Ich habe ein 700-Euro-WLAN getestet. Das hat mich überrascht.

8 Minuten
Ein WLAN-System für 700 Euro, drei Stationen und modernste Technik. Eigentlich müsste damit selbst im letzten Zimmer schnelles Internet ankommen. Doch bei meinem Test machte ein zusätzlicher WLAN-Satellit die Verbindung zunächst sogar langsamer. Erst eine kleine Änderung im Aufbau brachte einen gewaltigen Temposprung. Und das war nicht die einzige Überraschung.
Devolo BE9300
Devolo BE9300Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Im Juli hatten wir das Devolo WiFi 7 Mesh BE6500 im Test. Jetzt steht das BE9300 auf dem Tisch. Ein Nachfolger ist das nicht. Denn Devolo hat beide Modelle gemeinsam auf der IFA 2025 vorgestellt. Ja, 2025. Doch das BE9300-Set kommt erst jetzt auf den Markt – ist aber immer noch State of the Art, was WiFi 7 angeht. Von außen siehst du keinen Unterschied zwischen dem großen Bruder und dem „kleineren“ Set vom Sommer. Gleiches Gehäuse. Gleiche Anschlüsse. Gleiche App. Und beides sind Sets mit drei Frequenzbändern an Bord. Der Unterschied: Beim BE9300 ist es echtes Triband, die Frequenzen um 2,4, 5 und 6 GHz können gleichzeitig genutzt werden. Beim kleineren BE6500-Set sind es nur zwei Frequenzbänder, die du manuell auswählen musst. Dieser Unterschied bedeutet eine deutlich höhere Bandbreite. Und das kostet: Das Dreierpack liegt bei 699,90 Euro, das kleine Set bei 399,90 Euro. Weil sich die Sets sehr ähnlich sind, haben wir nicht alles noch einmal von vorne getestet, sondern uns auf eine Frage konzentriert. Was bekommst du für 300 Euro mehr? Und wer braucht das?

Was gleich bleibt

Gehäuse, Anschlüsse und Einrichtung sind identisch mit dem BE6500. Jede Station hat einen Anschluss mit 2,5 Gbit/s und drei mit Gigabit. Am Controller, dem Hauptgerät, ist der schnelle Port für das Internet reserviert. Ein Modem ist nicht eingebaut, du brauchst also weiterhin ein Glasfasermodem oder ein anderes Modem deines Anbieters davor.

Die Sets kommen vorkonfiguriert. Controller anschließen, Satelliten einstecken, nach ein paar Minuten steht das Mesh. Details dazu findest du im Test des BE6500. Und ganz ehrlich: Das ist für die allermeisten WLAN-Mesh-Nutzer der allergrößte Mehrwert. Denn du musst nichts manuell einstellen. Anschalten, hinstellen, läuft. Die WLAN-Kennung und das Passwort stehen unter den Geräten.

Der Unterschied: Drei Bänder gleichzeitig

Der Knackpunkt sind die WLAN-Frequenzen. Der BE6500 funkt auf 2,4 und 5 GHz oder wahlweise auf 2,4 und 6 GHz. Beides zusammen geht nicht. Der BE9300 nutzt alle drei Bänder gleichzeitig. 6 GHz ist das neueste WLAN-Band, kaum belegt und sehr schnell, aber nur für Geräte mit WiFi 6E oder WiFi 7.

Die 9.300 im Namen sind die Summe der Bruttoraten aller drei Bänder: 688 Mbit/s auf 2,4 GHz, 2.882 Mbit/s auf 5 GHz und 5.765 Mbit/s auf 6 GHz. Ein Rechenwert. Kein Gerät erreicht ihn. Allein schon, weil in der Praxis bei WLAN nur die Hälfte der Datenrate als tatsächlich nutzbare Datenrate übrigbleibt.

Wichtiger ist, wie die Stationen untereinander funken. Diese Verbindung heißt Backhaul. Devolo reserviert dafür kein eigenes Band, sondern nutzt per MLO alle drei. MLO steht für Multi-Link Operation, eine WiFi-7-Funktion, mit der Geräte mehrere Bänder parallel nutzen. Beim BE6500 ist es dasselbe Prinzip mit zwei Bändern. „Weil bei WLAN 7 MLO zum Einsatz kommt, nutzt unser System beide Frequenzen zur Kommunikation zwischen den Netzwerkknoten“, erklärte uns Devolo. Der große Bruder hat also keinen exklusiven Kanal für die Satelliten, sondern schlicht mehr Funkkapazität.

