Telekom-UMTS-Abschaltung (vorerst) vom Tisch

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Die komplette UMTS-Abschaltung ist erst einmal vom Tisch: Die Telekom hat einen neuen Plan für die Zukunft der Netze. Gleichzeitig werden auch LTE und 5G verbessert. Die Hälfte der Bevölkerung soll noch dieses Jahr 5G nutzen können.
5G im Telekom-Netz
5G im Telekom-NetzBildquelle: Thorsten Neuhetzki

Möglich macht den schnellen Rollout ein technisches Upgrade für bereits vorhandene Antennen im Netz. Dieses wird derzeit bereits getestet, in Kürze startet der weitere Ausbau.

Das Verfahren, das die Telekom einsetzt, nennt sich DSS. Die Abkürzung steht für Dynamic Spectrum Sharing. Was sperrig klingt, ist nichts anderes als eine dynamische Entscheidung des Netzes, eine Mobilfunkfrequenz für LTE oder 5G zu nutzen – je nachdem, was gerade gebraucht wird. Verfügbar sind beide Netze. Damit könnte der Telekom 5G Ausbau in der Fläche schneller vonstatten gehen.

Der YouTuber Tobske (Tobias Dirking) hatte das Testfeld im rheinland-pfälzischen Wittlich bereits vor einigen Tagen gefunden. An dem Standort hat die Telekom seinen  Beobachtungen zufolge auf den bisherigen UMTS-Frequenzen um 2100 MHz einen entsprechenden Test gestartet.

Die Telekom bestätigt das nun. In Wittlich werde aktuell die Technik des Standorts erweitert. Anschließend wird über die modernisierte Systemtechnik die vorhandene Antenne angesteuert und bekommt quasi ein Upgrade auf 5G: „So sind wir deutschlandweit unterwegs, um diese 5G-Variante in unserem Netz zu erproben“, so Walter Goldenits, Technikchef der Telekom in Deutschland. „Die Teststandorte sind dann die Blaupause für Deutschland, um noch in diesem Jahr mehr als die Hälfte der Bevölkerung im Telekom-Netz mit 5G zu versorgen.“

Der weitere Ausbau startet in den kommenden Wochen. „Wir haben Großes vor mit 5G und bringen den neusten Mobilfunk-Standard noch dieses Jahr in weite Teile Deutschlands“, sagt Telekom Deutschland-Chef Dirk Wössner.

Telekom lässt UMTS bestehen.

Der Plan der Telekom: Sie nutzt künftig 5 Megahertz aus ihrem bisherigen 3G-Spektrum im 2,1 Gigahertz-Band für LTE und 5G. Insgesamt hat sie 9,9 MHz Spektrum zur Verfügung. „Spätestens mit Jahresende“ will die Telekom das genutzte Spektrum verdreifachen. Ab 2021 hat sie nämlich insgesamt 20 MHz in diesem Frequenzspektrum zur Verfügung. Der Plan dann: Das für LTE/5G genutzte Spektrum verdreifachen.

Damit bleiben noch 5 MHz Spektrum übrig, die die Telekom weiterhin für UMTS nutzen dürfte. Viele Verträge im Netz der Telekom sind noch nicht auf LTE umgestellt und auch längst nicht alle Kunden verfügen über ein LTE-Smartphone. Ihnen würde man weiterhin ein UMTS-Basisnetz anbieten. Das allerdings ist dann nur noch halb so schnell wie bisher, da das Frequenzspektrum halbiert wurde.

UMTS läuft weiter – Telekom 5G für die Fläche

Dirking hatte die Netze in Wittlich getestet.„In meinem Test lief UMTS stabil, 11 bis 13 MBit/s waren normal und auch 3G-Telefonie war kein Problem“, sagte er gegenüber inside digital. Deutlich höhere Datenraten erreichte er natürlich bei 5G: Bis zu 288 Mbit/s im Downstream konnte er messen. Mittelfristig soll UMTS bei der Telekom aber abgeschaltet werden.

Ein Austausch der Antennen, wie es beim bisherigen 5G-Frequenzband der Fall ist, ist beim DSS-Verfahren nicht notwendig. Die Umstellung erfolgt per Software. Allerdings: Aufgrund des deutlich geringeren Frequenz-Spektrums gegenüber den bisherigen 5G-Frequenzen lassen sich auch keine Gigabit-Datenraten erreichen. Dafür erfolgt der 5G-Ausbau deutlich schneller. Und: Die Reichweiten der 5G-Sender sind aufgrund der Frequenz-Eigenschaften größer als bei den bisherigen Frequenzen.

Auch Vodafone hatte heute neue Maßnahmen für den Ausbau von LTE und 5G bekanntgegeben. Vodafone setzt ebenfalls auf DSS – allerdings im Bereich um 700 MHz.

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