So gefährlich ist Handystrahlung wirklich

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Man hat immer wieder den Eindruck, dass beim Thema Handystrahlung die einen nur die Augen rollen, die anderen aber mahnend den Finger heben. Warum ist Handystrahlung seit Jahren so viel diskutiert? Was strahlt da und ist die Strahlung wirklich schädlich?
Handystrahlung
Bildquelle: Vodafone / inside-digital.de

Warum Handys strahlen

Jeder Sendevorgang per Funk ist prinzipiell eine Übertragung von Energie. Das sendende Gerät entnimmt die Energie seinem Akku oder dem Stromnetz. Bei Telefonaten, beim Versenden einer SMS oder beim Hochladen vom letzten Schnappschuss über WhatsApp verbrauchen Smartphones also Energie. Diese strahlt das Handy in Form von elektromagnetischen Wellen an seine unmittelbare Umgebung ab. Das Material in der Umgebung nimmt einen kleinen Teil der Energie dieser Strahlung auf. Dieser Prozess heißt Absorption. Absorption erwärmt das Material, egal ob Luft, Wände oder Lebewesen.

In der Praxis heißt das: Einer Person am Telefon wird während eines Gesprächs Energie zugeführt und deren Gewebe erfährt durch die Handystrahlung eine leichte Erwärmung.

Was der SAR-Wert misst

Der SAR-Wert misst die Menge der Energie, die von einer Masse in einer bestimmten Zeit aufgenommen wird. Wissenschaftlich ausgedrückt: Der SAR-Wert ist eine Einheit zur Bestimmung der Absorption von elektromagnetischen Feldern in einem Material. SAR steht dabei für spezifische Absorptionsrate. Deren Wert wird in W/kg gemessen, also in Watt pro Kilogramm oder auch Leistung pro Masse. Der SAR-Wert misst demnach, wie viel Energie pro Zeit (Watt) die Masse (Kilogramm) aufnimmt. Daraus ist Folgendes zu schlussfolgern: Je höher der SAR-Wert ist, desto mehr wird das Gewebe durch die elektromagnetische Strahlung erwärmt. Oder auch: Je höher der SAR-Wert ist, desto stärker strahlt das Smartphone.

Bei den meisten Handys wird der SAR-Wert vom Hersteller angegeben. Er liegt bei aktuellen Smartphones zwischen 0,1 und 1,99 W/kg, je kleiner, desto besser.

In Europa, Japan und China ist per Gesetz bindend, dass ausschließlich Smartphones verkauft werden dürfen, deren SAR-Werte unter 2,0 W/kg liegen. Angelegt ist dieser Wert an die Empfehlung der Internationalen Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection – ICNIRP). Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt 2,0 W/kg. In den USA müssen die Hersteller sogar 1,6 W/kg einhalten. Mit dem deutschen Umweltsiegel Blauer Engel werden Smartphones ausgezeichnet, deren SAR-Werte bei bis zu 0,6 W/kg liegen. Wer sich ein strahlungsarmes Handy zulegen möchte, kann also auf das blaue Siegel vertrauen.

Für den Verbraucher ist angenehm, dass heutzutage laut Herstellerangaben alle Smartphones den Richtwert von 2,0W/kg unterschreiten. Bei den Angaben zum SAR-Wert ist bei Smartphones zudem zu berücksichtigen, dass diese Angaben den Wert bei maximaler Leistung angeben. Im Regelbetrieb sind die Werte wesentlich geringer. Abhängig ist der SAR-Wert maßgeblich vom jeweiligen Mobilfunknetz: Je besser das Netz, desto geringer der SAR-Wert oder auch die Strahlungsleistung. Möchte man also einer möglichst geringen Strahlenbelastung ausgesetzt sein, empfiehlt es sich, zuallererst ein gut ausgebautes Mobilfunknetz zu wählen.

Was die Forschung sagt…

… ist gar nicht so einfach zu umreißen. Größte Probleme bereitet der Wissenschaft, dass es noch keine Langzeitstudien zur Handynutzung gibt. Eigentlich logisch: So häufig das Handy heutzutage auch genutzt wird – lange ist das in dieser Form noch nicht der Fall. Erst seit den 1990ern hat das mobile Telefon in den Alltag Einzug erhalten. Das Gros der Forscher geht davon aus, dass Handystrahlung für den menschlichen Körper nicht gefährlich ist. Man konnte bis jetzt keine Krankheiten auf die Strahlung zurückführen. Viele Gegenstimmen geben jedoch zu bedenken, dass Langzeitschäden eben noch nicht untersuchbar sind.

Die Frage, wie gefährlich die Erwärmung des Körpers durch die Strahlung von Smartphones ist, steht bei vielen wissenschaftlichen Studien im Fokus.