So haben wir getestet

Unsere Testwohnung hat zwei Etagen. Stahlbeton. Fußbodenheizung. Der Controller steht im Erdgeschoss, ein Satellit im Obergeschoss im Treppenhaus, der zweite im Kinderzimmer. Am Internet lässt sich der Unterschied zum BE6500 nicht messen: Unsere Glasfaserleitung liefert 300 Mbit/s, und die schafft auch das kleine Set bis ins Obergeschoss. Wir haben deshalb im Heimnetz gemessen, gegen einen Speedtest-Server auf einem NAS, das wie der Controller an einem 2,5-Gbit/s-Switch hängt. Als Endgeräte dienten ein Windows-Rechner mit Intel-WiFi-7-Karte und ein Samsung Galaxy S24 Ultra.

Der Controller lief dabei als Router, die Daten gingen also durch seine Firewall. So wie bei jedem, der den BE9300 direkt am Glasfasermodem betreibt. Einen direkten Echtzeit-Vergleich mit dem BE6500 im Heimnetz gibt es nicht, das Set steht wie bei Teststellungen üblich nicht mehr bei uns.

Messwerte: Schnell, aber nur aus der Nähe

Direkt am Controller ist der BE9300 fast schneller als das Kabel zum NAS. Der Rechner schaffte auf einen Meter 1.728 Mbit/s im Download und 2.375 Mbit/s im Upload. Mehr geht über eine 2,5-Gbit/s-Leitung beinahe nicht – jedenfalls im Upload.

Doch das Tempo hält nicht lange. Auf drei Meter funkt das S24 Ultra auf 5 und 6 GHz und schafft knapp 1,6 Gbit/s. Auf sechs Meter, bei freier Sicht, hat es 6 GHz schon aufgegeben, das Smartphone nutzt 2,4 und 5 GHz. Es bleiben gut 950 Mbit/s. Immer noch schneller, als die meisten wirklich brauchen dürften.

Im Obergeschoss übernehmen die Satelliten, die Mesh-Repeater. Am Treppenhaus kommt in beide Richtungen über 1 Gbit/s an. Im Kinderzimmer, das seine Daten über den Treppenhaus-Satelliten bekommt, sind es noch 319 Mbit/s. Für einen Anschluss mit 300 Mbit/s reicht das bis in den letzten Raum.

Der Standort entscheidet mehr als das dritte Band

Die wichtigste Erkenntnis aus dem Test hat mit Triband wenig zu tun. Im ersten Aufbau stand der Controller ungünstig im Hauswirtschaftsraum. Nachdem wir ihn freier aufgestellt hatten, wurde die Funkverbindung zu den Satelliten deutlich besser. Und damit das ganze Netz im Obergeschoss. Der Controller ist das Nadelöhr: Was bei ihm schlecht ankommt, kann kein Satellit retten. Ein bis zwei Meter oder eine dünne Wand können hier den Ausschlag geben.

Genauso wichtig ist, wo die Satelliten stehen. Das zeigt unsere Messreihe im Kinderzimmer. Nur mit dem Controller mit einer direkten Verbindung zum Smartphone kamen dort magere 44 Mbit/s an – Stahlbetondecke mit Fußbodenheizung sei Dank. Mit dem Kinderzimmer-Satelliten, aber ohne den im Treppenhaus, waren es sogar nur 29 Mbit/s. Sobald wir aber die Mesh-Kaskade in Betrieb nahmen und das Funksignal vom Controller über Satellit 1 zu Satellit 2 gefunkt wurde, waren wir bei 319 Mbit/s.

Ein Satellit an einer Stelle mit schlechtem Empfang macht es also schlechter statt besser. Er muss jedes Datenpaket über seine schwache Verbindung holen und dann noch einmal weitersenden. Erst über den Satelliten im Treppenhaus, der selbst guten Empfang hat, wird es schnell. Diesen Umweg hat das Set übrigens selbst gewählt. Wir haben nichts eingestellt. Richtig so.

Für dich heißt das: Stell den Controller möglichst frei und erhöht auf, nicht in eine Ecke oder hinters Regal. Steht dein Glasfasermodem ungünstig, hilft ein längeres Netzwerkkabel. Und setz die Satelliten dorthin, wo das WLAN noch gut ist, etwa auf halbem Weg zum Funkloch. Nicht ins Funkloch selbst. Wer schlechtes WLAN verstärkt, behält schlechtes WLAN – es sieht nur besser aus.

