, die SwitchBot-Fernbedienung und den guten alten Schlüssel dazu, kommt der Hersteller auf bis zu 19 Entsperrwege. Beim Vorgänger waren es zwölf. Bei den Codes bleibt SwitchBot bei den vier Typen, die schon das Lock Ultra beherrschte: dauerhaft, einmalig, zeitlich begrenzt und als Tarn-Code, bei dem du beliebige Ziffern vor und hinter deine PIN tippst. Für Ferienwohnungen ist vor allem der zeitlich begrenzte Code interessant, weil du ihn für ein Wochenende vergeben kannst, ohne ihn danach zurückzunehmen.

Ein Punkt fehlt in dieser Liste aber: Tap to Unlock über den Aliro-Standard, also das Entriegeln per iPhone oder Smartwatch am Keypad. Das kann nur Nuki. Dafür kommen Gesicht und Handvene ganz ohne Smartphone aus.

Drei Stromquellen für die Tür und ein Hub, der mitmuss

Hier liefert SwitchBot etwas, das Nuki schlicht nicht hat. Der wiederaufladbare 4.200-mAh-Akku soll bis zu neun Monate halten, gerechnet auf zehn Ver- und Entriegelungen pro Tag. Geht er zur Neige, übernimmt eine separate CR123A-Batterie, die laut Hersteller für rund 500 Schließvorgänge ausreicht. Ist auch die leer, sammelt die Funktion Micro-Power Unlock etwa 30 Sekunden lang Restenergie und ermöglicht danach bis zu fünf Notentriegelungen. Genial oder?

Akku des Keypad des SwitchBot Lock Ultra Max
Akku des Keypad des SwitchBot Lock Ultra Max Bildquelle: Thomas Kern / inside digital

Der Nuki-Akku ist dagegen fest verbaut, eine Reservebatterie gibt es nicht. Laufzeit nennen beide mit bis zu neun Monaten, bei Nuki allerdings ohne Fernzugriff. Für dich heißt das: Das Szenario „Akku leer, ich stehe draußen“ hat SwitchBot dreifach abgesichert, Nuki gar nicht. Wobei ich dennoch kein Problem bei meiner 16-monatigen Nutzung des Nuki-Schlosses hatte. Das Keypad hat einen eigenen 5.000-mAh-Akku und soll bis zu zwölf Monate durchhalten, weil es die Biometrie erst aufweckt, wenn du davorstehst.

Und die Anbindung? Da wird es unangenehmer. Das Schloss selbst spricht nur Bluetooth 4.2 oder neuer. Für Fernzugriff und Smart-Home-Einbindung brauchst du den Hub Mini Matter Enabled, der immerhin im Set liegt. Die Verbindung läuft über Matter over Bridge, das heißt: Nicht das Schloss meldet sich bei Matter an, sondern der Hub übersetzt für es. Apple Home, Home Assistant, Alexa und Google Home lassen sich so bedienen. Thread spricht das Gerät nicht.

Beim Nuki Smart Lock Pro 5.0 (Test) stecken WLAN und Matter direkt im Schloss, ein Hub entfällt komplett. Fällt bei SwitchBot der Hub aus oder ziehst du ihn versehentlich aus der Steckdose, bleibt dir Bluetooth und damit die Wohnungstür in Reichweite. Der Preisvorteil von 108 Euro schrumpft in dieser Betrachtung ein Stück weit, weil du dir ein zusätzliches Gerät plus Steckdose in den Flur holst.

Der Account ist der Preis, den du bei SwitchBot zahlst

Jetzt zu dem Punkt, an dem der Test kippt. Gesichts-, Venen- und Fingerabdruckdaten verarbeitet und speichert das Keypad nach Herstellerangaben ausschließlich lokal, die Kommunikation ist mit AES-128 verschlüsselt. Das klingt sauber. Ohne SwitchBot-Konto kommst du trotzdem nicht durch die Einrichtung. Registrierung ist Pflicht, Punkt.

