Das ist ein Kommentar. Und er beginnt mit einem Tarif, der eigentlich unspektakulär wirkt. 100 GB Datenvolumen. Allnet-Flat. 5G. Netz der Telekom. 14,99 Euro im Monat. 24 Monate Laufzeit. Kein komplizierter Spezialfall, sondern ein Angebot von Klarmobil. Kein Tarif, den nur Mobilfunk-Nerds verstehen. Ja, nach zwei Jahren wird es teurer. Ja, er ist nicht mit MagentaEINS kompatibel und ermöglicht auch keine MultiSIM. Aber mal ehrlich: Wie viele normale Handynutzer brauchen das? Für die meisten zählt nur, in guter Qualität zum kleinen Preis zu telefonieren und zu surfen. Bei der MultiSIM wäre es – in Bezug auf die Datennutzung – sogar billiger, einen zweiten Klarmobil-Tarif zu buchen als eine MultiSIM zum Tarif bei der Telekom. Vollkommen irre.
Sind Netzbetreiber die besseren Mobilfunkanbieter?
Genau deshalb ist dieser Discounter-Tarif so interessant. Denn er zeigt, wie groß die Diskrepanz am Markt geworden ist. Auf der einen Seite stehen Discounter und Reseller wie Klarmobil. Sie verkaufen Tarife in den Netzen der großen Anbieter. Auf der anderen Seite stehen die Netzbetreiber selbst. Das sind Telekom, Vodafone und O2 sowie 1&1. Sie betreiben die Mobilfunknetze und verkaufen eigene Tarife direkt an Kunden.
Viele Kunden denken noch immer: Direkt beim Netzbetreiber ist besser. Das klingt erst einmal logisch. Die Telekom betreibt das Telekom-Netz. Vodafone betreibt das Vodafone-Netz. Telefónica betreibt das O2-Netz. Also müsste der direkte Tarif auch die beste Wahl sein. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn du kaufst beim Netzbetreiber nicht nur Mobilfunk. Du kaufst oft auch Marke. Shop. Netz. Hotline. Zusatzkarten. Roaming-Pakete. Geräteangebote. Kombirabatte mit Festnetz. Das kann sinnvoll sein. Aber nur, wenn du diese Extras wirklich nutzt. Das gilt auch für Gimmicks wie kostenlose Socken zur WM, Prio-Tickets für Konzerte oder ein Jahr kostenlos Wolt+. All das bekommst du über die Kunden-App der Telekom und Magenta Moments. Die Telekom will Kunden zu Fans machen. Sie will sie an sich binden und ein gutes Gefühl schaffen. Aber das lässt sie sich auch bezahlen.
Wenn du einfach nur eine SIM-Karte brauchst, sieht die Rechnung anders aus.
Was ein Discounter-Tarif überhaupt ist
Ein Discounter-Tarif hat kein eigenes Mobilfunknetz. Klarmobil, Mega SIM und ähnliche Anbieter nutzen die Netze der großen Betreiber. Ein Tarif kann also im Telekom-Netz, im Vodafone-Netz oder im O2-Netz laufen, obwohl er nicht direkt von Telekom, Vodafone oder O2 verkauft wird.
Für dich bedeutet das: Der Name auf der Rechnung sagt nicht automatisch, welches Netz du nutzt. Ein Klarmobil-Tarif kann im Telekom-Netz funken. Ein anderer Tarif kann im Vodafone-Netz laufen. Wieder ein anderer nutzt O2. Deshalb ist die wichtigste Frage nicht zuerst die Marke. Die wichtigste Frage lautet: Welches Netz funktioniert bei dir zu Hause, im Büro und unterwegs?
Erst danach kommt der Preis. Und genau dort wird es spannend.
Der aktuelle Klarmobil-Deal bietet 100 GB im Netz der Telekom für 14,99 Euro im Monat. Das ist viel Datenvolumen. Für viele Nutzer sogar mehr, als sie brauchen. Mit 100 GB kannst du unterwegs sehr viel surfen, Musik streamen, navigieren, Social Media nutzen und auch regelmäßig Videos ansehen. Wer nicht ständig große Dateien lädt oder täglich stundenlang über das Mobilfunknetz Filme streamt, kommt damit weit. Dazu reicht auch die Datenrate von 50 Mbit/s locker aus. Bei der Telekom könntest du je nach Standort mit mehreren hundert Megabit pro Sekunde surfen. Aber braucht man das?
