Nothing Phone 3 im Test: Endlich ein echtes Flaggschiff?

7 Minuten
Mit dem Nothing Phone 3 stellt der Hersteller aus Großbritannien sein erstes Flaggschiff-Smartphone vor und verzichtet dabei auf eine der beliebtesten Funktionen der Reihe. Kann das erste High-End-Modell mit der Konkurrenz mithalten? Ich habe das Smartphone getestet.
Nothing Phone 3 im Test
Nothing Phone 3 im TestBildquelle: Timo Brauer / inside digital

Im Jahr 2021 hat der neu gegründete Hersteller Nothing das Phone 1 vorgestellt und einen ziemlichen Hype ausgelöst. Das Smartphone konnte mit einem auffälligen und gleichzeitig eleganten Design überzeugen und fand schnell seine Fans. Inzwischen hat sich Nothing als Marke etabliert. Alle Update-Versprechen wurden eingelöst, und man hat einige preiswertere Smartphones auf den Markt gebracht. Etwa das Phone 3a – das für rund 300 Euro eine meiner Kaufempfehlung in dieser Preisklasse ist. Doch immer wieder wünschen sich Fans ein richtiges Flaggschiff mit Top-Ausstattung von Nothing. Hier hat der Hersteller bisher immer weiter vertröstet. Doch nun ist es so weit: Das Nothing Phone 3 ist offiziell.

Einzigartiges Design – aber ohne LEDs

Das Nothing Phone 3 sieht nicht aus wie ein gewöhnliches Smartphone. Die auf den ersten Blick unsymmetrisch angeordneten Kameras und die vielen verspielten Elemente hinter der halb-durchsichtigen Rückseite verleihen dem Smartphone einen einzigartigen Look. Das kleine rote Viereck kann beim Aufnehmen von Videos sogar leuchten.

Nothing Phone 3 Rückseite
Das Nothing Phone 3 überzeugt mit einem einzigartigen Design

Nicht mehr leuchten kann hingegen der Rest der Rückseite. Die weißen LED-Streifen auf der Rückseite waren bisher das Markenzeichen von Nothing. So verwundert die Entscheidung von Nothing diese Funktion beim Phone 3 wegzulassen. Stattdessen hat man sich eine neue Funktion überlegt: die Glyph Matrix.

Hierbei handelt es sich um ein rundes Pixel-Display, das Benachrichtigungen anzeigen kann, aber auch ein paar Minispiele wie Flaschendrehen bereithält. Über einen Touch-Button auf der Rückseite kannst du damit interagieren. Außerdem haben Entwickler die Möglichkeit, eigene Anwendungen für die Glyph Matrix zu erstellen. Im Test hat mir das Display als Gimmick gut gefallen. Jedoch wäre es noch schöner, wenn Nothing zusätzlich auch noch die weißen LEDs beibehalten hätte. Auch wenn das Display funktional mehr bietet, waren die LEDs einzigartiger und gehörten bisher einfach zur Marke dazu.

Nothing Phone 3 Rückseite
Glyph Matrix Display in Aktion

Der Rahmen aus Aluminium ist schlicht gehalten und liegt hervorragend in der Hand. Auch die Buttons sind einfach zu erreichen und haben einen guten Druckpunkt. Farblich kannst du zwischen einem schwarzen und einem weißen Modell wählen.

Gutes Display und Software

Das 6,67 Zoll große Display im Nothing Phone 3 setzt auf AMOLED-Technik mit schönen Farben und guten Blickwinkeln. Die Helligkeit fällt mit 1300 Nits (gemessen) ziemlich hoch aus, wodurch du das Display auch bei direktem Sonnenlicht gut ablesen kannst. Ein Design-Highlight sind die symmetrischen Display-Ränder auf allen Seiten. Das schaffen sonst nur wenige Hersteller, wie etwa Apple. Ein weiterer Beleg dafür, wie viel Wert Nothing auf das Design legt.

Dies zeigt sich auch in der Software: Die eigene Oberfläche nennt sich Nothing OS 3.5 und ähnelt optisch stark dem puren Android und macht einen aufgeräumten, minimalistischen Eindruck. Nothing ergänzt das System um eine eigene Schriftart und ein paar Widgets im passenden Stil, sodass du deinen Startbildschirm optisch ansprechend gestalten kannst. Auch gibt es ein eigenes Symbol-Paket, um auch Drittanbieter-Apps den passenden Look zu verpassen.

Nothing Phone 3 Display Outdoor-Nutzung
Das helle Display macht auch draußen eine gute Figur

Außerdem positiv hervorzuheben: Nothing verzichtet vollständig auf das Vorinstallieren von Werbe-Apps, wie es bei den meisten anderen Android-Herstellern mittlerweile üblich ist. Auch gibt es keine Werbung im System. Aktuell kommt Android 15 zum Einsatz. Android 16 steht bereits jetzt in den Startlöchern und soll „in Kürze“ erscheinen. Nothing verspricht, das Phone 3 5 Jahre lang mit Updates zu versorgen. Bisher hat der junge Hersteller Update-Versprechen stets zuverlässig eingehalten und neue Versionen zeitnah ausgeliefert.

Die größte Schwachstelle im Test

Ein Detail bei der Software und Hardware des Smartphones war im Test jedoch unglaublich nervig: der Essential Key. Hierbei handelt es sich um einen Extra-Button um Screenshots und Notizen in einer eigenen App von Nothing anzulegen. Die Software an sich macht einen guten Eindruck, scheitert jedoch aktuell daran, dass man die Daten nur auf dem Smartphone abrufen kann. So gibt es keine App für andere Smartphones, Tablets oder PCs und der Nutzen der eigentlich gut gemachten App hält sich in Grenzen. Das könnte Nothing jedoch einfach lösen, indem man die App auch für andere Plattformen verfügbar macht.

