Galaxy S20 FE 5G im Test: Ein komplett neues Konzept?

11 Minuten
Die Top-Smartphones von Samsung sind in den vergangenen Jahren immer teurer geworden. Mit dem Galaxy S20 Fan Edition bringt der Hersteller nun einen günstigeren Vertreter der beliebten Galaxy-S Reihe auf den Markt. Wir haben das Smartphone getestet.
Bildquelle: Timo Brauer

Das Galaxy S20 FE ist kein Lite-Modell mit deutlich eingeschränktem Funktionsumfang und weniger Leistung. Stattdessen findet man einen Top-Prozessor, schnelle Bildwiederholrate, kabelloses Laden und ein wasserdichtes Gehäuse. Alle wichtigen Flaggschiff-Features wurden von den „normalen“ Galaxy S20 Modellen übernommen. Verzichtet hat man lediglich auf nicht notwendige Spielereien wie ein gebogenes Display oder eine Auflösung jenseits von Full-HD. Doch geht diese Rechnung im Alltag auf, oder sollte man lieber zu einem der mittlerweile im Preis gefallenen anderen Galaxy S20 Modellen greifen?

Die Galaxy S20 Fan Edition ist in zwei Versionen erhältlich: Mit und ohne 5G-Unterstützung. Wir haben von Samsung die Version mit 5G zur Verfügung gestellt bekommen. Diese setzt auf einen Snapdragon 865 Prozessor statt auf den Samsung-eigenen Exynos 990. Alle anderen technischen Daten sind identisch und auch optisch unterscheiden sich die beiden Modelle nicht.

Das Galaxy S20 FE kommt in einem relativ schlichten Karton inklusive 15-Watt Netzstecker und einem USB-C Kabel zu dir. Kopfhörer oder ein Case befinden sich hingegen nicht im Lieferumfang. Das Smartphone selbst kommt mit einem 6,5 Zoll großen AMOLED-Display daher. Damit liegt es zwischen dem Galaxy S20 (6,2 Zoll) und dem Galaxy S20+ (6,7 Zoll). Durch die breiteren Ränder um das Display herum, ist das Galaxy S20 FE jedoch fast so groß wie das Galaxy S20+ und mit 8,4 Millimeter etwas dicker.

Kunststoff-Rückseite

Während der Rahmen des Gerätes aus Metall besteht, ist die Rückseite aus Kunststoff gefertigt. Optisch sieht die Rückseite mit ihren fünf verschiedenen Farb-Optionen in matter Optik wirklich schön aus, das Gefühl in der Hand überzeugt einen jedoch vom Gegenteil. So gibt die Rückseite beim Halten in der Hand merkbar nach und wirkt leider überhaupt nicht hochwertig. Wer jedoch wie 80 Prozent aller Smartphone-Nutzer ein Case verwendet, merkt davon nichts.

Das Display des Galaxy S20 FE

Beim Display wurde zwar auch gespart, viele dürften das jedoch als Vorteil im Alltag sehen. So hat Samsung beim Galaxy S20 FE auf die kostspieligen gebogenen Display-Ränder verzichtet, die zwar in der Werbung super schick aussehen, im Alltag jedoch zu Fehleingaben und störenden Reflexionen führen. Persönlich würde ich diese Einsparung sogar als Pro-Argument für das Smartphone werten.

Auf einen gebogenen Display wurde verzichtet
Auf einen gebogenen Display wurde verzichtet

Mit einer Auflösung von 1.080 x 2.400 Pixeln ist die Auflösung im Vergleich zu den anderen S20-Modellen geringer. Schaltet man auf letzteren jedoch die schnelle 120 Hertz Bildwiederholrate ein, müssen diese ebenfalls auf Full-HD+ herunterschalten. Auch sonst gibt es an dem 120 Hertz schnellen AMOLED-Display mit ausgezeichneten Farben und Blickwinkeln nichts auszusetzen. Einzig die Ränder um das Display herum sind wenige Millimeter breiter als bei den teureren S20-Modellen.

Volle Leistung bei weniger Energieverbrauch

Bei den normalen S20-Modellen setzt man je nach Region auf einen anderen Prozessor: In Europa verbaut Samsung den eigenen Exynos 990 und in den USA kommt der Snapdragon 865 zum Einsatz. Letzterer verfügt über etwas mehr Leistung und arbeitet zudem stromsparender. Dadurch kommen die US-Modelle der S20-Smartphones auf eine bessere Akkulaufzeit als dieselben Smartphones hierzulande.