Genau das ist die Stelle, an der Nuki nach wie vor allein dasteht. Das Smart Lock Pro 5.0 lässt sich komplett ohne Nutzerkonto betreiben: kein Profil, keine E-Mail-Adresse, keine Datenweitergabe als Eintrittskarte in die eigene Wohnung. Nach 16 Monaten an meiner eigenen Tür ist das für mich der wichtigste Einzelpunkt am ganzen Gerät geblieben. Und es ist der eine, den SwitchBot mit noch so viel Biometrie nicht ausgleicht.

Ein Konto bedeutet ein zusätzliches Unternehmen, das weiß, wann deine Wohnungstür auf- und zugeht. Wie belastbar der Umgang damit ist, musst du dem Hersteller glauben. Einen härteren Maßstab gibt es immerhin seit Kurzem für alle: Seit dem 11. September gilt der Cyber Resilience Act, ausgenutzte Schwachstellen müssen binnen 24 Stunden gemeldet und betroffene Nutzer informiert werden. Ein stiller Patch im Hintergrund reicht nicht mehr.

Fazit: Nuki bleibt nur noch ein Argument und das wiegt schwer

Öffnet die Handfläche jetzt deine Tür? Technisch ja, im Alltag aber zweite Wahl. Die Handvenenerkennung funktioniert, braucht bei mir jedoch spürbar länger als das Gesicht, und damit ist sie eher Rückfalllösung als Hauptweg. Der Star des Sets ist für mich die Gesichtserkennung: zuverlässig und ohne Smartphone in der Hand. Dazu kommt das, was dem Vorgänger gefehlt hat: Das Lock Ultra Max öffnet rasant schnell und spielt beim Tempo nicht mehr in der zweiten Reihe.

Für mich bleibt es damit die beste Nuki-Alternative, und zwar mit größerem Abstand zum Rest als bisher. Was es nicht ist: der neue Testsieger. Dafür fehlt genau eine Sache, und die hat nichts mit Hardware zu tun. Ohne SwitchBot-Konto läuft nichts, während Nuki ohne Account auskommt. Dazu kommen der Pflicht-Hub für Fernzugriff und Matter sowie eine Geschwindigkeitsstufe weniger als beim Lock Ultra. Die Rechnung zum Schluss: 339,99 Euro für Schloss, Keypad mit zwei biometrischen Verfahren und Matter-Hub.

Testsiegel SwitchBot Lock Ultra Max
Testsiegel SwitchBot Lock Ultra Max Bildquelle: inside digital

Vorteile:

  • Öffnet rasant schnell
  • Gesichtserkennung funktioniert zuverlässig
  • Kein Zylindertausch, rückstandsfreie Montage für Mieter
  • Einfache, app-geführte Installation
  • Dreifache Stromversorgung inklusive Reservebatterie und Notentriegelung

Nachteile:

  • SwitchBot-Konto ist Pflicht
  • Handvenenerkennung langsamer als die Gesichtserkennung
  • Fernzugriff und Matter nur über den Hub Mini
  • Kein Aliro, also kein Tap to Unlock per iPhone oder Smartwatch
So arbeiten wir
Unsere Redaktion testet Produkte nach festen redaktionellen Kriterien. Testgeräte stellt meist der Hersteller leihweise zur Verfügung — auf unsere Bewertung hat das keinen Einfluss. Über Affiliate-Links im Beitrag bekommen wir beim Kauf eine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.

Bildquellen

  • SwitchBot Lock Ultra Max von unten: Thomas Kern / inside digital
  • SwitchBot Lock Ultra Max an einer Tür: Thomas Kern / inside digital
  • Einstellungen in der SwitchBot-App: Thomas Kern / inside digital
  • Keypad des SwitchBot Lock Ultra Max: Thomas Kern / inside digital
  • Akku des Keypad des SwitchBot Lock Ultra Max: Thomas Kern / inside digital
  • Testsiegel SwitchBot Lock Ultra Max: inside digital
  • SwitchBot Lock Ultra Max an einer Tür: Thomas Kern / inside digital

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