Zum Preisvergleich: Die Deutsche Telekom nennt im Produktinformationsblatt für MagentaMobil L ebenfalls 100 GB Datenvolumen. Der monatliche Preis ohne Smartphone liegt dort bei 59,95 Euro. Das ist der offizielle Listenpreis. Durch Aktionen und Cashback bekommst du aktuell bei der Telekom den Tarif MagentaMobil M mit 100 statt 50 GB für 51,95 Euro. Durch ein einmaliges Cashback sinken die rechnerischen Kosten in den ersten zwei Jahren auf 41,95 Euro. Im Vergleich zu 14,99 Euro ist das schon fast Wucher. Oder eben: unverschämt!
Telekom verlangt Premiumpreise für Massenmarkt-Leistung
Die Telekom kann gute Argumente nennen, warum man sie teuer ist. Ihr Tarif bietet offiziell bis zu 300 Mbit/s im Download. Das ist die theoretische Höchstgeschwindigkeit. Praktisch sind es oft weitaus niedrigere Werte. Der Klarmobil-Deal nennt 50 Mbit/s. Außerdem verkauft die Telekom eigene Zusatzoptionen, hat eigene Shops und direkten Kundenservice. Bei der Telekom sind außerdem jährlich 10 GB weltweites Datenroaming enthalten. Mit einer Partnerkarte sinkt der rechnerische Preis pro SIM-Karte und du bekommst eine Daten-Flatrate und, und, und. Alles Punkte, die man gelten lassen kann, wenn man sie versteht und braucht.
Der Punkt ist also nicht: Der Telekom-Tarif ist zu teuer. Das wäre zu simpel. Der Punkt ist: Viele Kunden zahlen den Aufpreis, ohne den Mehrwert wirklich zu nutzen.
Wenn du nie in den Telekom-Shop gehst, keine Zusatzkarte brauchst, dein Handy separat kaufst und nur mobil online sein willst, wird der Preisunterschied schwer erklärbar. Dann stehen 14,99 Euro gegen 59,95 Euro beziehungsweise 41,95 Euro. Für 100 GB. Im gleichen Netz. Das tut weh.
Vodafone macht es noch angreifbarer
Bei Vodafone kommt ein weiterer Punkt hinzu. Ab dem 16. Juli gelten hier neue Mobilfunktarife. Auch diese neuen Preise wirken für viele normale Nutzer unattraktiv. Schlimmer noch: Statt die Preise zu senken, werden sie steigen. Vodafone Mobil M soll 60 GB für 49,95 Euro im Monat bieten. Vodafone Mobil L soll 120 GB für 59,95 Euro kosten. Das klingt erst einmal nach viel Datenvolumen. Doch im Marktvergleich ist es teuer. Denn O2 bietet laut eigener Tarifseite 50 GB für 19,99 Euro und 150 GB für 24,99 Euro. Mega SIM nennt 75 GB für 17,99 Euro und 150 GB für 19,99 Euro.
Noch problematischer wird es im Vergleich zu Vodafones bisherigen Aktionen. Den bisherigen GigaMobil M gab es als Aktionstarif mit 100 GB für 37,49 Euro. Der neue Vodafone Mobil M läge bei 60 GB für 49,95 Euro. Das wären 12,46 Euro mehr im Monat bei 40 GB weniger Datenvolumen.
Beim Vodafone Mobil L fällt der Vergleich noch härter aus. Der bisherige Aktions-GigaMobil L bot 280 GB für 44,99 Euro. Der neue Vodafone Mobil L soll 120 GB für 59,95 Euro bieten. Also deutlich weniger Datenvolumen für fast 15 Euro mehr im Monat. Und ja, es gibt Rabatte, wenn ein Festnetzanschluss gebucht wird – dennoch bleibt es unverschämt teuer. Dass die Mitnahme des nicht verbrauchten Datenvolumens „aufgrund des deutlich angehobenen Datenvolumens“ abgeschafft wird, ist da nur die Spitze des Eisberges.
Das ist schwer zu verkaufen. Sehr schwer.
