Xiaomi Redmi Note 8 Pro im Test: Besser geht nicht günstiger

9 Minuten
Das Xiaomi Redmi Note 8 Pro erreicht nicht nur durch einen sperrig klingenden Namen Aufmerksamkeit, sondern auch, weil es für weniger als 300 Euro umso mehr verspricht. Was das Smartphone kann und wo es faulen Zauber betreibt, zeigt dir unser Testbericht.
Xiaomi redmi Note 8 Pro
Das Redmi Note 8 Pro von allen SeitenBildquelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

Xiaomi-Smartphones sprießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Was nach Masse aussieht, hat dennoch Strategie. Xiaomi bemüht sich, über die verschiedenen Produktserien, eine nahezu lückenlose Abdeckung des gesamten Marktes hinzubekommen. Dabei definiert man sich nicht über den Preis, sondern vor allem über ein intaktes Preis-Leistungs-Verhältnis. 1.000-Euro-Smartphones sucht man vergebens. Das Gros spielt sich zwischen 150 und 500 Euro ab.

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Eines der ersten Handys der Herbst-Offensive 2019 war das Xiaomi Redmi Note 8 Pro, das für rund 250 Euro auf den Markt kam. Dafür bietet es eine ansprechende Ausstattung mit Highlights, wie einem Full-HD-Display, 6 GB Arbeitsspeicher oder einer Vierfach-Kamera.

Redmi Note 8 Pro: Die harten Fakten im Check

Xiaomi Redmi Note 8 Pro
Xiaomi Redmi Note 8 Pro im Datenblatt
Software Android 9
Prozessor Mediatek Helio G90T
Display 6,53 Zoll, 1.080 x 2.340 Pixel
Arbeitsspeicher 6 GB
interner Speicher 64 GB
Hauptkamera 9248x6936 (64,1 Megapixel)
Akku 4.500 mAh
induktives Laden
USB-Port
IP-Zertifizierung (Schutz gegen Spritzwasser (Regen))
Gewicht 200 g
Farbe Schwarz, Weiß, Blau, Grün
Einführungspreis Redmi Note 8 Pro 64 GB: 249 €, Redmi Note 8 Pro 128 GB: 279 €
Marktstart Oktober 2019

Wie gut das zusammengestellte Hardware-Paket ist, zeigt unser Hardware-Test. Auf Basis des Datenblatts und von standardisierten Tests gibt es für das Redmi Note 8 Pro diese Bewertung:

  • Verarbeitung und Design: 4 / 5
  • Display: 3,5 / 5
  • Ausstattung und Leistung: 3 / 5
  • Kamera: 3,5 / 5
  • Software und Multimedia: 3,5 / 5
  • Akku: 4 / 5

Xiaomi Redmi Note 8 Pro Testbericht: So gut ist das Handy wirklich

Schluss mit harten Fakten, jetzt geht es an die Funktionen. Worin kann das Redmi Note 8 Pro überzeugen und wo offenbart es Schwächen? Der ausführliche Testbericht zeigt die Stärken und Probleme auf.

Haptik und Design

Das Redmi Note 8 Pro ist nicht nur ein rein funktionales Gadget, es hat auch modische Ansprüche. Nicht gerade klein geraten, liegt es mit seinen rund sechseinhalb Zoll dennoch erstaunlich gut in der Hand. Das kantig geratene Äußere verleiht Charakter. Störend ist das herausstehende Kamera-Schiff auf der Rückseite – mit ein bisschen Gewöhnung oder der beiliegenden Hülle fällt das aber nicht mehr ins Gewicht und das Handy soll ja auch länger als nur ein paar Tage benutzt werden.

Ein Galaxy S8 Revival?

