Ganz schön groß, der Kleine! Eigentlich würde man von einem knapp 4,40 Meter langen und rund 1.600 Kilogramm schweren City-SUV in der B-Klasse nicht erwarten, dass er so wuchtig auf der Straße steht. Doch der Citroën e-C3 Aircross möchte potenzielle Käufer vor allem als Raumwunder überzeugen. Und das schafft das E-Auto mit seinem fast rechteckigen Exterieur eindrucksvoll. Leider gibt es aber auch die eine oder andere Schattenseite bei diesem vollelektrischen Kompakt-SUV. Etwa die maue Leistung von maximal 83 kW (113 PS), nur 143 km/h Höchstgeschwindigkeit oder die ziemlich gemächliche Sprintstärke über den Frontantrieb. Der Spurt von 0 auf 100 km/h dauert nämlich rund 13 Sekunden! Aber beginnen wir ganz von vorn.
Citroën e-C3 Aircross: Das E-Auto der vielen Überraschungen
Die erste große Überraschung erlebt man schon vor dem Losfahren. Einen Start-Stopp-Knopf sucht man in diesem Fahrzeug nämlich vergeblich. Stattdessen muss ein Schlüssel in ein Zündschloss gesteckt werden, obwohl sich beim Umdrehen zumindest mit Blick auf den Motor herzlich wenig tut. Das Bordsystem startet, ein paar Klack-Geräusche sind zu vernehmen, das war’s. Zweite Überraschung: die Stoffsitze! Sie bieten leider wenig Seitenhalt an den Beinen und gerade auch am Rücken. Bei kürzeren Strecken im Stadt- und Pendelverkehr fällt das nicht groß ins Gewicht. Auf der Autobahn spürt man Komfort-Einbußen aber recht deutlich.

Und wo wir schon beim Komfort sind: Der Citroën e-C3 Aircross ist an den vorderen Seitentüren ohne Drucktasten ausgestattet, die ein bequemes Öffnen des Fahrzeugs gestatten würden, ohne den Schlüssel aus der Tasche zu ziehen. Auch entriegeln sich die ziemlich blechern klingenden Türen nicht automatisch, sobald man sich dem Pkw nähert. Im Innenraum steht nur eine 1-Zonen-Klimaautomatik zur Verfügung. Und anders als in vielen anderen E-Autos gibt es nur einen Fahrmodus. Positiv zu gefallen weiß, dass das Auto standardmäßig ordentlich rekuperiert. Wünscht man sich weniger Energierückgewinnung und entsprechend flüssigere Segelphasen, lässt sich an der Mittelkonsole am Gangwahlschalter eine C-Taste drücken. Sie schickt das Auto in einen Cruising-Modus mit deutlich weniger Verzögerung, sobald der Fuß vom Strompedal genommen wird.
Lenkrad: Klein, aber nicht immer intuitiv
Richtig gut gefallen hat uns das überraschend kleine Lenkrad, das stark an E-Autos von Peugeot erinnert. Weniger gut: Die Tasten am Lenkrad sind teilweise nicht intuitiv angeordnet. Für die Aktivierung des einfachen Tempomaten sind beispielsweise zwei Knopfdrücker notwendig. Einer täte es auch, wie man unter anderem im Citroën e-C4 X (Test) erleben kann. Und um die Geschwindigkeitsregelanlage im Citroën e-C3 Aircross in 1- und 5-km/h-Schritten anzupassen, wählt man leider auch nach zwei Wochen Nutzung noch immer häufig die falsche Lenkradtaste. Die Lenkung selbst: sehr leichtgängig und direkt.

