E-Autos boomen: Shell und Aral müssen handeln, um zu überleben

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Immer mehr Menschen entscheiden sich für ein Elektroauto. Auch, weil der Ölpreis immer weiter steigt und das Tanken von Benzin und Diesel immer teurer wird. Doch der Ausbau von Ladesäulen an Tankstellen geht viel zu zögerlich vonstatten.
Frau lädt ein Elektroauto an einer Aral Pulse Ladesäule
Strom-Tankstellen werden auch für Marken wie Aral und Shell immer wichtiger.Bildquelle: Aral

Sehr aufmerksam dürfte man in den Management-Etagen der großen Mineralölkonzerne verfolgen, wie schnell sich die E-Mobilität unter anderem in westlichen Ländern mehr und mehr durchsetzt. Getrieben durch einen hohen Ölpreis entscheiden sich immer mehr Menschen für ein Elektroauto. Und das ist keine gute Nachricht für Shell, BP und Co. Denn in Zukunft werden immer weniger Menschen Benzin oder Diesel tanken, um mit dem Auto zum Ziel zu kommen. Stattdessen wird zunehmend Strom die Quelle zur Fortbewegung sein. Das hat Folgen für etablierte Tankstellenmarken. Sie müssen ihre Stationen umrüsten, um nicht den Anschluss zu verlieren. Und tatsächlich schreitet der Aufbau von Ladesäulen voran – aber zu langsam.

Elektroautos gewinnen immer mehr Marktanteile

Der Trend, dass immer mehr Menschen zu einem Elektroauto greifen, ist längst nicht mehr aufzuhalten. Deutlich wird das unter anderem, wenn man sich die Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamts ansieht. Im November 2021 ging die Zahl der neu zugelassenen Pkw in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um fast 35 Prozent auf knapp 179.000 zurück. Gleichzeitig legte die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos aber um 32 Prozent zu. Zwar lag die Gesamtzahl der neu zugelassenen E-Autos bei „nur“ rund 30.000, sie machten im November aber schon 17,1 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen aus.

Fast jeder fünfte neu zugelassene Pkw in Deutschland war also im November ein Stromer. Ein Stromer, der an den meisten klassischen Tankstellen nicht mit neuer Energie versorgt werden kann. Denn nach wie vor sind viele Tankstellen einzig und allein darauf ausgelegt, Benzin oder Diesel zur Verfügung zu stellen. Als Ladesäulen-Betreiber treten stattdessen in der Regel Energieversorger in Erscheinung. Etwa EnBW, E.On oder auch örtliche Stadtwerke. Mehr und mehr errichten aber auch große Tankstellenmarken wie Shell oder Aral Ladesäulen an ihren Stationen.

Shell baut zahlreiche E-Ladesäulen

Shell kündigte jüngst an, in Zukunft nicht mehr unter dem Namen NewMotion am Ladesäulenmarkt in Erscheinung treten zu wollen, sondern als Shell Recharge. Das Rebranding werde ab Anfang 2022 umgesetzt. Shells Deutschland-Chef Fabian Ziegler sagte kürzlich laut der Nachrichtenagentur Reuters vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf (WPV), dass bis Ende 2021 etwa 240 E-Ladepunkte an 110 Shell-Stationen in Deutschland zur Verfügung stehen sollen. Bis 2030 soll das Netz auf 3.000 Punkte an 1.000 Shellstationen wachsen. Damit wäre aber nur jede zweite Shell-Tankstelle in Deutschland mit einer Ladesäule für E-Autos ausgestattet. Denn insgesamt gibt es in Deutschland knapp 2.000 Stationen des britisch-niederländischen Unternehmens.

Wettbewerber Aral will bis Ende 2021 rund 500 Ladepunkte an etwa 120 seiner insgesamt circa 2.300 Tankstellen in Deutschland anbieten. Dabei handelt es sich um Schnellladesäulen, die mit bis zu 350 kW laden können. Verfügt das Auto über die entsprechende Technik, ist die Nachladung von Strom in zehn Minuten für bis zu 350 Kilometer Reichweite möglich. In der Regel laden Elektroautos aber deutlich langsamer. Vor allem, wenn es sich um Fahrzeuge im unteren und mittleren Preissegment handelt.

Deutlich weniger ist über die Ausbaupläne von anderen bekannten Tankstellenmarken wie ExxonMobil (Esso), Total oder Jet bekannt. Esso kündigte schon Ende 2020 an, bis zu 40 Stationen in Süddeutschland mit Schnellladestationen von Jolt ausstatten zu wollen. Seitdem ist es ruhig geworden. Auch Total und Jet halten noch die Füße noch erstaunlich still. Avia gab im Frühjahr 2021 bekannt, die ersten Schnellladesäulen in Deutschland in Betrieb genommen zu haben. Der Tankstellenfinder von AVIA listet deutschlandweit aber gerade einmal vier Stationen des Unternehmens, an denen eine Stromladesäule nutzbar ist.