Beim Fingerabdrucksensor kommt der haptische Kniff bedeutsam hervor. Der Sensor liegt nämlich dort, wo sonst ein weiteres Kameraobjektiv sitzen würde – also im Kameramodul, an unterster Position. Vergleiche zum Galaxy S8 werden wach: Samsung erntete für die Position des Sensors Kritik, da dieser direkt neben der Kamera saß und schwer von dieser differenzierbar war. Beim Redmi Note 8 Pro ist der Umstand ähnlich, aber nicht ganz so dramatisch. Benutzerfreundlicher wäre aber ein Sensor, der gänzlich vom Kamera-Bereich abgetrennt ist.

Optische Merkmale sind einerseits die schön integrierte Tropfen-Notch auf der Displayseite, andererseits die fluoreszierende Gestaltung der Rückseite. Hier zeigt Xiaomi, dass Anmut durch Farbeffekte kein Privileg der Oberklasse über 500 Euro sind. Das Redmi Note 8 Pro wirkt hier deutlich erwachsener als Konkurrenten in der gleichen Preisklasse, deren Design-Effekte aufgemalt und überspielt sind.

Erhältlich ist das Smartphone in einem Dunkelgrau, einem mystischen Grün und in Weiß. Die letzte Variante befand sich bei uns im Test und zeigt den beschriebenen Effekt deutlich.

Die Kamera: Braucht es 64 Megapixel?

Vier Objektive baut Xiaomi auf der Rückseite ein. Drei davon vertikal mittig angeordnet, das vierte neben dieser Anordnung, direkt unter dem Blitz. Vier Objektive für vier Fotos je nach Anspruch und Zielsetzung? Das ist nur die halbe Wahrheit, wenn man sich die Aufteilung genau anschaut:

  • Hauptkamera: 64 Megapixel, f/1.7
  • Weitwinkel: 8 Megapixel, f/2.0, 120°
  • Makroobjektiv: 2 Megapixel
  • Tiefensensor: 2 Megapixel
Kamera-Modul des Xiaomi Redmi Note 8 Pro
Kamera-Modul des Xiaomi Redmi Note 8 ProQuelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

Nur zwei der vier Kameras machen also „richtige“ Fotos. Die beiden 2-Megapixel-Sensoren sind lediglich assistierende Möglichkeiten, um eben Makro- oder Tiefeneffekte zu optimieren. Dennoch: Für ein Smartphone der Mittelklasse macht das Setup Lust auf mehr, nicht nur wegen der hohen Auflösung von bis zu 64 Megapixel. Diese volle Auflösung gibt es in einem eigenen Fotomodus, was gut ist. Standard-Aufnahmen sind deutlich kleiner und verbrauchen rund ein Drittel weniger Speicherplatz pro Bild. Das zeigt ein Problem der Kamera auf: Die 64 Megapixel sind eigentlich unnötig und es verstärkt sich der Verdacht, dass die hohe Megapixel-Zahl vor allen Dingen ein Marketing-Gag ist. Denn: Mal eben zum Verschicken taugt eine 15 MB große Bilddatei nicht. Normale Fotos sind hingegen bis zu etwa 5 MB und 16 Megapixel groß.

Papier vs. Wirklichkeit

Die Bilder (Galerie siehe weiter unten) zeigen aber: Fotos mit dem Redmi Note 8 Pro sind scharf, sehr scharf sogar. Spezialdisziplinen, wie dem Knipsen im Dunkeln, merkt man aber an, dass Xiaomi trotz hoher Werte keine High-End-Kamera verbaut. Keine Katastrophe, aber hier wird der Unterschied zwischen Mittelklasse und Oberklasse am deutlichsten. Ob Samsung, Apple, Huawei oder eben auch höher qualifizierte Xiaomi-Ware, wie das Mi 9T Pro – sie machen durch die Bank bessere Fotos.

Auch bei Videos gibt sich das Redmi Note 8 Pro keine Blöße – auf dem Papier. 4K bei 30 fps sind das Maximum. In der Realität sind gerade diese hochauflösenden Bewegtbilder ruckeliger, als es 30 fps versprechen. Runterschrauben auf 1080p @60fps ist hier das Mittel der Wahl. Dennoch ist eine ruhige Hand oder ein Stativ gefragt, denn eine optische Bildstabilisierung fehlt.