Eine Studie des Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beweist, dass eine höhere Dichte von Sendemasten die direkte Strahlung senkt: Mehr Sendemasten bedeuten für den Handynutzer, dass der Empfang besser ist. Ist der Empfang gut, muss das Smartphone eine geringere Leistung erbringen, um Daten zu versenden – die Strahlung ist reduziert. Auch wenn es in der Landschaft nicht schön aussieht: Die Mobilfunk-Basisstationen haben demnach ihre Berechtigung.

Eine weitere Studie zur tatsächlichen Strahlung in regulärer Nutzung wurde ebenfalls vom BfS in Auftrag gegeben. Ergebnisse zeigten, dass die Strahlung eines Handys bereits nach wenigen Zentimetern auf ein Hundertstel absinkt. Daraus resultiert ein Tipp des Amtes, das Handy nicht in unmittelbarer Körpernähe zu lassen. Das Smartphone in die Hosentasche zu stecken, ist demnach keine gute Idee.

Wie Strahlung vermieden wird

Handys werden schon lange nicht mehr ausschließlich zum Telefonieren genutzt. Heutzutage verbrauchen Smartphones einen Großteil ihrer Leistung zum Surfen im Internet. Was dabei vergessen wird, ist, dass auch hier Strahlung zum Senden der Daten erforderlich ist. Nutzt man beim Surfen mit dem Handy WLAN anstatt mobile Daten, vermeidet dies eine hohe Strahlenbelastung. Denn in der Regel ist die Sendeleistung bei WLAN niedriger als bei GSM oder LTE.

Will man online sein, sollte man so oft wie möglich das weniger gefährliche WLAN nutzen.

Um Strahlung dauerhaft zu vermeiden, hilft es, das Telefonie-Verhalten anzupassen. Es gilt, Telefonate in Gebieten mit einer geringen Dichte von Sendemasten oder auch in Fahrzeugen oder Gebäuden zu vermeiden. Denn hier benötigen alle Handys eine besonders hohe Sendeleistung. Und wer denkt, er hätte mit dem Kauf einer Strahlungsfolie schon genug für den Strahlenschutz getan, wird nun leider enttäuscht sein: Strahlungsfolie erhöht die Strahlung nur zusätzlich, anstatt sie zu reduzieren. Denn das Gerät muss eine höhere Leistung erbringen, um Daten zu senden oder zu empfangen, da die Folie den Sendeprozess stört. Dadurch nimmt die Strahlung zu.

Fünf Tipps zur Vermeidung von Handystrahlung

  1. Smartphone mit geringem SAR-Wert kaufen
  2. Beim Telefonieren auf guten Empfang achten
  3. Headset oder Freisprechanlage verwenden
  4. WLAN anstatt mobile Daten nutzen
  5. Antenne des Smartphones nicht abdecken

Welche Handys strahlungsarm sind

Smartphones werden dann als strahlungsarm bezeichnet, wenn ihre Strahlungswerte unter 0,6 W/kg liegen. Die Hersteller halten sich an die internationalen Vorgaben zur Beschränkung von Handystrahlung und feilen stetig an Design und Technik, um die Strahlung noch weiter zu minimieren.

Seit 2002 listet das Bundesamt für Strahlenschutz die SAR-Werte aller verfügbaren Handys, Smartwatches und Tablets. Die Angaben werden hier von den Herstellern selbst bezogen. Wer also nachschauen möchte, welchen SAR-Wert das eigene Gerät hat, kann hier die gesuchten Infos erhalten:

Die Liste des BfS zählt über 3.700 Geräte.

Es bleibt umstritten, ob Handystrahlung wirklich gesundheitsschädlich und damit gefährlich ist. Darüber werden erst zukünftige Studien wichtige Erkenntnisse geben können. Wer bis dahin auf Sicherheit setzen will, sollte zu seinem Alltag passende Strategien zur Strahlungsvermeidung entwickeln, vielleicht das Android-Smartphone oder das iPhone von Zeit zu Zeit – zum Beispiel nachts – in den Flugmodus schalten. Ratsam ist es auch, einen klassischen Wecker mit Batteriebetrieb zu kaufen. Denn einen Wecker im Haus zu haben ist nie schlecht.

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1 KOMMENTAR

  1. Die Empfehlung Headset zu verwenden halte ich auch für sehr gut. Leider geht haben mittlerweile immer weniger aktuelle Smartphones praktische Anschlüsse, wie Klinkenstecker. Dann greift man zu Bluetooth Earbuds. Wie bedenklich sind eigentlich die Bluetooth Knöpfe direkt im Ohr , die doch auch strahlen?

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