Oppo Find X3 Neo: Der geheime Star der Reihe?

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Günstige Flaggschiff-Smartphones sind spätestens seit dem Galaxy S20 FE absolut im Trend. Mit High-End-Features zu einem günstigeren Preis sollen sie die Lücke zwischen Pro-Geräten und der Mittelklasse schließen. Das Oppo Find X3 Neo ist ein solches Smartphone. Kann es im Alltag überzeugen?
Oppo Find X3 Neo im Fokus
Oppo Find X3 Neo: Der geheime Star der Reihe?Bildquelle: Timo Brauer

Nach Samsung, Apple und Xioami ist Oppo der viertgrößte Smartphone-Hersteller der Welt und hat in diesem Jahr Huawei verdrängt. Dazu ist man mittlerweile die Nummer eins am chinesischen Markt. In der Find X Reihe befinden sich die Vorzeige-Geräte des Herstellers. Sie sind mit der P-Serie von Huawei vergleichbar. Zwischen dem über 1000 Euro teuren Find X3 Pro und dem Mittelklasse-Smartphone Find X3 Lite gibt es noch ein weiteres Gerät der Reihe: das Oppo Find X3 Neo. Hierbei handelt es sich um ein Budget-orientiertes Flaggschiff mit vielen Features des Pro-Modells zum deutlich günstigeren Preis.

Edler als die Pro-Version

Optisch macht das Oppo Find X3 Neo ordentlich was her. So tauscht man die glänzende Rückseite der Pro-Version gegen eine matte, angeraute Rückseite aus Gorilla Glass 5.

Das sieht nicht nur schick aus, sondern liegt auch ausgezeichnet in der Hand. Sogar den Kamera-Buckel ist mit einem matten Material überzogen. Der ebenfalls matte Metallrahmen wird an der Oberseite jedoch von einem glänzenden Kunststoff-Part unterbrochen. Dieser wird vermutlich für die Antennen verwendet, wirkt aber etwas billig. Display und Rückseite sind zu den Seitenrändern hin gebogen, wodurch das ohnehin nur 8 Millimeter dünne Smartphone noch schlanker wirkt.

Die Rückseite des Oppo Find X3 Neo in Blau
Das Oppo Find X3 Neo macht optisch einiges her

Schickes Display mit Software-Problem

Schaltet man den Bildschirm an, überrascht das Smartphone mit unerwartet breiten Displayrändern, ähnlich wie beim Budget-Flaggschiff Galaxy S20 FE. Ansonsten gibt es an dem 6,55 Zoll großen Display nicht viel auszusetzen. Das AMOLED-Panel überzeugt mit kräftigen Farben, satten Kontrasten und ausgezeichneten Blickwinkeln. Dank einer Helligkeit von 953 Nits im Test steht auch der Verwendung im direkten Sonnenlicht nichts im Weg. Dank einer Bildwiederholrate von 90 Hertz werden Inhalte zudem angenehm flüssig dargestellt.

Persönlich stören mich die gebogenen Displayränder und die daraus resultierenden Reflexionen und ein Rotstich bei zu schrägen Blickwinkeln. Ein wirkliches Problem waren jedoch die versehentlichen Berührungen am Rand. Das haben andere Hersteller gebogener Displays wie Xiaomi oder Samsung besser im Griff. Insbesondere in der Kamera-App konnte ich des Öfteren nicht den Auslöser drücken, da ich beim Halten des Smartphones den Displayrand berührt habe. Eine Möglichkeit die Touchempfindlichkeit am Rand anzupassen, wie beispielsweise bei Xiaomi-Smartphones, bietet das Oppo Find X3 Neo bisher nicht. Hier muss der Hersteller mit einem Update nachbessern.

Optisch sind die gebogenen Ränder eine Geschmacksfrage – Bei den Fehleingaben muss Oppo jedoch nachbessern.

