Google Pixel 5 im Test: Trotz Schwächen ein tolles Smartphone

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Mit dem Pixel 5 geht Google erstmals seit dem Bestehen der Smartphone-Reihe einen Schritt zurück statt nach vorne. Das Smartphone bietet keine High-End-Technik, kostet aber auch nur die Hälfte aktueller Spitzenmodelle. Doch fällt der Unterschied im Alltag auf? Der Test zeigt es.
Google Pixel 5 im Test: Günstiges und geniales Smartphone
Google Pixel 5 im Test: Günstiges und geniales SmartphoneBildquelle: Blasius Kawalkowski

Mit dem Pixel 5 hat Google ein recht ungewöhnliches Smartphone auf den Markt gebracht. Wollte die Pixel-Reihe einst das Pendant zum iPhone sein und stets mit Innovationen sowie neuester Technik auftrumpfen, wird mit dem Pixel 5 alles anders. Erinnerungen an die Nexus-Serie werden wach.

Eins bot Google gemeinsam mit Smartphone-Herstellern wie Samsung und HTC ein Gerät unter dem Nexus-Branding an, das gut ausgestattet und gleichzeitig deutlich günstiger war, als die Konkurrenz. Die Technik war zweifelsfrei nicht High End, sie reicht jedoch für die Masse aus. Und der vergleichsweise günstige Preis ließ darüber hinwegsehen. Nahezu das Gleiche gilt für das Pixel 5. Dabei hat das neue Google-Smartphone gegenüber aktuellen Spitzenmodellen noch ein Ass im Ärmel.

Die Hardware des Google Pixel 5 im Test

Schaut man sich das Datenblatt des Pixel 5 an und vergleicht es mit denen anderer Top-Modelle, fällt auf: Google hat ordentlich gespart. So gibt es zwar einen Fingerabdrucksensor. Der befindet sich aber auf der Rückseite des Geräts. Inzwischen haben Smartphones der Oberklasse den biometrischen Sensor eher im Display integriert. Darüber lässt sich jedoch hinwegsehen. Nicht aber über eine fehlende Gesichtserkennung und den Verzicht auf ein Teleobjektiv. Hinzu kommt: Mit dem Snapdragon 765G kommt „nur“ ein Prozessor der Mittelklasse zum Einsatz.

Google Pixel 5
Google Pixel 4a
Software Android 11
Prozessor Qualcomm Snapdragon 765G
Display 6 Zoll, 1.080 x 2.340 Pixel
Arbeitsspeicher 8 GB
interner Speicher 128 GB
Hauptkamera 4272x2848 (12,2 Megapixel)
Akku 4.080 mAh
induktives Laden
USB-Port 3.1 Typ C
IP-Zertifizierung IP68 (Schutz gegen Untertauchen)
Gewicht 151 g
Farbe Schwarz, Grün
Einführungspreis 613 €
Marktstart Oktober 2020

Deutlich schwerer ins Gewicht fällt jedoch der 128 GB kleine Speicher, der zu allem Übel nicht erweiterbar ist. Positiv hingegen fällt auf, dass Google beim Pixel 5 gegenüber seinem Vorgänger einen deutlich größeren Akku eingebaut hat, was eine längere Laufzeit verspricht. Mit 5G ist das Smartphone zudem für die Zukunft gerüstet. Ebenfalls erfreulich: Das 6 Zoll große OLED-Display mit Full-HD+ Auflösung besitzt eine Bildwiederholungsrate von 90 Hz. Damit laufen Animationen deutlich flüssiger über den Bildschirm, als noch beim Vorgänger, dessen Frequenz bei 60 Hz lag. Nachfolgend die Hardware-Wertungen im Einzelnen.

  • Gehäuse: 4,5 von 5 Sternen
  • Display: 4 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 3 von 5 Sternen
  • Kamera: 3,5 von 5 Sternen
  • Software: 5 von 5 Sternen
  • Akku: 5 von 5 Sternen

→ Gesamtwertung: 4 von 5 Sternen

Software schlägt Hardware

Im Benchmark-Test gelang es dem Pixel 5, schmale 285.507 Punkte zu holen. Spitzenmodelle der Konkurrenz, wie etwa das Xiaomi Mi 10, das Sony Xperia 5 II oder das Galaxy Note 20 Ultra kommen allesamt auf über 530.000 Punkte. In der Theorie ist das Pixel 5 also deutlich langsamer und weist eine erheblich schwächere Performance auf. Doch wie sehr fällt das im Alltag auf? Kurz: kaum. Hardcore-Gamer werden mit hoher Sicherheit einen Unterschied zu einem Asus Rog Phone 3 feststellen. Doch bei allen sonstigen Aufgaben läuft das Pixel 5 tadellos.