O2 ist der Sonderfall
O2 ist ebenfalls Netzbetreiber. Also kein klassischer Discounter. Trotzdem sind die aktuellen Preise deutlich aggressiver. Nach Angaben von O2 gibt es 50 GB für 19,99 Euro. Beim Tarif O2 Mobile L nennt O2 150 GB für 24,99 Euro. Dazu kommen die Unlimited-Tarife. Unlimited bedeutet: Es gibt kein festes Datenlimit. Allerdings unterscheidet O2 hier nach Geschwindigkeit.
Der Unlimited S Special bietet bis zu 15 Mbit/s. Der Unlimited M kommt auf bis zu 100 Mbit/s. Der Unlimited L bietet bis zu 300 Mbit/s. Die Preise liegen laut O2 bei 24,99 Euro, 29,99 Euro und 39,99 Euro. Für eine Datenflatrate.
Das zeigt zwei Dinge.
Erstens: Unlimited ist nicht automatisch gleich Unlimited. Die Geschwindigkeit spielt eine Rolle. 15 Mbit/s reichen für vieles, fühlen sich aber nicht wie ein Premiumtarif an. 300 Mbit/s sind deutlich schneller, kosten aber mehr.
Zweitens: Ein Netzbetreiber-Tarif muss nicht automatisch teuer sein. O2 zeigt, dass große Datenpakete und sogar unbegrenztes Datenvolumen deutlich günstiger möglich sind. Genau deshalb stehen Telekom und Vodafone in diesem Vergleich so schlecht da.
Du solltest also nicht alle Netzbetreiber in einen Topf werfen. Telekom und Vodafone wirken hier besonders teuer. O2 ist eher der Gegenbeweis. Das gilt auch für 1&1. Derzeit ist das eigene Sendenetz noch vergleichsweise klein. Dennoch ist 1&1 Netzbetreiber und bietet dir als solcher beispielsweise 150 GB für 19,99 Euro. Dass in weiten Teilen Deutschlands das Vodafone-Netz zum Einsatz kommt, macht den krassen Preisunterschied zu Vodafone noch deutlicher.
Wofür du beim Netzbetreiber wirklich zahlst
Ein direkter Tarif bei Telekom, Vodafone oder O2 kann sinnvoll sein. Aber er lohnt sich nicht automatisch. Er lohnt sich nur, wenn du die Extras brauchst.
Ein Beispiel ist MultiSIM. Damit nutzt du denselben Tarif auf mehreren Geräten. Etwa auf dem Smartphone und einer Smartwatch. Oder auf dem Smartphone und einem Tablet. Für manche Nutzer ist das praktisch. Für andere völlig egal.
Ein weiteres Beispiel ist Roaming außerhalb der EU. Roaming bedeutet, dass du deinen Tarif im Ausland nutzt. Innerhalb der EU ist das weitgehend reguliert. In den USA, der Schweiz, der Türkei oder Asien kann es aber schnell teuer werden. Wer oft außerhalb der EU reist, kann mit einem besseren Netzbetreiber-Tarif Geld sparen. Wer nur einmal im Jahr nach Spanien fährt, braucht dieses Extra meistens nicht.
Auch Shops können wichtig sein. Manche Kunden wollen einen Ansprechpartner vor Ort. Sie möchten nicht alles online klären. Das ist legitim. Aber auch das ist ein Komfortargument. Kein zwingender technischer Vorteil.
Dann gibt es Geräteangebote. Viele Kunden kaufen ihr Smartphone direkt mit dem Tarif. Das macht Vergleiche schwerer. Denn dann zahlst du nicht nur für Mobilfunk, sondern auch für ein Handy auf Raten. Für einen echten Preisvergleich ist ein SIM-only-Tarif besser. SIM-only bedeutet: Du bekommst nur den Mobilfunktarif. Kein Smartphone dazu.
Der Name auf der Rechnung ist kein Leistungsmerkmal
Der wichtigste Satz für normale Nutzer lautet: Das Logo auf der Rechnung macht deinen Empfang nicht automatisch besser. Natürlich kann es Unterschiede geben. Etwa bei der maximalen Geschwindigkeit. Bei Zusatzdiensten. Bei Auslandspaketen. Bei MultiSIM. Auch die Kundenbetreuung kann sich unterscheiden. Aber für den Alltag zählt zuerst: Hast du Empfang? Hast du genug Datenvolumen? Stimmt der Preis?