Ein Fingerabdrucksensor ist im Display eingelassen. Die Positionierung ist jedoch Oppo-typisch sehr niedrig. Dennoch funktioniert der Sensor für ein In-Screen-Modell stets zuverlässig und rasant. Im Vergleich zu Sensoren auf der Rückseite oder im Rahmen hat die Technik jedoch das Nachsehen.

2019er Specs? Kein Problem

Im Inneren des Oppo Find X3 Neo werkelt ein Snapdragon 865 Prozessor mit satten 12 Gigabyte RAM. Hierbei handelt es sich um Qualcomms Top-Prozessor aus dem Jahr 2019. Für einen Preis von rund 800 Euro hätte es hier schon ein Snapdragon 870 oder gar 888 sein können – jedoch will Oppo das günstigere Neo von der Pro-Version abgrenzen.

Im Alltag ist dies nicht weiter schlimm. Auch der Snapdragon 865 bietet eine ausgezeichnete Performance und liegt mit einem Antutu 9 Score von 666.350 Punkten nur rund 15 Prozent unter dem Pro-Modell. Auch aufwendige Apps und Spiele starten zügig und können in den höchsten Grafik-Einstellungen ohne Ruckler genutzt werden. Dank des großen Arbeitsspeichers kannst du viele Anwendungen gleichzeitig verwenden und bist zudem gut für die Zukunft gerüstet.

Der interne UFS 3.1 Speicher misst 256 Gigabyte und bietet schnelle Schreib- und Leseraten. Eine Erweiterung des Speichers per microSD-Karte ist jedoch nicht vorgesehen. Für die meisten Nutzer sollte das bei der Speichergröße kein Problem darstellen. Schade jedoch, dass es das Smartphone nicht optional in einer größeren Speichervariante gibt.

Trotz des betagten Prozessors ist bei den Funkstandards alles auf dem aktuellsten Stand. 5G ist mit allen hierzulande benötigten Frequenzen verbaut, genau wie LTE, aktuelles WiFi 6, Bluetooth 5.2 und NFC. Einen Infrarot-Blaster zum Steuern von analogen Geräten bietet das Smartphone jedoch nicht. Im SIM-Schacht des Oppo Find X3 finden zwei SIM-Karten Platz. Wünschenswert wäre die Unterstützung von eSIMs. Diese ist jedoch leider nicht gegeben.

Auf der Unterseite finden sich der USB-C Port und der SIM-Slot

Wirklich aufpassen muss man beim Einlegen der SIM-Karte: Das Linke der beiden identischen Löcher holt den SIM-Schlitten hervor – pikst du hingegen in das Rechte, zerstörst du das Mikrofon. Nicht sehr clever gelöst.

Android 11 & ColorOS auf dem Oppo Find X3 Neo

Oppos eigene Software-Oberfläche nennt der Hersteller ColorOS und ist in Version 11.2 vorinstalliert. Selbstverständlich werden alle Google-Dienste unterstützt und auch der Play Store ist vorhanden. Sogar der Google News Feed ist standardmäßig aktiv und links vom Homescreen zu finden. Leider kommt das Oppo Find X3 Neo jedoch auch mit mehreren vorinstallierten Apps wie Facebook, Netflix und Co. daher. Diese können nur teilweise deinstalliert werden.

Aufgeräumt und erweiterbar

Auf den ersten Blick wirkt die Oberfläche relativ aufgeräumt und nahe an Stock-Android angelehnt. Auf Wunsch lassen sich jedoch zahlreiche Einstellungen treffen, um das Nutzererlebnis zu personalisieren. So kann der App-Drawer ausgeschaltet werden, um alle Apps auf dem Homescreen zu haben, oder eine Seitenleiste mit Schnellzugriffen eingeblendet werden. Zusätzlich ist ein „Game-Space“ vorinstalliert, in dem Spiele abgelegt und auf dem Home-Bildschirm ausgeblendet werden können. Auch eine Bildschirm-Videoaufnahme-Funktion, ein paar zusätzliche Gesten und die Möglichkeit Apps zu klonen wurden dem System hinzugefügt. Mit letzterer Funktion lassen sich Apps wie Instagram oder WhatsApp doppelt installieren, um zwei Accounts auf einem Smartphone zu nutzen. Insgesamt sehr praktische Ergänzungen. Wer zum ersten Mal ein Oppo-Smartphone nutzt, findet sich schnell zurecht. In der deutschen Version sind uns jedoch ein paar hakelige Übersetzungen aufgefallen (Beispiel „stecken“ statt „ausklappen“). Das ist jedoch kein großes Problem und sollte per Update behoben werden.

