Handynetz auf der Wiesn? Selbstverständlich. Dachte ich zumindest. Doch hinter jedem Selfie aus dem Festzelt steckt ein Aufwand, den kaum jemand ahnt. Die Planung für das nächste Jahr beginnt, sobald die diesjährige Wiesn vorbei ist, erzählen mir Techniker von O2. Vor Ort beginnt der Aufbau dann schon im Juli.
Zwei Tage statt zweieinhalb Wochen
2025 übertrug jeder der drei Netzbetreiber zwischen rund 230.000 und knapp 300.000 Gigabyte. An einem einzigen Wiesn-Wochenende 2025 flossen allein bei O2 mehr als 40.000 Gigabyte durchs eigene Netz. Das sei so viel wie während der kompletten 18 Festtage 2017. Und der Trend hält an. Die Telekom meldet für das erste Wochenende 2026 57,7 Terabyte, 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte davon lief über 5G. Die Netze müssen also ständig optimiert und angepasst werden. Jahr für Jahr.
Gemeinsame Masten, eigene Wege
Die wichtigsten Masten auf dem Gelände teilen sich die drei Netzbetreiber. Trotzdem macht jeder sein eigenes Ding. Vodafone stellt zusätzlich eigene Masten auf Containern auf. Die Telekom nutzt erstmals auch LTE 1500, eine Frequenz nur für Downloads. O2 hat 5G-Antennen in und an Straßenlaternen entlang der Wege zu den Eingängen und zur U-Bahn aufgebaut. Nach eigenen Angaben ist O2 damit der einzige Anbieter. Angebunden ist alles per Glasfaser. Bei der Telekom verfügt jeder Standort über zwei Leitungen mit je 10 Gbit/s. Vodafone spricht von einer Gesamtanbindung von 2 × 100 Gbit/s. Mit Richtfunk wäre das nicht zu schaffen.
Das Zelt ist der härteste Ort
Wer die Wiesn kennt, weiß: Das ist nicht nur eine Kirmes. Den wesentlichen Teil machen die Festzelte aus. Tausende Menschen. Dicht an dicht. Alle in denselben Funkzellen. Mehr und mehr entscheiden sich die Mobilfunker daher dafür, in den Zelten eigene Antennen aufzuhängen. Die Technik muss in die Zelte, und zwar im Takt der Zeltbauer. Für den Aufbau kommen die Techniker über mehrere Wochen hinweg mehrfach. Die Telekom versorgt vier Zelte von innen, O2 zehn. Vodafone nennt keine Zahl. Und nicht jeder Wirt will Antennen unter seinem Dach. Tradition schlägt Empfang. Und wenn die Antennen rein dürfen, dann müssen die Netzbetreiber auch noch Miete dafür zahlen.
Der vierte Netzbetreiber 1&1 ist übrigens nicht mit eigener Technik auf der Wiesn vertreten. Seine Kunden roamen bei Vodafone. Hinzu kommen Hunderttausende internationale Kunden, die die Handynetze von Telekom, Vodafone und O2 per Roaming mitnutzen.