Software: Die gleichen Schwächen wie schon vor Monaten

App und Weboberfläche kennst du vom BE6500. Die Schwächen leider auch. VPN, WLAN-Zeitsteuerung, Kindersicherung und eine Freigabeliste für Geräte führt Devolo in der Pressemitteilung zum Marktstart unter „Nächste Updates“. Dasselbe Versprechen gab es schon beim BE6500-Test im Juli. Drei Monate später, bei einem Set für 700 Euro, ist das zu wenig, finden wir.

Dazu kommen Kleinigkeiten. Die Weboberfläche zeigt die Signalqualität der Satelliten in dBm, was kein normaler Mensch versteht. Eine Spalte heißt „Rückmeldesignal“, ein Reiter namens „Gplot“ ist gar nicht übersetzt. Und auch an der Kritik zur nicht funktionierenden Durchsatzanzeige und der Platzierungshilfe hat sich nichts geändert. Schade.

Stromverbrauch: Spürbar mehr

Der Controller des BE9300 zieht ohne Last 10,6 Watt, unter Last bis zu 14,6 Watt. Beim BE6500 waren es 6,3 und 7,5 Watt. Ein Satellit braucht ohne Last 9,4 Watt, unter Last 12,4 Watt, beim kleinen Bruder waren es 5,5 und 7,5 Watt. Das ist ohne Last rund zwei Drittel mehr, beim Controller unter Last fast das Doppelte.

Das komplette Dreierpack kommt ohne Last auf knapp 30 Watt, das kleine Set auf gut 17 Watt. Übers Jahr sind das im Dauerbetrieb rund 260 Kilowattstunden. Bei 35 Cent pro Kilowattstunde kostet der BE9300 damit etwa 90 Euro Strom im Jahr, rund 37 Euro mehr als der BE6500.

Preise: Für wen sich welches Set lohnt

PaketBE6500BE9300Aufpreis
2er-Set279,90 Euro479,90 Euro 200 Euro
3er-Set399,90 Euro699,90 Euro300 Euro
Erweiterung1499,90 Euro249,90 Euro100 Euro

Alle Preise sind unverbindliche Preisempfehlungen. Den BE9300 gibt es auch einzeln als Router für 249,90 Euro. Devolo gibt drei Jahre Garantie. Aber ganz ehrlich: Für die meisten Haushalte reicht der BE6500. Wer einen Anschluss bis 1 Gbit/s hat und vor allem surft, streamt und telefoniert, merkt vom dritten Band wenig.

Der BE9300 lohnt sich in drei Fällen:

  • Du hast Glasfaser oder Kabel mit 1 Gbit/s oder mehr.
  • Du verschiebst viele Daten im Heimnetz, etwa aufs NAS.
  • Du nutzt viele Geräte mit WiFi 6E oder WiFi 7. Sie bekommen 6 GHz, ohne dass ältere Geräte auf 5 GHz verzichten müssen.
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Fazit: Mehr Tempo, gleiche Baustellen

devolo BE9300 Testsiegel
devolo BE9300 Testsiegel Bildquelle: inside digital

Der Devolo WiFi 7 Mesh BE9300 ist schnell. In der Nähe des Controllers kommt unser Speedtest-Maximum von 2,5 Gbit/s an, im entferntesten Zimmer immer noch schnell genug für einen Anschluss mit 300 Mbit/s. Seine Funkwege wählt das Set sinnvoll.

Doch der große Bruder erbt die Schwächen des kleinen. Gleiche Software. Gleiche fehlende Funktionen. Gleiches Versprechen aufs nächste Update. Dazu deutlich mehr Stromverbrauch. Und der Test zeigt: Wo du die Geräte aufstellst, entscheidet mehr über dein WLAN als das dritte Band.

Lohnt sich der Aufpreis? Für die meisten nicht. Wer schnelle Glasfaser, ein NAS oder viele WiFi-7-Geräte hat, bekommt mit dem BE9300 spürbar mehr Reserven. Alle anderen sind mit dem BE6500 gut versorgt und behalten 300 Euro in der Tasche. Und egal, welche Ausstattung es wird und auch wenn die Software noch ihre Macken hat: Aufgrund der Einfachheit der Installation ist das devolo-System für jeden, der besseres WLAN braucht und sich nicht damit beschäftigen will, eine echte Empfehlung.

devolo BE6500 im Video

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