2 Jahre Update-Versprechen

Oppo verspricht die Find-Reihe mindestens zwei Jahre lang mit Android-Updates zu versorgen. Die wichtigen, monatlichen Sicherheitspatches sollen in diesem Zeitraum „beinahe monatlich“ erscheinen. Für ein Smartphone in dieser Preisklasse ist dies sehr wenig. Andere Hersteller wie Samsung liefern 3 Jahre neue Software und 4 Jahre Sicherheitsupdates. Hier besteht noch Nachholbedarf.

Da der Hersteller erst seit einer Modellgeneration auf dem deutschen Markt vertreten ist, können wir noch keine Langzeit-Erfahrungen zur Update-Versorgung berichten. Der direkte Vorgänger, das Oppo Find X2 Neo, hat sein Update auf Android 11 im März 2021 erhalten.

Fotos auf Pro-Niveau – bis auf eine Ausnahme

Beim Test des Oppo Find X3 Pro waren wir insbesondere von den guten Kameras angetan. Die gute Nachricht fürs günstigeren Oppo Find X3 Neo: Die Haupt- und Telekamera sind mit der Pro-Version identisch. Die Ultraweitwinkel-Kamera ist hingegen schlechter und auf die innovative Mikroskop-Kamera verzichtet man beim Neo komplett.

  • Hauptkamera: 50 Megapixel; f/1,8
  • Ultraweitwinkel-Kamera: 16 Megapixel; f/2,2
  • Telekamera: 13 Megapixel; f/2,4
  • Makro-Kamera: 2 Megapixel; f/2,4
  • Frontkamera: 32 Megapixel; f/2,4
Die Kamera des Oppo Find X3 Neo im Fokus
Die Kamera des Oppo Find X3 Neo im Test

Fotografieren mit dem Oppo Find X3 Neo

Die 50 Megapixel Hauptkamera macht gestochen scharfe Fotos mit akkuraten Farben bei allen Lichtbedingungen und auch die Ultraweitwinkel-Kamera ist überraschend gut. Die Tele-Kamera überzeugt uns hingegen weniger. Für den Alltag stimmt die Qualität der Kameras jedoch. Echte Foto Foto-Fans sind hier mit einem zum ähnlichen Preis erhältlichen iPhone 11 Pro oder einem Galaxy S21 besser aufgehoben. Eine echte Unverschämtheit ist hingegen die 2 Megapixel Makro-Kamera. Bei günstigen Smartphones kann man es den Herstellern noch verzeihen mit einer unbrauchbaren Kamera das Datenblatt aufzubessern. Für 800 Euro sollten jedoch alle verbauten Kameras brauchbare Fotos liefern.

Blättere durch die Galerie, um mehr über die Kamera des Oppo Find X3 Neo zu erfahren. Alle Bilder in voller Auflösung kannst du hier herunterladen.

Gute Laufzeit – Top Ladegeschwindigkeit

Trotz der schlanken Bauweise, fasst der Akku des Oppo Find X3 Neo 4.500 mAh. Im Benchmark erreicht das Smartphone damit ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis von 13 Stunden und 8 Minuten. Trotz aktiviertem Always-On-Display waren im Alltag locker eineinhalb, je nach Nutzung auch knapp zwei Tage ohne Aufladen drin.