Es ist – ähnlich wie bei Apple – die hervorragende Verzahnung von Hard- und Software, die das Pixel 5 trotz Mittelklasse-Technik so gut macht. Hinzu kommen bei der Bedienung an jeder Ecke kleine aber feine Details zum Vorschein, die einen immer wieder überraschen. Drückt man etwa länger den Ein- und Ausschalter und hat beispielsweise smarte Glühlampen über Google Home integriert, lassen sie sich ein- und ausschalten sowie dimmen. Hinzu kommt: Pixel-Smartphones bekommen deutlich länger Software-Updates als Modelle anderer Hersteller. Android-Smartphone ist also nicht gleich Android-Smartphone. Google und das Pixel 5 haben hier deutliche Vorteile gegenüber allen anderen  Herstellern, die ebenfalls auf das Betriebssystem des US-Konzerns setzen.

Das Design des Pixel 5

Auf den ersten Blick wird klar: Google widersetzt sich den aktuellen Design-Trends und verzichtet auf ein Gehäuse aus Glas. Stattdessen kommt ein Unibody aus recyceltem Aluminium zum Einsatz. Damit sticht das Smartphone aus dem Einheitsbrei heraus und reanimiert einen Trend, den es zu Nexus-Zeiten schon einmal gab. Durch seine raue und feinkörnige Oberfläche liegt das Handy mit Metallkorpus erstaunlich warm und weich in der Hand. Beinahe so, als wäre das Gehäuse aus Kunststoff. Das geringe Gewicht und die angenehme Größe des Pixel 5 tun ihr Übriges dazu.

Was das Design angeht, ist Google trotz oder gar aufgrund der Schlichtheit, ein großer Wurf gelungen. Wie das Sony Xperia 5 II, dessen Display nur 0,1 Zoll größer ist, ist das Pixel 5 vergleichsweise kompakt. Für Liebhaber kleinerer aber trotzdem leistungsstarker Handys ist das Pixel 5 ein absoluter Geheimtipp.

Die Kameras des Pixel 5

Gerade noch gelobt, jetzt kritisiert. Ist die Software das Erfolgsrezept des Pixel 5, zeigt sie beim Fotografieren ein ganz anderes Gesicht. Egal auf welches Motiv man die Kamera hält, man sieht förmlich, wie die Software versucht, das „Beste“ dabei herauszuholen. Dabei will die Software des Pixel 5 die fehlende Hardware wie etwa Tele- und Makro-Objektiv oder einen ToF-Sensor auszugleichen. Manchmal gelingt das. In der Regel bekommt man aber für Instagram und Co. optimierte Fotos. Sie entsprechen weniger der Realität und dienen eher als Kunstwerk. Die Farben etwa – insbesondere Rot- und Blautöne – sind viel zu derb. Zudem hat die Kamera Probleme bei Aufnahmen, in denen es mehrere helle und dunkle Bereiche gibt. Per HDR versucht die Software sich aus der Affäre zu ziehen, was ihr aber nur teilweise gelingt. Das gilt im Übrigen auch für die Frontkamera.

Es ist aber nicht nur die eingebaute Photoshop-Funktion, die Fotos zu sehr aufmotzt. Auf dem kleinen Smartphone-Display mögen die Bilder noch ganz gut aussehen. Im Detail aber fehlt ein bisschen Schärfe. In Innenräumen gesellt sich – trotz Tageslicht – bei dunklen Flächen schnell Rauschen dazu. Manuell eingreifen kann der Fotograf nicht, da es keinen manuellen Modus gibt.

Mit dem Ultraweitwinkelobjektiv lassen sich Landschaftsaufnahmen machen, die nur wenig verzerrt sind. Das ist schön. Und auch bei Nacht macht die Kameraausstattung des Pixel 5 eine gute Figur. Auch, wenn sie mit einem knapp zwei Jahre alten Huawei P30 Pro nicht mithalten kann. Die fehlende Telekamera schmerzt. Der digitale Zoom kann hier und da nützlich sein, schafft aber bei Weitem nicht so viel, wie sein optisches Pendant.

Was ist das für ein Klang?

Beim Lautsprecher in einem Handy kann man nichts falsch machen, oder? Das Pixel 5 aber liefert einen merkwürdigen und teils miserablen Ton. Bei niedriger und mittlerer Lautstärke sind die Höhen viel zu dominant; der Bass wirkt künstlich. Dreht man voll auf, wird der Ton etwas ausgeglichener, enthält aber zu viel Hall und scheppert ordentlich. Für Podcasts oder Sprache ist der Sound, den die Lautsprecher herauspressen, in Ordnung. Für Musik sollte man ihn eher nicht länger als eine Songlänge nutzen. Vergleicht man den Sound, den die Lautsprecher des Pixel 5 liefern, mit dem des Sony Xperia 5 II, liegen Welten dazwischen.