Viele Nutzer brauchen keine 300 Mbit/s. Sie brauchen zuverlässigen Empfang. Sie brauchen genug Datenvolumen. Und sie wollen nicht jeden Monat 30 oder 40 Euro zu viel zahlen.
Deshalb ist der direkte Weg zum Netzbetreiber oft nicht die beste Idee. Jedenfalls nicht ohne Vergleich.
So findest du den besseren Tarif
Du musst kein Tarif-Experte sein. Du musst nur die Reihenfolge ändern, wie du dich für einen Tarif entscheidest. Zuerst prüfst du das Netz. Frag dich: Wo nutze ich mein Handy wirklich? Zu Hause. Im Büro. Auf dem Weg zur Arbeit. Im Zug. Im Urlaub. Danach schaust du, welches Netz dort gut funktioniert. Das kann Telekom sein. Das kann Vodafone sein. Das kann O2 sein. Wie du das beste Handynetz für deinen Wohnort findest, erfährst du in diesem Ratgeber.
Dann prüfst du deinen Datenbedarf. Viele Nutzer kommen mit 20 bis 50 GB locker aus. Wer viel streamt, oft einen Hotspot nutzt oder beruflich mobil arbeitet, sollte eher 100 GB oder mehr nehmen. Alles darüber ist Komfort. Schön zu haben. Aber nicht immer nötig. Eine Datenflatrate ist gut fürs Gefühl; wirklich brauchen dürften sie nur diejenigen, die kein WLAN nutzen können und gleichzeitig extrem viel mit dem Handy machen.
Danach kommt der Preis. Als grober Anker gilt: 50 bis 150 GB sollten heute oft für weniger als 20 bis 25 Euro möglich sein. Nicht immer. Nicht in jedem Netz. Nicht dauerhaft. Aber regelmäßig in Aktionen. Die findest du zum Beispiel in unserem WhatsApp-Deals-Kanal.
Erst danach prüfst du Extras. Brauchst du MultiSIM? Brauchst du Roaming außerhalb der EU? Wenn ja, wo und wie oft? Brauchst du einen Shop vor Ort? Brauchst du wirklich ein Smartphone im Tarif? Falls nicht, solltest du diese Leistungen auch nicht jeden Monat bezahlen.
Am Ende kommt die Marke. Nicht am Anfang.
Telekom und Vodafone dürfen teuer sein. Natürlich dürfen sie das. Sie dürfen Premium verkaufen. Sie dürfen Service bepreisen. Sie dürfen mehr Tempo, Zusatzkarten, Roaming und Komfort bündeln. Das alles nennt man freie Marktwirtschaft. Aber dann muss dieser Mehrwert für dich konkret sein. Für viele normale Nutzer ist er das nicht.
Wer einfach nur sein Handy nutzen will, braucht keinen teuren Netzbetreibervertrag
Wer einfach nur telefonieren, surfen, streamen und unterwegs online sein will, sollte nicht automatisch direkt bei Telekom oder Vodafone unterschreiben. Er sollte zuerst schauen, ob ein Discounter im passenden Netz dasselbe Alltagsproblem für deutlich weniger Geld löst.
Denn letztlich ist es mit dem Discounter beim Mobilfunk wie mit einer Jeans. Willst du einfach nur eine Jeans haben und anziehen, dann findest du bei KiK, Family, C&A und Co. eine große Auswahl zum kleinen Preis. Ist die Jeans für dich aber ein Mission-Statement, dann führt wohl kein Weg an Levi’s, Diesel und G-Star vorbei. Am Ende bleiben es in jedem Fall Jeans.
Dennoch sollten Vodafone und Telekom aufpassen, dass sie den Bogen nicht überspannen. In Zeiten knapper Kassen schauen die Nutzer, wo sie sparen können. Da stehen Handys und Internet sicherlich nicht an letzter Stelle. Die Gefahr: die Kunden an die Discounter und damit die direkte Kundenbeziehung zu verlieren und nur noch Großhandelskonditionen berechnen zu können. Im Vergleich zu Discountern helfen unverschämt teure Tarife da kaum weiter, finde ich. Netzbetreiberbonus und Mehrwerte hin oder her.