Muss das Oppo Find X3 Neo ans Ladegerät, geht es richtig schnell. So dauert eine komplette Ladung mit dem mitgelieferten Original-Zubehör nur etwas über 30 Minuten. Erreicht wird das über eine proprietäre Ladetechnik von Oppo. Verwendet man hingegen ein konventionelles Kabel oder Netzteil eines Drittherstellers landet man bei einer Ladedauer von rund 90 Minuten. Kabelloses Laden wird nicht unterstützt.

Fazit: Für wen lohnt sich das Oppo Find X3 Neo?

Das Oppo Find X3 Neo überzeugt mit einem schlanken und modernen Design. Mit seinem gebogenen AMOLED-Bildschirm steht das Handy Flaggschiffen von Samsung und Co. in nichts nach. Trotz des etwas betagten Prozessors stimmt die Leistung im Alltag.

Das Oppo Find X3 Neo auf einem Stein
Oppo Find X3 Neo

Mit einem Preis von 799 Euro ist das Oppo Find X3 Neo jedoch nicht gerade günstig und nochmals 100 Euro teurer als der direkte Vorgänger. Besser ausgestattete Smartphones wie das Galaxy S21 Plus sind aktuell zum selben Preis erhältlich, jedoch auch schon länger auf dem Markt. Der direkte Vorgänger, das Oppo Find X2 Neo ist allerdings innerhalb weniger Monate um fast 300 Euro im Preis gesunken.

Wirklich nachbessern muss Oppo bei der Software. ColorOS ist zwar schnell, schlicht und nicht überladen, aber nur 2 Jahre Update-Support für ein Smartphone dieser Preisklasse keinesfalls zeitgemäß.

Oppo Find X3 Neo Testsiegel mit 4 von 5 möglichen Sternen

Pros des Oppo Find X3 Neo im Test

  • schlankes und elegantes Design
  • gute Akkulaufzeit
  • super kurze Ladezeit (von 0 auf 100 in rund 30 Minuten)

Contras des Oppo Find X3 Neo im Test

  • Zusatz-Kameras für den Preis ungenügend
  • vorinstalliere Werbe-Apps können zum Teil nicht deinstalliert werden
  • keine Speichererweiterung oder Variante mit mehr Speicher
  • nicht wasserdicht
  • Teuer

Geeignete Alternativen

Wer auf cleanes Android mit einigen Anpassungen steht, sollte sich das OnePlus 8T einmal genauer anschauen. Abmessungen und technische Daten der beiden Smartphones sind relativ identisch. Nur beim Kamera-Setup gibt es größere Unterschiede. So bietet das OnePlus kein Tele-Objektiv und eine etwas schlechtere Hauptkamera. Dafür ist das Smartphone mit einem Preis von unter 500 Euro deutlich günstiger.

OnePlus 8T im Test

Wenn du von einem 800 Euro Preispunkt nicht abgeschreckt bist, oder das Gerät zusammen mit einem Vertrag kaufen möchtest, bekommst du bei Samsung aktuell mehr für dein Geld. So ist die Plus-Version des Galaxy S21 ebenfalls für rund 800 Euro erhältlich, hat aber insbesondere bei Kamera und Software mehr zu bieten. So sind die drei Kameras deutlich besser aufeinander abgestimmt und machen trotz weniger Megapixeln die besseren Fotos. Außerdem bekommst du bei Samsung einen ausgezeichneten Software-Support mit 3 Jahren Android-Updates und 4 Jahren Sicherheits-Updates. Dazu sind die Galaxy S21 Smartphones wasserdicht und können kabellos aufgeladen werden.

Samsung Galaxy S21 Plus vorgestellt

Bildquellen

  • Oppo Find X3 Neo Rückseite: Timo Brauer
  • Oppo Find X3 Neo Display: Timo Brauer
  • Oppo Find X3 Neo Anschlüsse: Timo Brauer
  • Oppo Find X3 Neo Kamera: Timo Brauer
  • Oppo Find X3 Neo Rückseite: Timo Brauer
  • Oppo Find X3 Neo im Test: Timo Brauer
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