Medion Erazer Beast X20: Echter Gamer oder Discount-Langeweile mit bunten Tasten?

7 Minuten
Medion steht für solide, aber wenig aufregende Notebooks. Was im Home-Office hervorragend klappt, muss aber nicht überall funktionieren. Ist das Gamer-Notebook Medion Erazer Beast X20 also eine gelungene Grundlage fürs Spielen oder doch nur Supermarktware mit bunten Lämpchen?
Medion Erazer Beast X20

Das Medion Erazer X20 Beast richtet sich an Gaming-affine Käufer. Das wird schon allein durch das Genre-typisch gestaltete Logo deutlich, das prägnant auf dem Deckel aufgebracht ist. Auch das kantige Gehäuse zeigt in die Richtung. Dennoch ist es vergleichsweise zurückhaltend gezeichnet. Selbst die obligatorischen Luftauslässe sind längst nicht so hervorgehoben wie bei so manchem Konkurrenten.

Gamer ja, aber nicht übertrieben

Die wenig aufgeregte Gestaltung drückt sich an anderer Stelle positiv aus: Mit Außenmaßen von 39,5 x 26,2 x 2,6 cm ist das Medion-Notebook vergleichsweise kompakt. Auch das Gewicht von 2,3 kg ist mit Blick auf die Kategorie auf der niedrigen Seite. Daran hat sicherlich auch der Materialmix seinen Anteil. Während der Displaydeckel aus Metall gefertigt ist, besteht der Unterbau des Notebooks aus Kunststoff. Das Ganze ist ordentlich verarbeitet, nichts knarzt oder verwindet sich unter Druck. Der Bildschirm ist gut geschützt und verwindet sich nur wenig. Die Scharniere halten die Position zuverlässig, selbst nach kräftigeren Remplern.

Display: Licht und Schatten

Beim Display enttäuscht das Medion Erazer X20 Beast nicht. Der 17,3 Zoll große Bildschirm liefert eine Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixel. Das ist ordentlich. Auch die Farbdarstellung und die Kontraste des matten IPS-Panels gefallen. Abzüge gibt es jedoch für die Hintergrundbeleuchtung, die alles andere als gleichmäßig ist. Insbesondere in der linken unteren Ecke überstrahlt ein heller Lichtschein den (schwarzen) Bildschirm. Bei der Nutzung lässt sich diese ungleiche Verteilung jedoch nicht bemerken.

Medion Erazer Beast X20
Display: 2K und schöne Farben

Prozessor im Medion Erazer Beast X20: Nicht der neueste Schrei

Intel ist bei seinen Prozessoren mittlerweile bei der elften Generation angekommen, Medion aber hält noch der vorangegangenen Serie die Treue. Intels Core i7-10870H bringt acht CPU-Kerne mit, die mit Taktgeschwindigkeiten zwischen 2,2 und 5,0 GHz zu Werke geht. Die gebotene Leistung ist zwar immer noch auf einem guten Niveau, doch selbst die Tiger-Lake-Chips (11. Generation) in aktuellen Ultrabooks kommen auf eine höhere Einzelkern-Leistung. Im Geekbench-Benchmark beträgt der Abstand rund 15 Prozent. Im Multicore-Testlauf des Benchmarks ist AMDs Ryzen 5800H etwa 25 Prozent schneller.

Das Beast wird seinem Namen also nur bedingt gerecht, ein Ausschlusskriterium sind diese Werte jedoch nicht. Im anwendungsorientierten PCMark 10 liegt der Unterschied bei nur noch 7 Prozent. An dieser Stelle ist der mit 32 GB üppig dimensionierte Arbeitsspeicher hilfreich und auch die Grafikkarte hat einen wesentlichen Anteil. Sie entstammt dem aktuellen Nvidia-Katalog: Die Geforce RTX 3070, die über einen eigenen VRAM von 8 GB verfügt.