Ladesäulen-Ausbau muss Fahrt aufnehmen

Es bleibt also festzuhalten, dass der Ausbau von Ladeinfrastruktur in Deutschland zu zögerlich abläuft. Regional kann es vorkommen, dass über viele Kilometer sogar gar keine Schnellladesäule zur Verfügung steht. Das liegt aber oft nicht primär am fehlenden Willen der Ladesäulenbetreiber, schneller ausbauen zu wollen. Vielmehr machen bürokratische und wettbewerbsrechtliche Hürden einen schnelleren Ausbau schwierig bis teilweise unmöglich.

So kritisierte etwa der Ladenetzbetreiber Fastned in den vergangenen Monaten wiederholt eine Monopolstellung von Tank & Rast. Der Betreiber von Autobahnraststätten nutze eine Monopolstellung, die den Wettbewerb verzerre. Fastned zweifelt sogar an, dass Tank & Rast überhaupt eine Konzession für das Ladesäulengeschäft besitzt.

Doch wie man das Blatt auch dreht und wendet. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass es schon bald regelmäßig zu einem Stau an Ladesäulen kommen könnte. Nämlich dann, wenn nicht schnell eine Beschleunigung beim Ausbau der Infrastruktur vorgenommen wird. Vor allem Menschen, die nicht zu Hause oder bei der Arbeit ihr E-Auto laden können, dürften ein böses Erwachen erleben, wenn sie in Zukunft lange Wartezeiten vor dem Stromladen in Kauf nehmen müssen.

Ein Lichtblick könnte in diesem Zusammenhang das Deutschlandnetz sein. Im Rahmen einer aktuell laufenden Ausschreibung haben Ladesäulenbetreiber die Möglichkeit, sich für den Aufbau von Schnellladepunkten zu bewerben. In Summe sollen bis zum Jahr 2023 immerhin rund 1.000 neue Schnellladesäulen entstehen. Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich mit einer staatlichen Förderung in Höhe von rund 2 Milliarden Euro am neuen Deutschlandnetz.

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6 KOMMENTARE

  1. andreas kramer

    also euer journalismus ist langsam echt daneben, die konzerne werden sich umstrukturieren und wandeln und auch energiekonzerne werden und strom anbieten . denk das die das schon länger planen den so dumm wird keine konzern leitung sein das sie sich nicht wandelt. dann besteht vieleicht eine chance das energiedienstmonopol zu brechen, wo preisabsprache herscht

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  2. Sam

    Ist schon einseitig geschrieben, da die Ölkonzerne schon genau wissen, wie lange noch Sprit benötigt wird.
    Die Neuzulassungen sind erstmal nicht entscheidend, sondern der Bestand. Und da wird es noch sehr lange mit Verbrenner weiter gehen. Dazu bitte bei den Neuzulassungen reine Elektroautos getrennt von den Hybriden sehen. Diese brauchen nämlich auch weiterhin Benzin und die aktuellen Tankstellen.
    Ebenso werden die meist nicht gekauft, weil sie so überzeugen, sondern weil es eine Halbierung oder nur 25% bei der Versteuerung gibt. Und bei Neuwagen ist der gewerbliche Bereich eben entscheidend. Ist derzeit ein künstlicher Push durch extrem starke Eingriffe im Markt. Die schwache Nachfrage nach gebrauchten E Autos ist nur eine Randerscheinung davon.

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  3. Ronald Williams

    Die großen Mineralölunternehmen sind vermutlich in der Lage, nicht nur als Anbieter von Ladepunkten aufzutreten. Es ist zu erwarten dass diese Konzerne ganze Mitbewerberfirmen wie ewe usw. schlucken werden, und somit auch bei den Strom und Gasanbietern für Haushaltsabnehmer mitspielen könnten!.

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  4. Dr.Ing. Winkhöfer

    Glaub keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.
    In meinen sehr großen Bekannten und Freundeskreis ist niemand von der E- Mobilität überzeugt oder trägt sich mit dem Gedanken ein E-Fahrzeug zu kaufen.

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  5. Arnulf

    Wäre übel, wenn die Verseucher über Ladestationen greenwashing beginnen. Da die an die Verseuchungstradition festhalten, im Nigerdelta seit schlappe 30 Jahren und in Deutschland (Wesseling) seit 20 Jahren (unzählige weitere Beispiele kann man ergoogeln), bin ich eher dafür, wenn solche Konzern vom Markt verschwinden.

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