Fernsehen über Kabel und Satellit: Bekannte Funktion fällt 2027 weg

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ProSiebenSat.1 schafft Anfang 2027 bei sieben Sendern einen Dienst ab, der fast 40 Jahre zum Fernsehen gehörte. Die Begründung: Niemand nutze ihn mehr. Doch daran ist der Konzern womöglich nicht ganz unschuldig.
Nahaufnahme einer Fernbedienung die auf einen TV gerichtet ist
ProSieben und Sat.1 schalten Videotext abBildquelle: Paolo De Gasperis / Shutterstock.com

Seite 100 hat bald ausgedient. Zumindest bei Sat.1, ProSieben, Kabel Eins, sixx, Sat.1 Gold, ProSieben Maxx und Kabel Eins Doku. Die Sendergruppe stellt dort Anfang 2027 ihren Videotext ein. Ein genaues Datum nennt sie bislang nicht. Wer den Dienst heute aufruft, findet aber schon einen Hinweis auf das nahende Ende. Zur Begründung sagte ein Sendersprecher dem Branchendienst DWDL, das Zuschauerinteresse gehe gegen null. Joyn.de habe den Teletext als schnelle Infoquelle, vor allem zum eigenen Programm, längst abgelöst.

Erst ausgedünnt, jetzt abgeschaltet

Ganz überraschend kommt der Schritt nicht. Schon im Januar 2025 hatte ProSiebenSat.1 den Videotext kräftig zusammengestrichen. Nachrichten? Weg. Sportseiten? Weg. Stattdessen gab es Verweise auf newstime.de und ran.de. Übrig blieb vor allem das Fernsehprogramm, dazu Werbung für Joyn auf der Startseite.

Genau hier setzt die Kritik an. Im inoffiziellen Vodafone-Kabel-Forum schreibt ein Nutzer, der Dienst sei seit Langem „stiefmütterlich behandelt“ worden. Fehlendes Interesse tauge deshalb kaum als Argument. Er schätzt am Videotext, was Apps und Webseiten selten bieten: keine Werbung, keine Pop-ups, schnelle Infos zu Wetter, Quoten und Programm. Andere im Forum halten dagegen: Bei so wenigen Nutzern lohne sich der Aufwand nicht.

Belegen lässt sich der Vorwurf nicht, denn ProSiebenSat.1 nennt keine Nutzungszahlen und auch keine Kosten. Von der Hand zu weisen ist er aber auch nicht. Ein Angebot, das fast nur noch aus Programmhinweisen besteht, lockt nun mal weniger Leser an.

Jeder Zweite nutzt noch Videotext

Tot ist das Medium jedenfalls nicht. In einer repräsentativen Umfrage, die Innofact im September 2024 im Auftrag von Verivox durchführte, gaben 49 Prozent der 1.002 Befragten an, Videotext zu nutzen. 16 Prozent taten das sogar regelmäßig. Am höchsten war der Anteil regelmäßiger Nutzer ausgerechnet bei den 18- bis 29-Jährigen: 23 Prozent. Und 61 Prozent der Nutzer riefen auch den Videotext von Privatsendern auf. Die Umfrage stammt aus der Zeit vor der Kürzung bei ProSiebenSat.1. Sie zeigt also, wie gefragt das Angebot war, als es noch Nachrichten und Sport hatte. Allerdings bezieht sie sich auf alle Sender, nicht nur auf ProSiebenSat.1.

Was wegfällt und was bleibt

Neben dem Programm verschwindet ein Nischen-Schatz. Auf Seite 880 veröffentlichte die Sendergruppe die Einschaltquoten des Vortags, inklusive einer Top 5 über alle Sender hinweg.

Die Untertitel bleiben dagegen. Bisher kamen sie über den Videotext. Künftig schaltest du sie in den Einstellungen deines Fernsehers oder Receivers ein. Laut ProSiebenSat.1 ändert sich nur der technische Weg. Ob das mit jedem älteren Gerät klappt, ist offen.

Wer weiter Videotext lesen will, muss umschalten. Die ARD hält an ihrem Angebot samt Nachrichten fest. Das ZDF hat zuletzt aber Sportnews und Börsenkurse gestrichen. Der Bayerische Rundfunk hingegen hat seinen eigenen Videotext auch abgeschafft.

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