Überrascht hat uns auch, dass ein E-Auto, das speziell für die Stadt entwickelt wurde, erst ab 40 km/h die Aktivierung des Tempomaten gestattet. In langen Tempo-30-Zonen ist das ärgerlich, wenn man dort gerne mit Tempomat fährt. Gut gelöst ist im Citroën e-C3 Aircross hingegen, dass sich der erklingende Warnton bei Geschwindigkeitsüberschreitungen sehr einfach deaktivieren lässt. Dafür hat der Hersteller nämlich links neben dem Lenkrad einen physischen Taster am Armaturenbrett verbaut. Langes Drücken schaltet den auf Dauer ziemlich nervtötenden Warnton kurzerhand ab – bis der Motor neu gestartet wird. Dann ist abermaliges Drücken der Taste notwendig. EU-Gesetze wollen das so.
Dass in einem Auto dieser Klasse auf ein typisches Head-up-Display mit einer Projektion auf die Windschutzscheibe verzichtet wird, versteht sich fast von selbst. Es ist aber auch gar nicht notwendig. Denn direkt unterhalb der Windschutzscheibe ist ein langes, rechteckiges Info-Display zu finden, das alle für den Fahrer wichtigen Informationen anzeigt. Das vermittelt einen überaus modernen Stil und ist Citroën richtig gut gelungen. Auf Knopfdruck lässt sich hier dann auch unter anderem die noch vorhandene Restreichweite anzeigen.

Multimediasystem ohne Schnickschnack
Für multimediale Unterhaltung sorgt serienmäßig in der Ausstattungsvariante You ein Entertainment-System mit Smartphone-Station und Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Ab der zweithöchsten Ausstattungsvariante Plus ist auch ein 10,25 Zoll großer Touchscreen inklusive Digitalradio sowie Unterstützung von Android Auto und Apple CarPlay nutzbar; wahlweise kabelgebunden oder auch kabellos.
In der höchsten Ausstattungsvariante Max kannst du unter anderem auch ein 3D-Navigationssystem nutzen. Unter Umständen notwendige Ladestopps berücksichtigt das Navi aber nur eingeschränkt. Und an einen Aspekt haben wir uns zudem nur schwer gewöhnen können. Einstellungsmöglichkeiten gibt es beim Multimediasystem und auch beim Fahrzeug selbst so gut wie gar nicht. Spätestens an dieser Stelle wird ein gewisser Kostendruck, unter dem die Entwicklung des Citroën e-C3 Aircross ganz offensichtlich stand, mehr als deutlich.
Top: Das Platzangebot
Das eigentliche Highlight des Citroën e-C3 Aircross ist aber das Platzangebot. Gut, nicht auf den hinteren Plätzen. Da ist die Beinfreiheit für erwachsene Menschen zuweilen klassentypisch auch wegen eines Radstands von nur 2,67 Metern überschaubar. Wer im Fond Platz nimmt darf sich aber bis zu einer Körperlänge von 1,95 Metern über mehr als ausreichend Kopffreiheit freuen. Besonders lang gewachsene Menschen blicken mitunter zwar etwas gegen die Ausläufer des Daches. Das stört aber nicht weiter.

Dass unter der Motorhaube ein Frunk für zusätzlichen Stauraum fehlt, wird durch den mehr als stattlichen Kofferraum ausgeglichen. Der Citroën e-C3 Aircross trifft mit seinem Kastenwagen-Design zwar nicht den Geschmack eines jeden Autofans, ungemein praktisch für den Transport von Waren ist das gewählte Konstruktionsdesign aber allemal.
Das Fassungsvermögen des Kofferraums gibt der Hersteller mit 460 Litern an. Mehr als ausreichend, um zum Beispiel drei Wasserkisten und zwei Einkaufskörbe zu verstauen. Wer die Rücksitze umlegt, kann sogar beachtliche 1.600 Liter nutzen - 20 Liter mehr als beispielsweise im Skoda Elroq (Test). Ein Unterboden zum Verstauen eines AC-Ladekabels ist ab der Ausstattungslinie Plus nutzbar, der Kofferraumboden fast eben, ohne störende Laderampe; aber insgesamt recht hoch.