Ein anderer Störfaktor ist hingegen die Position der Taste. Direkt unter dem Powerbutton und genau dort, wo zumindest ich das Smartphone häufig festhalte. So passiert es mir im Test immer wieder, dass ich die Funktion aus Versehen starte und der Essential Space nach wenigen Tagen vollgemüllt ist mit unabsichtlich angelegten Screenshots. Hier sollte sich Nothing an anderen Herstellern wie etwa Apple oder OnePlus orientieren, die ihre Zusatz-Buttons oberhalb der Lautstärketasten verbaut haben. Bleibt zu hoffen, dass Nothing per Update die Funktion nachliefert, die Taste zumindest zu deaktivieren.

Nothing Phone 3 Essential Key/Space
Gute Idee – weniger gut umgesetzt. Der Essential Key

Ist das Nothing Phone 3 ein echtes Flaggschiff?

Auch wenn es sich bei dem Nothing Phone 3 um das erste Flaggschiff-Smartphone des Herstellers handelt, verbaut man nicht den aktuellen Top-Prozessor. Stattdessen kommt der nagelneue Snapdragon 8s Gen 4 zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um einen etwas preiswerteren Chip, der sich unter dem Top-Modell von diesem Jahr, aber über dem vom vergangenen Jahr einordnet. Die Performance ist also trotzdem extrem hoch, was auch im Alltag in einer flüssigen Bedienung und schnellen App-Starts resultiert. In meinen Augen ist der Prozessor eine gute Wahl, um etwas Geld zu sparen und das Smartphone so günstiger anzubieten. Für den Kunden hat es auch nach mehreren Jahren Nutzung keine Nachteile und mit 799 Euro kostet das Nothing Phone 3 schließlich auch weniger als Flaggschiff-Smartphones anderer Hersteller.

Nothing Phone 3 in der Hand
Das Nothing Phone 3 im Test

Kamera im Test

Die Kamera ist stets eine der schwierigsten Kategorien und das Bauteil, wo man den Preis eines Smartphones am deutlichsten merkt. So recht es hier nicht, gute Hardware zu verbauen – auch die Software muss überzeugen.

Nothing Phone 3 beim Fotografieren
Fotografieren mit dem Nothing Phone 3

Und überzeugen kann das Nothing Phone 3 im Test. Die Kamera liefert tolle Fotos mit guter Schärfe und warmen, realitätsnahen Farben. Positiv hervorzuheben ist auch die Ultraweitwinkel-Kamera, die mit einer guten Farbabstimmung zur Hauptkamera und einer hohen Schärfe bis zum Rand überzeugen kann.

Alle vier Kameras, also Hauptkamera, Ultraweitwinkel, Zoom und Frontkamera, bieten eine Auflösung von 50 Megapixeln. In unserer Galerie kannst du dir ein paar Fotos anschauen, die ich mit dem Nothing Phone 3 aufgenommen habe, um einen Eindruck von der Kamera zu bekommen.

Akkulaufzeit des Nothing Phone 3

Bei der Akkulaufzeit sorgt das Nothing Phone 3 im Test für eine Überraschung. Mit 18 Stunden und 41 Minuten im Benchmark erreicht das Smartphone einen der besten Scores des Jahres. Und auch im Alltag kann das Smartphone mit einer hervorragenden Laufzeit überzeugen. Auch andere Nothing Phones, wie etwa das günstigere 3a, konnten uns im Test bereits mit einer guten Laufzeit überzeugen.

Aufgeladen wird der Akku mit bis zu 65 Watt und einem handelsüblichen USB-PD-Netzteil (ich verwende dieses hier). Eine komplette Ladung dauert damit knapp unter einer Stunde. Auch kabelloses Laden ist möglich, dann aber deutlich langsamer.

Nothing Phone 3 im Test: Mein Fazit

Fans von Nothing haben seit Jahren auf ein Flaggschiff-Smartphone des Herstellers hingefiebert und wurden meiner Meinung nach nicht enttäuscht. Das detailverliebte Design weiß zu gefallen, und mit dem Glyph Matrix Display hat man eine spannende Spielerei verbaut. Auch wenn ich es sehr schade finde, dass die LED-Streifen nicht mehr an Bord sind.

Die technische Ausstattung weiß zu überzeugen. Das Display ist scharf und hell, die Leistung hoch und der Akku hält extrem lange durch. Auch die Kameras wissen zu überzeugen. Der Preis von 799 Euro ist für die gebotene Leistung fair, nur das Speicher-Upgrade von 256 auf 512 Gigabyte für 100 Euro mehr ist ziemlich teuer. Doch aktuell gibt es den größeren Speicher Aktionsweise zum selben Preis.

Nothing Phone 3 Testsiegel mit 4 von 5 Sternen

Hardware-Wertung im Detail

  • Gehäuse: 4,5 von 5 Sternen
  • Display: 4 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 4 von 5 Sternen
  • Kamera: 4 von 5 Sternen
  • Software: 4,5 von 5 Sternen
  • Akku: 4,5 von 5 Sternen
  • Leistung: 4,5 von 5 Sternen

Pros des Nothing Phone 3

  • außergewöhnliches Design
  • helles Display
  • schlanke Software
  • schnelle Updates
  • hervorragende Akkulaufzeit
  • gute Kameras

Contras des Nothing Phone 3

  • Position des Essential Keys
  • Speicher-Upgrade kostspielig

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