Frontkamera: Hier ist noch Luft nach oben

Nehmen wir die 20-Megapixel-Frontkamera mit ins Boot: Selfies sind hübsch, aber auf den zweiten Blick recht rauschig und in Teilen unscharf. Mit viel Licht, Ruhe und einem Stativ können diese Schwächen ausgemerzt werden, aber dann braucht es auch keine Selfie-Kamera mehr.

Testfotos mit der normalen, der 64-Megapixel- und der Selfie-Kamera gibt’s in der folgenden Galerie:

Gaming-Maschine für 250 Euro

Die Leistung im Benchmark-Test zeigt verschiedene Gesichter. Der Helio G90T Prozessor und sein Umfeld zaubern im AnTuTu- und 3DMark-Test gute Ergebnisse aufs Parkett. In den Tests von Geekbench und GFXBench sind die Unterschiede zu ausgereiften Top-Smartphones größer. Führend sind hier zum Beispiel das OnePlus 7T Pro, das Xiaomi Mi 9T Pro und auch das Sony Xperia 5. Andere Preis- und Gewichtsklassen also.

Testergebnisse Benchmark-Test

  • AnTuTu 8.0 – 283.612
  • Geekbench 5 Multi-Core – 1.636
  • Geekbench 5 Single-Core – 502
  • 3DMark Sling Shot – 3.062
  • 3DMark Ice Storm – 33.895

Entscheidend ist aber auf’m Platz. Das Redmi Note 8 Pro hat einen prominent platzierten Gaming-Modus. Die gelegentliche Zockerei auf dem großen Bildschirm macht Spaß und auch die Hardware ist mit Spielen, wie zum Beispiel „Need For Speed: No Limits“ nicht überfordert.

Nach gewisser Zeit der Spielelust wird das Gerät warm. Ganz so stark, wie ausgewiesene Gaming-Handys, ist es nicht,das zeigt sich an dann auftretenden Rucklern und b(l)ockigen Texturen im Spiel. Den meisten Smartphones kann das Redmi Note 8 Pro in Sachen Alltagsleistung aber das Wasser reichen.

Mehr Multimedia als so manches Flaggschiff

Neben den Gaming-Einstellungen und der dafür ausreichenden Hardware kann Xiaomi auch über andere Wege punkten. Das Redmi-Smartphone ist ein wahres Multimedia-Talent. Die Einstellung zum Display-Teilen ist als „WLAN-Anzeige“ zwar etwas unklar benannt. Sie erfüllt aber ihren reibungslosen Zweck, wenn man beispielsweise Fotos auf einem Fernseher wiedergeben will. Das ist noch keine Highlight-Funktion, findet man sie mittlerweile doch in fast jedem Smartphone.

Allerdings setzt Xiaomi – zumindest beim Redmi Note 8 Pro – noch auf einige aussterbende Gattungen: Ein Klinkenanschluss ist mit an Bord (keine Kopfhörer im Lieferumfang) und neben der UKW-Radio-Funktion kann das Handy auch noch als gute alte Infrarot-Fernbedienung genutzt werden. Funktionen, wie Kompass, Bildschirmrekorder oder Scanner (eigene App und Google Lens) sind ebenfalls dabei – können bei anderen Handys aber über Apps nachgerüstet werden. Infrarot und FM-Radio sind hingegen technische Vorteile, die das Redmi Note 8 Pro bietet. NFC ist ebenfalls an Bord, für Google Pay ist das Handy also gerüstet.

USB-C (2.0) und Klinkenbuchse befinden sich unten auf dem Metallrand.Quelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

Von USB, UFS, IPXX und Co.