Extratipp: Auch eine Hundebox (91 x 58 x 61 Zentimeter) für einen Vierbeiner von der Größe eines Golden Retrievers oder Labradors lässt sich im Kofferraum des Fünfsitzers verstauen. Allerdings nur, wenn zwei der drei Rücksitze umgeklappt werden. Hinten kann dann also nur noch eine weitere Person mitfahren.
Verbrauch und Reichweite des Citroën e-C3 Aircross überzeugen wenig
Anders als der Citroën e-C4 X, der uns im Test mit einem niedrigen Verbrauch und einer zumindest noch passablen Langstrecken-Reichweite überzeugte, ist der Citroën e-C3 Aircross ganz klar ein E-Auto, das primär für die Stadt entwickelt wurde. Weder beim Verbrauch noch bei der Reichweite auf der Autobahn weiß dieses E-Auto zu überzeugen.
Auch wenn der Bordcomputer des Autos ähnlich wie im Opel Frontera Electric (Test) keine Verbrauchswerte anzeigt, haben wir auf Basis manueller Berechnungen einen Durchschnittsverbrauch für Fahrten in der Stadt und auf Landstraßen ermittelt. Und dabei sind wir auf rund 17 kWh pro 100 Kilometer gekommen. Auf der Autobahn waren es knapp 24 kWh. Und das führte unter dem Strich dazu, dass wir unter weitgehender Einhaltung einer Reisegeschwindigkeit von 130 km/h eine Langstreckenreichweite von nur 220 Kilometern erreicht haben. Langsamer zu fahren drückt zwar den Verbrauch, lässt aber innerlich das Gefühl aufkommen, dass die Reise unnötig lange dauert.

Besonders letztgenannter Wert zeigt deutlich, dass sich der Citroën e-C3 Aircross auf der Autobahn weit weniger wohlfühlt als in der Stadt. Und das Gleiche gilt für den Fahrer. Der muss nämlich auf den Komfort eines Abstandstempomaten (ACC) verzichten, was deutlich mehr Aufmerksamkeit beim Fahren erfordert. Ein Komfort-Manko, das ein wenig wie aus der Zeit gefallen wirkt.
Ladeleistung: Aufpassen, bitte!
Weil der Citroën e-C3 Aircross mit vergleichsweise kleinen Lithium-Ferrophosphat-Batterien (LFP) ausgestattet ist, dauert eine Aufladung von 20 auf 80 Prozent laut Hersteller keine 30 Minuten. Werte, die im Rahmen unseres Tests während hochsommerlicher Temperaturen aber nicht zu halten waren. Eine Aufladung von 10 auf 80 Prozent dauerte bei 26 Grad Außentemperatur 37 Minuten. Wenige Stunden später standen wir nach einer Autobahnfahrt bei rund 30 Grad Celsius für eine Aufladung von 25 auf 80 Prozent sogar 38 Minuten an der Schnellladesäule.
Das lag in erster Linie daran, dass die vom Hersteller in Aussicht gestellte maximale Ladeleistung von 100 kW vom Auto nicht abgerufen wurde. Waren es beim ersten Schnellladevorgang noch 88 kW Ladeleistung, die wir in der Spitze vom Display der HPC-Ladesäule ablesen konnten, waren es bei der zweiten Schnellladung maximal 79 kW. Ursache war hier mutmaßlich, dass sich die Batterie in beiden Fällen deutlich außerhalb des Wohlfühlbereichs von rund 20 Grad Celsius befand. Sind 80 Prozent Ladestand erreicht, lädt der Citroën e-C3 Aircross übrigens nur noch mit mageren 25 kW; kontinuierlich weiter fallend.