Beim Galaxy S20 FE hast du die Wahl: Statt die Prozessoren nach Regionen aufzuteilen, kommt bei diesem Modell der eigene Exynos 990 in der LTE-Variante und der Snapdragon 865 in der 5G-Variante zum Einsatz. Wenn du also eine circa 10-15 Prozent längere Akkulaufzeit erreichen willst, solltest du zur 5G-Variante des Galaxy S20 FE greifen.

Wir haben von Samsung die 5G-Variante zur Verfügung gestellt bekommen und konnten im Benchmark nur einen minimalen Leistungsunterschied zum Galaxy S20 und Galaxy S20+ feststellen. Bei Antutu erreichte das Smartphone 576.522 Punkte. Auch aufwändige Apps und Spiele starten schnell und laufen ohne Ruckler, wie man es von einem High-End-Smartphone erwartet. Der kleine Unterschied in der Performance ist auf den kleineren Arbeitsspeicher von 6 statt 8 Gigabyte im Galaxy S20 FE zurückzuführen. Dieser macht sich im Alltag jedoch nur bemerkbar, wenn man besonders viele Anwendungen gleichzeitig geöffnet hat. Eventuell könnte der kleinere Arbeitsspeicher jedoch in Zukunft ein Problem werden, wenn man plant das Smartphone über die üblichen zwei Jahre hinaus zu verwenden.

Lademöglichkeiten und Ladedauer

Das Galaxy S20 FE kann entweder mit dem mitgelieferten 15 Watt Ladestecker oder kabellos aufgeladen werden. Eine Ladung per Kabel dauert hierbei rund 60 Minuten für 80 Prozent und 90 Minuten für 100 Prozent. Per Reverse-Laden lassen sich kleinere Gadgets wie Kopfhörer oder Smartwatches auf der Rückseite des Smartphones aufladen. Mit 4.500 mAh ist der Akku der Fan-Edition übrigens genau so groß wie im Galaxy S20 Plus.

Dual-SIM nur hybrid und ohne eSIM

Bei den Funk-Standards hat sich Samsung nicht lumpen lassen. So unterstützt das Galaxy S20 FE den WiFi-6 WLAN-Standard, Bluetooth 5, NFC für Google Pay und Co. sowie einen USB-C 3.2 Anschluss. Bei LTE werden alle hierzulande benötigten Frequenzen unterstützt und bei der 5G-Version sind auch die in Deutschland wichtigen n1, n3 und n78 Bänder dabei.

Wie auch bei den anderen S20-Modellen setzt Samsung auf einen Hybrid-Slot, heißt wenn du den Speicher per MicroSD-Karte erweitern willst, verlierst du die Möglichkeit eine zweite SIM-Karte zu verwenden. Die Möglichkeit auf eine eSIM zu setzen wird beim Galaxy S20 FE im Unterschied zu den anderen Modellen der Reihe nicht unterstützt.

OneUI: Die Software des Galaxy S20 FE

Auf dem Galaxy S20 FE läuft Android 10 zusammen mit Samsungs eigener OneUI-Oberfläche. Diese unterscheidet sich optisch stark von normalem Android, wirkt aber dennoch aufgeräumt und übersichtlich. Viele Google Dienste wurden durch eigene Samsung-Pendants ersetzt. So kommt statt dem Google-Feed links neben dem Homescreen der eigene „Samsung Daily“ Feed zum Einsatz und Samsungs Sprachassistent Bixby ist zusätzlich zum Google Assistant vorinstalliert.

Von den zwei negativen Punkten, die uns im Laufe des Tests aufgefallen sind, kann einer selbst behoben werden. So wirkt die Samsung-Oberfläche im Vergleich zu anderen Smartphones sehr träge. Das liegt jedoch nicht an mangelnder Performance, sondern einfach an zu langsamen Animationen. Stellt man diese in den Einstellungen (Entwickleroptionen -> Animationsfaktor) jedoch auf 0,5-fach läuft es viel schneller und flüssiger.

Nicht in Ordnung sind die vorinstallierten Werbe-Apps. Fast jeder Hersteller installiert auf seinen Geräten Apps von Anbietern vor, um so den Preis des Smartphones zu senken. Diese lassen sich normalerweise mit zwei Klicks deinstallieren und sind daher kein großes Ärgernis. Bei Samsung hingegen können manche dieser Apps nicht gelöscht werden. So verbleiben im Falle des Galaxy S20 FE die Netflix und die OneDrive App fest auf dem Gerät und können nicht entfernt werden.