Beim Standards-Geschachere sieht der gewiefte Betrachter, wo Xiaomi spart, um den 250-Euro-Preispunkt zu erwischen: Der eingebaute Speicher-Chip unterstützt den Standard UFS 2.1, der seit 2016 besteht. Aktueller und in Top-Smartphones eingebaut ist der 2018 eingeführte UFS 3.0. Beim USB-Anschluss geht’s weiter: Der eingebaute Typ-C-Anschluss unterstützt nicht den neuesten Standard USB 3.1, sondern noch den älteren nach USB 2.0, eine OTG-Funktion für USB-Sticks und externe Speicher ist vorhanden. Auch die LTE-Kategorie ist beim Xiaomi-Handy mit Cat.12 nicht auf einem Level mit modernen Cat.21-Modems, 5G spielt unterdessen noch gar keine Rolle in dieser Preisklasse. Auf der Höhe ist Xiaomi dafür bei WLAN (ac, 2,4 und 5 GHz) und Bluetooth (5.0).

Auch bei der Schutzklasse gibt’s für das Redmi Note 8 Pro Abzüge: En Vogue ist IP68 und der damit einhergehende Schutz vor Wasser und Staub. Gemäß IP52 ist das Smartphone offiziell nur vor Spritzwasser, zum Beispiel Regen, sicher.

Das alles sind keine Makel im engeren Sinne. Die Funktionen sind stets gegeben. Beim absolutistischen Vergleich zieht das Redmi gegenüber High-End-Ware aber den Kürzeren. Wirklich Schade ist das vor allem um die Qi-Funktion zum kabellosen Aufladen, die für empfindliche Abzüge beim Akku sorgt.

Fazit zum Xiaomi Redmi Note 8 Pro

Das Xiaomi Redmi Note 8 Pro überzeugt mit klarer Ausrichtung und zerbricht nicht am Anspruch. Das 250-Euro-Smartphone punktet mit der Haptik, der Kamera und mit seinen Multimedia-Talenten. Bei der Ausstattung spart Xiaomi aber das ein, was nötig ist, um einen attraktiven Preispunkt zu treffen. Unter dem Strich haben wir hier fast ein Flaggschiff wider Willen. In der Klasse bis 400 Euro kann sich das Redmi Note 8 Pro klar behaupten. Erst danach kommen merklich bessere Smartphones ins Rennen. Somit ist das Redmi Note 8 Pro ein absoluter Preis-Leistungs-Tipp.

Xiaomi Redmi Note 8 Pro Testsiegel

 

Xiaomi Redmi Note 8 Pro Testsiegel Preis-Leistungs-Tipp

Pro Xiaomi Redmi Note 8 Pro

  • Gute Multimedia-Ausstattung
  • Ordentliche Kamera
  • Starker Akku

Contra Xiaomi Redmi Note 8 Pro

  • Kein kabelloses Laden
  • Nicht wasserdicht
  • Schwächelnde Frontkamera
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Kommentar

Von Michael Stupp

Besser geht’s nicht für 250 Euro. Das Xiaomi Redmi Note 8 Pro ist 2019 mein Preis-Leistungs-Tipp. Auch wenn die Abzüge in der B-Note alle ihre Berechtigung haben: Im Alltag fallen sie nur für jene ins Gewicht, die dann tatsächlich ein Smartphone für mehr als 500 Euro brauchen. Unter uns: Das sind die allerwenigsten.

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Bildquellen:

  • Xiaomi redmi Note 8 Pro Kamera Nahaufnahme: Blasius Kawalkowski / inside digital
  • Xiaomi redmi Note 8 Pro Unterseite: Blasius Kawalkowski / inside digital
  • Xiaomi redmi Note 8 Pro: Blasius Kawalkowski / inside digital
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WhatsApp-Update behebt kritischen Softwarefehler
In letzter Zeit hat WhatsApp zahlreiche interessante Funktionen ergänzt. Beispielsweise die Möglichkeit Gruppeneinladungen zu blockieren. Parallel zu den erfreulichen Funktionserweiterungen scheint sich jedoch auch ein Fehler auf zahlreiche Android-Smartphones geschlichen zu haben, welcher die Akkulaufzeit enorm verkürzt. Nun hat WhatsApp mit einem weiteren Update gegengesteuert.

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