Achtung: Der Onboard-Charger des Citroën e-C3 Aircross bietet serienmäßig nur eine Ladeleistung von 7,4 kW. Wer sich 11 kW für schnelleres Aufladen an der Wallbox oder Normalladesäulen wünscht, was heutzutage eigentlich Basis bei jedem E-Auto sein sollte, muss 400 Euro Aufpreis bezahlen. Eine Wärmepumpe steht leider gar nicht zur Verfügung – auch nicht gegen Zuzahlung. Das dürfte die Reichweite im Winter zusätzlich schmälern. Was bedauerlicherweise ebenfalls fehlt: die Möglichkeit zur Vorkonditionierung des Akkus.
Was kostet der Citroën e-C3 Aircross?
Im Gegensatz zum Verbrenner C3 Aircross, der ab 18.890 Euro zur Verfügung steht, ist der Citroën e-C3 Aircross spürbar teurer. Mindestens 26.490 Euro (im Leasing mindestens 158 Euro pro Monat) sind zu investieren, wenn man sich dieses E-Auto sichern möchte. Es rollt in der Basisvariante mit 16-Zoll-Felgen über die Straßen, ab der zweithöchsten Ausstattungsvariane sind 17-Zoll-Felgen montiert. Stahlfelgen wohlgemerkt. Nur in der teuersten Max-Ausführung sind ab Werk Leichtmetallfelgen (17 Zoll) nutzbar. Wichtig auch: Unter 30.000 Euro gibt es nur die kleine Batterie mit einer Kapazität von 44 kWh. Wer sich für die Variante mit etwas größerem Akku (50 kWh) entscheidet, muss gegenwärtig mindestens 30.690 bezahlen. Dafür gibt es dann nicht nur eine höhere Reichweite, sondern auch eine umfangreichere Ausstattung.
Das Ende der Fahnenstange ist damit aber in vielen Fällen noch längst nicht erreicht. Denn zusätzliche Ausstattung zieht den einen oder anderen Schein zusätzlich aus der Tasche. So kostet etwa das schwarz oder weiß abgesetzte Dach abseits der höchsten Ausstattungslinie 300 Euro extra. Eine Wunschfarbe – sechs Lackierungen stehen zur Wahl – kann bis zu 1.200 Euro mehr kosten. Ein Winterpaket mit Sitzheizung auf den vorderen Plätzen, beheiztem Lenkrad, beheizter Frontscheibe und Nebenscheinwerfern steht für 700 Euro Aufpreis zur Verfügung. Und wenn es der Citroën C3 Aircross mit sogar sieben Sitzen sein soll, musst du dafür 850 Euro Aufpreis zahlen. Allerdings gibt es sieben Sitze nur bei der Verbrenner-Variante des Autos.

Fazit zum Citroën e-C3 Aircross: Großer Kleiner!
Besonders für den Stadt- und Regionalverkehr ist der Citroën e-C3 Aircross ein E-Auto, das man sich näher betrachten sollte. Zwar muss man auch bei diesem vollelektrischen Pkw mindestens rund 30.000 Euro investieren, wenn man sich eine vernünftige Ausstattung wünscht, darf sich aber immer auf ein grundsolides Platzangebot freuen. Nicht nur auf den vorderen Plätzen, sondern auch im Kofferraum. Insbesondere dann, wenn man die Rücksitze umlegt. 1.600 Liter Ladevolumen sind ein echtes Ausrufezeichen.
Vorteile Citroën e-C3 Aircross
- enormes Kofferraumvolumen (bei umgelegten Rücksitzen)
- hochwertiges Außendesign
- fair eingepreist
Nachteile Citroën e-C3 Aircross
- kein Abstandstempomat (ACC) nutzbar
- keine Wärmepumpe verfügbar
- serienmäßig nur 7,4 kW AC-Ladeleistung
- wenig bequeme Sitze auf der Langstrecke
- maue Langstreckenreichweite
Hinweis: Der Citroën e-C3 Aircross wurde unserer Redaktion von Stellantis Deutschland für zwei Wochen kostenlos für Testzwecke zur Verfügung gestellt.