Lange und regelmäßige Update-Versorgung

Einen guten Job leistet Samsung bei der Update-Versorgung. So verspricht man das Galaxy S20 FE ganze 3 Jahre regelmäßig mit Updates zu Versorgen. Bei Android-Smartphones ist das eine Seltenheit. Nur Google selbst versorgt seine Pixel-Smartphones genauso lange. Für das Galaxy S20 FE heißt das: Ein Update auf Android 11, 12 und 13 sind sicher, wenn Google an dem jährlichen Release festhält. Die wichtigen Sicherheitsupdates werden ebenfalls jeden Monat zuverlässig ausgeliefert.

Kamera des Galaxy S20 FE im Test

Bei der Kamera verbaut Samsung die gleiche 12 Megapixel Haupt- und Ultraweitwinkel-Kamera wie beim normalen Galaxy S20. Einzig die Tele-Kamera ist eine andere mit lediglich 8 Megapixeln. Trotzdem sind 3-fach optisch und 30-fach digitaler Zoom möglich.

Die 32 Megapixel Selfie-Kamera ist wie bei den anderen S20-Smartphones in einem kleinen Loch im Display untergebracht. Komischerweise wird sie von einem silbernen Ring umrandet, der die Position der Kamera deutlich hervorhebt.

Ein seltsamer silberner Ring umrandet die Frontkamera
Ein seltsamer silberner Ring umrandet die Frontkamera

Die Kameras im Überblick

  • 12 Megapixel Hauptkamera (f/1,8; OIS)
  • 12 Megapixel Ultraweitwinkel-Objektiv (f/2,2; 123 Grad Sichtfeld)
  • 8 Megapixel Tele-Objektiv (f/2.4; OIS)

Mit diesem Kamera-Setup zeigt Samsung mal wieder, dass es keine riesige Auflösung benötigt, um schöne Fotos zu machen. Die Fotos der 12 Megapixel Hauptkamera haben eine gute Bildschärfe und tolle, realistische Farben. Für letzteres muss jedoch der voreingestellte Szenenoptimierer ausgeschaltet werden.

Der Szenenoptimierer sollte umbedingt ausgeschaltet werden
Der Szenenoptimierer sollte unbedingt ausgeschaltet werden

Auch die Ultraweitwinkel-Kamera weiß zu überzeugen. Die Fotos sind farblich gut auf die Hauptkamera abgestimmt und werden nur zum äußeren Rand hin unscharf. Dieser Effekt tritt bei allen Ultraweitwinkel-Kameras auf.

Die Fotos der Ultraweitwinkel-Kamera gefallen gut
Die Fotos der Ultraweitwinkel-Kamera können überzeugen

Die Telefoto-Kamera musste im Vergleich zu den anderen S20-Smartphones Auflösung einbüßen. Der Qualität schadet dies nicht. Die Fotos sind weiterhin ausreichen scharf und haben realistische Farben. Einzig beim 30-fachen digitalen Zoom merkt man den Unterschied. Hier können die anderen S20-Modelle mit höherer Auflösung eine bessere Schärfe herausholen. Beim Galaxy S20 FE hingegen sollte man auf diesen starken Zoom eher verzichten.

Mit der Tele-Kamera kannst du 3-fach zoomen
Auch der 3-fache Zoom funktioniert gut
Mit 30-fach digitalem Zoom sieht das Foto nicht mehr scharf aus
Auf den 30-fachen „Space-Zoom“ solltest du beim Galaxy S20 FE eher verzichten

Fazit: Ist das Galaxy S20 FE eine würdige Alternative?

Der Preis von den Top-Smartphones von Samsung ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Zwischen dem günstigsten Galaxy-S und dem teuersten Galaxy-A liegen bei Marktstart über 400 Euro Preisunterschied. Mit dem Galaxy S20 FE versucht Samsung dies zu ändern. Dabei soll dieses Modell nicht die einzige Fan-Edition bleiben. So ist auch ein Galaxy Note 20 FE denkbar.

Mit dem Galaxy S20 FE versucht Samsung einen Kompromiss aus Flaggschiff-Features und einem bezahlbaren Preis zu finden. Hierbei hat man sich entschieden, bei der Verarbeitung und dem Material zu sparen und dafür bei Leistung und Kamera kaum Kompromisse einzugehen. damit ist Samsung ein gutes Budget-Flaggschiff gelungen.