Die Lautsprecher des Google Pixel 5 liefern keinen besonders guten Klang
Die Lautsprecher des Google Pixel 5 liefern keinen besonders guten Klang

Endlich eine gute Akkulaufzeit

Eine der größten Schwächen des Pixel 4 war seine Akkulaufzeit. Das lag vor allem an dem klein bemessenen Akku, der eine Kapazität von 2.800 mAh aufwies. Beim Pixel 5 setzt Google einige Schippen drauf. Das Smartphone besitzt einen 4.080-mAh-Akku, der in unserem Test locker einen ganzen Tag durchhält. Eine Platzierung in der Top 10 der Smartphones mit der besten Akkulaufzeit 2020 ist dem Pixel 5 damit sicher.

Auch wenn die Laufzeit beeindruckend ist, fehlt dem Google-Smartphone auch in dieser Kategorie das Tüpfelchen auf dem I. Denn Nutzer können das Gerät mit maximal 18 Watt aufladen. Huawei etwa ist beim Mate 40 Pro bereits bei 66 Watt angelangt. In der Praxis heißt das: Binnen einer halben Stunde füllt sich der Akku des Pixel 5 zu 40 Prozent.

Fazit zum Pixel 5

Wer auf der Suche nach einem kompakten Android-Smartphone ist, das im Alltag nahezu alle Aufgaben schnell und komfortabel erledigt, findet im Pixel 5 den perfekten Begleiter. Zudem ist das Google-Smartphone mit rund 600 Euro auch noch deutlich günstiger als Spitzenmodelle der Konkurrenz. Das Pixel 5 ist aber eben auch kein Spitzenmodell, sondern eher der Mittelklasse zuzuordnen. Das verrät bereits der Prozessor.

Doch nicht nur hinsichtlich der Performance gibt es Einbußen. Die größten Abzüge muss der Nutzer bei der Kameraausstattung hinnehmen. Ein Teleobjektiv fehlt ebenso wie die Möglichkeit, die Parameter beim Fotografieren manuell zu verändern. Das wäre wünschenswert, da die Software vollkommen übertreibt. Gleiches gilt für den Lautsprecher, dessen Klang nicht wirklich gut ist.

Die lange Akkulaufzeit hingegen ist überaus erfreulich. Zudem ist das Pixel 5 wasserdicht, kabellos aufladbar, bietet 5G sowie ein tolles Display mit 90-Hz-Frequenz und punktet vor allem mit seiner Software.

Google Pixel 5 im Test

Pro

  • Tolles Design
  • Kompakt und leicht
  • Gutes Display mit 90 Hz
  • Bemerkenswerte Akkulaufzeit
  • Trotz Mittelklasse-Hardware schnell

Contra

  • 128 GB Speicher nicht erweiterbar
  • Kamera bei Weitem nicht auf Top-Niveau
  • Schlechter Ton der Lautsprecher

Deine Technik. Deine Meinung.

6 KOMMENTARE

  1. „Kamera bei weitem nicht auf Top Niveau“ das ist ja nunmal totaler Blödsinn, zahlreiche Tests und Benchmarks belegen mal wieder das die Pixel Kamera in der absoluten Oberklasse spielt.

    • Dann nimm mal den Test der Smartphone-Kamera-Profis DxOMark. Das Pixel 4 bekommt da 113 Punkte. Auf Platz 1 und 2 liegen das Mate 40 Pro und das Xiaomi Mi 10 Pro, die 136 und 133 Punkte bekommen. Das Pixel 5 hat DxOMark noch nicht getestet. Da sich im Kamerabereich von einer Generation zur anderen aber nichts verändert hat, dürfte die Punktzahl die gleiche sein. Absolute Oberklasse sieht also anders aus.

  2. Die Kamera ist ja immer so ein Streitpunkt. Alle Welt hat gesagt Kauf dir das P30 Pro das hat die beste Kamera… Hab ich getan und war…. enttäuscht. Das was alle für die beste Kamera empfunden haben war für mich zu bunt, zu quitschig. Jedes Pixel macht für mich bessere Point and Shoot Bilder und das ist das was ich bei einem Smartphone möchte. Sonst nehme ich eine Kamera mit und mache vernünftige Fotos. Das Smartphones habe ich immer dabei, will es rausholen und abdrücken und es muss ein verwertbares Bild dabei herauskommen. Einfachheit eben 🙂

    Bei dem Rest bin ich beim Autoren. Den Lautsprecher finde ich nicht so schlimm wie überall gesagt wird.

  3. Bin nicht deiner Meinung hab das 12 pro und das. Google Pixel 5 und werde das iPhone verkaufen die Fotos von Pixel finde ich schöner.

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