Die Karte liefert eine Performance ab, die beim Spielen keine Grenzen mehr setzen soll, zumindest bei einer Full-HD-Auflösung. Bei einer 2K-Auflösung wird beispielsweise im GFX-Bench die dreifache Geschwindigkeit im Vergleich zu Intels Iris Plus Xe erreicht.

Medion Erazer Beast X20 
Display:17,3 Zoll, IPS, (2.560 x 1.440 Pixel)
Prozessor:Intel Core i7-10870H
Grafik:Nvidia Geforce RTX 3070
Arbeitsspeicher:32 GB
Datenspeicher2 TB, NVMe SSD
Anschlüsse:3x USB-Typ-A (3.2 Gen. 1/2), 1x USB Typ-C (3.2 Gen. 2), Gbit-LAN, 2x 3,5-mm-Klinke
Drahtlos:WLAN 6 (ax), Bluetooth 5.1
Akku:91,2 Wh
Lieferumfang:Netzteil
Abmessungen:39,5 x 26 x 2,6 cm
Gewicht:2,7 kg
Betriebssystem:Windows 10 Home
Preis:2.399,00 Euro

Gaming: Laut und nur bedingt 2k-fähig

Beim Spielen merkt man dem Medion-Notebook den nicht mehr taufrischen Prozessor an. In dem recht anspruchsvollen Battle Royale „Call of Duty: Modern Warfare“ kommt es in bestmöglicher Auflösung nicht über Frame-Raten von 100 Hz, im Mittel liegt es darunter, etwa um die 90 Hz. Insbesondere aus Bewegungen heraus erschüttern deftige Ruckler das Bild. Erst wenn du die Qualität auf Full HD reduzierst, läuft das Spiel mit Frame-Raten von mehr als 110 Hz flüssig.

Dafür macht der Lüfter unter Last deutlich auf sich aufmerksam. Während das Notebook bei einfachen Anwendungen im Prinzip nicht zu hören ist, springt das Gebläse unter Last sehr schnell an und lässt mit seiner hohen Lautstärke einen Staubsauger neben sich vermuten. Glücklicherweise beruhigt sich das Kühlsystem genauso schnell.

Medion Erazer Beast X20
Viel heiße Luft: Springen die Lüfter an, wird’s laut

Medion Erazer Beast X20: Speicher mit viel Platz

Spiele, gerade die aufwendigeren, verlangen nach großen Datenspeichern. Das hat Medion verstanden und verbaut im Inneren des Beast X20 eine Samsung-SSD, die eine Kapazität von 2 TB bereithält. Sie kann zudem hinsichtlich der Performance überzeugen: Beim sequentiellen Lesen respektive Schreiben von Daten werden Übertragungsraten von knapp 3.400 MB/s erreicht.

Akku: Lange Laufzeit unter Last

Um das Erazer-Notebook unterwegs auch ohne Stromkabel nutzen zu können, setzt Medion auf einen vergleichsweise großen Akku: Die Kapazität wird mit 91,2 Wh angegeben, die auf sechs Zellen verteilt wird. Dass das nicht unbedingt viel sein muss, zeigt schon die Einschätzung des Herstellers selbst, der eine Akku-Laufzeit von gerade mal drei Stunden in Aussicht stellt. Ganz so drastisch fällt das Ergebnis zumindest im anwendungsbasierten Akku-Test des PCMark 10 nicht aus. Hier kommt das Beast auf eine Laufzeit von vier Stunden und elf Minuten. Damit wird in etwa das Niveau des Razer Blade 17 erreicht, das jedoch einen deutlich kleineren Energiespeicher hat. Im Gaming-lastigen Akku-Testlauf des PC-Marks wird dagegen eine Laufzeit von zwei Stunden erreicht. Das ist das Doppelte dessen, was die zuletzt ausprobierten Konkurrenten zu leisten vermochten.