Hardware-Wertung im Detail

  • Gehäuse: 4,5 von 5 Sternen
  • Display: 4,5 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 4,5 von 5 Sternen
  • Kamera: 4 von 5 Sternen
  • Software: 4,5 von 5 Sternen
  • Akku: 4,5 von 5 Sternen

Statt auf ein futuristisches Design mit gebogenen aber im Alltag unpraktischen Displayrändern zu setzen, verbaut man beim Galaxy S20 FE ein flaches, aber dennoch sehr gutes Display. Bei der Kamera lässt man die beiden wichtigsten Linsen unangetastet und spart lediglich bei der Telefoto-Linse ein wenig.

Der größte Kritikpunkt ist die schöne aber in der Hand sehr billig wirkende Kunststoff-Rückseite. Wenn du dein Smartphone jedoch sowieso mit einem Case schützt, kannst du das vernachlässigen.

Pros des Galaxy S20 FE im Test

  • 120 Hertz AMOLED-Display
  • optional mit Snapdragon-Prozessor erhältlich
  • sehr gute Kamera
  • wasserdicht
  • kabelloses Reverse-Laden

Contras des Galaxy S20 FE im Test

  • billig wirkendes Kunststoff-Gehäuse
  • dickere Displayränder

Mögliche Alternativen

Legst du auf haptische Features wie eine Glas-Rückseite oder die gebogenen Displayränder wert, könnte sich das normale Galaxy S20 oder das Galaxy S20+ lohnen. Die beiden Smartphones sind seit Release im Frühjahr kräftig im Preis gesunken. So ist das normale Galaxy S20 aktuell nur wenige Euro teurer als die Fan-Edition. Wie bei jedem neuen Samsung-Smartphone sollte jedoch auch das Galaxy S20 FE in den kommenden Wochen im Preis sinken und den Abstand zwischen den beiden Modellen wieder vergrößern.

Beide Smartphones bieten eine etwas bessere Tele-Kamera und einen 2K-Bildschirm. Jedoch kannst du die volle Auflösung nur verwenden, wenn du auf die schnelle 120 Hertz Bildwiederholrate verzichtest. Außerdem sind die beiden Smartphones nur mit Exynos-Prozessor erhältlich und haben eine schlechtere Akkulaufzeit als die Fan-Edition.

Wenn du auf ein wasserdichtes Gehäuse verzichten kannst, solltest du einen Blick auf das haptisch deutlich hochwertigere Xiaomi Mi 10 werfen. Dieses sieht mit seiner Glas-Rückseite und einem gebogenen AMOLED-Display mehr nach Flaggschiff aus und bietet bereits in der Basis-Version einen Snapdragon 865 Prozessor mit 5G Unterstützung. Die Hauptkamera ist auf einem ähnlichen Niveau mit dem Galaxy S20 FE, bei den anderen Kameras liegt das Samsung-Smartphone jedoch vorne. Eine Tele-Kamera ist gar nicht vorhanden. Besser fällt dafür die Akkulaufzeit aus. Kabelloses Reverse-Laden wird ebenfalls unterstützt.

Etwas kompakter kommt das Google Pixel 5 daher. Mit einem AMOLED-Display, kabellosem Laden und einem wasserdichten Gehäuse bietet dieses Smartphone einen ähnlichen Funktionsumfang wie das Galaxy S20 FE. Dabei ist das Smartphone deutlich kompakter und liegt dank der hochwertigen, rauen Rückseite ideal in der Hand. Bei der Kamera hat es jedoch ein wenig das Nachsehen und muss auf ein Tele-Objektiv verzichten. Auch setzt Google nur auf den deutlich schwächeren Snapdragon 765 Prozessor. Letzteres fällt jedoch im Alltag weit weniger auf, als auf dem Datenblatt.

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Bildquellen

  • Galaxy S20 FE 5G in Hand: Timo Brauer
  • Galaxy S20 FE 5G Frontkamera: Timo Brauer
  • Galaxy S20 FE 5G Kamera UI: Timo Brauer
  • Samsung Galaxy S20 FE 5G Testfoto Ultraweitwinkel: Timo Brauer
  • Samsung Galaxy S20 FE 5G Testfoto Telekamera: Timo Brauer
  • Samsung Galaxy S20 FE 5G Testfoto 30-fach Zoom: Timo Brauer
  • Galaxy S20 FE 5G Titelbild: Timo Brauer
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