Bunte Leuchten unter der Tastatur sind bei Gaming-Notebooks quasi Pflicht

Tastatur: Guter Hub, weicher Anschlag

Die Tastatur ist beim Gaming immer noch essenziell, und nicht jeder Testkandidat konnte hier zuletzt überzeugen. Das Beast macht seine Sache nicht schlecht. Die bunt beleuchteten Tasten sind ordentlich dimensioniert, auch ein Nummernblock steht zur Verfügung. Sie gefallen zudem mit einem ordentlichen Tastenhub. Der Druckpunkt ist jedoch eher weich und lässt an Widerstand vermissen. Auch die Präzision könnte etwas besser sein.

Am Touchpad gibt’s wenig auszusetzen. Die Funktion ist tadellos. Die Fläche von 13,2 x 7,5 cm ist recht groß, auch wenn es Konkurrenten gibt, die an dieser Stelle noch etwas mehr Platz bieten. Der Klickmechanismus ist etwas schwergängig, aber das ist letztlich eine Geschmacksfrage.

Nur ein USB-Typ-C-Port im Medion Erazer Beast X20

Einen Shooter mit Touchpad zu spielen ist vielleicht eine Herausforderung, aber keine der man sich freiwillig stellt. Anschlussvielfalt ist also das A und O. Den grundlegenden Bedürfnissen wird das Erazer Beast X20 gerecht: Ein LAN-Port und HDMI stehen genauso bereit wie eine Kopfhörer- und selbst eine separate Mikrofon-Buchse. Neben den drei klassischen USB-Steckplätzen, findet sich jedoch nur noch ein Typ-C-Port, der auch für das Anschließen von Bildschirmen via DisplayPort gedacht ist. Dieser wie auch der zweite klassische Steckplatz an der Rückseite entsprechen dem 3.2-Standard der zweiten Generation, die anderen beiden sind nach der Generation 1 spezifiziert.

Während für die Anbindung der LAN-Schnittstelle ein Realtek-Controller zuständig ist, sorgt Intels AX201-Modul für die Drahtloskommunikation: WLAN 6 steht für den kabellosen Netzwerkzugriff bereit, Peripherie kann mit Bluetooth 5.1 angebunden werden.

Medion Erazer Beast X20

Fazit zum Medion Erazer Beast X20

Das Medion Erazer Beast X20 macht als Gamer eine gute Figur und zeigt auch in der Arbeitswelt seine Qualitäten. Der Gehäuse-Zuschnitt ist im Hinblick auf die Klasse kompakt, das Gewicht ist für einen solchen Boliden niedrig. Auch das 2K-Display mit seinem matten Finish gefällt grundsätzlich. Getrübt wird der gute Eindruck jedoch von der ungleichmäßigen Ausleuchtung. Ein weiterer Schatten, der auf dem Medion-Gamer liegt, ist der Prozessor. Er stammt nicht aus der neuesten Serie und fällt in der Leistung zurück. Bei anspruchsvollen Titeln ist ein Spielen in 2K nur begrenzt möglich, mit aktuellen CPUs geht da noch etwas mehr, wie etwa das Lenovo Legion 7 gezeigt hat. Dafür lässt sich das Notebook auch mit Last-intensiven Anwendungen durchaus ein Weilchen vom Akku betreiben.

Pro

  • Für die Größenordnung und Kategorie kompakt und leicht
  • Große SSD

Contra

  • Prozessor nicht der neuesten Generation
  • Hintergrundbeleuchtung des Bildschirms ungleichmäßig
  • Unter Last sehr laut
Medion Erazer X20 Beast Testergebnis
Design / Verarbeitung108
Display1511
Prozessor2015
Speicher108
Akku und Verbrauch104
Tastatur54
Anschlüsse105
Preis / Leistung2013
Gesamt10068

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3 KOMMENTARE

  1. Peter Pan

    Gemäß Aldi Nord HP ist der Prozessor ein 11800 kein 10870…

    Antwort
  2. Oliver

    Da ist ein Vergleich alt und neu:
    https://geizhals.eu/?cmp=2558636&cmp=2633404
    Blöd ist, daß Medion die Bezeichnung vom Laptop nicht geändert hat. Der mit i7 11800 hat nämlich Thunderbolt 4 und der alte hat gar kein TB. Das ist ein sehr großer Unterschied!

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